So kauft ihr zukünftig mit dem Handy ein
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So kauft ihr zukünftig mit dem Handy ein

Mobiltelefone entwickeln sich aktuell zum Shopping-Tool Nummer 1. Viele Onlinehändler generieren schon mehr Umsatz über mobile Endgeräte als über den Desktop.

29.11.2018 Von Michael Strothoff Lesedauer: 3 Minuten
Deshalb arbeiten Entwickler bereits heute am mobilen Shoppen von morgen. Das führt unausweichlich zur Frage, wohin die Reise geht. Zusammen mit Julian Komar, Produktmanager Apps bei OTTO, ordnen wir drei Zukunftsthesen einmal ein.

„Mein Smartphone weiß, was mir gefällt, und schlägt Outfits vor, in denen ich mich wohlfühle.“

Inspiration und Kundenbindung spielen eine ganz zentrale Rolle. Gerade über das Smartphone ist das Angebot schnellstens erreichbar. „Heute schaut der Nutzer auch mal aus Langeweile oder ohne konkrete Kaufabsicht im Shop oder der App vorbei. Er will sich inspirieren lassen und erwartet Angebote, die seinem Geschmack und seinen Vorstellungen entsprechen“, meint Julian. Das Stichwort heißt Personalisierung. Lernende Algorithmen unterstützen dabei, aus den individuellen Suchbegriffen, Bestellungen und Seitenaufrufen eines Nutzers seinen bevorzugten Style oder favorisierte Produkte abzuleiten und direkt anzuzeigen.

Shoppen wird zur App-Sache

Mobil überholt Desktop – auch beim Onlinehändler OTTO. 55 Prozent aller Käufe im OTTO-Shop erfolgen über mobile Endgeräte. Der Anteil der mobilen Visits beträgt heute sogar schon 65 Prozent. Tendenz steigend. Einer der größten Erfolgsfaktoren für diese Entwicklung: die OTTO-App. Diese nutzen heute schon mehr als 1,5 Million Kunden. Sowohl Visits als auch die Einkäufe (Nachfrage) über die App haben sich im Jahr 2018 im Vergleich zu 2017 verdoppelt.

Sprich: Der Shop passt sich jedem Nutzer ganz individuell an. Viele Nutzer sind dafür laut Julian aufgeschlossen: „Der Trend geht dahin, dass Kunden gerade mobilen Apps ein höheres Vertrauen entgegenbringen und sich Stores wünschen, die sich ihren Bedürfnissen anpassen.“ Während die Stores der großen Onlinehändler schon heute clever lernen und Produktinteressen jedes Nutzers immer besser berücksichtigen, stehen gerade kleinere Onlineshops, laut Julian, hier erst am Anfang.

„Mein Smartphone weiß immer, wo es die besten Klamotten oder Produkte gibt.“

Wer kennt das nicht? Man schlendert durch die Stadt und sieht plötzlich diese superschöne Jacke. Oder die Lampe in der Wohnung der Bekannten gefällt einem richtig gut. Sofort brennt die Frage auf der Zunge: "Wo kann ich die kaufen?" Für eine Antwort reicht es zukünftig aus, eine Shopping-App zu öffnen, ein Foto vom Objekt der Begierde zu machen und wenige Millisekunden später erscheinen Jacke oder Lampe auf dem Display. Die Technik dafür ist laut Julian sehr weit, erste Apps längst auf dem Markt.

Schon heute reicht ein Bild vom Möbelstück aus und die alike-App von OTTO zeigt dem Nutzer an, wo er es online kaufen kann.

Trotzdem müssen noch ein, zwei Schritte gegangen werden, bis die breite Masse die Funktion nutzt. So ruckelt die Technik aktuell noch etwas. „Heute basieren viele Anwendungen der Bilderkennung darauf, dass der Nutzer noch ein Objekt oder einen Bildausschnitt auswählen muss. Auch funktioniert die Bilderkennung nicht in jedem Fall gleich gut“, meint Julian. Wenn sich beispielsweise auf dem Bild nicht nur die Lampe, sondern im Hintergrund auch andere Möbelstücke befinden, kommen AR-Apps noch ins Stolpern. Diese Probleme werden aber in den nächsten Monaten gelöst, ist sich der App-Experte sicher.

„Mein Smartphone nimmt kein Blatt vor den Mund und sagt ehrlich, ob mir ein Outfit steht.“

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ - was nach Märchen klingt, ist in einigen Tech-Laboren längst real. Ein aktuelles Testszenario: Kunden stellen sich vor einen Spiegel und wählen ein Outfit aus. Dieses wird mithilfe von Augmented Reality-Technik direkt auf das eigene Spiegelbild projiziert.

Ebenfalls im Testmodus: Man fotografiert sich im Outfit und eine App analysiert auf Grundlage der Farben, Schnitte und Materialien beispielsweise, ob das Outfit vom Style her und farblich zueinander passt. Das funktioniert auch im Kontext vom Möbelkauf. Wer zu seinem Sofa einen passenden Teppich sucht, fotografiert dieses und die App schlägt auf Basis von Farbe, Größe und Oberfläche passende Teppiche vor. Klingt cool. Allerdings: Wie und vor allem wann diese Technologie für die breite Masse an den Start geht, ist stand heute, schwer zu sagen. Es zeigt aber, was bald mit dem Smartphone und Apps möglich ist.

Dank der AR-Technik könnte das genervte Enträtseln der Gebrauchsanleitung bald ein Ende haben. „Wer sich beispielsweise einen neuen Fernseher kauft und nicht weiß, welches Kabel in welchen Anschluss gehört, schaltet zukünftig einfach die Kamera des Smartphones ein. Diese erkennt Gerät und Anschlüsse und zeigt mit einem virtuellen Pfeil an, wo welcher Stecker hingehört“, skizziert Julian eine mögliche Entwicklung, die aber auch eher etwas für übermorgen als morgen ist.

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Michael Strothoff
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