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Chemikerin, Coach, Triathletin: Die Frau, die nach Hawaii will
Kultur

Chemikerin, Coach, Triathletin: Die Frau, die nach Hawaii will

Kommt eine 34-Jährige ins Café und erzählt: „Ich bin Chemikerin, Ernährungscoach und habe zum Thema Brustkrebs geforscht. Ich nehme Sabbatical um für den Ironman zu trainieren”. Würdest du ihr glauben?

13.3.2019 Von Linda Gondorf Lesedauer: 5 Minuten
Es gibt Geschichten, die kann man sich erst vorstellen, wenn man sie erzählt bekommt. Genauso ging es mir mit Kathrin Vergins Story. Ihr Job als Chemikerin, ihr Herzensprojekt mindful@otto und ihr Traum von Hawaii. Ironman 2020. Dafür nimmt sie drei Monate Sabbatical. Ein Porträt.

6:40 Uhr am Morgen. Es herrscht seichter Wellengang, die Sonne ist schon aufgegangen und verheißt einen heißen Tag. Sanft gleitet Kathrin in die Wellen, zieht ihre ersten Kraulzüge Richtung Startlinie. Es hat fast etwas Romantisches, hier zu sein, am frühen Morgen auf Hawaii. Zur Linken sieht sie die Küste von Big Island. Zur Rechten erkennt man die Weite des Pazifiks. Salz auf den Lippen. Ungewohnt für die Deutsche, die normalerweise in Hamburg im Bäderland trainiert. Bis jetzt gibt es diese Szene nur in ihrem Kopf. Denn Kathrin Vergin will den Ironman auf Hawaii bezwingen. Das ist ihr größter Traum. Wir erinnern uns: 2018 gewann Patrick Lange und machte seiner Freundin einen emotionalen Heiratsantrag. Für jeden Triathleten ist Hawaii das Nonplusultra.

Wenn es einen Lebenslauf gibt, der besonders spannend ist, dann ist es der von Kathrin. Sie ist nicht nur Chemikerin und Ernährungscoach, nein, sie ist eben auch Triathletin mit voller Leidenschaft. Hawaii? Ihr Ziel, ihr Wunsch. Das merkt man, wenn sie anfängt, über diesen Wettkampf zu berichten. Dann lächelt sie, träumt sich kurz weg, ans Meer, aufs Fahrrad und die Laufstrecke. „Man muss fit sein, sehr viel Glück haben und an dem Tag sollte halt alles stimmen”, erklärt sie bei einem Saft im Café. Insgesamt treten rund 2500 Triathleten beim Ironman Hawaii an, 70 Prozent Männer, 30 Prozent Frauen. Davor aber gibt es eine harte Qualifikation. Kathrin will ihr Ziel in diesem Jahr angehen und arbeitet deshalb härter als jemals zuvor. Dafür reist sie dreieinhalb Monate zum Triathlon Stützpunkt „Thanyapura“ nach Thailand. Wie das geht? „Ich habe das Sabbatical 2018 beantragt und nun wurde es mir einfach genehmigt”.

Dreieinhalb Monate Triathlon Profistützpunkt, Vorbereitung auf das Rennen ihres Lebens. Hawaii 2020.

Kathrin ist Manager Chemical Testing und arbeitet im Team Chemikalienmanagement. Sie hat einen Hang zum Perfektionismus, trinkt keinen Alkohol, liebt aber Pommes. Ihr Team unterstützt sie auch mal am Straßenrand mit lautem Geschrei.

„Für mich ist der Triathlon mehr als nur ein Hobby. Es ist die Herausforderung zu testen, was man aus dem eigenen Körper so herauskitzeln kann.” Seit sechs Jahren nimmt Kathrin an Wettkämpfen teil. Grund dafür waren 20 Kilo, die sie mehr gewogen hat. Weil Schwimmen schon immer ein Hobby war, fing sie mit dem Laufen an. Was fehlt dann noch für einen Triathlon? Genau: Radfahren. „Ich habe mich einfach zum ersten Triathlon in Hamburg angemeldet, aber nicht zum Jedermann-Triathlon, sondern direkt zur olympischen Disziplin”, sagt Kathrin lachend, als könne sie es selbst nicht glauben, dass sie mittlerweile wirklich gut ist. Weiß der Körper einmal, dass eine bestimmte Zeit machbar ist, will man immer mehr. Obwohl Kathrin kein offizieller Profiathlet ist, wird ziemlich schnell deutlich, dass ihr dieses Triathlon-Thema ernst ist. Im April geht es zum Ironman nach Texas - auf der Langdistanz. Nur zur Einordnung, wir reden hier von 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen! Texas ist ihre zweite Langdistanz, acht Mittelstrecken hat sie schon absolviert.

