Gemüsegarten: Von Anzucht bis Ernte

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Wer eigenes Gemüse anbauen und später viel ern­ten möchte, braucht vor allem eins: einen Plan. Hier erfährst du von Anzucht bis Ernte, wie ein Gemüsegarten zum Erfolg wird. Außer­dem haben wir prak­tis­che Ernte-Tipps zusam­mengeschrieben.

Erbsen Schoten Ernte

Schon lange träu­men wir davon, unser eigenes Gemüse anzubauen. Im Kleinen haben wir das in den let­zten Jahren bere­its auf dem Balkon gemacht. Ein paar Tomat­en, Gurken, Auberginen, Erb­sen, Rote Bete, Kräuter. Alles zwar in kleinen Men­gen, den­noch hat es Spaß gemacht, immer wieder ein wenig aus unserem urba­nen Garten in Berlin ern­ten zu kön­nen. In diesem Jahr ist alles anders, denn wir haben uns den Traum vom Häuschen im Grü­nen erfüllt. Noch bevor wir im Früh­jahr so richtig mit den Ren­ovierun­gen im Haus loslegten, woll­ten wir unbe­d­ingt schon für das erste Jahr einen Garten anle­gen.

Die Anzucht

Dafür inspizierten wir erst ein­mal aus­giebig das Grund­stück. Beson­ders die Licht- und Boden­ver­hält­nisse, die Bodenbeschaf­fen­heit, den pH-Wert. Denn jede Pflanze fühlt sich unter anderen Bedin­gun­gen wohl. Daraufhin erstell­ten wir einen Garten­plan und steck­ten mehrere Beete, an unter­schiedlichen Plätzen im Garten, mit ein­er Gesamt­fläche von etwa 85 Quadrat­metern ab. Dann ging es ans Umgraben. Die Gras­narbe ent­fer­nen, tief­ere Wurzeln von Unkräutern wie Quecke aus­sortieren, die umge­grabene Erde mit ein wenig frischem Kom­post mis­chen. Das war unsere Arbeit für mehrere Tage. Dazu noch die Fläche für unser Gewächshaus mit fast 19 Quadrat­metern. Man soll ja klein anfan­gen, aber wir woll­ten direkt in die Vollen gehen. Im Feb­ru­ar ging es los mit der Anzucht der Jungpflanzen. Alle unsere Pflanzen haben wir vom Saatko­rn, aus samen­festem Bio-Saatgut, aufge­zo­gen und sie wochen­lang gehegt und gepflegt, bis sie dann endlich in die Beete kon­nten.

Gemuese Anziehen Und Auspflanzen

Dieses Gemüse haben wir gesät:

Sieben ver­schiedene Sorten Kartof­feln, neun Tomaten­sorten, Rot- und Weißkohl, Radi­eschen, Erb­sen, Fenchel, Brokkoli, Rote Bete, Ret­tich, Gurken, Chili, Papri­ka, Bohnen, Zuc­chi­ni, Kür­bis, Lauch, Rosenkohl, Knoblauch, Zwiebeln, Salate, Kohlra­bi, Blu­menkohl und Wirs­ing.

Anordnung im Beet

Das alles natür­lich nicht willkür­lich ver­streut und zeit­gle­ich, son­dern anhand eines Aus­saatkalen­ders, den wir auf Grund­lage unseres Saatgutes zusam­mengestellt haben. Unseren Bauern­garten legten wir in Mis­chkul­tur an und achteten dabei natür­lich darauf, dass nur Sorten, die sich gut ver­tra­gen, nebeneinan­der geset­zt wur­denZwis­chen dem Gemüse bestück­ten wir die Beete mit Kräutern und ess­baren Blu­men wie Ringel­blume, Tagetes, Kapuzin­erkresse und Bor­retsch und den Boden mulcht­en wir mit ein­er dick­en Schicht Stroh, damit das Wass­er länger gespe­ichert wer­den kann und nicht so schnell ver­dun­stet.  

Mulchen Im Beet Mit Stroh

Genau­so haben wir es im Gewächshaus gemacht und außer­dem zur Süd­seite einige hohe Pflanzen, wie Son­nen­blu­men, gesät, damit die Tomatenpflanzen nicht durch zu viel direk­te Sonne durch das klare Glas ver­bren­nen.

