Nie mehr schmutziges Geschirr: Der total vernetzte Haushalt
Technologie

Nie mehr schmutziges Geschirr: Der total vernetzte Haushalt

Das Internet of Things, kurz: IoT, ist im Alltag vieler Menschen angekommen. Ein Interview über Smart Home, vernetzte Systeme und intelligente Spülmaschinen.

21.2.2019 Lesedauer: 5 Minuten
Der Onlinehändler OTTO hat mit OTTO ready nun die smarte Bestelloption für Spülmaschinentabs, Kaffeebohnen, Waschmittel und vieles mehr ins Leben gerufen. Jörg Heinemann beschäftigt sich in seiner Rolle als Principal bei OTTO mit digitalen Innovationen und erklärt im Interview das neue Feature.

Hallo Jörg, wir machen eine schnelle Fragerunde und du antwortest, so kurz es geht: Wenn etwas bei euch zu Hause nicht fehlen darf, dann ist es eher Kaffee oder Tee?

JÖRG HEINEMANN: Kaffee. Unsere Kaffeemaschine ist mit der „Home-Connect“-Plattform verbunden und so kann ich per App oder sogar Sprache einen Kaffee bestellen und sehen, wenn die Bohnen zuneige gehen.

Zu Hause bist du für die Spülmaschine oder die Waschmaschine zuständig?

Spülmaschine.

Und diese ist schon mit OTTO ready verbunden?

Natürlich. Noch sind sechs Spültabs vorhanden. Es dauert also nicht mehr lange, bis sich die Spülmaschine meldet und ich über OTTO ready neue bestellen kann.

Wie smart ist euer Zuhause?

Sehr smart. Vom Schloss über die Markisen, die Heizung und den Rasenmäher – alles ist vernetzt.

Nun hat man zumindest einen Eindruck davon, wie sehr du dich mit dem Thema auseinandersetzt und warum dir OTTO ready so wichtig ist. Erkläre mal die Funktion von OTTO ready, was steckt dahinter?

Wir verbinden vernetzte Haushaltsgeräte der Hersteller über deren eigene Steuerungs-App mit unserem Produkt OTTO ready. Konkret bedeutet das bei OTTO ready, dass die Spülmaschine vorher schon weiß, wann die Tabs leer sein werden und dem Besitzer einen Hinweis gibt. In die Steuerungs-App bekommt man dann die Benachrichtigung. Was OTTO nun schafft: die Benachrichtigung in eine Bestellung umzuwandeln. Ist die Anmeldung einmal eingerichtet, sagt einem das Smartphone per Push-Nachricht, dass der Vorrat knapp wird, und der Kunde kann mit nur einem Touch sein Haushaltsprodukt nachbestellen. OTTO liefert dann zuverlässig und zu marktüblichen Preisen Nachschub.

Jörg Heinemann, Principal Innovation & Digitalisierung Genau dort, wo ich die Spülmaschine einstellen kann, wollen wir mit OTTO ready sein

Jörg Heinemann, Principal Innovation & Digitalisierung

BSH Hausgeräte (Bosch und Siemens Hausgeräte) sind die ersten, die mit OTTO ready zusammenarbeitet. Wie kam es dazu?

Schon im Sommer 2018 gingen OTTO und Bosch eine Kooperation miteinander ein. Mit Boschs vernetzbaren Hausgeräten kann man künftig eben nicht nur steuern, kontrollieren oder den Kundenservice aus der Ferne rufen, es lassen sich auch Klarspüler, Tabs, Salz und Maschinenreiniger prüfen und dann über OTTO ready nachbestellen. Bei Bedarf lässt sich per App also manuell der eigene Vorrat verwalten. Wir sorgen für das passende Sortiment zum Gerät und so kann der Kunde schnell und einfach seine Geschirrspültabs oder Kaffeebohnen bestellen. Natürlich sprechen wir jetzt schon mit anderen Herstellern, die wir interessant finden und die auch OTTO ready spannend für ihr Produkt finden.

Habt ihr euch bewusst gegen den Aufbau einer App entschieden?

