Hund und Katze vegetarisch ernähren – geht das?

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Vegetarische Tierbesitzer befinden sich in einer Zwickmühle: Sie selbst verzichten aus moralischen und ethischen Gründen auf Fleisch, doch ihren Hunden und Katzen servieren sie konventionelles Tierfutter und unterstützen so weiterhin die Massentierhaltung. Inkonsequent? Mittlerweile denken viele Vegetarier darüber nach, auch ihre Haustiere vegetarisch oder sogar auf rein pflanzlicher Basis zu ernähren. Aber ist eine fleischlose Ernährung von Hunden und Katzen überhaupt möglich? Ist es besser – oder gar schädlich?

Haustier Vegane Ernaehrung Vegetarisch Oder Fleisch

Vorteile von vegetarischer Tiernahrung

Gründe, die für eine vegetarische Ernährung von Hunden und Katzen sprechen, sind der Tierschutz und diverse Fleischskandale. Denn in Tierfutter verarbeitetes Fleisch besteht meistens aus minderwertigen Bestandteilen mit Füll- und Geschmacksstoffen, die zudem Pestizide, Antibiotika oder Hormone enthalten können. Diese Zusätze können schwere Krankheiten zur Folge haben. Eine Untersuchung der Tierschutzorganisation PETA kam sogar zu dem Ergebnis, dass vegetarisch ernährte Hunde seltener an Infektionen und Krebs erkrankten. Sprich: Je länger eine vegan-vegetarisch Ernährung vorlagdesto vorteilhafter für die Vierbeiner. Hunde besitzen Tendenzen zum Allesfresser (Omnivoren) und sind nicht unbedingt auf Fleisch angewiesen. Der beste Beweis ist der Border-Collie Bramble, der ausschließlich Reis, Linsen und biologisch angebautes Gemüse zu fressen bekam und damit 27 Jahre alt wurde. 2002 erhielt er dafür einen Eintrag als „Ältester Hund der Welt“ ins Guinness-Buch der Rekorde. Wenn das vegetarische oder sogar vegane Futter richtig zusammengestellt ist und alle wichtigen Nährstoffe enthält, ist es laut den Befürwortern sogar gesünder als Fleischnahrung. Denn selbst in Biofleisch seien natürlicherweise krebsfördernde Substanzen enthalten. Auch bei Katzen ist Vegetarismus möglich, allerdings etwas komplizierter als bei Hunden, da die Stubentiger von Natur aus fast reine Fleischfresser (Karnivoren) sind. Deswegen halten Viele fleischloses Katzenfutter für Tierquälerei und unnatürlich. Das Gegenargument: Auch das Dosen- und Trockenfutter, das wir unseren Haustieren servieren, ist unnatürlich. Die ursprünglichen Beutetiere von Katzen sind Mäuse und Vögel. Tierfutter dagegen enthält zerkleinerte Stücke von Kuh, Schwein, Truthahn oder Fisch und das in einem erschreckenden Ausmaß von meist nur wenigen Prozenten Fleischanteil.

Katzenfutter Vegan
„Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen.”
§2 des Tierschutzgesetzes

