Minimalistisch und achtsam durch die Weihnachtszeit

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Lebkuchen und Last Christ­mas, Glüh­wein und Geschenke(kauf), Speku­latius und Stress. Sie ist seit ein paar Wochen wieder da und bleibt uns noch ein wenig erhal­ten. Die Advents- und Wei­h­nacht­szeit, die gerne besinnlich und fröh­lich wäre, aber oft von unser­er Gier nach Kitsch und Kon­sum und der all­ge­meinen Gehet­ztheit bes­timmt wird.

Achtsam durch die Weihnachtszeit

Minimalismus gegen Stress

Dieser Artikel soll zeigen, dass es anders geht. Auch in der Advents- und Wei­h­nacht­szeit kann man acht­sam sein, Zeit haben oder sich Zeit nehmen, kann man Stress ver­mei­den und sich dem Schö­nen dieser Wochen zuwen­den. Mein Ansatz ist ganz ein­fach. Ich ver­suche, min­i­mal­is­tisch zu leben. Das ist auch in der Advents- und Wei­h­nacht­szeit möglich. Es bedeutet nicht, allem zu entsagen. Es geht vielmehr darum, möglichst auf Belas­ten­des zu verzicht­en und sich auf die Dinge zu konzen­tri­eren, die einen erfüllen.

Was das konkret für den Wei­h­nachts­mark­tbe­such, das Schenken und das Fam­i­lien­tr­e­f­fen bedeutet, erfährst Du in den fol­gen­den Abschnit­ten. Meine Schwest­er Sabine hat als Heil­prak­tik­erin für Psy­chother­a­pie und Acht­samkeit­strainer­in einen etwas anderen Ansatz. Sie erk­lärt uns, wie man acht­sam durch die Advents- und Wei­h­nacht­szeit kommt.

Der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt

Der Christkindles­markt in meinem Wohnort Nürn­berg ist mit über zwei Mil­lio­nen Besuch­ern ein­er der größten Wei­h­nachtsmärk­te in Deutsch­land und ein­er der bekan­ntesten der Welt. Auch die größte Feuerzan­gen­bowle der Welt ste­ht hier. Ich mei­de trotz­dem oder ger­ade deswe­gen den Christkindles­markt. Mir ist das Gedränge und der ganze Kitsch und Kom­merz zu viel.

Zum Glück gibt es in Franken kleine Wei­h­nachtsmärk­te, auf denen es besinnlich­er zuge­ht. Am let­zten Sam­stag war ich mit Fre­un­den auf dem veg­a­nen Wei­h­nachts­markt in Würzburg. Näch­stes Woch­enende möchte ich den in Alt­dorf besuchen, der im malerischen Innen­hof der vor­ma­li­gen Uni­ver­sität stat­tfind­et. Öfter als ein­mal die Woche sieht man mich nicht auf einem Wei­h­nachts­markt. Weniger ist mehr. So ist jed­er Besuch etwas Beson­deres und bleibt Zeit für andere Dinge.

Meine Schwest­er Sabine emp­fiehlt fol­gen­des: „Ein Gang über den Wei­h­nachts­markt eignet sich wun­der­bar, um daraus eine Acht­samkeit­sübung für unsere Sinneswahrnehmung zu machen. Denn obwohl wir mit empfind­lichen Anten­nen für unsere Umwelt aus­gerüstet sind, nutzen wir sie umso weniger, je mehr wir zeitlich einge­bun­den sind und uns gestresst fühlen. Bei unserem acht­samen Bum­mel über den Wei­h­nachts­markt geht es also darum, bewusst wahrzunehmen, was es in diesem Moment zu sehen, zu hören, zu schmeck­en, zu riechen und tak­til zu fühlen gibt.

Wo wäre das Ange­bot größer als auf dem Wei­h­nachts­markt mit seinen Düften und Lichtern, mit sein­er beson­deren Atmo­sphäre aus Stim­mengewirr, leuch­t­en­den Kinder­au­gen und Gedränge. Zugegeben, leicht ist es nicht, in so einem Getüm­mel acht­sam zu bleiben. Es hil­ft, wenn wir uns Eck­en suchen, die nicht ganz so über­füllt sind, und es hil­ft auch, sich langsamer zu bewe­gen als nor­mal. Wir kön­nen uns auch von unserem Kind leit­en lassen, die Welt also mit Kinder­au­gen sehen. Kinder sind noch offen für Sinneswahrnehmungen, saugen sie förm­lich ein. In der Acht­samkeit spricht man vom Anfängergeist, den man sich bewahren sollte.“

