Klick, auf­zie­hen, klick, auf­zie­hen, klick, Film wech­seln. Die ana­lo­ge Foto­gra­fie ist sicher­lich nichts für Eili­ge. Wer aber bewuss­ter Bil­der machen möch­te und auch mal ein paar Tage auf die fer­ti­gen Fotos war­ten kann, ist in der ursprüng­li­chen Foto­gra­fie gut auf­ge­ho­ben. Und auch wer ein­fach mal in die Welt der pro­fes­sio­nel­len Foto­gra­fie hin­ein­schnup­pern möch­te, dem bie­tet die ana­lo­ge Tech­nik eine sehr preis­güns­ti­ge Alter­na­ti­ve. Die­ser Rat­ge­ber hilft Ihnen beim (Wieder-)Einstieg in die ana­lo­ge Foto­gra­fie.

Equip­ment für die ana­lo­ge Foto­gra­fie

Für den Ein­stieg in die ana­lo­ge Foto­gra­fie braucht es zunächst nicht viel. Wer Glück hat, fin­det sogar noch auf dem Dach­bo­den des Eltern­hau­ses oder im Kel­ler der Groß­el­tern eine brauch­ba­re Kame­ra. Auch auf Floh­märk­ten oder in Online­shops reicht oft schon ein klei­ner Betrag für eine gute Aus­stat­tung. Dazu gehö­ren:

Ana­lo­ge Kame­ra mit Objek­tiv

Die Welt der alten Foto­ap­pa­ra­te ist nicht weni­ger kom­plex als die der aktu­el­len Digi­tal­ka­me­ras. Wir haben hier die gän­gigs­ten For­ma­te auf­ge­lis­tet und erklä­ren, was dahin­ter­steckt – und was für Sie passt:

Auf­nah­me­for­ma­te

Die Kame­ras wer­den danach unter­schie­den, wel­cher Film ein­ge­legt wer­den kann. Dies sind die gän­gi­gen For­ma­te:

  • Groß­for­mat: Ab 60 mm x 90 mm. Frü­her auf Glas­plat­ten, spä­ter auf Plan­film. Hier­un­ter fal­len auch Pola­roids.
  • Mit­tel­for­mat: 45 mm × 60 mm, 60 mm × 60 mm, 60 mm × 70 mm und 60 mm × 90 mm auf Film­rol­len.
  • Klein­bild­ka­me­ra: 24 mm × 36 mm bezie­hungs­wei­se 35 mm auf Film­rol­len. Das sind die gän­gigs­ten Fil­me.
  • Halb­for­mat: 18 mm × 24 mm. Das ursprüng­li­che Stumm­film-Kino­for­mat. In die Kame­ras passt aber auch ein nor­ma­ler Klein­bild­film. Am Ende zeigt die­ser dann aber dop­pelt so vie­le Bil­der an.
  • Kleinst­bild­ka­me­ra: Die Kan­ten­län­ge liegt unter 20 mm.

  • Die ein­äu­gi­ge Spie­gel­re­flex­ka­me­ra: Sie ist das Vor­bild der heu­ti­gen DSLR und funk­tio­niert im Prin­zip gleich: Ein Spie­gel lei­tet das Bild, wel­ches die Lin­se sieht, direkt zum Sucher. Wird das Bild gemacht, klappt der Spie­gel ab. Das erzeugt das kla­cken­de Geräusch, den soge­nann­ten Spie­gel­schlag. Vor­teil: Was Sie durch die Lin­se sehen, lan­det auch auf dem Foto.
  • Die zwei­äu­gi­ge Spie­gel­re­flex­ka­me­ra: Wäh­rend eine Lin­se das Motiv zeigt, wird durch die ande­re das Bild gemacht. Vor­teil: Sie ist sehr lei­se, da es kei­nen Spie­gel­schlag gibt. Außer­dem bleibt das Bild auch beim Belich­ten sicht­bar. Nach­teil: die soge­nann­te Par­al­la­xen­ver­schie­bung. Sie ent­steht, wenn durch den Sucher ein ande­res Bild ange­zeigt wird als durch das Objek­tiv. Das führt unter ande­rem zu abge­schnit­te­nen Füßen.
  • Sucher­ka­me­ra: Der Vor­gän­ger der hand­li­chen Digi­cam war von ver­gleich­bar gerin­ger Grö­ße. Das Objek­tiv ist fest ver­baut und auch im Übri­gen hal­ten sich die Ein­stel­lungs­mög­lich­kei­ten in Gren­zen. Wei­te­rer Nach­teil: Der Sucher befin­det sich ober­halb der Lin­se, was zur Par­al­la­xen­ver­schie­bung führt.

