Sie sitzen im Früh­jahr auf dem Balkon und beobacht­en einen far­ben­fro­hen Schmetter­ling, der sich auf ein­er Blume nieder­lässt. Sie schnap­pen sich ihre Kam­era und ver­suchen, das Motiv festzuhal­ten. Doch beim Annäh­ern fliegt das Insekt sofort weg. Ein häu­figes Prob­lem bei extremen Nahauf­nah­men, der Makro­fo­tografie. Wenn Sie auch die kle­in­sten Motive noch detail­re­ich abbilden wollen, müssen Sie einiges beacht­en, um ein gutes Foto zu schießen. Jed­er kann das aber mit ein­fachen Mit­teln erre­ichen. Hier find­en Sie sechs Tipps, welche Aus­rüs­tung nötig ist, was Sie beacht­en soll­ten und welche Motive sich lohnen.

1. Tipp: Die richtige Kamera für Makrofotografie

Natür­lich kön­nen Sie auch mit ihrem Smart­phone ein Bild von ein­er prächti­gen Blüte machen – doch in Sachen Schärfe und Detail­ge­nauigkeit, ger­ade bei extremen Nahauf­nah­men, sind die Kam­eras in Handys ohne Zube­hör nur bed­ingt geeignet. Und bei kleinen Lebe­we­sen kom­men Sie ver­mut­lich gar nicht nah genug her­an, bis diese vor Ihnen flücht­en.

Unter den Kom­pak­tkam­eras gibt es solche mit einem Makro­modus. Diese liefern schon bessere Bildqual­ität, doch auch hier bleibt das Prob­lem beste­hen, dass Sie sich dem Motiv stark näh­ern müssen. Das Gle­iche gilt für die spiegel­losen Sys­temkam­eras sowie die nor­malen Objek­tive von Spiegel­re­flexkam­eras.

Erst Spiegel­re­flexkam­eras oder kom­pak­te Sys­temkam­eras mit einem Makroob­jek­tiv bieten eine 1:1-Auflösung. Das heißt, dass die Abbil­dung auf dem Sen­sor genau­so groß ist wie in der Real­ität und Sie aus der Nahdis­tanz mit kleinen Objek­ten for­mat­fül­lend arbeit­en kön­nen. Lupenob­jek­tive ermöglichen sog­ar Abbil­dungs­maßstäbe, die größer sind als 1:1. Auch mit diesen Kam­eras kön­nen Sie keine Auf­nah­men aus der weit­eren Ent­fer­nung machen, doch die Flucht­dis­tanz von Insek­ten müssen Sie nicht über­schre­it­en.

2. Tipp: Makrofotografie mit dem Smartphone oder der Kompaktkamera

Für die Kam­era im Smart­phone gibt es spezielle Makroob­jek­tive. Diese kosten kaum mehr als zehn Euro und wer­den selb­stk­lebend oder mith­il­fe eines Mag­neten auf der Kam­era befes­tigt. The­o­retisch kön­nen Sie sich Ihr Makroob­jek­tiv auch sel­ber basteln: Dafür reicht schon ein Wassertropfen, den Sie mit ein­er Pipette auf die Kam­era auf­tra­gen. Dieser eine Tropfen wird mod­er­nen Smart­phones nichts anhab­en kön­nen, da es durch die fest ver­baut­en Akkus kaum noch Ritzen existieren, durch die das Wass­er ein­drin­gen kann. Der Tropfen bleibt durch die Ober­flächenspan­nung auf der Linse hän­gen und wirkt wie eine Lupe.

Dann testen Sie aus, wie nah Sie mit ihrem Handy an das Motiv herange­hen kön­nen, sodass es dieses noch fokussieren kann. Das macht Ihr Smart­phone in der Regel automa­tisch. Acht­en Sie generell darauf, dass Sie den Bil­dauss­chnitt fast kom­plett mit dem Motiv füllen, um das Objekt möglichst detail­re­ich abzu­bilden. Um Verwack­lun­gen zu ver­mei­den, gibt es auch für Smart­phones Sta­tive zu kaufen. Diese sind mit zehn bis 20 Euro gün­stig zu bekom­men.

Besitzen Sie eine Kom­pak­tkam­era, soll­ten Sie schauen, ob diese die Funk­tion “Makro” anbi­etet – meist gekennze­ich­net durch ein Blu­men­sym­bol. Mit solchen Kam­eras, die nicht mehr als 200 Euro kosten, kön­nen Sie in der Regel schon weit in die Welt der Makro­fo­tografie ein­tauchen. Zoomen Sie dann so nah wie möglich an das Motiv her­an. Bei zu starkem Zoom schal­tet die Kam­era den Makro­modus allerd­ings selb­st aus – da gilt es, ein wenig herumzupro­bieren, um das best­mögliche Ergeb­nis zu erhal­ten. Das Ziel ist eine geringe Tiefen­schärfe, das heißt, dass das fokussierte Objekt deut­lich­er im Mit­telpunkt ste­ht.

