Beikost und Babybrei – lecker und ökologisch korrekt

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Beikost! Dieses Wort markiert den Start einer langen Futterkarriere. Ab dem Zeitpunkt, an dem das Baby Extrafutter bekommt, ist wieder ein neuer Schritt im Babyleben erreicht. Wobei: Beikost? Breikost muss es doch eigentlich heißen! Dachte ich zumindest, als ich das erste Mal mit dem Thema „Essen fürs Baby“ konfrontiert wurde. Aber der offizielle und in aller Munde verwendete Begriff ist tatsächlich: Beikost.

Das hat auch seinen guten Grund, denn Babys werden ja nicht von Null auf Hundert von Milch auf Brei umgestellt, sondern bekommen nach und nach kleine Häppchen in Breiform angeboten. Milch gibt’s weiterhin. Aber ab dem 4.-6. Monat dann eben noch mehr.

Ab 4.-6. Monat? Da scheiden sich, wie so oft in Babydingen, mal wieder die Geister. Die einen sagen: Wenn das Baby will, will es. Die anderen sagen: Zu früh ist nicht gut für den Darm, lieber erst ab dem 6. Monat, sonst gibt’s mehr Allergien. Und die Dritten sagen: Lieber ab dem 4. Monat, dann sind Babys bereit dafür und dann gibt’s weniger Allergien.

Gutenabend- und Gutenacht- und Gutenmorgenbrei, oder was?

Babybrei
Foto: iStock

Gläschen gibt es ohne Ende, Brei auch – für jede Altersklasse. Sortiert nach Zahlen und aufgehübscht mit komplizierten gesund klingenden Wörtern wie „natürliches Kalzium“ oder „wertvolle Omega-3-Fettsäuren“ oder „besonders gut verdauliches Getreide“ oder „Gute Nacht Brei“ und „Guten Morgen Brei“. Am besten kauft man ohnehin alles, wenn es nach der Industrie geht.

Um sich kurz mal einen Überblick zu verschaffen: Warum nur einen Brei haben, wenn es doch noch so viele weitere gibt? Etwa den Gutenacht-Brei für den Abend, den Zwischendurchbrei für Zwischendurch und den Morgenbrei für Morgens. Ganz zu schweigen von Müslis ab dem 6., 10. und 12. Monat? Da gibt es pro Firma mindestens zehn bis zwanzig verschiedene Produkte für das kleine Baby. Ihr merkt schon: Am Besten stellt man den ganzen Vorratsschrank voller Brei. Oder doch nicht?

Schadstoffe im Babybrei

In den meisten Industrie-Babyprodukten sind viel mehr Schadstoffe enthalten als gute Vitamine – das hat die Zeitschrift „Ökotest“ erst kürzlich wieder einmal festgestellt. Das Magazin hat Breigläschen verschiedener Hersteller getestet. Alles „Bioqualität“ laut Hersteller. Allerdings fiel fast jeder Text-Brei durch, weil viel mehr Schadstoffe als Gemüse in den Gläschen steckten, etwa Nitrat oder Cadmium. Nur ein einziges Gläschen von 16 getesteten bekam Urteil „sehr gut“ – alle anderen waren „mangelhaft“ bis „schlecht“. 

Erschreckend finde ich das. Außerdem ist da immer ein buntes Sammelsurium an Obst und Gemüsesorten drin – von den ganzen Konservierungs- und Zusatzstoffen ganz zu schweigen. Anfangs ist es für Babys aber viel netter, wenn sie zunächst nur ein Nahrungsmittel pro Brei bekommen. So kann man Unverträglichkeiten feststellen und das Baby verschiedene Geschmäcker kennenlernen.

Die Natur bietet ja auch so viele hübsche Sachen an, die man dem Baby geben kann. Ohne „Guten Morgen“ und „Gute Nacht“ oder vermeintlichen Omega 3-Fettsäuren, die dann gar nicht wirklich drin sind – dafür aber mit ganz vielen natürlichen Vitaminen und Vitalstoffen – frei von Konservierungsstoffen und Aromen oder anderem unnützen Zeug. Deswegen war für mich als Öko-Mom vollkommen klar, dass erst einmal keine Gläschen ins Haus kommen. Sondern viel Obst und Gemüse.

Frisches Marktgemüse

Pastinaken zum Beispiel oder Karotten oder Kartoffeln. Fenchel, Zucchini, Kürbis und Süßkartoffeln. Dazu noch ein bisschen mageres Fleisch vom Biohändler ums Eck – das Ganze dann fürs Baby zu Brei verarbeiten. Fertig. Da wir auch für uns täglich frisch kochen, ist das kein wirklich größerer Aufwand, aber ich weiß wenigstens was im Babyessen drin ist.

Dann stehen noch Bananen (lassen sich bekanntlich sehr gut zermatschen) oder Äpfel und Birnen auf der Speiseliste. Als Breibasis hat uns unsere Hebamme zum Beispiel Hafermilch empfohlen – die ist gut verträglich fürs Baby und hat einen leicht süßlichen Eigengeschmack ohne jeden Zuckerzusatz. Da ein bisschen Dinkelgries rein und fertig ist der Beikostbrei.