Der pas­sen­de Film für Ihre ana­lo­ge Kame­ra

Hier kann grund­sätz­lich zwi­schen drei ver­schie­de­nen Arten unter­schie­den wer­den: Der Farb­ne­ga­tiv­film, der Schwarz-Weiß-Nega­tiv­film und der Farb­po­si­tiv­film, auch Dia­film genannt.

ISO beim Film – wel­che Licht­emp­find­lich­keit Sie brau­chen

Der ISO-Wert gibt an, wie licht­emp­find­lich ein Film ist. Je nied­ri­ger die Zahl ist, des­to gerin­ger ist auch die Licht­emp­find­lich­keit und des­to mehr Licht soll­te beim Foto­gra­fie­ren zur Ver­fü­gung ste­hen. Ein ISO 200 Film braucht bei­spiels­wei­se dop­pelt so viel Licht, wie ein ISO 400 Film. Mit stei­gen­der Licht­emp­find­lich­keit sinkt aller­dings die Qua­li­tät der Bil­der: Hohe ISO-Wer­te pro­du­zie­ren grob­kör­ni­ge Bil­der, wäh­rend nied­ri­ge­re Wer­te für mehr Detail­ge­nau­ig­keit und sat­te Far­ben sor­gen. Ein Prin­zip übri­gens, das bei den Digi­tal­ka­me­ras nicht anders ist.

Die­se Faust­for­mel hilft beim Film­kauf:

  • Für son­ni­ge Tage: ISO 100 und 200
  • Für schlech­tes Wet­ter: ISO 400
  • Für Zoom­ob­jek­ti­ve und Däm­mer­licht: ISO 800
  • Für sehr wenig Licht: ISO 1600

  • Farb­ne­ga­tiv­film: Das ist der ver­mut­lich gän­gigs­te Film. Die Far­ben wer­den beim ent­wi­ckel­ten Film in ent­ge­gen­ge­setz­ter Rei­hen­fol­ge, wie sie auf dem Farb­spek­trum abge­bil­det wer­den, ange­zeigt.
  • Schwarz-Weiß-Nega­tiv­film: Es gibt Foto­gra­fen, die nut­zen aus­schließ­lich die­se Vari­an­te. Ein gro­ßer Vor­teil für Hob­by­fo­to­gra­fen: Im Gegen­satz zum Farb­film las­sen sich die schwarz-wei­ßen Bil­der sehr leicht selbst ent­wi­ckeln.
  • Farb­po­si­tiv­film: Bei dem auch als Dia­film bekann­ten For­mat ent­steht sofort ein posi­ti­ves, also nor­ma­les Bild, das in der Regel nur an die Wand pro­ji­ziert wird. Mit den ent­spre­chen­den Gerä­ten lässt sich aber auch aus einem Dia­film ein Foto ent­wi­ckeln.

Belich­tungs­mes­ser

Statt einen kur­zen Blick auf das Dis­play zu wer­fen und sich bei den Ein­stel­lun­gen auf die Auto­ma­tik der Kame­ra zu ver­las­sen, ist gera­de bei älte­ren Ana­log­ka­me­ras alles per Hand ein­zu­stel­len. Hier hilft ein Belich­tungs­mes­ser. Er misst die Hel­lig­keit des Motivs und gibt so an, wie die Belich­tungs­zeit ein­ge­stellt wer­den soll. Dazu hal­ten Sie den klei­nen Appa­rat mög­lichst dicht vor das Motiv und lesen die ange­zeig­ten Wer­te ab. Wer­fen Sie bei Unklar­hei­ten sicher­heits­hal­ber einen Blick in die Bedie­nungs­an­lei­tung.