Die Weihnachtsgeschenke

Aus christlichem Ver­ständ­nis feiern wir an Wei­h­nacht­en die Geburt Jesu. Gott hat sich in Jesus den Men­schen mit­geteilt. „Gott wurde Men­sch, damit Men­schen Kinder Gottes wer­den“, lautet ein kirch­lich­es Beken­nt­nis. Noch heute sym­bol­isieren die Gaben an Wei­h­nacht­en das Geschenk Gottes an die Men­schheit: Die Geburt Jesu als Heil der Welt. Obwohl ich mit der Kirche wenig am Hut habe und nicht gläu­big bin, habe ich am Schenken nichts auszuset­zen.

Im Gegen­teil: Anderen Men­schen durch Geschenke Freude zu bere­it­en, kann etwas sehr Beziehungsvolles und Schönes sein. Lei­der ist das ganze längst aus dem Rud­er ger­at­en und für viele zur Pflicht gewor­den. Müssen es immer Berge an Geschenken sein? Muss im Fam­i­lienkreis jed­er jedem etwas schenken? Ich sage nein.

Grund­sät­zlich schenke ich nur Men­schen etwas, mit denen ich auch Wei­h­nacht­en ver­bringe. Mit mein­er Schwest­er und meinem Brud­er habe ich vere­in­bart, dass wir uns nichts mehr schenken. Die anderen bekom­men ein, max­i­mal zwei Geschenke. Etwas, das heutzu­tage immer weniger Men­schen zu haben scheinen, gibt es für meine Lieben als Zugabe und nicht nur zu Wei­h­nacht­en: Zeit.

Die habe ich durch die min­i­mal­is­tis­che Lebensweise und den Kon­sumverzicht ja zur Genüge. Sabines Rat zum The­ma Wei­h­nachts­geschenke lautet: „Jed­er kann selb­st entschei­den, ob er das Pflicht­pro­gramm absolviert, ob er sich dem kom­merziellen Druck ganz entzieht oder viel Zeit und Liebe in die Auswahl der richti­gen Geschenke steckt. Acht­samkeit beim Schenken tut jeden­falls immer gut.

Ange­fan­gen bei der eige­nen Moti­va­tion, jeman­den etwas zu schenken. Schenke ich wirk­lich gerne? Wenn nein, warum tue ich es dann und ist dieser Men­sch es mir wirk­lich nicht wert, es gerne zu tun? Immer steckt im Schenken auch die Chance, mich in einen anderen einzufühlen, also zu erspüren, was dem anderen eine Freude machen würde. Selb­st wenn man dann daneben­liegt: Die Absicht zählt, auch die kommt beim anderen an.

Zudem sollte man sich fra­gen, ob man selb­st Geschenke annehmen kann. Kann ich die Mühe und Zeit würdi­gen, die dahin­ter­steckt? Kann ich wohlwol­lend sein, auch wenn ich ver­mute, dass es ein Pflicht­geschenk ist? Was bere­it­et mir mehr Freude: Schenken oder beschenkt wer­den? Und was sagt das über mich aus? Es gibt kein richtig oder falsch. Bei der Acht­samkeit geht es darum, wahrzunehmen, was ist.“

Die liebe Familie und Verwandtschaft

Oft kommt es ger­ade während des Festes der Liebe zu Kon­flik­ten und Eskala­tio­nen inner­halb der Fam­i­lie. Die Gründe dafür sind vielfältig: Unter­schiedliche Erwartung­shal­tun­gen und Bedürfnisse; schwe­lende Kon­flik­te, die aus­brechen, wenn die Struk­tur des All­t­ags für ein paar Tage außer Kraft geset­zt ist; das hohe Stresslev­el in der Adventszeit; die räum­liche Enge, wenn viele Fam­i­lien­mit­glieder zusam­men kom­men, und anderes mehr.

Ich kenne solche Kon­flik­te schon länger nicht mehr. Die min­i­mal­is­tis­che Lebensweise hil­ft mir dabei. Wir feiern Wei­h­nacht­en im kleinen Fam­i­lienkreis. Jed­er freut sich, den anderen zu sehen. Ter­mine und Tätigkeit­en, die nichts mit der Wei­h­nachts­feier zu tun haben, ver­suche ich zu ver­mei­den. So habe ich aus­re­ichend Zeit und Muße. Das ist eine gute – vielle­icht sog­ar die beste – Voraus­set­zung, dass Stress und Stre­it erst gar nicht aufkom­men.

