Wür­de man einem Foto­gra­fen aus dem vori­gen Jahr­hun­dert ein Lens­ba­by-Objek­tiv in die Hand drü­cken, er wür­de es ver­mut­lich rekla­mie­ren. Denn es schießt Bil­der mit einem opti­schen Feh­ler. Der ist aller­dings gewollt und sorgt für einen soge­nann­ten Tilt-Shift-Effekt. UPDATED zeigt dir, wie du dei­ne Kame­ra rich­tig für das Lens­ba­by ein­stellst, das Objek­tiv opti­mal nutzt und den “Sweet Spot” dei­ner Bil­der fin­dest.

Lens­ba­by kau­fen: Das soll­test du beach­ten

Das Lens­ba­by-Objek­tiv wird über einen Bajo­nett­ver­schluss mit der Kame­ra ver­bun­den. Da jeder Kame­ra­her­stel­ler die­sen Ver­schluss unter­schied­lich gestal­tet, soll­test du beim Kauf dar­auf ach­ten, dass das Objek­tiv auf dei­ne Kame­ra passt. Dazu brauchst du nicht zwin­gend ein Objek­tiv von der­sel­ben Fir­ma zu kau­fen, von der dei­ne Kame­ra stammt. Ach­te ein­fach dar­auf, dass bei­des zusam­men­passt.

Außer­dem gibt es Adap­ter für Lens­ba­by-Objek­ti­ve. Sie ver­bin­den Objek­tiv und Kame­ra mit­ein­an­der, auch wenn sie nicht kom­pa­ti­bel sind. Sol­che Adap­ter kön­nen aller­dings die Funk­tio­na­li­tät des Objek­tivs ein­schrän­ken. Außer­dem sind sie preis­lich kaum güns­ti­ger als das Objek­tiv an sich. Der Kauf will also gut über­legt sein.

Was ist ein Lens­ba­by-Objek­tiv und was kann es?

Genau genom­men war das Lens­ba­by-Objek­tiv einst das Flagg­schiff der gleich­na­mi­gen Fir­ma. Mitt­ler­wei­le stellt das Unter­neh­men auch eine Viel­zahl ande­rer Objek­ti­ve her. Und Lens­ba­bys gibt es inzwi­schen von ver­schie­de­nen Kame­ra­mar­ken.

Was kann das Lens­ba­by-Objek­tiv?

Auch wenn es auf den ers­ten Blick nicht so aus­sieht, arbei­ten Lens­ba­by-Objek­ti­ve sehr prä­zi­se – und bau­en ganz bewusst einen opti­schen Feh­ler in die Bil­der ein: den soge­nann­ten Tilt Shift. Dadurch ist ein Teil des Bil­des stark ver­schwom­men, etwa so, als hät­test du wäh­rend der Auf­nah­me gezoomt oder die Kame­ra bewegt. Es han­delt sich also nicht um die nor­ma­le Unschär­fe, die durch eine offe­ne Blen­de oder eine hohe Brenn­wei­te erzeugt wird.

Ein klei­ner Teil des Bil­des, der Fokus­punkt, bleibt hin­ge­gen scharf. Der dadurch ent­ste­hen­de Effekt führt dazu, dass der Blick des Betrach­ters auto­ma­tisch auf die­sen Fokus­punkt gelenkt wird.

Auf­bau eines Lens­ba­by-Objek­tivs

Das klas­si­sche Lens­ba­by-Objek­tiv ver­fügt neben den übli­chen Kom­po­nen­ten eines Objek­tivs über ein Kugel­ge­lenk oder einen Fächer. Damit kannst du die Objek­ti­vach­se in alle Rich­tun­gen nei­gen und so den Tilt-Effekt erzeu­gen. Außer­dem gibt es einen Fokus­ring, der zur manu­el­len Fokus­sie­rung dient. Die Blen­de kommt meist in Form einer magne­ti­schen Schei­be daher, die du je nach gewünsch­ter Schärfen­tie­fe von Hand aus­wech­seln kannst.

