Alle Jah­re wie­der wer­den Sie als Benut­zer eines Android-Gerä­tes mit einer neu­en Sys­tem­ver­si­on beglückt. Im August 2017 war es erneut soweit. Fans des Sys­tems konn­ten sich über eine neue Süßig­keit freu­en: Android 8.0 Oreo, benannt nach einer Keks­mar­ke. Hier erfah­ren Sie, was die neue Ver­si­on des Betriebs­sys­tems mit­bringt und wo ihre beson­de­ren Stär­ken lie­gen.

Oreo: Das sind die inter­nen Ver­än­de­run­gen

Man­che Ver­än­de­run­gen einer Tech­nik regis­trie­ren Sie als Anwen­der gar nicht bewusst, weil sie inter­ne Funk­tio­nen des Gerä­tes betref­fen. Auch bei Android 8 gibt es sol­che “unsicht­ba­ren” Opti­mie­run­gen:

  • Ver­län­ger­te Akku-Lauf­zeit: Je mehr Akti­vi­tä­ten auf dem Smart­pho­ne oder Tablet, des­to höher der Strom­ver­brauch und des­to schnel­ler leert sich der Akku. An die­sem Punkt setzt Goog­le bei Android 8 an und begrenzt den Ener­gie­hun­ger der Apps. Soge­nann­te “Back­ground-Limits” sor­gen dafür, dass im Hin­ter­grund lau­fen­de Apps einer Akti­vi­täts­be­schrän­kung unter­lie­gen. Kon­kret wer­den Hin­ter­grund­ak­ti­vi­tä­ten, der Zugriff auf Netz­wer­ke und die Häu­fig­keit von Loka­li­sie­rungs­ak­tio­nen beschnit­ten, solan­ge die betref­fen­de App nicht direkt benutzt wird. Damit soll der Ener­gie­be­darf der ent­spre­chen­den Anwen­dun­gen redu­ziert und so der Akku ent­las­tet wer­den.
  • Schnel­le­rer Start und schnel­le­re Apps: Wie es gemacht wur­de, hat Goog­le bis­lang nicht ver­ra­ten. Aber bestimm­te Opti­mie­run­gen sol­len dafür sor­gen, dass die neue Android-Ver­si­on rund dop­pelt so schnell star­tet wie die Ver­si­on 7.0 Nou­gat. Die Maß­nah­men sol­len auch die Funk­ti­on ein­zel­ner Apps erheb­lich beschleu­ni­gen. Hier ist eben­falls von ver­dop­pel­ter Geschwin­dig­keit die Rede.
  • Neue Schnitt­stel­len für bes­se­re Aktua­li­sie­rung: Ein gro­ßes Pro­blem bei Android-Gerä­ten sind schnel­le Updates, zum Bei­spiel als zeit­na­he Reak­ti­on auf Sicher­heits­lü­cken. Ver­ant­wort­lich dafür ist unter ande­rem die Tat­sa­che, dass jeder Gerä­te­an­bie­ter eine eige­ne Android-Vari­an­te ein­setzt. Mit dem “Pro­jekt Treb­le” steu­ert Android 8 dage­gen an. Damit wur­den ver­ein­heit­lich­te Schnitt­stel­len in das Sys­tem inte­griert, an die die Her­stel­ler von Hard­ware-Kom­po­nen­ten ihre Tech­nik ankop­peln kön­nen. Prin­zi­pi­ell sind so schnel­le­re (klei­ne) Updates mög­lich, weil die Hard­ware-Lie­fe­ran­ten die Aktua­li­sie­run­gen ohne Umweg über den Gerä­te­her­stel­ler direkt an die Benut­zer der End­ge­rä­te aus­lie­fern kön­nen.
  • Leich­te­res Aus­fül­len von Ein­ga­be­fel­dern mit neu­er Auto­fill-Funk­ti­on: Erst­mals bie­tet Android bei Oreo eine sys­tem­wei­te Mög­lich­keit für das erleich­ter­te Aus­fül­len von Ein­ga­be­fel­dern. Das ist bei­spiels­wei­se für Pass­wort-Funk­tio­nen hilf­reich. Apps sol­len sich in Zukunft als Anwen­dun­gen mit auto­ma­ti­scher Aus­füll-Funk­ti­on kon­fi­gu­rie­ren las­sen. Gespei­cher­te Benut­zer­na­men und Pass­wör­ter kön­nen dann schnel­ler und ohne Zwi­schen­ab­la­ge-Umweg an die­se App über­mit­telt und dort auto­ma­tisch ein­ge­tra­gen wer­den.
  • Bes­se­rer Schutz vor Schad­soft­ware: “Goog­le Play Pro­tect” ist eine neue Stan­dard-App zur Ver­bes­se­rung der Gerä­te-Sicher­heit. Sie ana­ly­siert kon­ti­nu­ier­lich das Ver­hal­ten von Apps, um bös­ar­ti­ge Anwen­dun­gen zu erken­nen – und zwar nicht nur bei Ihnen instal­lier­te, son­dern laut Goog­le täg­lich welt­weit über 50 Mil­li­ar­den Apps. Fin­det Play Pro­tect einen auf­fäl­li­gen Kan­di­da­ten, wird er vom Gerät und aus Goog­le Play ent­fernt. In die App ist außer­dem eine Funk­ti­on inte­griert, die das Loka­li­sie­ren und bei Bedarf Sper­ren oder Löschen ver­lo­re­ner Smart­pho­ne oder Tablets ermög­licht.
  • Kei­ne Boot­loop-Pro­ble­me mehr: Als Android-Nut­zer ken­nen Sie wahr­schein­lich das Pro­blem, wenn ein Sys­tem­feh­ler zu einem stän­di­gen Neu­start des Gerä­tes führt (Boot­loop). Die neue Funk­ti­on “Res­cue Par­ty” macht damit Schluss: Sie erzwingt die Akti­vie­rung des Wie­der­her­stel­lungs­mo­dus. Dar­aus kön­nen Sie das Zurück­set­zen auf die Werks­ein­stel­lun­gen initi­ie­ren und so den Boot­loop been­den.
    Hin­weis: Mit dem Zurück­set­zen auf die Werks­ein­stel­lun­gen wer­den indi­vi­du­el­le Ein­stel­lun­gen gelöscht. Regel­mä­ßi­ge Daten­si­che­run­gen bleibt also sinn­voll.
  • Mehr Bild-Bril­lanz und bes­se­rer Klang: HDR (High Dyna­mic Range)-Displays ermög­li­chen durch hohe Kon­trast­um­fän­ge eine beson­ders bril­lan­te und natür­li­che Anzei­ge. Die ers­ten Smart­pho­nes mit die­ser Tech­no­lo­gie sind bereits auf dem Markt. Android 8 Oreo ist dafür vor­be­rei­tet. Für den Audio-Bereich war­tet das Sys­tem mit der Unter­stüt­zung des Stan­dards “Blue­tooth High Qua­li­ty Audio” auf. Die­ser ver­spricht bei­spiels­wei­se einen bes­se­ren Klang für kom­pa­ti­ble Blue­tooth-Kopf­hö­rer.

