Unschär­fe im Hin­ter­grund, Schär­fe im Vor­der­grund – so funk­tio­niert unser Seh­ver­mö­gen, so schreibt es die Phy­sik vor und so sieht es zwangs­läu­fig auch auf Fotos aus. Por­trät­fo­tos leben von die­sem soge­nann­ten Bokeh-Effekt – zumin­dest, solan­ge es sich bei den Por­trä­tier­ten um Zwei- oder Vier­bei­ner han­delt. Ste­hen hin­ge­gen Insek­ten vor der Kame­ra, bewe­gen wir uns in den Bereich der Makro­fo­to­gra­fie. Und hier ist vor allem eines gewünscht: durch­ge­hen­de Schär­fe. Wie du die Phy­sik über­lis­test und jeg­li­che Unschär­fe aus dei­nen Fotos ver­bannst, erklä­ren wir dir mit der Tech­nik des Focus Stackings.

Was und wofür ist eigent­lich Focus Stacking?

Wie ent­steht Tie­fen­schär­fe?

Tie­fen­schär­fe, auch Schärfen­tie­fe genannt, ist der Bereich, in dem ein Objekt scharf abge­bil­det wird.

Wie groß oder klein die­ser Bereich ist, hängt sowohl von der Ent­fer­nung zwi­schen Kame­ra und Objekt als auch von der Blen­den­öff­nung ab: Je wei­ter die Kame­ra vom Objekt ent­fernt ist, bzw. je wei­ter die Blen­de geschlos­sen ist, des­to grö­ßer wird der schar­fe Bereich.

Focus Stacking heißt über­setzt “Bil­der sta­peln”. Und genau das wird bei die­ser Metho­de auch gemacht: Von einem Objekt wer­den meh­re­re Bil­der auf­ge­nom­men. Dabei wird der Fokus jeweils auf einen ande­ren Punkt gelegt, sodass alle Bil­der in einem unter­schied­li­chen Bereich scharf sind. In Bild­be­ar­bei­tungs­pro­gram­men, etwa Ligh­troom oder Pho­to­shop, wer­den die Bil­der dann so über­ein­an­der gelegt, dass jeweils nur der schar­fe Bereich ver­wen­det wird. So ent­steht im Ergeb­nis ein kom­plett schar­fes Bild.

Focus Stacking wird gern im Bereich der Makro- und Pro­dukt­fo­to­gra­fie ver­wen­det. Hier sind einer­seits kom­plett schar­fe Bil­der erwünscht, ande­rer­seits sorgt aber der (in der Regel) sehr gerin­ge Abstand zwi­schen Kame­ra und Motiv für sehr viel Unschär­fe.

So nimmst du Fotos für Focus Stacking auf

Pro­fi-Tipp: So behältst du bei Fotorei­hen den Über­blick

Wenn du meh­re­re Fotorei­hen auf­neh­men willst, foto­gra­fie­re nach jeder abge­schlos­se­nen Rei­he ein wei­ßes Blatt. So kannst du die unter­schied­li­chen Bil­der­sta­pel spä­ter am PC leich­ter aus­ein­an­der­hal­ten.

Um spä­ter in der Nach­be­ar­bei­tung meh­re­re Bil­der zu einem ein­zi­gen, kom­plett schar­fen Foto sta­peln zu kön­nen, brauchst du zunächst ein­zel­ne Fotos mit unter­schied­li­chen Fokus­punk­ten.

Es gibt drei Metho­den, um das zu errei­chen:

  • Du arbei­test manu­ell und fokus­sierst bei jedem Foto auf eine ande­re Stel­le, um so den Schär­fe­punkt auf dem Objekt zu ver­schie­ben. Dazu drehst du lang­sam am Fokus­ring, wäh­rend du gleich­zei­tig Fotos machst.
  • Du fokus­sierst das Objekt an einer Stel­le im Auto­ma­tik-Modus, machst ein Foto und beugst dich dann weni­ge Mil­li­me­ter nach vorn, um so die nächs­te Stel­le fokus­sie­ren zu las­sen. So gehst du mehr­fach hin­ter­ein­an­der vor.
  • Du ver­wen­dest einen soge­nann­ten Makro­schlit­ten. Auf die­se Vor­rich­tung wird die Kame­ra ein­fach auf­ge­schraubt. Der Schlit­ten ver­schiebt die Schär­fee­be­ne dann auto­ma­tisch jeweils um weni­ge Mil­li­me­ter.

