Klischee: Wassersparen ist nicht umweltfreundlich

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Gestern hab ich wieder 25 Badewannen Wasser verbraucht. Und heute sieht es wohl auch nicht viel besser aus. Was? Wie bitte? Was hab ich für einen grotesken Wasserbrauch?! Bin ich so ein Dreckschwein? Oder kann ich beim Zähneputzen das „Stop the water while using me“-Schild nicht einfach mal befolgen und den Hahn ausstellen?

Nein, das sind natürlich nicht die Ursachen dieser irren Menge, die angeblich jeder Deutsche im Schnitt momentan am Tag verbraucht. Das meiste Wasser, das wir verbrauchen, sehen wir gar nicht. Es steckt in unserem Essen, in unseren Klamotten und in unseren Konsumgütern.

Insofern stimmt natürlich eines der hartnäckigsten Umweltklischees, die wir hier so haben: Dass wir in Deutschland eigentlich KEINESFALLS Wasser sparen müssen. Dass wir hier eher zu viel Wasser in den Stauseen haben. Und dass unsere schönen Rohre auch noch kaputt gehen, wenn wir sie nicht immer gut durchspülen.

Diese Argumente kommen ja immer, wenn man irgendwen dazu auffordert, mal das Wasser nicht volle Pulle anzulassen, den Kindern mahnend sagt, dass man eigentlich nicht zweimal am Tag baden sollte oder den Gartenschlauch einfach vor sich hin pullernd auf der Wiese liegenlassen sollte: „Stell Dich nicht so an: Wir brauchen in Deutschland kein Wasser sparen! Davon wird es weder billiger noch nützt es der Umwelt!“, ist dann die folgende klischeehafte Argumentation aufgeklärter Zeitgenossen.

Aber tatsächlich nur halbweit gedacht. Denn wie viel Waser wir verbrauchen, hängt zugegeben eher wenig an unseren Aktionen wie Geschirr- oder Wäschewaschen oder allem Tun im Nassbereich. Unser Konsum und nichts anderes ist der wasserfressende Teufel. Im sogenannten virtuellen Wasser – das man nicht direkt sieht.

Die 25 Badewannen entstehen also beim Kaffeetrinken (eine Tasse Muckefuck hat locker 200 Liter an Wasser in der Herstellung gekostet), beim Fleischessen (in einem Kilo Rind stecken circa 15.000 Liter) oder in unserer Nahrung, auch der eigentlich eher unverdächtigen (1300 Liter sind für die Vorbereitung eines Kilos Weizens nötig). Das ist alles die wasserverbrauchende Vorhölle. Sogar für ein simples Ei hat man eigentlich eine 200-Liter-Wanne verbraucht. Und für ein Shirt 2000 Liter.

Was also tun? Welche Haltung einnehmen in der Wasserspardiskussion? Das Klischee weiter wie eine Monstranz vor sich hertragen und jedem und jeder mitteilen, dass Wassersparen Schwachsinn ist? Oder vielleicht mal darüber sinnieren, dass die Diskussion, wie man Wasser sparen kann, nicht nur ans Waschbecken gehört, sondern eher auf alle Lebensbereiche passt?

Ich plädiere für Letzteres. Dass man ab und zu sich zu viel den Kopf um etwas macht, führt ja zu einer Bewusstseinserweiterung und nicht zu einer Verdummung. Wassersparen heißt also nicht den Hahn schneller zudrehen, sondern nachhaltiger und aufgeklärter konsumieren. Erst dann wird es umweltfreundlich. Danichfür.

Und was ich beinahe vergessen hätte zu erwähnen: Natürlich kann man auch schwerstens Energie sparen beim Wasserverbrauch im Badezimmer: Wenn es nämlich darum geht, ob wir es erwärmen oder mal das Nass ein paar Grad runterregeln. Heiß laufenlassen ist ja ungleich schlimmer als kalt laufenlassen – und tatsächlich eine absolut unnötige Umweltsünde.

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Gereon Klug ist und war viel: Plattenhändler, Herausgeber, Tourmanager, Songschreiber, Autor und andere selbstausbeuterische Berufe. Er nimmts mit Humor - oder genau. Sein Name ist kein Künstlername, auch wenn das...

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