Stil­le. Eben haben Sie im Wohn­zim­mer noch schön über Kopf­hö­rer und Smart­pho­ne Musik von Ihrem Lieb­lings-Strea­ming­dienst genos­sen. Aber auf dem Weg in die Küche gab es zuneh­men­de WLAN-Stö­run­gen und jetzt ist gar nichts mehr zu hören. Damit haben Sie wahr­schein­lich das glei­che Pro­blem wie vie­le ande­re WLAN-Benut­zer: Ihr zen­tra­ler WLAN-Rou­ter schafft es nicht, für die gesam­ten Wohn­räu­me ein sta­bi­les Funk­netz auf­zu­bau­en. Abhil­fe schafft eine neue Netz­werk­struk­tur: ein WLAN mit Mesh-Auf­bau. Erfah­ren Sie hier, war­um Sie damit Ihren Inter­net­emp­fang ver­bes­sern kön­nen und wel­che Sys­te­me zur Ver­fü­gung ste­hen.

Mesh ver­sus Repea­ter: Wo sind Unter­schie­de?

Eine Alter­na­ti­ve zur Ver­grö­ße­rung und/oder Sta­bi­li­sie­rung eines WLAN-Netz­wer­kes ist der Ein­satz von soge­nann­ten Repeatern. Die Gerä­te neh­men das Signal vom WLAN-Rou­ter auf und wie­der­ho­len (“repea­ten”) es – so ver­län­gert sich das Netz. Die­se Lösung hat im Ver­gleich zum Mesh-Netz Nach­tei­le:

  • Grö­ße­re Stö­rungs­an­fäl­lig­keit: Rou­ter und Repea­ter sind hin­ter­ein­an­der­ge­schal­tet. Fällt eine Kom­po­nen­te aus, erhal­ten die fol­gen­den kein Signal mehr. Bei einem Mesh-Netz­werk ist grund­sätz­lich die auto­ma­ti­sche Signal­um­lei­tung auf ande­re Kom­po­nen­ten mög­lich.
  • Kle­be­ef­fekt: Wenn Ihr End­ge­rät bei­spiels­wei­se mit dem Rou­ter ver­bun­den ist und Sie sich durch die Woh­nung bewe­gen, kann es pas­sie­ren, dass nicht recht­zei­tig zu einem Repea­ter umge­schal­tet wird. Die­ses “Kle­ben­blei­ben” hat bis zum Umschal­ten eine ste­tig schwä­cher wer­den­de Ver­bin­dung zur Fol­ge.

So über­prü­fen Sie die Qua­li­tät Ihres WLAN

Ob Ihr Netz­werk zu schwach ist, mer­ken Sie dar­an, dass ver­mehrt Stö­run­gen und ver­län­ger­te Zwi­schen­spei­cher­zei­ten auf dem End­ge­rät auf­tre­ten, je stär­ker Sie sich vom zen­tra­len WLAN-Rou­ter ent­fer­nen. So kön­nen Sie prü­fen, wo die Schwach­stel­len lie­gen:

  1. Laden Sie sich eine WLAN-Dia­gno­se-App auf das Smart­pho­ne oder Tablet her­un­ter (bei­spiels­wei­se die Gra­tis-Apps Wifi Ana­ly­zer oder Fritz!App WLAN für Android bezie­hungs­wei­se Wi-Fi SweetS­pots für iOS).
  2. Star­ten Sie die App und prü­fen Sie die Über­tra­gungs­ge­schwin­dig­keit in der Nähe des WLAN-Rou­ters.
  3. Wan­dern Sie nun durch die Räu­me und beob­ach­ten Sie die Ver­än­de­rung der Signal­stär­ke. Mer­ken Sie sich, wo die schlech­tes­te Ver­bin­dung besteht. Das hilft spä­ter bei der Plat­zie­rung der WLAN-Kom­po­nen­ten.

Erschwe­ren­de Fak­to­ren für ein gleich­mä­ßig star­kes Netz­werk sind:

  • Dicke Wän­de
  • WLAN über meh­re­re Geschos­se
  • Hohe WLAN-Dich­te in der Nach­bar­schaft mit über­lap­pen­den Funk­fre­quen­zen

Tipp: Manch­mal ist gar nicht Ihre Netz­werk-Tech­nik das Pro­blem, son­dern Ihr Inter­net-Anbie­ter, der weni­ger Band­brei­te als ver­ein­bart lie­fert. Bevor Sie über­le­gen, Ihr Netz­werk umzu­bau­en, soll­ten Sie das klä­ren. Gehen Sie wie folgt vor:

  1. Sehen Sie in die Ver­trags­un­ter­la­gen bezie­hungs­wei­se in die tech­ni­schen Daten der Betriebs­an­lei­tung des WLAN-Rou­ters, wel­che Band­brei­te für das WLAN zur Ver­fü­gung ste­hen soll.
  2. Prü­fen Sie die Qua­li­tät wie beschrie­ben mit einer Test-App in der Nähe des WLAN-Rou­ters. Sind die Wer­te im Rah­men des Ver­ein­bar­ten, liegt das Pro­blem nicht beim Anbie­ter.