Hat Ihre Kom­pak­tkam­era ein Objek­tivgewinde, kön­nen Sie Nahlin­sen darauf schrauben. Diese bekom­men Sie im Set für unter 20 Euro. Sie verkürzen die Bren­nweite, wodurch Sie ihr Motiv aus größer­er Nähe aufnehmen kön­nen.

3. Tipp: Spiegelreflexkamera: Das richtige Makroobjektiv für Ihre Bedürfnisse

Wer gefall­en an der Makro­fo­tografie gefun­den hat und diese ver­tiefen möchte, sollte sich ein spezielles Makroob­jek­tiv gön­nen. Diese sind so kon­stru­iert, dass sie sich sehr präzise von Hand scharf stellen lassen und detail­lierte Fotos aus größer­er Ent­fer­nung möglich machen. Es gibt sie in unter­schiedlichen Bren­nweit­en: In der Regel zwis­chen 50 und 180 Mil­lime­ter in ver­schiede­nen Abstu­fun­gen. Ein 50mm-Objek­tiv ist leicht und für rund 300 Euro ver­hält­nis­mäßig gün­stig zu bekom­men, zudem hat das Bild mehr räum­liche Tiefe durch einen weniger abrupten Schär­fever­lauf. Doch für eine 1:1-Auflösung müssen Sie sehr nah an ihr Motiv herange­hen. Dadurch kön­nten Tiere flücht­en und auch der Lichte­in­fall beein­trächtigt wer­den.

Bei Objek­tiv­en um die 100 Mil­lime­ter treten diese Nachteile kaum noch auf, da Sie einen größeren Abstand ein­hal­ten kön­nen. Solche Lösun­gen haben sich in der Natur­fo­tografie auf­grund größeren Dis­tanz und den besseren Lichtver­hält­nis­sen etabliert. Auch bei klas­sis­chen Porträ­tauf­nah­men kön­nen Sie noch gut mit solchen Bren­nweit­en arbeit­en, da das freis­tellen vor weicheren Hin­ter­grün­den damit gut funk­tion­iert. Somit deck­en diese mit­tel­preisi­gen Objek­tive mehrere Ein­satzge­bi­ete ab.

180 Mil­lime­ter Bren­nweite ist schon eher etwas für Fort­geschrit­tene, da die Objek­tive preis­lich hoch liegen und sehr schw­er sind. Zudem reagiert das Sys­tem sehr empfind­lich auf Erschüt­terun­gen. Dafür kön­nen Sie auch aus weit­er­er Ent­fer­nung, rund 30 bis 50 Zen­time­tern, noch sehr detail­lierte Auf­nah­men machen, da die hohe Fes­t­bren­nweite das Motiv automa­tisch größer abbildet. Vor allem bei solch schw­eren Geräten darf die Belich­tungszeit nicht zu lang sein, son­st kommt es zu Verwack­lun­gen und die Schärfe lei­det. Viele Makro­fo­tografen greifen zum Sta­tiv, wenn die Motive unbe­weglich sind und Sie genug Zeit haben, Kam­era und Sta­tiv einzuricht­en.

Weit­ere Tipps zur richti­gen Objek­tiv-Wahl find­en Sie hier: Kam­era Objek­tiv-Rat­ge­ber: Die richtige Bren­nweite find­en

4. Tipp: Motive, die sich besonders gut für Makroaufnahmen eignen

Prinzip­iell eignen sich alle Motive, die Details ver­ber­gen. Das kön­nen Insek­ten sein, deren Augen, Glied­maßen, Füh­ler oder Mahlw­erkzeuge durch eine ansprechende Ver­größerung erst zur Gel­tung kom­men. Aber auch Pflanzen, Steine und All­t­ags­ge­gen­stände kön­nen durch die Makro­fo­tografie in ein ganz anderes Licht geset­zt wer­den.

Beacht­en Sie: Je weniger sich die Motive bewe­gen, desto ein­fach­er wird das Foto. Insek­ten sind mor­gens in der Regel träger und Blu­men lassen sich an wind­stillen Tagen bess­er ablicht­en. Manch­mal ist das Ergeb­nis ein­fach faszinierend, da hat sog­ar oft der Betra­chter Schwierigkeit­en, zu erken­nen, um was für ein Objekt es sich über­haupt han­delt.

5. Tipp: Bildgestaltung bei Nahaufnahmen

Sie haben Ihre Kam­era und das nötige Equip­ment für Makro­fo­tografie zusam­men und auch schon Ideen, was für Motive Sie gerne ablicht­en möcht­en? Per­fekt, dann kön­nen Sie eigentlich losle­gen. Um Motive span­nend in Szene zu set­zen, soll­ten Sie beson­deres Augen­merk auf die Wahl des Bild­for­mates leg­en.

  • Liegende, eher flache Objek­te sehen im Quer­for­mat bess­er aus.
  • Ste­hende, hohe Objek­te wer­den durch ein Hochfor­mat ver­stärkt.
  • Auch wirken Motive von oben herab geknipst oft nicht sehr span­nend.
  • Auf Knien oder im Liegen befind­en Sie sich mit ein­er Libelle, die aus ein­er Blüte trinkt, auf Augen­höhe.