Das Gemüse richtig pflegen

Gaertnern Im Gewaechshaus
Mulchbeet Stroh Im Gewaechshaus

Trotz Mulchschicht und Schat­tierung mussten wir bei dem trock­e­nen, extrem heißen Som­mer mit der Gießkanne nach­helfen.

Pflege Im Gemuesegarten

Neben dem Gießen, ein bis zweimal die Woche, hat­ten wir am meis­ten Arbeit in unserem neu angelegten Garten mit den Wühlmäusen und Maulwür­fen. Immer wieder wur­den Pflanzen aus­ge­bud­delt oder unter­graben. Diese kleinen, süßen Tierchen haben uns damit wirk­lich zur Weißg­lut gebracht und gle­ichzeit­ig gelehrt, dass auch das zum Gärt­nern gehört: Teilen. So ver­schwan­den von unseren Fencheln ein­er nach dem anderen in der Erde. Einen einzi­gen von sieben über­ließen uns die Wühlmäuse dann doch. Aber neben eini­gen weni­gen unbe­liebten Gästen im Garten, kon­nten wir uns über viele Nüt­zlinge freuen. Ein Igel wohnt in einem Wall aus Ästen und Frösche, Bienen, Fle­d­er­mäuse, Marienkäfer und Vögel tum­meln sich im Garten.

Nuetzling Frosch Im Gemuesegarten
„Es summt, singt und quakt in jed­er Ecke.”

Die Tiere fühlen sich wohl in unserem kleinen Paradies und helfen bei der Garte­nar­beit, indem sie Blat­tläuse, Sch­neck­en und andere Schädlinge ver­til­gen.

Erfolgreich ernten: Tipps

Ernte Tipps Gemuesegarten

Wenn alles wächst und gedei­ht, ist das Wichtig­ste geschafft. Doch früher oder später kommt die Frage auf: Wann ist das Gemüse eigentlich ern­tereif? Und was brauche ich dafür?

Zunächst das Ernte-Werkzeug:

Kartoffelhacke

Für Salat und alle Gemüs­esorten, die unterirdisch wach­sen (zum Beispiel Möhren oder andere Rüben), brauchst du eigentlich nichts anderes als deine Hände. Bei Kartof­feln bietet sich eine spezielle Kartof­fel­hacke an, die das Ern­ten etwas erle­ichtert. Bei den meis­ten anderen Sorten soll­test du lieber zu ein­er schar­fen Schere oder einem Garten­mess­er greifen. So kannst du ziel­ge­nau das Gemüse oder die Frucht ern­ten, ohne die ganze Pflanze her­aus zu ziehen oder zu beschädi­gen.

Unsere Erntetipps:

GemüseErn­tetipp
Zuc­chi­niZuc­chi­ni schmeck­en tat­säch­lich bess­er, wenn sie nicht so groß sind. Zur Ori­en­tierung: Für viel Aro­ma und Geschmack ern­test du sie am besten, wenn sie ca. 15 cm lang sind. Keine Sorge: Auch größere Zuc­chi­ni kön­nen natür­lich prob­lem­los verzehrt wer­den. Sie sind aber etwas wäss­riger.
Rote BeeteHier ist es ähn­lich wie bei Zuc­chi­ni – je früher sie geern­tet wird, desto bess­er der Geschmack. Sie soll­ten unge­fähr eine Größe wie Golf­bälle haben. Dann sind sie schön zart und süßlich.
Tomat­enDie Tomat­en soll­ten kräftig rot sein, denn hier schmeck­en die Früchte tat­säch­lich am besten, wenn sie kom­plett aus­gereift sind. Natür­lich hängt es auch immer ein stück­weit von der Sorte ab. Bei grü­nen Tomat­en erken­nt man den Reife­grad beispiel­sweise durch Tas­ten. Je weich­er eine grüne Tomate ist, desto eher ist sie ern­tereif.
SalatDer klas­sis­che Kopf­salat wird geern­tet, sobald er viele starke Blät­ter gebildet hat und seine typ­is­che Form angenom­men hat. Du kannst ihn entwed­er direkt aus der Erde ziehen oder mit dem Ern­temess­er kurz über der Erde abschnei­den. So ver­hin­der­st du, dass der Salatkopf auseinan­der­fällt. Aber ganz egal, ob Kopf­salat, Eis­bergsalat oder Pflück­salat – diese Gemüs­esorte ist nicht beson­ders lager­fähig und sollte zügig verzehrt wer­den.
Man­goldMan­gold ist bere­its zwei Monate nach der Aus­saat verzehrfer­tig. Mit einem Ern­temess­er ern­test du den Man­gold blat­tweise. So kön­nen immer frische Blät­ter nachwach­sen und du kannst diese Gemüs­esorte wochen­lang frisch genießen.
Kartof­felnHier kommt es auf deinen Geschmack an: Möcht­est du kleinere, süßliche Frühkartof­feln oder große Knollen? Das Ern­te­fen­ster für Kartof­feln erstreckt sich tat­säch­lich über mehrere Monate. Zum Ern­ten nimmst du am besten eine Kartof­fel­hacke, so kannst du die Knolle san­ft aus der Erde heben.