Mesh- und Mesh-ähn­li­che Netz­wer­ke für gleich­mä­ßig star­ke Raum­ab­de­ckung

“Mesh” ist der eng­li­sche Begriff für “Masche” und steht für einen sehr luf­ti­gen Stoff aus vie­len klei­nen geweb­ten Maschen. Aus die­ser Struk­tur lei­tet sich auch der Name für ein Mesh-WLAN ab. Es besteht aus mit­ein­an­der “ver­web­ten” Kno­ten in Form von Funk­mo­du­len.

Jedes Modul ist ein Zugangs­punkt zum Netz­werk und kom­mu­ni­ziert mit allen ande­ren. So wer­den Daten stets auf dem bes­ten Weg vom WLAN-Rou­ter zum End­ge­rät und zurück wei­ter­ge­lei­tet. Da es meh­re­re Zugangs­punk­te gibt, lässt sich auch auf grö­ße­ren Area­len ein flä­chen­de­cken­des Netz mit gleich­mä­ßi­ger Ver­bin­dungs­qua­li­tät auf­bau­en. Im Detail gibt es von den Anbie­tern für Mesh-Netz­wer­ke unter­schied­li­che Archi­tek­tu­ren.

Haupt­rou­ter mit Satel­li­ten

Die­se Struk­tur basiert auf zwei Funk­ti­ons­ein­hei­ten:

  • WLAN-Haupt­rou­ter
  • WLAN-Funk­sa­tel­li­ten

Den WLAN-Haupt­rou­ter schlie­ßen Sie an Ihren Inter­net-Über­ga­be­punkt (das Modem) an. An den Haupt­rou­ter wer­den dann WLAN-Satel­li­ten gekop­pelt, die das eigent­li­che Netz auf­bau­en. Die­sen Ansatz ver­fol­gen bei­spiels­wei­se die Her­stel­ler Net­ge­ar (Sys­tem Orbi) und Link­s­ys (Sys­tem Velop). Bei­de Unter­neh­men bie­ten soge­nann­te Tri-Band-Sys­te­me: Sie ver­wen­den die bei­den WLAN-Funk­fre­quen­zen 2,4 und 5 Giga­hertz für die kon­kre­te Nut­zung und ein drit­tes Funk­band, das aus­schließ­lich der Steue­rungs­kom­mu­ni­ka­ti­on zwi­schen den Modu­len dient. Das macht die Pro­duk­te rela­tiv teu­er, aber Sie erhal­ten im Gegen­zug sehr schnel­le und sta­bi­le Net­ze.

Eine Haupt­rou­ter/­Sa­tel­li­ten-Struk­tur hat auch das preis­wer­te­re Mesh-Netz­werk von Goo­g­les Sys­tem “Goog­le Wifi”. Es arbei­tet nur mit den bei­den WLAN-Funk­bän­dern und nutzt sie auch für die Kom­po­nen­ten-Kom­mu­ni­ka­ti­on. “Goog­le Wifi” wech­selt auto­ma­tisch den Funk­ka­nal oder ver­bin­det Ihr End­ge­rät mit einem ande­ren Zugangs­punkt, um best­mög­li­che Qua­li­tät zu ermög­li­chen.

Tipp: Wie sie ein Goog­le Wifi-Sys­tem ein­rich­ten, erfah­ren Sie in unse­rem Rat­ge­ber “Goog­le Wifi ein­rich­ten: So geht’s Schritt für Schritt”.

“Unech­tes” Mesh-Netz­werk mit Schalt­zen­tra­le

Der Ber­li­ner Her­stel­ler AVM ist der Anbie­ter der sehr ver­brei­te­ten Fritz!Box, eine Mode­m/W­LAN-Rou­ter-Kom­bi­na­ti­on. Für die­se gibt es eine neue Firm­ware Fritz!OS 6.90 (das Betriebs­sys­tem der Gerä­te), die eine Mesh-ähn­li­che Funk­ti­on des WLANs ermög­licht. Die Struk­tur sieht so aus:

  • Fritz!Box
  • Erwei­te­rungs­kom­po­nen­ten wie Repea­ter oder Power­line-Adap­ter

Die Fritz!Box wird hier zur Schalt­zen­tra­le, die alle ange­schlos­se­nen Zugangs­punk­te ver­wal­tet. Die­se kom­mu­ni­zie­ren nicht direkt mit­ein­an­der – inso­fern liegt kein ech­tes Mesh-Netz vor. Aber es wur­de der gene­rel­le Infor­ma­ti­ons­aus­tausch zwi­schen dem Rou­ter und den ange­schlos­se­nen Funk­ein­hei­ten ver­bes­sert.