Alle Metho­den kön­nen grund­sätz­lich gleich gute Ergeb­nis­se erzie­len. Wich­tig ist jedoch, dass sich das Objekt wäh­rend der Auf­nah­men nicht bewegt. Sonst führt das zu unsau­be­ren Über­gän­gen. Das ist bei der Pro­dukt­fo­to­gra­fie in der Regel unpro­ble­ma­tisch. Foto­gra­fierst du hin­ge­gen Blu­men oder Pflan­zen, ach­te dar­auf, dass kein Wind weht. Wählst du Insek­ten als Motiv, soll­test du die frü­hen Mor­gen­stun­den nut­zen: Da sind die Tie­re noch recht schläf­rig und bewe­gen sich mit etwas Glück nicht. Ob du in den ein­zel­nen Situa­tio­nen mit einem Sta­tiv arbei­test oder nicht, bleibt dir über­las­sen.

Wie vie­le Ein­zel­bil­der du machen soll­test, hängt von der Grö­ße des Motivs ab. In der Regel sind etwa zehn bis 20 Ein­zel­bil­der eine gute Grund­la­ge. Machst du zu vie­le Bil­der, erhöht sich die Gefahr, dass dein Bild­be­ar­bei­tungs­pro­gramm Feh­ler beim Zusam­men­fü­gen macht und du unschar­fe Kan­ten erhältst. Machst du hin­ge­gen zu weni­ge Fotos, könn­te es sein, dass nicht alle Berei­che des Bil­des fokus­siert wer­den und somit Unschär­fen zurück­blei­ben.

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Focus Stacking – so geht’s mit Pho­to­shop und Ligh­troom

Damit aus meh­re­ren Bil­der eines wird, brauchst du ein pas­sen­des Bild­be­ar­bei­tungs­pro­gramm. Wir zei­gen dir, wie du mit Ligh­troom und Pho­to­shop arbei­ten kannst. Du kannst aber auch ande­re Pro­gram­me mit ähn­li­chen Funk­tio­nen nut­zen: etwa GIMP, Heli­con Focus, Zere­ne Sta­cker oder Com­bi­neZ.

So sta­pelst du dei­ne Bil­der mit Ligh­troom und Pho­to­shop:

  1. Lade dei­ne Fotos auf dei­nen Rech­ner und lege einen Ligh­troom-Kata­log an. Wie das geht, erklä­ren wir in unse­rem Rat­ge­ber Ligh­troom-Kata­log – so orga­ni­sierst du dei­ne Fotos Schritt für Schritt.
  2. Blei­be zunächst im Biblio­theks­mo­dus und mar­kie­re dort alle Bil­der, die du sta­peln möch­test. Gehe nun auf Foto > Sta­peln > In Sta­pel grup­pie­ren.

     

