„Traut euch, out ist in": MORE*-Netzwerk erhält Award
Kultur

„Traut euch, out ist in": MORE*-Netzwerk erhält Award

MORE*, das queere Netzwerk der Otto Group, wurde in Stuttgart mit dem Rising Star-Award prämiert

18.10.2019 Von Linda Gondorf Lesedauer: 4 Minuten
MORE*, das Otto Group weite Netzwerk ist Newcomer-Netzwerk des Jahres 2019. Die Kolleg*innen des Netzwerks erhalten den Rising Star-Award. Im Interview und im Video-Gespräch erzählen die beiden Gründer*innen Ingo Bertrams und Dr. Gesa Heinrichs über die Auszeichnung, homophobe Sprüche und Diskriminierung am Arbeitsplatz

Gesa, Ingo, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Award-Gewinn! Habt ihr mit der Auszeichnung gerechnet?

INGO BERTRAM: Gerechnet habe ich damit nicht, darauf gehofft aber natürlich schon.

Ingo im Videointerview

Was bedeutet die Auszeichnung für das Netzwerk und auch für Euch persönlich?

GESA HEINRICHS: Wir haben in einer ziemlich rasanten Geschwindigkeit das Netzwerk gegründet. Es war an der Zeit. Für mich persönlich ist es wunderbar zu sehen, wie viele Kolleg*innen sich engagieren, sich einsetzen und wir uns alle austauschen. Persönlich erlebe ich MORE* mit einer großartigen Energie und extremer Umsetzungsbereitschaft. Das macht uns und mich stolz.

INGO: Die Auszeichnung bedeutet aber vor allem, dass wir als queere Menschen gesehen werden. Dass wir in einem Traditionshaus wie OTTO, ein starkes Bekenntnis zu einer diversen Unternehmenskultur sehen. Hier engagieren sich Menschen, egal wen sie lieben und wollen zusammen arbeiten. Der Preis ist eine tolle Würdigung für das, was die Kolleg*innen hier im MORE* Team in den letzten Wochen und Monaten geschaffen haben. Für mich ist der Award ein weiterer Ansporn und auch ein schönes Zeichen dafür, dass wir damit ganz offensichtlich auf einem guten Weg sind.

Neben dem Award für MORE* wurdest Du in die Top 5 der „Top 100 Out Executives"-Liste gewählt. Was bedeutet das für Dich?

GESA: Die PROUT AT WORK Foundation ehrt erfolgreiche, geoutete Führungskräfte in Deutschland mit dem Ziel, LGBTIQ*-Talente für alle sichtbar zu machen. Dabei geht es um Mut zur Offenheit auf allen Hierarchieebenen. Mich hat die Auszeichnung sehr gefreut, weil es eben den persönlichen Mut mit dem beruflichen Erfolg verbindet. In meiner Vorstellung gehört das zusammen und das bestätigt zu bekommen, ist sehr schön.

Gesa im Videointerview

Ingo, wie fühlt es sich für dich an, auch noch auf dem „Top 20 Future Leader"-Ranking vertreten zu sein?

INGO: Ziemlich cool. Ich frage mich nur: Wie erklär ich's meiner Mutter? ;-). Natürlich hat mich die Platzierung gefreut, so etwas passiert ja nicht alle Tage. Ich glaube, dass wir in Deutschland gerade im Business-Umfeld noch mehr Menschen brauchen, die auch im Job keinen Hehl daraus machen, dass sie homo-, bi- oder transsexuell sind. Wenn ich persönlich einen Teil dazu beitragen kann, dass sexuelle Identität im Job noch stärker zur Normalität wird, dann freut mich das. Ich würde mich nur nicht direkt als Leader bezeichnen. Der Begriff passt auch nicht mehr so ganz in Zeiten von New Work. Wir, in unserem Team definieren uns nicht über unsere Positionen, sondern über unsere Talente.

Award gewonnen, Rankings erobert, eigentlich könntet ihr Euch jetzt ja auf die faule Haut legen ...

GESA: Jetzt geht es doch erst richtig los.

Von Pinkwashing kann hier also keine Rede sein? Der Verdacht könnte ja durchaus naheliegen.

GESA: Ich denke, dass Menschen sehr schnell merken, ob etwas nur gespielt ist. Ich erlebe unser MORE* Netzwerk als sehr ernsthaft und konfliktbereit. Wir wollen zeigen und beweisen, dass sich die gesamte Otto Group in einem Kulturwandel befindet, in dem LGBTIQ*-Themen eine ganz neue, wichtige Rolle spielen.