Kritik und Risiken

Eines ist klar – von Natur aus sind Hunde und Katzen einfach keine Vegetarier. Sprich: Ihr Gebiss und Verdauungstrakt sind auf die Verdauung einer überwiegend tierischen Kost ausgelegt. Pflanzliche Kost kann vor allem bei Katzen zu Verdauungsproblemen und Gasbildungen führen. Ohnehin ist eine vegetarische Ernährung bei Katzen etwas komplizierter als bei Hunden. Denn diese sind beispielsweise auf eine essentielle Aminosäure (Taurin) angewiesen, die nur in tierischem Protein enthalten ist. Ohne Taurin kann eine Katze ihre Sehkraft verlieren und Herzprobleme bekommen. Der Deutsche Tierschutzbund e.V. lehnt es komplett ab Katzen fleischlos zu füttern. Zudem käme auch das für Katzen essentielle Vitamin A in der Pflanzenwelt nicht vor, das für die Produktion von Karotin wichtig ist. Ein Mangel davon kann einen Hörverlust, Haut- und Knochenprobleme sowie Probleme des Verdauungssystems und der Fortpflanzungsorgane hervorrufen. Setzt also bei Katzen lieber auf eine nachhaltige Haltung, , oder Barfen als auf fleischloses Futter. Hunde mit ihrer Allesfresser-Neigung können vegane Kost besser tolerieren, doch auch ihr Magen ist mit einem ph-Wert von unter 1 eigentlich zu sauer für pflanzliche Nahrung. Ein höherer ph-Wert im Verdauungstrakt kann auch den ph-Wert im Urin steigern und so zu Harnsteinen und Blaseninfektionen führen. Auch ein Anstieg des ph-Werts im Speichel ist möglich. Das kann Zahnstein & Paradontose verursachen. Neben den möglichen physischen Folgen weisen Kritiker auch auf die mangelnde Lebensqualität der Hunde hin: Ihrer Meinung nach würden sich die wenigsten Hunde – wenn sie die Wahl hätten – gegen Fleisch und für Gemüse entscheiden. Sie warnen davor, die eigenen ethischen Werte auf ihre Vierbeiner zu projizieren und sich über deren Bedürfnisse hinwegzusetzen.

Hunde Vegetarisch Fuettern

Vegetarische Tiernahrung – das muss beachtet werden

Wer sich dazu entschlossen hat, sein Haustier auf eine vegetarische Ernährung umzustellen, sollte nicht einfach von heute auf morgen das Fleisch weglassen! Grundsätzlich ist es zwar möglich, seinen Hund zum Vegetarier zu machen, trotzdem sollte das zusammengestellte Futter von einem Experten oder Tierarzt genau und individuell abgestimmt werden, damit es zu keinem Mangel an Protein, Mineralien oder Vitaminen kommt. Auch der Bedarf an Kalzium wird häufig unterschätzt und muss ergänzt werden. Anschließend sollte die Umstellung langsam und im Rhythmus des Tieres erfolgen. Das heißt: Zu Beginn wird nur wenig fleischlose Kost unter das normale Futter gemischt. Anschließend ist es wichtig, den Hund gut zu beobachten und regelmäßig von einem Arzt durchchecken zu lassen, um den Gesundheitszustand des Vierbeiners zu überprüfen. Wenn der Hund das neue Futter mag und es gesundheitlich auch gut verträgt, ist gegen eine vegetarische Ernährung nichts einzuwenden. Wenn der Hund jedoch schlapp wird oder fleischloses Fressen ungern frisst, ist es eventuell besser, wenn er weiterhin Fleisch bekommt. Pauschal ist es also nicht möglich zu sagen, wie sich eine vegetarische Ernährung auswirkt, sondern ist von Hund zu Hund verschieden.

Ein guter Start, um bei der Tierhaltung nachhaltiger zu werden, ist es übrigens, Bio-Futter und nur noch veganes Zubehör für Eure Vierbeiner zu kaufen.

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Moin, ich bin Jana und ich möchte nicht in einer Welt leben, in der es bald mehr Plastik im Ozean gibt als Fische. Genau diese schreckliche Prognose hat mich dazu...

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Letzte Kommentare (1)

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waldbret
Dienstag, 30. Januar 2018, 20:19 Uhr

Die eigene Weltanschauung auf Haustiere zu projizieren und seinen Hund oder seine Katze fleischlos zu ernähren, halte ich für Tierquälerei. Denn Fleisch muss nicht mit Massentierhaltung gleichgesetzt werden. Haustiere können zum Beispiel auch mit Wildfleisch gefüttert werden, das im Zuge waidgerechter Jagd in freier Natur erlegt wird.