Meine Schwest­er sagt aus Sicht der Acht­samkeit fol­gen­des: „Manche Kon­flik­te zu Wei­h­nacht­en lassen sich durch organ­isatorische Verbesserun­gen lösen, andere hinge­gen liegen in der Fam­i­lien­struk­tur selb­st und lassen sich nicht ein­fach durch gute Vorsätze ver­mei­den. Hier hil­ft es in jedem Fall, acht­sam mit der Sit­u­a­tion und seinem Inneren umzuge­hen. Man sollte immer wieder den eige­nen Bedürfnis­sen, Gren­zen und Gefühlen Raum geben und im besten Fall diese auch kom­mu­nizieren.

Wenn das nicht möglich ist, ändert schon das Wahrnehmen und Wertschätzen der eige­nen Emo­tio­nen etwas. Natür­lich tut Acht­samkeit auch im gegen­teili­gen Fall gut: bewusst zu spüren, dass ich dankbar für meine Fam­i­lie bin, mich aufge­hoben füh­le, Ver­trauen haben kann. Das kommt im All­t­ag oft­mals zu kurz. Die Wei­h­nacht­szeit ist eine gute Gele­gen­heit, sich das, was man vielle­icht für selb­stver­ständlich erachtet, vor Augen zu hal­ten und zu genießen.“

Gehst Du auf Wei­h­nachtsmärk­te? Wie hältst Du es mit dem Schenken? Wie kommst du acht­sam durch die Advents- und Wei­h­nacht­szeit?

Auf den Spuren des Klimawandels - am Pitztaler Gletscher

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Wir waren Schneeschuhwandern auf dem höchsten Gletscher Tirols. Doch mitten in der Schönheit dieser Landschaft auf dem Pitztaler Gletscher macht sich auch Wehmut breit, weil die weiße Traumwelt Risse bekommt. Gerade ist der Dokumentarfilm „Before the Flood“ von Leonardo di Caprio in aller Munde: Von der Südsee bis zum ewigen Eis hat er die dramatischen Folgen des Klimawandels unter die Lupe genommen. Aber man muss gar nicht so weit reisen, um die Folgen zu spüren. Zum Beispiel am Ende des Pitztals: Hier reiht sich ein Höhenrekord an den nächsten, hier liegt nicht nur das höchste Wintersportgebiet Österreichs, sondern auch der…

Hallo, ich heiße Christof und schreibe auf meinem Blog über Minimalismus und Nachhaltigkeit. Ohne materiellen Überfluss, negative Beziehungen und unnötige Verpflichtungen zu leben, führt zu persönlichem Glück und gesellschaftlichem Gewinn....

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Susanna
Sonntag, 2. Dezember 2018, 18:52 Uhr

Lieber Christof,
Danke für den schö­nen Text. Ich habe das Glück eine große Fam­i­lie zu haben und wir sind immer viele zu Wei­h­nacht­en. Seit ein paar Jahren haben wir uns darauf geeinigt, dass nur die Kinder beschenkt wer­den (also die Kleinen, nicht die Erwach­se­nen).
Wir kochen zusam­men und feiern mal bei dem einen, mal beim anderen.
Wichtig ist die Zeit, die wir zusam­men ver­brin­gen und die genießen wir.
Dem Tipp dein­er Schwest­er einen Wei­h­nachts­markt mit allen fünf Sin­nen wahr zu nehmen, kann ich nur zus­tim­men. Allein die ver­schiedenn Düfte sind schon eine Freude!
Ich wün­sche dir und dein­er Fam­i­lie eine schöne Wei­h­nacht­szeit! Liebe Grüße von Susan­na

Gabi Raeggel
Freitag, 9. Dezember 2016, 19:53 Uhr

Ich finde, Min­i­mal­is­mus und Acht­samkeit ergänzen sich ger­adezu ide­al. Durch Acht­samkeit kann ich beispiel­sweise sehr viel dif­feren­ziert­er spüren, was mich genau belastet und ich daher bess­er loslassen bzw. darauf verzicht­en sollte. So kann deut­lich wer­den, dass der ver­meintliche Verzicht, in Wahrheit eine Bere­icherung ist.