Mitt­ler­wei­le gibt es auf dem Markt ver­schie­de­ne Abwand­lun­gen die­ser klas­si­schen Bau­wei­se. Eini­ge Lens­ba­bys dre­hen den Hin­ter­grund und rufen so ver­rück­te Ver­wir­be­lun­gen im Bild her­vor. Ande­re sor­gen ein­fach für extre­me Unschär­fen. Der Krea­ti­vi­tät sind kaum noch Gren­zen gesetzt. Das Prak­ti­sche: Ver­schie­de­ne Lens­ba­bys kre­ieren zwar unter­schied­li­che Effek­te – die Hand­ha­bung ist jedoch immer gleich.

So stellst du das Lens­ba­by-Objek­tiv ein

Wie viel Unschär­fe darf es sein? Mit einem Lens­ba­by kannst du alle mög­li­chen Effek­te errei­chen: Unschär­fe nur links im Bild oder nur rechts, Vor­der­grund unscharf oder Hin­ter­grund unscharf … Damit am Ende das her­aus­kommt, was du dir vor­stellst, kom­men hier unse­re Tipps für die rich­ti­gen Ein­stel­lun­gen:

Fokus­sie­ren: So nutzt du den “Sweet Spot”

Den Auto­fo­kus suchst du bei einem Lens­ba­by ver­geb­lich. Statt­des­sen fokus­sierst du manu­ell über den Ring am Objek­tiv. Das ist am Anfang gar nicht so leicht, klappt mit etwas Übung aber ganz gut und gibt dir vor allem jede Men­ge Spiel­raum, die Ein­stel­lun­gen genau so zu wäh­len, wie du sie haben willst.

Die Kugel bzw. den Fächer lockerst du zunächst und drehst das Gelenk in eine belie­bi­ge Rich­tung. Schau dabei durch den Sucher dei­ner Kame­ra, da das Dre­hen bestimmt, wel­cher Bereich in dei­nem Bild ver­wischt und unscharf ist. Kip­pe die Kugel zum Bei­spiel leicht nach oben. So ist der gesam­te unte­re Bereich dei­nes Bil­des ver­wischt und der Blick wird auf einen Bereich in der Mit­te dei­nes Bil­des gelenkt (den “Sweet Spot”). Stel­le das Kugel­ge­lenk wie­der fest, bevor du das Foto machst.

Blen­de ein­stel­len: So klappt es manu­ell

Hast du bis­her immer an einem Räd­chen oder im Menü dei­ner Kame­ra alle Blen­den­ein­stel­lun­gen vor­ge­nom­men, wird es jetzt etwas “manu­el­ler”. Die Blen­de wird über ein klei­nes Plätt­chen ein­ge­stellt, das sich inner­halb des Objek­tivs befin­det. Per Magnet lässt sich das Plätt­chen von vorn aus dem Objek­tiv holen und aus­wech­seln.

Für dich bedeu­tet das: Du über­legst dir als Ers­tes, wel­che Blen­de du für dei­ne Bil­der ver­wen­den möch­test. Nimm eine offe­ne Blen­de für viel Unschär­fe im Hin­ter­grund oder eine geschlos­se­ne Blen­de für gleich­mä­ßi­ge Schär­fe. Das betrifft ledig­lich die “nor­ma­le” Unschär­fe im Bild, wie du sie von dei­nen übli­chen Objek­ti­ven kennst. Das Lens­ba­by sorgt noch für wei­te­re Unschär­fen.

Auf den Blen­den-Plätt­chen ist die Blen­den­zahl ein­gra­viert. Hier gilt: je klei­ner die Zahl, umso offe­ner die Blen­de. Ob dei­ne Blen­de eher offen oder geschlos­sen ist, kannst du auch an der Grö­ße der Öff­nung in der Mit­te des Plätt­chens sehen: Je grö­ßer die­se ist, umso offe­ner ist die Blen­de.