Das Gemüse stammt bei uns vom Demeter- oder Biolandhändler – die strengsten Biosiegel auf dem deutschen Markt. Das Praktische daran ist, dass wir das Ganze einfach für uns alle Kochen und dem Baby dann ein bisschen was wegschöpfen, bevor wir würzen.

Das ganze landet dann im Bambusfasergeschirrset. Nachhaltig und Plastikfrei.

Bambusgeschirr von Bloomingville
Foto: Bloomingville

No-Gos im Babyessen

Es gibt auch ein paar Don’ts. Babys sollen erst einmal keine Kohlsorten bekommen, damit nichts bläht und keine Gewürze, weil die der Babydarm noch gar nicht so gut verträgt. Kein Salz, kein Zucker, kein Honig. Letzterer kann sogar tödlich enden für Babys wegen der im Honig manchmal enthaltenen Botulismussporen – die zu einer Vergiftung führen können. Keine Nüsse, weil das Baby daran ersticken könnte, kein Salat (können Babys noch nicht verdauen) und keine Hülsenfrüchte, wegen Blähungen. Keine kaltgepressten Öle, weil die schlecht für die Leber des Babys sein können und natürlich keine rohen Eier oder Rohmilch sowie Quark. Das alles braucht das Baby nicht und ist sogar ungesund für Magen und Darm.

Weil das hier aber kein Ratgeber für Beikost sein soll, sondern nur ein persönlicher Erfahrungsbericht, kann ich keine Vollständigkeit garantieren. Wir haben ganz viel nach dem Buch „Babybernährung gesund & richtig“ gekocht. Da finden sich viel mehr Infos rund um die Do’s & Dont’s. Wer tiefer ins Thema einsteigen will, sollte sich so ein Fachbuch holen oder bei der Hebamme nachfragen.

Zum Schluss gibt’s jetzt noch drei kleine Rezepte für die Beikost aus meinem persönlichen Rezeptefundus:

How To Beikost in ökologisch korrekt – zwei Grundrezept

Avocado-Brei
Foto: iStock

Süß: Man nehme ein kleines Stückchen reife Banane und zerdrücke sie mit der Gabel. Fertig. 😉

Herzhaft – schnell: Man nehme eine Avocado und zerdrücke sie. Fertig.

Herzhaft – auch schnell, aber nicht ganz so: Man nehme eine Biokarotte als sanften Einstieg in das Essensthema. Die wird klitzeklein geschnibbelt, weil sie dann schneller weich ist und weniger Vitamine verkocht werden müssen. Dann wird die Karotte gekocht und mit etwas heißem Wasser oder stillem Mineralwasser püriert. Ein winziges Tröpfchen pflanzliches Öl (kein kaltgepresstes) dazu, damit das Baby die enthaltenen Vitamine auch verwerten kann. Fertig.

Wenn das gut ankommt beim Baby und auch kein Ausschlag, kein richtiger Durchfall oder andere Problemchen auftreten, lässt sich das Rezept auch mit Pastinaken, Kartoffeln, Kürbis oder Zucchini umsetzen.

Nach ein bis zwei Monaten kann man das Rezept durch weitere Gemüsesorten wie Fenchel, Süßkartoffeln und Getreideflocken erweitern. Dann mageres Fleisch, je nach Geschmack des Babys. Noch später weitere Obst- und Gemüsesorten. Aber das ist wieder eine Wissenschaft für sich. Wir haben auch eine Birne angeboten, die soll ja nach einigen Fachbüchern erst später – aber sie wurde gerne genommen.

Babynahrung Brei Beikost Geschirr Babybrei Karotte

Es gibt für den Breistart nämlich nur eine einzige Regel: Immer nur ein einziges Lebensmittel in den ersten Brei. Und am Besten auch nicht täglich variieren, sondern immer ein paar Tage bei dem gleichen bleiben. Das haben wir zumindest so gelernt.

Wichtig bei allen Do’s und Dont’s finde ich immer noch, dass das Baby auch eine Meinung haben darf. Das eine will ewig keinen Brei und lieber Milch, das andere isst sehr schnell viele verschiedene Dinge und bekommt so früh Zähnchen, dass es dann mit zehn Monaten auch mal ein Brotwürfelchen bekommen kann.

Auch wenn es sinnvoll ist mit der Karotte zu starten, kann es sein, dass das Baby das ganz anders sieht und lieber die Kartoffel oder den Haferbrei haben will. Essen soll ja auch Spaß machen und nicht nur babykorrekt und ökologisch korrekt sein.

 

Titelbild: iStock

Hi, ihr Lieben! Mein Name ist Petra und ich blogge auf „Hollightly“ über Fashion, Design und grünen Lifestyle. Ich bin bekennendes Modemädchen mit Hang zu schönen Dingen und überzeugt davon, dass sich Design-Liebe mit gutem Öko-Gewissen vereinbaren lässt. Öko muss nicht nach Jute, Sack und Asche aussehen. Deswegen suche ich für meine Leser wie ein kleines Eco-Trüffelschweinchen nach stylischen Fair Trade Labels und nachhaltigen Eco-Spots.

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Dienstag, 21. November 2017, 17:49 Uhr

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