Alle Gerä­te stim­men sich unter­ein­an­der auto­ma­tisch ab, meh­re­re von ihnen erzeug­te Netz­wer­ke wer­den zu einem zusam­men­ge­fasst. Das Umschal­ten auf die geeig­ne­te Fre­quenz und den bes­ten Kanal erfolgt eben­falls auto­ma­tisch. Laut AVM soll die Neue­rung alle Vor­tei­le eines klas­si­schen Mesh-Netz­wer­kes bie­ten.

Vor­teil für Bestands­kun­den: Das Firm­ware-Update gilt auch für eini­ge älte­re Gerä­te, so dass even­tu­ell kei­ne Neu­an­schaf­fun­gen nötig sind. Auf der AVM-Web­site fin­den Sie eine Lis­te der unter­stütz­ten Gerä­te.

Hybrid-Mesh: Mesh-Effekt über das Strom­netz

Eine prak­ti­sche Mög­lich­keit, ein Netz­werk für Inter­net und die Ver­knüp­fung von Com­pu­tern her­zu­stel­len, ist die Power­line-Tech­nik. Hier­bei wird das häus­li­che Elek­tri­zi­täts­netz als Alter­na­ti­ve zu einer sepa­ra­ten Netz­werk-Ver­ka­be­lung benutzt: Die Daten rei­sen prak­tisch Hucke­pack auf dem Strom mit und wer­den von Power­line-Adap­tern (einer muss mit dem Modem ver­bun­den sein) ein- und aus­ge­speist.

Wenn Adap­ter mit einem WLAN-Zugangs­punkt aus­ge­stat­tet sind, spricht man auf­grund des Zusam­men­spiels von zwei unter­schied­li­chen Daten­über­tra­gungs­tech­ni­ken von einem Hybrid­netz­werk. Ein bekann­ter Her­stel­ler ist Devo­lo, der mit dem Funk­ti­ons­pa­ket “Smart WiFi” einen Mesh-Effekt für solch ein Netz­werk ermög­licht. So sieht die Struk­tur aus:

  • Strom­ver­ka­be­lung der Woh­nung als Netz­ba­sis
  • Kom­mu­ni­zie­ren­de Power­line-Adap­ter mit WLAN-Zugangs­punkt

Die zen­tra­le Neue­rung ist die Roa­ming-Funk­ti­on für die Adap­ter: Wenn Sie per WLAN mit einem mobi­len Gerät an einem Adap­ter ange­schlos­sen sind und durch die Woh­nung gehen, ver­bin­det sich das Gerät auto­ma­tisch mit dem Adap­ter, der das stärks­te Signal aus­strahlt.

Mög­lich wird das Mesh-ähn­li­che Roa­ming, indem die Adap­ter über das Strom­netz mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren und die Ver­bin­dungs­qua­li­tät mit dem End­ge­rät bewer­ten. Da das eigent­li­che Netz­werk nicht aus Funk­ver­bin­dun­gen, son­dern aus Strom­ka­beln gebil­det wird, soll die­se Lösung laut Devo­lo schnel­ler und sta­bi­ler als ein rei­nes WLAN-Netz sein. Eine ver­gleich­ba­re Tech­nik bie­tet bei­spiels­wei­se der Her­stel­ler D‑Link mit sei­nen “Covr”-Produkten.

Mesh-WLAN ermög­licht flä­chen­de­ckend sta­bi­le Funk­net­ze

Mesh-WLANs bestehen aus meh­re­ren mit­ein­an­der ver­knüpf­ten und kom­mu­ni­zie­ren­den Kom­po­nen­ten. Damit haben Sie die Mög­lich­keit, auch in grö­ße­ren Woh­nun­gen oder Häu­sern ein sta­bi­les WLAN-Netz­werk mit gleich­mä­ßig star­ker Flä­chen­ab­de­ckung auf­zu­bau­en. Die klas­si­sche Mesh-Archi­tek­tur besteht aus einem Haupt­rou­ter mit ange­schlos­se­nen Funk-Satel­li­ten. Eine Mesh-ähn­li­che Netz­qua­li­tät lässt sich auch mit Lösun­gen errei­chen, die über eine zen­tra­le Steu­er­ein­heit ver­fü­gen oder wel­che die Strom­ver­ka­be­lung und kom­mu­ni­zie­ren­de Power­line-Adap­ter nut­zen.

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