  3. Die Bil­der wer­den nun als eins ange­zeigt. Die Zahl oben links in der Ecke zeigt, wie vie­le Fotos sich im Sta­pel befin­den. Kli­cke den Sta­pel mit der rech­ten Maus­tas­te an und gehe auf Bear­bei­ten in > In Pho­to­shop als Ebe­ne öff­nen.
  4. Pho­to­shop wird nun auto­ma­tisch geöff­net. Das Pro­gramm lädt alle Bil­der als Ebe­nen.
  5. Hast du dei­ne Bil­der nicht mit einem Sta­tiv auf­ge­nom­men, wer­den sie etwas ver­setzt sein. Das kannst du ganz ein­fach kor­ri­gie­ren. Mar­kie­re dazu alle Ebe­nen, indem du sie zum Bei­spiel nach­ein­an­der anklickst und dabei Strg (Win­dows) bzw. cmd (Mac) gedrückt hältst.
  6. Gehe nun auf Bear­bei­ten > Ebe­nen auto­ma­tisch aus­rich­ten.
  7. Wäh­le im Dia­log­fens­ter, das sich öff­net, Auto aus und bestä­ti­ge mit einem Klick auf OK.
  8. Das zusam­men­ge­füg­te Bild zeigt nun eini­ge unsau­be­re Kan­ten, da die ein­zel­nen Fotos leicht unter­schied­li­che Aus­schnit­te zei­gen und somit nur in der Mit­te über­lap­pen. Nut­ze das Frei­stel­lungs­werk­zeug, um das Bild zuzu­schnei­den. Ach­te dar­auf, dass der Zuschnitt maxi­mal so groß ist wie die Flä­che, auf der sich alle Bil­der über­lap­pen.
  9. Anschlie­ßend gehst du auf Bear­bei­ten > Ebe­nen auto­ma­tisch über­blen­den.
  10. Im sich öff­nen­den Dia­log­fens­ter klickst du auf Bil­der sta­peln und setzt ein Häk­chen bei Naht­lo­se Töne und Far­ben. Anschlie­ßend bestä­tigst du mit einem Klick auf OK.
  11. Pho­to­shop über­nimmt nun von jedem dei­ner Ein­zel­bil­der nur den schar­fen Bereich. Das fer­ti­ge Bild wird als neue Ebe­ne ange­zeigt. Mar­kie­re alle Ebe­nen und drü­cke anschlie­ßend cmd + E (Mac) bzw. Strg + E (Win­dows). So machst du aus allen mar­kier­ten Ebe­nen eine ein­zi­ge.
  12. Gehe auf Datei > Spei­chern. Das Bild wird auto­ma­tisch in Ligh­troom gespei­chert, wo du es nun wei­ter bear­bei­ten kannst. Pho­to­shop spei­chert das Bild als TIFF-Datei ab. Es gehen dadurch kaum Bild­in­for­ma­tio­nen ver­lo­ren. Willst du das Bild an Freun­de schi­cken oder auf Insta­gram etc. tei­len, soll­test du es vor­her noch in JPEG umwan­deln.
  13. In Ligh­troom kannst du das Bild nun ganz nor­mal bear­bei­ten. Gehe hier­zu auf den Rei­ter Ent­wi­ckeln.
  14. Hier kannst du alle gewohn­ten Bear­bei­tungs­schrit­te vor­neh­men: etwa ein Pre­set aus­wäh­len, die Belich­tung ver­än­dern, das Bild zuschnei­den etc.
  15. Bist du mit der Bear­bei­tung fer­tig, expor­tierst du das Bild über Datei > Expor­tie­ren.
  16. Wäh­le im Dia­log­fens­ter den Spei­cher­ort und wei­ter unten unter Datei­ein­stel­lun­gen Qua­li­tät und For­mat aus. Bestä­ti­ge abschlie­ßend mit einem Klick auf Expor­tie­ren.
  17. Und so sieht das Ergeb­nis aus:

Der Phy­sik ein Schnipp­chen zu schla­gen…

… ist gar nicht so schwer. Zumin­dest nicht, wenn es um gleich­mä­ßig schar­fe Fotos geht. Und das Bes­te: Pho­to­shop und Ligh­troom neh­men dir fast die gan­ze Arbeit ab. Denn statt die Fotos manu­ell zu sta­peln, Fokus­punk­te aus­zu­schnei­den und Ebe­nen zusam­men­zu­fü­gen, erle­di­gen die bei­den Pro­gram­me die­se Auf­ga­ben kom­plett auto­ma­tisch. So bleibt für dich mehr Zeit, wie­der mit der Kame­ra los­zu­zie­hen und die nächs­te Bil­der­se­rie zu knip­sen.

 

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