Star­te am bes­ten mit einer Blen­de von f/5,6. So bekommst du nicht zu viel Unschär­fe aufs Foto und hast Platz für den eigent­li­chen Lens­ba­by-Effekt.

Belich­tungs­zeit und ISO wäh­len: Hier kommt die Kame­ra ins Spiel

Jetzt bege­ben wir uns wie­der auf bekann­tes Ter­rain. Denn die­se Ein­stel­lun­gen kannst du wie gewohnt an dei­ner Kame­ra vor­neh­men. Für den Anfang kannst du die ISO-Ein­stel­lun­gen der Kame­ra­au­to­ma­tik über­las­sen, dann brauchst du dich dar­um nicht zu küm­mern. Alter­na­tiv passt du den ISO-Wert an die herr­schen­den Licht­ver­hält­nis­se an: 100 an son­ni­gen, 400 an bewölk­ten Tagen etc. Die Belich­tungs­zeit wählst du eben­falls pas­send zum Licht.

Den Shift rich­tig nut­zen: So lenkst du den Blick auf dei­ne Moti­ve

Über­le­ge dir, was im Fokus dei­ner Bil­der ste­hen soll. Die Unschär­fe hilft dir, den Blick auf das Wesent­li­che zu len­ken. Alles Unwich­ti­ge lässt du im stark ver­wisch­ten Teil dei­nes Bil­des ver­schwin­den.

Befin­det sich dein Motiv in der Mit­te des Bil­des, brauchst du den Shift kaum zu nut­zen. Hier reicht es, das Objek­tiv mini­mal nach oben oder unten zu kip­pen. Befin­det sich dein Motiv seit­lich auf dei­nem Bild, kippst du das Objek­tiv zu die­ser Sei­te und erzeugst so einen Shift, der die kom­plet­te ande­re Sei­te des Bil­des ver­wischt.

Außer­dem kannst du den Shift dazu nut­zen, dei­nen Bil­dern eine gewis­se Dyna­mik zu ver­lei­hen. Beson­ders gut klappt das bei beweg­ten Objek­ten wie einem Long­board-Fah­rer oder einem fah­ren­den Auto. Lege den Fokus jeweils auf das beweg­te Motiv. Doch auch sta­ti­sche Objek­te, etwa ein Baum, erhal­ten durch die geziel­te Unschär­fe eine gewis­se Dyna­mik. Das kann sogar so weit gehen, dass dem Betrach­ter des Bil­des etwas schwind­lig wird – zum Bei­spiel, wenn du den Boden mit viel Unschär­fe foto­gra­fierst.

Ide­en für krea­ti­ve Lens­ba­by-Fotos

Das Lens­ba­by ist ein Spiel-Objek­tiv. Des­halb gilt vor allem: Lass dei­ner Krea­ti­vi­tät frei­en Lauf. Alles ist erlaubt. Wir haben eini­ge Ide­en für dich zusam­men­ge­stellt:

Übung macht den Meis­ter

Mal eben das Lens­ba­by auf­ge­schraubt und atem­be­rau­ben­de Bil­der gemacht? Kann pas­sie­ren, wür­de dann aber eher in die Kate­go­rie “Anfän­ger­glück” fal­len. Denn auch wenn das Objek­tiv zur Spaß­aus­rüs­tung für Foto­gra­fen gehört, ver­langt es doch eini­ges an Kön­nen – und vor allem jede Men­ge Übung. Das manu­el­le Fokus­sie­ren will gelernt sein und den rich­ti­gen Shift für die Unschär­fe hin­zu­be­kom­men, sieht auch ein­fa­cher aus, als es ist. Doch selbst wenn die ers­ten Schnapp­schüs­se noch nicht Insta­gram-reif sind, macht das Her­um­ex­pe­ri­men­tie­ren jede Men­ge Spaß. Und nach eini­gem Pro­bie­ren ent­ste­hen ganz ver­blüf­fen­de Fotos – und das ohne dabei in die Trick­kis­te der Nach­be­ar­bei­tung grei­fen zu müs­sen.

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