Vie­le unter­schied­li­che Android-8-Gesich­ter

Auch bei Android 8 wer­den Sie fest­stel­len, was Sie von ande­ren Ver­sio­nen bereits ken­nen: Je nach Her­stel­ler Ihres Smart­pho­nes oder Tablets ist mit einem unter­schied­li­chen Design zu rech­nen. Der Grund: Goog­le ist zwar Eigen­tü­mer von Android, doch im Gegen­satz zum Kon­kur­renz­sys­tem iOS von Apple ist Android tat­säch­lich eine freie Soft­ware.

Goog­le ent­wi­ckelt im Prin­zip nur die Sys­tem­ba­sis und stellt sie zur Wei­ter­ent­wick­lung und Modi­fi­zie­rung zur Ver­fü­gung. Her­stel­ler wie Sony, HTC, Sam­sung oder LG ergän­zen die­ses “Stock Android” mit eige­nen Benut­zer­ober­flä­chen, die teil­wei­se das Design erheb­lich ver­än­dern. Vor die­sem Hin­ter­grund erklärt sich auch die Exis­tenz der zahl­rei­chen “frei­en” Ableger/CustomROMs von Android wie Line­age­OS, OmniROM oder SlimROM.

Bild-in-Bild, Emo­jis und mehr: Neue­run­gen auf der Ober­flä­che

Goog­le hat nicht nur die inne­ren Wer­te der neu­en Ver­si­on ver­bes­sert, son­dern auch die Ober­flä­che wei­ter ent­wi­ckelt.