Die flexible Arbeitswelt macht es möglich

Wie ist ihre intensive Leidenschaft mit dem Job bei OTTO vereinbar? Das alles geht nur mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und einem guten Team. „Mein Team geht das alles mit, unterstützt mich und jubelt sogar mal bei Wettbewerben am Straßenrand.” Sie kann durch die Gleitzeit flexibel kommen und gehen, nutzt die Mittagspause für einen Lauf um den Bramfelder See (rund 8 Kilometer). Meist ist sie gegen sieben Uhr im Büro, damit sie den Nachmittag komplett für das Training nutzen kann. Gerade in Hochzeiten vor einem Wettkampf ist es mit einmal die Woche Training nicht getan. Da kommen schon mal 18 bis 22 Stunden in der Woche Training hinzu. „Wenn ich zwei bis drei Sporteinheiten am Tag absolvieren muss, noch Ernährungsberatung mache und einen Vollzeitjob habe, bin ich darauf angewiesen, flexibel agieren zu können. Anders ließe sich das alles nicht organisieren. Bei einem anderen Arbeitgeber mit einem strikten Arbeitszeitmodell wäre das alles nicht machbar”, erklärt die 34-Jährige im Gespräch. Zurzeit arbeitet Kathrin alle zwei Wochen am Mittwoch im Homeoffice. Das heißt: Noch früher anfangen und den kompletten Nachmittag für den Sport nutzen. „Ich kann dann auch mal drei bis vier Stunden Radfahren und hinten raus noch laufen gehen”.

Totale Begeisterung für Chemie, Ernährung und Sport

Wenn man zwei bis drei Einheiten Sport am Tag absolvieren muss, noch Ernährungsberatung macht und einen Vollzeitjob hat, ist man darauf angewiesen, flexibel agieren zu können.

Kathrin Vergin, ist seit gut sechs Jahren im Triathlon-Zirkus unterwegs


Hört man der Sportlerin zu, was sie gelernt hat, dann beeindruckt diese Frau noch ein wenig mehr: Sie studierte onkologische Chemie, jobbte in der Schulzeit bei Bayer im Pharmabereich und ging dann für ein paar Jahre in die Forschung, um das Ernährungsverhalten von Frauen mit Brustkrebs und die Zellveränderung zu untersuchen. Danach Hamburg. Dreieinhalb Jahre leitete sie ein Prüflabor, bevor sie zu OTTO wechselte. „Heute arbeite ich in der zentralen Stelle für Chemikalienmanagement. Ich kenne mich mit chemischen Analysen aus, mit Prüfungsleistungen und Zertifizierungen. Mein Hauptjob ist die Chemie”. Und weil das noch nicht reicht, ist Kathrin nebenbei noch Ernährungscoach. Seit der mindful@otto-Kampagne hält sie regelmäßig Vorträge. Hauptthema ist das emotionale Essen und die Fragen, warum eigentlich Diäten nicht funktionieren, was das Essverhalten mit Stress, Trauer, Kummer zu tun hat. Warum essen wir eigentlich, wenn wir keinen Hunger haben?

Ernährung und Sport kann die Chemikerin vor allem beim Triathlon gut verbinden. Für eine erfolgreiche Hawaii-Qualifikation muss eben alles stimmen. Darauf trainiert sie ab August hin und legt den Fokus komplett auf den Sport – keine Ablenkung vom Job. Um dem Ziel einen kleinen Schritt näherzukommen, doch irgendwann im seichten Wellengang die ersten Kraulzüge Richtung Startlinie zu nehmen und das Salz auf den Lippen zu spüren. Hawaii 2020.

Kontakt

Eugenia Mönning
Corporate Spokeswoman HR

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