Wir haben aus Kundensicht gedacht und uns gefragt, ob der Kunde noch eine App braucht oder ob es nicht sinnvoller ist, die Hersteller mit einzubeziehen. Wenn ich eine vernetzte Spülmaschine besitze, dann habe ich die App des Herstellers. Genau dort, wo ich die Spülmaschine einstellen kann, wollen wir mit OTTO ready sein und Hilfestellungen bieten und vor allem dem Kunden Erleichterung verschaffen. Kurz: Wir sind also da, wo es der Kunde erwartet.

Jörg Heinemann zu OTTO ready: "Wir sind da, wo es der Kunde erwartet."

Hat OTTO den Bestellservice selbst entwickelt oder wie kam es zu der ganzen Idee?

Über die Corporate Company Builder der Otto Group (Otto Group Digital Solutions & Liquid Labs, Anm. d. Red.) haben wir das Team von „Order This“ kennengelernt. Die Idee von „Order This“, eine Brücke zwischen Geräteherstellern und Händlern zu bauen, hat uns überzeugt. Nach vielen guten Gesprächen stand für uns fest, dass wir diese Idee für OTTO nutzen möchten. Ab dem 1. März hat OTTO das Startup gekauft und bringt es unter dem neuen Label OTTO ready auf den Markt.

Neben den Geräte-Herstellern treten auch Google oder Apple an, Lösungen für das Smart Home zu entwickeln. Spezialisiert man sich mit OTTO ready auf das Segment Haushaltsgeräte?

Wir halten die Augen auch in allen anderen Bereichen offen. Alles, was zum Zuhause der Menschen passt, passt auch zu OTTO ready. Sehr spannend sind Rasenmäher-Roboter, Druckerpatronen, aber auch Zahnbürstenköpfe ließen sich integrieren. Alles, was in und um das eigene Heim passiert, ist von Interesse für uns.

Wie unterscheidet sich OTTO ready von den zuletzt verbotenen Dash Buttons?

Der große Unterschied ist, dass man bei OTTO ready den Preis vor der Bestellung angezeigt bekommt. Hier herrscht ganz klare Preistransparenz gegenüber unseren Kunden. Dazu kommt, dass sie sich verschiedenen Spültabs aussuchen können und nicht auf eine Marke festgelegt werden.

Wenn du dich in deinem Smart-Home so umsiehst, welcher Punkt ist der größte Nachteil beim vernetzten Wohnen?

(Jörg zeigt auf sein Smartphone) Ich habe allein 16 Apps für meine unterschiedlichen Geräte und Funktionen. Es gibt meiner Meinung nach zu viele Insellösungen, so dass eine smarte Gesamterfahrung für den Kunden noch nicht oder nur mit viel Engagement möglich ist. In den nächsten Jahren wird sich im Markt und bei OTTO aber einiges tun und es wird sicherlich einfacher für jeden von uns, sein Heim bedienen zu können, sodass es wirklich einen Mehrwert für die Bewohner gibt.

Wie lange dauert es deiner Meinung nach, bis der größte Teil der Deutschen solch ein Haushaltsgerät zu Hause besitzt und Smart Home wirklich aktiv täglich nutzen wird?

Samsung sagt, dass bis 2020 kein Gerät mehr vom Band geht, was nicht vernetzbar ist. BSH rechnet mit 2022 und ich würde sagen, dass 2025 Smart Home Standard in deutschen Haushalten ist. Wir können also anfangen, uns auf eine spannende neue Zeit zu freuen.

Jenseits von vernetzten Autos werden sich Verbraucher vor allem im Bereich Smart Home ausstatten. Die Studie Smart Home Consumer Survey von Deloitte unter 2000 Deutschen im Alter zwischen 19 und 75 Jahren, hat gezeigt, dass sich immer mehr Deutsche mit dem Thema auseinandersetzen. Die Prognose zeigt: Für das Jahr 2020 wird mit einem Bestand von 23 Millionen Smart-Home-Komponenten gerechnet.

Kontakt

Anne Remy
Communications Consultant

Tags in diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit ...

Es ist ein Fehler aufgetreten ...

Ihr Beitrag