Der Letzte seiner Art – und wir hätten es fast verpasst
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Der Letzte seiner Art – und wir hätten es fast verpasst

Die finale Ausgabe des OTTO-Katalogs geht in den Druck. Und löst eine Welle von Nostalgie und Emotionen aus - zur Überraschung der Kommunikationsverantwortlichen im Haus. Ein Kommentar von Martin Frommhold, Leiter Unternehmenskommunikation OTTO, in eigener Sache.

22.11.2018 Von Martin Frommhold Lesedauer: 3 Minuten
ARD, ZDF, Sat. 1 – um nur ein paar zu nennen: Bereits seit Tagen geben sich die Kamerateams der großen TV-Sender bei OTTO die Klinke in die Hand. Redakteure rufen an, schreiben Mails und schicken WhatsApp-Nachrichten. Und über 20 Medienvertreter haben sich am Donnerstagmorgen in der Nürnberger Prinovis-Druckerei eingefunden. Warum?

Das haben wir uns in der Unternehmenskommunikation auch gefragt. Die Antwort: Weil sie ein historisches Ereignis begleiten möchten. Eben das haben wir intern in seiner medialen Wirksamkeit offensichtlich unterschätzt: den Andruck des letzten OTTO-Hauptkatalogs.

Welcher Pressesprecher undKommunikationsverantwortliche kennt das nicht? Da hat das eigene Unternehmengerade die Sensation in Tüten erfunden, der Scoop schlechthin ist greifbar –und keinen Redakteur interessiert´s. Oder man lädt zur Pressekonferenz, hatnachts noch den Konferenzraum frisch gestrichen, Schnittchen geschmiert – unddann hat von den namhaften Medien keiner Zeit und Lust auf die wichtigenUnternehmens-News.

Doch jetzt das: Schon als wir am 9. Juli die Einstellung desHauptkatalogs per Pressemitteilung bekanntgegeben haben, war das Medienechogewaltig. Und was die Kollegen alles von uns wissen wollten! Welches Supermodelwann und wie oft auf dem Cover war. Wie viele Seiten seit den 50ern insgesamtgedruckt wurden. Ob wir wirklich mal ein Pony angeboten haben (ja, 1972 für 745DM gegen Vorkasse) und noch vieles mehr. Äh, hallo? OTTO ist seit 1995 online,wir sind so was von digital, E-Commerce-Spezialist und Tech-Company. Und jetztist der Katalog, der bei uns intern schon seit vielen Jahren verdünnt unddessen Ende seit gefühlt 15 Jahren immer wieder prognostiziert wird, plötzlichdas Megathema? Ernsthaft: Kann sich da draußen bitte auch mal jemand derart fürunsere coolen Apps begeistern?!

Spätestensals sich dann (von sich aus!!!) immer mehr Redaktionen für die Begleitung desletzten Andrucks unseres „Dicken“ anmeldeten, haben auch wir endlich denmedialen Schatz erkannt, auf dem wir hier sitzen. Und wir lernten schnell. Dass750 Seiten starke Hauptkataloge in unserer digitalen Welt (in der wir, fallsich es noch nicht erwähnt habe, total hip sind!) zwar nichts mehr zu suchenhaben, aber der Abschied für viele Zeitgenossen doch verdammt emotional ist.

Weil die eigene Oma Sammelbestellerin im Dorf war. Oder der Katalog abends aufdem Sofa von der ganzen Familie durchgestöbert wurde. Weil man als Kind ohne dieseitenstarke Vorlage keinen Weihnachtswunschzettel schreiben konnte. Weil esdort auf einigen wenigen Seiten Dinge zu sehen gab, die man als Jugendlichernoch aufregender fand als die Dr.-Sommer-Seiten in der BRAVO und und und …

Tja. Da hatten wir nun jahrelang denMegatrend in der Hinterhand und haben ihn nicht gespielt. Dumm gelaufen für unsProfi-Kommunikatoren. Aber egal, dafür genießen wir jetzt den geschenktenAugenblick. Was für eine Coverage. Hashtag #OTTOKatalog. So viele Kommentare und Reportagen zu einemThema, für das unser Haus in den vergangenen Jahren sogar manchmal belächelt wurde(„Relikt“). Insofern haben wir uns gerne geirrt. Und freuen uns nun sehr überdie Glückwünsche zu einer tollen Story – beispielsweise von Christoph Koch, LeitenderRedakteur des Hamburger Magazins STERN (Danke dafür!).

Das letzte Hauptkatalog-Cover ziert übrigens ein Smartphone mit dem Zusatz „Ich bindann mal App“. Das ist OTTO. Und das istunsere Zukunft. Für diese hoffen wir weiter auf reges Interesse!

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