  • Bes­se­res Mul­ti­tas­king durch dop­pel­tes Bild: Bei Android 7.0 Nou­gat und Android TV ist die­ses Fea­ture bereits ent­hal­ten: die Anzei­ge eines zwei­ten klei­nen Bil­des im gro­ßen Haupt­bild. Die­se Bild-in-Bild-Funk­ti­on bie­tet auch Android 8. Damit kön­nen Sie bei­spiels­wei­se in einer App ein Doku­ment lesen und gleich­zei­tig einen Film sehen oder ein Video-Tele­fo­nat füh­ren. Aller­dings muss die Funk­ti­on von den ent­spre­chen­den Apps (bei­spiels­wei­se Chro­me, You­Tube, Net­flix und ähn­li­che) gezielt unter­stützt wer­den.
  • Schlum­mer­funk­ti­on für Benach­rich­ti­gun­gen: Wenn Sie bei Android bis­her eine Benach­rich­ti­gung zu einer Akti­vi­tät erhal­ten, haben Sie zwei Mög­lich­kei­ten: Sie las­sen sie ste­hen oder löschen sie. Nun kommt eine wei­te­re hin­zu, die Nut­zung einer Schlum­mer­funk­ti­on. Wenn die Benach­rich­ti­gung erscheint, füh­ren Sie eine Wisch­be­we­gung nach rechts aus. Dann taucht links ein Uhren­sym­bol auf, mit einem Tipp dar­auf wird das Aus­blen­den der Nach­richt für 15, 30, 60 oder 120 Minu­ten ange­bo­ten. Nach der gewähl­ten Schlum­mer­zeit erscheint die Mel­dung erneut.
  • Opti­mier­te Benach­rich­ti­gun­gen mit Kanä­len und Punk­ten: Eine bes­se­re Steue­rung von Benach­rich­ti­gun­gen brin­gen die neu ein­ge­führ­ten “Noti­fi­ca­ti­on Chan­nels”. Die Anbie­ter von Apps erhal­ten damit die Mög­lich­keit, App-Benach­rich­ti­gun­gen the­ma­tisch auf­zu­split­ten. Ein Bei­spiel: Wenn Ihre E‑Mail-App eine Nach­richt erhält, erscheint bis­her eine Benach­rich­ti­gung unab­hän­gig von der Art der E‑Mail. Mit den Noti­fi­ca­ti­on Chan­nels könn­ten Sie etwa bestim­men, dass nur Benach­rich­ti­gun­gen zu wich­ti­gen E‑Mails erschei­nen sol­len. Vibra­ti­ons­alarm, Leucht­an­zei­ge bei Benach­rich­ti­gun­gen, Anzei­ge auf dem Sperr­bild­schirm – auch sol­che Ein­stel­lun­gen las­sen sich indi­vi­du­ell über die Chan­nels steu­ern. Eben­falls neu im Bereich der Benach­rich­ti­gun­gen sind die “Noti­fi­ca­ti­on Dots”, die bereits von iOS-Gerä­ten und diver­sen alter­na­ti­ven Android Laun­chern (bei­spiels­wei­se Smart Laun­cher) bekannt sind. Die Dots sind klei­ne Farb­punk­te, die bei Benach­rich­ti­gun­gen am Sym­bol der jewei­li­gen App erschei­nen.

Wer bekommt das neue Sys­tem?

Bei Erschei­nen einer neu­en Sys­tem­ver­si­on stellt sich immer die Fra­ge, wel­che Gerä­te davon pro­fi­tie­ren wer­den. Wir haben Ihnen eine Lis­te zusam­men­ge­stellt, wel­che Smart­pho­nes (vor­aus­sicht­lich) ein Android 8‑Update erhal­ten (Stand Sep­tem­ber 2017, ent­spre­chend sind Ände­run­gen mög­lich):

  • Goog­le Pixel: Pixel, XL,C
  • Goog­le Nexus: 6P, 5X, Play­er
  • Asus Zen­fo­ne: 3, 4
  • HTC: U 11, U Ultra, 10
  • Moto­ro­la: Moto Z 2
  • Nokia: 3, 5, 6, 8
  • OnePlus: 3, 5

Vor­aus­sicht­lich wer­den außer­dem Gerä­te von Asus, Honor, Hua­wei, LG, Sam­sung und Sony aktua­li­siert.

Neue Emo­jis: Die Ver­wen­dung von Emo­jis, klei­nen Bild­schrift­zei­chen als Ersatz für die text­li­che Beschrei­bung von Stim­mun­gen und Gefüh­len, ist in der digi­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­on sehr beliebt. Für Android 8 hat Goog­le über 2.000 die­ser Sym­bo­le über­ar­bei­tet und neue hin­zu­ge­fügt. Ein wesent­li­cher Gestal­tungs­un­ter­schied ist, dass die bis­her unten abge­flach­ten Emo­jis nun rund sind. Damit ähneln sie stär­ker den Pen­dants bei­spiels­wei­se aus der iOS- oder Whats­App-Umge­bung. Das kann hilf­reich sein zur Ver­mei­dung von Miss­ver­ständ­nis­sen über die Emo­ji-Bedeu­tung.

Fazit: Der Schwer­punkt liegt bei inter­nen Ver­bes­se­run­gen

Äußer­lich ist Android 8 Oreo kein gro­ßer Sprung nach vorn. Wie Sie gele­sen haben, gibt es zwar Neue­run­gen wie Bild-in-Bild, neue Emo­jis oder ver­bes­ser­te Benach­rich­ti­gungs­funk­tio­nen. Bedeu­ten­der sind die inter­nen Wei­ter­ent­wick­lun­gen des Sys­tems. Ein schnel­le­rer Sys­tem­start, ver­bes­ser­te App-Funk­ti­on, weni­ger Ener­gie­be­darf, mehr Sicher­heit und die Erleich­te­rung von Updates – das sind die Fak­to­ren, die Ihnen als Nut­zer beson­de­re Vor­tei­le brin­gen.

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