Apro­pos Augen: Diese soll­ten bei Insek­ten­fo­tografien immer am Schärf­sten sein, da der Betra­chter ganz automa­tisch zunächst dor­thin schaut.

Tipp: Falls Sie nicht in aller Her­rgotts­frühe auf­ste­hen wollen, lässt sich mit ein paar Wassertropfen aus ein­er Pipette Mor­gen­tau imi­tieren – ein nettes, gestal­ter­isches Extra.

6. Tipp: Licht und Belichtung richtig einsetzen

Makrofotografie für Fortgeschrittene und Profi-Fotografen

Wer in die Welt der Makro­fo­tografie einge­taucht und von dieser begeis­tert ist, kann sich über­legen, weit­eres Equip­ment zu erwer­ben, mit dem auch Profis arbeit­en.

    • Sta­tiv: Ein sin­nvolle Ergänzung zu einem mitunter schw­eren Makroob­jek­tiv ist ein Sta­tiv. Es hil­ft, Verwack­lun­gen zu ver­mei­den und die opti­male Schärfe zu ermöglichen. Die Flex­i­bil­ität und Schnel­ligkeit lei­den dann allerd­ings. Ein Kugelkopf oder ein 3D-Neiger kön­nen Abhil­fe schaf­fen.
    • Makroschlit­ten: Für noch mehr Kom­fort sorgt zudem ein Makroschlit­ten. Das ist eine lange Sta­tiv­plat­te, auf der die Kam­era stufen­los vor und zurück bewegt wer­den kann und bei der Schär­fee­in­stel­lung behil­flich ist.
    • Fer­naus­lös­er: Da schon durch das Aus­lösen der Kam­era leichte Verwack­lun­gen entste­hen kön­nen, emp­fiehlt sich bei län­ger­er Belich­tungszeit zudem ein Fer­naus­lös­er.
    • Ring­blitz oder Zan­gen­blitzen: Profis arbeit­en zudem mit einem Ring­blitz oder Zan­gen­blitzen, die die gle­ich­mäßige und schat­ten­lose Ausleuch­tung des Motivs auch in been­gen­den Ver­hält­nis­sen ermöglichen.

Allein für diese Zusatzausstat­tung geben pro­fes­sionelle Fotografen teil­weise mehrere Tausend Euro aus. Doch auch ohne solch­es Zube­hör sind Sie in der Lage, tolle Bilder zu aus der Welt der Makro­fo­tografie zu knipsen.

Ger­ade in der Makro­fo­tografie ist eine gute Ausleuch­tung wichtig. Helle Tage eignen sich am besten, dann wer­den Sie jedoch auch mit vie­len harten Schat­ten kon­fron­tiert, was auch ein Stilele­ment sein kann. Ist dies nicht gewollt, stellen Sie sich in solch einem Fall zwis­chen Sonne und das Motiv und schat­ten es auf diese Weise ab. Das Licht kurz nach Son­nenauf­gang und kurz vor Son­nenun­ter­gang eignet sich am besten für Makroauf­nah­men. Anson­sten ist der Ein­satz von Blitzgeräten, die von Hand aus­gerichtet wer­den kön­nen, auch bei der Makro­fo­tografie prob­lem­los möglich.

Ein weit­eres Werkzeug zur Bildgestal­tung ist die Belich­tung. Wenn Sie zum Beispiel ein sich bewe­gen­des Tier fes­thal­ten möcht­en, dann ist eine möglichst kurze Belich­tungszeit richtig. Auf Makro­fo­tos ist i.d.R. nur ein klein­er Ent­fer­nungs­bere­ich scharf zu erken­nen. Mith­il­fe ver­schieden­er Blendene­in­stel­lun­gen kön­nen Sie diesen ver­größern oder verklein­ern.

  • Hohe Blenden­werte (über 8) sor­gen für einen größeren Schär­febere­ich
  • Kleine (unter 5,6) für einen gerin­geren Schär­febere­ich.

Wollen Sie also beispiel­sweise die Augen eines Insek­ts her­ausstellen, soll­ten Sie den Schär­febere­ich klein hal­ten. Soll das ganze Motiv gle­ich­mäßig scharf abge­bildet wer­den, stellen Sie einen großen Blenden­wert ein.

Grund­sät­zlich geht es bei der Makro­fo­tografie darum, das Wesentliche einz­u­fan­gen. Daher wird oft mit starken Unschär­fen gear­beit­et um  das eigentliche Motiv deut­lich vom Hin­ter­grund abzuheben.

Makrofotografie eröffnet ungeahnte Möglichkeiten

Die Makro­fo­tografie eröffnet Ihnen bish­er ungeah­nte Möglichkeit­en. Sie kön­nen damit aus auf den ersten Blick belan­glosen Objek­ten eine Rei­he sehenswert­er Bilder machen. Und dafür müssen Sie Ihre direk­te Umge­bung nicht ein­mal ver­lassen: Jede Wiese, jed­er Spazier­gang im Park und jedes Insekt auf dem Balkon bietet bere­its jede Menge Poten­tial für span­nende Nahauf­nah­men – man muss nur genau hin­schauen.

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