Man­che ana­lo­ge Kame­ras zei­gen auch an, ob die Belich­tungs­zeit rich­tig ein­ge­stellt ist: In der Regel sehen Sie dann beim Blick durch den Sucher eine klei­ne Ska­la mit einem beweg­li­chen Zei­ger. Drü­cken Sie vor­sich­tig auf den Aus­lö­ser, ohne ein Foto zu machen, bewegt sich der Zei­ger. Pen­delt er sich in der Mit­te ein, kön­nen Sie beden­ken­los das Bild machen. Ist er zu weit oben, ver­rin­gern Sie die Belich­tungs­zeit ent­spre­chend, ist er hin­ge­gen zu weit unten, erhö­hen Sie die Zeit.

Beden­ken Sie aber, dass Sie die Belich­tungs­zeit nicht zu lang ein­stel­len, um Ver­wack­ler zu ver­hin­dern. Grund­sätz­lich gilt, dass Sie bei einer Belich­tungs­zeit, die dem Umkehr­wert der Brenn­wei­te ent­spricht, noch aus der Hand foto­gra­fie­ren kön­nen. Hat ihr Objek­tiv eine Brenn­wei­te von 50 mm, kön­nen Sie eine Belich­tungs­zeit von 1/50 Sekun­de oder kür­zer wäh­len. Andern­falls brau­chen Sie ein Sta­tiv. Hat das Objek­tiv eine Brenn­wei­te von 200 mm, ver­kürzt sich die Belich­tungs­zeit ent­spre­chend auf 1/200 Sekun­de.

Grund­ein­stel­lun­gen der Ana­log­ka­me­ra

Wo wenig Tech­nik ist, muss auch wenig ein­ge­stellt wer­den. Statt sich durch das umfang­rei­che Menü zu kli­cken, gibt es bei einer ana­lo­gen Kame­ra daher nur recht weni­ge Stell­schrau­ben.

Han­delt es sich um eine Spie­gel­re­flex­ka­me­ra, stel­len Sie die Belich­tungs­zeit und die Blen­de ein. Dafür befin­det sich an der Kame­ra ein Dreh­knopf. Wel­che Ein­stel­lun­gen Sie pas­send zu wel­cher Licht­si­tua­ti­on vor­neh­men, haben wir aus­führ­lich in unse­rem Rat­ge­ber “Belich­tungs­zeit rich­tig ein­stel­len – die Anlei­tung für per­fek­te Fotos” für Sie zusam­men­ge­fasst. Die Grund­sät­ze unter­schei­den sich nicht von der digi­ta­len Foto­gra­fie.

Film ein­le­gen und wech­seln – so geht’s

Vor dem ers­ten Bild ist außer­dem noch eine wei­te­re Hür­de zu neh­men: das Ein­le­gen des Films. Doch kei­ne Angst, die­se paar Hand­grif­fe bekom­men Sie schnell hin. So geht’s:

  1. Neh­men Sie den Film aus der Film­do­se. Sie kön­nen ihn auch im Son­nen­licht ein­set­zen, die spe­zi­el­le Kon­struk­ti­on der Film­rol­le ver­hin­dert, dass der gesam­te Film vor­zei­tig beleuch­tet wird.
  2. Zie­hen Sie etwa eine Hand­breit vom Film aus der Rol­le.
  3. Öff­nen Sie die Rück­sei­te Ihrer Kame­ra (teil­wei­se gibt es hier­für einen Hebel, manch­mal muss auch ein Dreh­knopf her­aus­ge­zo­gen wer­den).
  4. Legen Sie die Film­rol­le in die vor­ge­se­he­ne Kuh­le auf der lin­ken Sei­te. Die Rol­le lässt sich nur in eine Rich­tung ein­le­gen, Sie brau­chen also kei­ne Sor­gen zu haben, dabei etwas falsch zu machen.
  5. Klem­men Sie nun das Fil­men­de in die Spu­le auf der rech­ten Sei­te und betä­ti­gen Sie sanft den Hebel bezie­hungs­wei­se das Rad, mit dem Sie nach einem Foto den Film wei­ter­dre­hen. So stel­len Sie sicher, dass der Film auch wirk­lich ein­ge­hakt ist und sich nicht aus der Spu­le löst.
  6. Schlie­ßen Sie nun die Kame­ra und ver­schie­ßen Sie drei Bil­der. Damit ist der Teil des Films weg, der beim Ein­le­gen bereits belich­tet wur­de.
  7. Nun ist Ihre Kame­ra ein­satz­be­reit.