Wohin mit der Ernte? Rezeptideen!

Erntezeit Gemuese

Dank des gesun­den Ökosys­tems kon­nten wir, bis auf wenige Ver­luste wie den Fenchel, eine Menge ern­ten. Teil­weise sog­ar schon zu viel. Den Begriff Zuc­chinis­chwemme kan­nten wir nicht, bis wir sie selb­st erlebt haben. Aus vier Zuc­chinipflanzen wur­den ganz schnell wuch­ernde Ungetüme, die Tag für Tag neue Früchte pro­duzieren. Seit Monat­en ern­ten wir kilo­weise Zuc­chi­ni. Wir essen sie gerne, aber in diesen Men­gen? Was macht man mit 5-10 Zuc­chi­ni, die jede Woche anfall­en und das über Monate? Kreativ wer­den!

Zucchini Nudeln

Neben Klas­sik­ern wie Zoo­dles (Nudeln aus Zuc­chi­ni), Zucchini-Kuchen, Invol­ti­ni, gegrill­ten, geback­e­nen, gefüll­ten Zuc­chi­ni oder Zucchini-Suppe woll­ten wir das Gemüse gerne auch für die kom­menden kalten Monate halt­bar machen. In ein­er Grillp­fanne geröstet, gesalzen und mit etwas Knoblauch, Chili, Kapern, Kräutern und einem guten, kalt gepressten Olivenöl haben wir die Zuc­chi­ni als Antipasti ein­gelegt. Oder im Ofen zu Chips getrock­net. Bei­des wird immer wieder zwis­chen­durch, noch während der Sai­son, direkt ver­putzt, so leck­er ist es! Auch Obst kon­nten wir in Hülle und Fülle ern­ten und standen schnell vor dem Prob­lem, es gar nicht alles ver­w­erten zu kön­nen.

Obst Apfelernte Garten

Deswe­gen durften sich die Nach­barn dank­end bedi­enen und es wur­den Kirschen gedör­rt, zu Marme­lade gekocht und in Salz und Essig ein­gelegt. Äpfel zu Saft gepresst, zu Apfel­mus ver­ar­beit­et und zu Apfeldick­saft eingekocht. Unser Vor­ratss­chrank füllt sich immer mehr mit Leck­ereien. Seien es Ein­lege­gurken, Tomaten­sauce, Hol­un­der­beer­sirup, diverse Fer­mente und auch exper­i­mentelle Sachen, wie Ficht­en­spitzen in Honig oder Löwen­zahn­sirup sind dort zu find­en.

Ernte Gemuesegarte

Mit unserem allerersten Garten­jahr sind wir schon jet­zt mehr als zufrieden. Auch wenn wir schon seit vie­len Jahren saison­al und region­al auf dem Wochen­markt einkaufen, ist es doch etwas anderes, sein Essen mit Zutat­en direkt aus dem eige­nen Garten zuzu­bere­it­en. Wenn man all die Arbeit im Hin­terkopf hat, ist die Dankbarkeit dafür, was die Natur zurück gibt, umso größer.

Radieschen Ernten Gemuesegarten

Dann weiß man jeden Bis­sen noch mehr zu schätzen. Und auch jedes Fitzelchen Gemüs­eschale, Stiel und Stän­gel. Denn all das lan­det bei uns auf dem Kom­posthaufen und ver­rot­tet zu wertvollem Humus, den wir für die näch­ste Garten­sai­son wieder in den Boden ein­brin­gen, um ihm die wichti­gen Nährstoffe zurück­zugeben, die er in unsere Pflanzen gesteckt hat.