INGO: Ich möchte betonen, dass MORE* von innen heraus gegründet wurde, also auf Initiative von Mitarbeiter*innen hin. Das ist keine plumpe Top-Down-Direktive aus irgendwelchen Marketinggründen - das ist echtes, ehrliches Engagement, das ich hier erlebe. Hier Pinkwashing unterstellen zu wollen ist Quatsch.

Wie waren eure ersten drei Monate? Was habt ihr schon konkret erreicht?

GESA: Aufregend! Wir haben eine Community mit weit über 200 Teilnehmer*innen geschaffen, und das nicht nur mit Menschen von OTTO, sondern auch aus Konzerngesellschaften wie Hermes und bonprix. Unsere Kollegin und MORE* Mitglied Nicole hat zum Hamburg Pride erneut einen CSD-Truck auf die Straße gebracht, es gab diverse Aktionen und Veranstaltungen hier am OTTO-Campus. Last but not least haben wir viele Gespräche geführt und zahlreiche Themen identifiziert, die wir in den nächsten Monaten umsetzen möchten.

INGO: Fest steht, dass wir die Sichtbarkeit von MORE* in den Konzerngesellschaften erhöhen und das Thema Diversity im Markenauftritt stärken möchten. Auch die Vernetzung mit Verbänden, Initiativen und queeren Netzwerken anderer Unternehmen wollen wir vorantreiben. Langweilig wird uns sicher nicht.

INGO: Ziemlich cool. Ich frage mich nur: Wie erklär ich's meiner Mutter? ;-). Natürlich hat mich die Platzierung gefreut, so etwas passiert ja nicht alle Tage. Ich glaube, dass wir in Deutschland gerade im Business-Umfeld noch mehr Menschen brauchen, die auch im Job keinen Hehl daraus machen, dass sie homo-, bi- oder transsexuell sind. Wenn ich persönlich einen Teil dazu beitragen kann, dass sexuelle Identität im Job noch stärker zur Normalität wird, dann freut mich das. Ich würde mich nur nicht direkt als Leader bezeichnen. Der Begriff passt auch nicht mehr so ganz in Zeiten von New Work. Wir, in unserem Team definieren uns nicht über unsere Positionen, sondern über unsere Talente.

Award gewonnen, Rankings erobert, eigentlich könntet ihr Euch jetzt ja auf die faule Haut legen ...

GESA: Jetzt geht es doch erst richtig los.

Von Pinkwashing kann hier also keine Rede sein? Der Verdacht könnte ja durchaus naheliegen.

GESA: Ich denke, dass Menschen sehr schnell merken, ob etwas nur gespielt ist. Ich erlebe unser MORE* Netzwerk als sehr ernsthaft und konfliktbereit. Wir wollen zeigen und beweisen, dass sich die gesamte Otto Group in einem Kulturwandel befindet, in dem LGBTIQ*-Themen eine ganz neue, wichtige Rolle spielen.

INGO: Ich möchte betonen, dass MORE* von innen heraus gegründet wurde, also auf Initiative von Mitarbeiter*innen hin. Das ist keine plumpe Top-Down-Direktive aus irgendwelchen Marketinggründen - das ist echtes, ehrliches Engagement, das ich hier erlebe. Hier Pinkwashing unterstellen zu wollen ist Quatsch.

Wie waren eure ersten drei Monate? Was habt ihr schon konkret erreicht?

GESA: Aufregend! Wir haben eine Community mit weit über 200 Teilnehmer*innen geschaffen, und das nicht nur mit Menschen von OTTO, sondern auch aus Konzerngesellschaften wie Hermes und bonprix. Unsere Kollegin und MORE* Mitglied Nicole hat zum Hamburg Pride erneut einen CSD-Truck auf die Straße gebracht, es gab diverse Aktionen und Veranstaltungen hier am OTTO-Campus. Last but not least haben wir viele Gespräche geführt und zahlreiche Themen identifiziert, die wir in den nächsten Monaten umsetzen möchten.

INGO: Fest steht, dass wir die Sichtbarkeit von MORE* in den Konzerngesellschaften erhöhen und das Thema Diversity im Markenauftritt stärken möchten. Auch die Vernetzung mit Verbänden, Initiativen und queeren Netzwerken anderer Unternehmen wollen wir vorantreiben. Langweilig wird uns sicher nicht.

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