Ist das letz­te Foto geschos­sen, wird der Film erst wie­der in der Kame­ra auf­ge­rollt. Öff­nen Sie dazu auf kei­nen Fall die Kame­ra! Dann ist der gesam­te Film rui­niert. So wech­seln Sie die Film­rol­le rich­tig:

  1. Die meis­ten Kame­ras haben an der Ober­sei­te dazu eine Kur­bel oder etwas ande­res zum Dre­hen.
  2. Bevor die­se gedreht wer­den kann, muss aber oft noch ein klei­ner Knopf an der Unter­sei­te der Kame­ra gedrückt wer­den.
  3. Dre­hen Sie die Spu­le so lan­ge in Rich­tung des dar­auf ange­brach­ten Pfeils, bis Sie im Inne­ren der Kame­ra hören, dass kein Film mehr ein­ge­zo­gen wird. Das erken­nen Sie dar­an, dass das schlei­fen­de Geräusch auf­hört.
  4. Nun kön­nen Sie die Kame­ra wie­der öff­nen und den Film her­aus­neh­men.

Die ers­ten Bil­der mit der Ana­log­ka­me­ra

Wenn Sie sonst nur mit Smart­pho­ne und Digi­tal­ka­me­ra foto­gra­fiert haben, ist es ver­mut­lich ein unge­wohn­tes und merk­wür­di­ges Gefühl, das ers­te Mal ana­log zu knip­sen. “Ist das Foto über­haupt was gewor­den?” “Habe ich alles drauf?” “Habe ich gewa­ckelt?” Die Ant­wort auf all die­se Fra­gen wer­den Sie erst bekom­men, wenn Sie die ent­wi­ckel­ten Bil­der in den Hän­den hal­ten. Bis dahin heißt es: Ver­trau­en Sie auf Ihr Gefühl und schau­en Sie lie­ber zwei­mal hin, bevor Sie abdrü­cken. Die­se Tipps machen Ihr ers­tes Shoo­ting zum Erfolg:

  • Suchen Sie sich ein Motiv aus, das nicht in Bewe­gung ist. So mini­mie­ren Sie die Gefahr des Ver­wa­ckelns und kön­nen auch alle Ein­stel­lun­gen in Ruhe vor­neh­men.
  • Gewöh­nen Sie sich an, nach jedem Foto den Film wei­ter­zu­dre­hen. Sonst haben Sie viel­leicht das per­fek­te Motiv vor der Nase, kön­nen aber nicht abdrü­cken, da der Film noch auf dem Vor­bild steht.
  • Fan­gen Sie klein an. Foto­gra­fie­ren Sie nicht gleich die Hoch­zeit Ihrer Freun­din, son­dern ver­wen­den Sie die ers­ten Fil­me nur für Pro­be­schüs­se. Mit der Zeit wer­den Sie Ihre Kame­ra bes­ser ken­nen­ler­nen und ver­ste­hen, wie viel Licht sie braucht und wel­che Ein­stel­lun­gen zu den bes­ten Fotos füh­ren.
  • Ver­trau­en Sie nicht nur auf die ein­ge­bau­te Zähl­funk­ti­on – oft sind auf einer Film­spu­le mehr Bil­der als ange­ge­ben. Spu­len Sie also erst zurück, wenn Sie nicht mehr wei­ter­dre­hen kön­nen.

Der Reiz der alten Kame­ras

Im Prin­zip ist es wie Auto­fah­ren ohne Navi: Wer sich nicht von der Tech­nik lei­ten lässt, ver­fährt sich zwar manch­mal, hat dafür aber bald sei­nen eige­nen Stadt­plan im Kopf. Mit der ana­lo­gen Foto­gra­fie ist das nicht anders. Nicht sofort zu wis­sen, wie das Foto aus­se­hen wird, birgt Risi­ken. Dafür schärft es die Sin­ne des Foto­gra­fen. Wer sich auf die Welt der alten Kame­ras ein­lässt, wird schnell ein gutes Gefühl für das Licht und ein Auge für beson­de­re Bild­kom­po­si­tio­nen ent­wi­ckeln. Und die hel­fen dann sogar bei der Rück­kehr in die digi­ta­le Welt der Foto­gra­fie.

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