Planung für das nächste Jahr

Ernte Kartoffeln

Wir sind ges­pan­nt auf das näch­ste Jahr! Bis dahin gibt es noch viel zu ler­nen. Denn auch wenn wir schein­bar ein gesun­des Ökosys­tem in unserem Garten haben, müssen wir nach dem ersten Jahr noch viel genauer darauf acht­en, was wir wo anbauen möcht­en, um dieses Ökosys­tem auch zu erhal­ten. Bish­er haben wir uns haupt­säch­lich mit der Mis­chkul­tur beschäftigt. Abgeern­tete Flächen, wie zum Beispiel unser Kartof­fel­beet, haben wir nach der Ernte bish­er nur mit Boden­verbesser­ern, wie Senf, bestückt.

Pflanzen Die Den Boden Verbessern

Wenn wir auf den bewirtschafteten Flächen näch­stes Jahr wieder anbauen möcht­en, müssen wir uns noch mit Frucht­fol­gen auseinan­der set­zen. Nicht nur durch eine Mis­chkul­tur, son­dern vor allem auch einen regelmäßi­gen Wech­sel der Kul­turen, kön­nen Krankheit­en und eine ein­seit­ige Nährstoffnutzung ver­mieden wer­den. Je nach­dem, wie viele Nährstoffe eine Pflanze ver­braucht, wird sie den Stark-, Mittel- und Schwachzehrern zuge­ord­net. Auf unserem Kartof­fel­beet soll­ten wir im näch­sten Jahr also keinen Kohl, Kür­bis, Lauch oder Zuc­chi­ni anbauen, da all diese Pflanzen zu den Starkzehrern zählen und dem Boden sehr viele Nährstoffe entziehen.

Starkzehrer Kohlpflanze Gemuesebeet Anordnung

Im näch­sten Jahr kön­nen dort zum Beispiel Fenchel, Rote Bete und Salate unterkom­men. Abge­se­hen davon möcht­en wir unsere Beete in der näch­sten Garten­sai­son außer­dem noch mehr durch Vor- und Nachkul­turen aus­nutzen. So kann ein und das­selbe Beet das Jahr über mehrere Gemüs­esorten nacheinan­der beherber­gen. Im Früh­jahr sät man zum Beispiel Spinat, der etwa bis Mitte Mai abgeern­tet wird. Daraufhin kön­nen, an dieser Stelle, Buschbohnen in die Erde. Diese wer­den wiederum gegen Ende August geern­tet und schaf­fen Platz für Feld­salat und so weit­er. Ganz ehrlich, für uns sind das aktuell noch böh­mis­che Dör­fer. Wir haben tolle Büch­er zu diesen The­men aber irgend­wann möcht­en wir all das gerne so verin­ner­licht haben, dass wir nicht erst dreimal nach­schauen müssen, wie es geht. Wie viele Jahre das wohl dauern wird?

Fazit

Gemuese Selbst Anbauen

Grund­sät­zlich: Ein Gemüsegarten soll in erster Lin­ie Spaß machen und zur Entspan­nung beitra­gen. Doch wenn du ein paar Dinge beacht­est, kannst du nicht nur in fein­ster Selbstversorger-Manier leck­eres eigenes Gemüse ern­ten, son­dern auch der Natur einen Gefall­en tun. Durch einen Natur­garten schaffst du wertvolle Leben­sräume für Arten. Umso wichtiger ist es, dass du ohne Gifte, also Kun­st­dünger oder Pes­tizide gärt­nerst. Ver­suche dein grünes Reich im Ein­klang mit der Natur zu bewirtschaften und du wirst sehen: früher oder später wird aus deinem Garten ein kleines, eigenes Ökosys­tem.

Nachhaltige Babydinge, die man wirklich braucht!

| von 

Du bist schwanger? Herzlichen Glückwunsch! Das ist wunderschön und wenn das Baby erst da ist, wird es noch viel schöner, lustiger und cooler, als du dir je vorstellen kannst. Babies sind grandios. Das finden übrigens nicht nur Eltern, das findet leider auch die Industrie. Denn die redet jungen Eltern gerne ein, was sie alles brauchen. Und das ist wirklich viel – wenn es nach der Industrie geht. Dazu gibt es aber nicht nur tausende von Produkten, die man aus Sicht der Industrie braucht, sondern auch noch tausende Labels, die tausend Varianten dieser Produkte herstellen.

Als Erstmama steht man dann davor und…

Hi, wir sind Susann und Yannic, seit 2006 ineinander verliebt, leben und arbeiten wir als Fotografen in Berlin. Wir lieben es zu essen und zu kochen, ernähren uns seit vielen...

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