Gab es früher noch fast ausschließlich Over-Ear-Kopfhörer im privaten Gebrauch, ist die Auswahl an verschiedenen Konzepten und Formfaktoren über die Jahrzehnte deutlich größer geworden. Heute gibt es fast für jedes Ohr und jeden Einsatzbereich das passende Paar. Entsprechend haben die Ausgabegeräte aber auch individuelle Stärken – und Schwächen. Um da einen etwas besseren Überblick zu bekommen, findest du hier alles zu den verschiedenen Arten von Kopfhörern.
Das erfahrt ihr gleich
Die absoluten Klassiker sind die Over-Ear-Kopfhörer. Sie heißen so, weil ihre Ohrpolster über die Ohren reichen und sie somit vollständig umschließen. Dadurch umhüllt dich der Sound physisch deutlich mehr als bei allen anderen Arten von Kopfhörern. Außerdem erreichen sie so die beste Abschirmung – zumindest bei einer bestimmten Art von Modellen. Durch die Kopfbügel sitzt ein großer Teil des Gewichts auf dem Scheitel, anders gesagt dem Oberkopf. Bei etwas schwereren Modellen kann das als unangenehm empfunden werden, gerade bei längerem Hören.
Zum Einsatz kommen Over-Ear-Kopfhörer meist in heimischen Hi-Fi-Setups, da ihre Treiber durch die Größe der Ohrmuscheln ebenfalls einen ordentlichen Durchmesser aufweisen können. Dadurch lassen sich meist deutlich detailliertere Klangbilder erzeugen als bei kleineren Kopfhörern. Mit dem Aufkommen von Bluetooth-Kopfhörern kam aber noch ein zweiter Einsatzbereich dazu: als Lärm-Dämpfer dank aktivem Noise-Cancelling. Auch das ist hier durch die starke Abschirmung und viel Platz für Akkus gut abbildbar.
Aber Over-Ear-Kopfhörer sind nicht alle gleich. Sie werden genauer unterteilt in drei Kategorien, alle mit Vor- und Nachteilen:
Hierbei ist die Ohrmuschel hinter dem Treiber nicht geschlossen, sondern grob- oder feinporig geöffnet. Statt eine Resonanzkammer zu erzeugen, lassen sie Töne nach draußen und auch von außen herein. Das erzeugt meist ein stärkeres Gefühl von „Raum“, da der Sound etwas Luft zum Atmen bekommt. Sie haben also eine größere Klangbühne als andere Arten von Over-Ear-Kopfhörern. Ihr Einsatzbereich ist aber eingeschränkt, da Musikhören mit dieser Art nur in eher ruhigen Umgebungen Spaß macht.
Vorteile:
+ Große Klangbühne
+ Ohren werden nicht warm
+ Oft auch etwas leichter auf dem Kopf
Nachteile:
- Störgeräusche von außen kommen durch
- Kein ANC möglich
- Oft schwächere Abbildung von Tieftönen
Das Gegenstück zu offenen sind die geschlossenen Over-Ears. Hierbei ist die Ohrmuschel fest umbaut, was für eine deutlich bessere Abschirmung von störenden Geräuschen von außen sorgt. Außerdem entsteht dadurch eine Resonanzkammer hinter den Treibern, die klangliche Vorteile vor allem in Tiefton-Frequenzbereichen hat. Anders gesagt: Der Bass klingt hier meist etwas satter. Dafür büßen die Modelle bei der Klangbühne deutlich ein, der „Raum“ verkleinert sich, der Sound wird intimer. Diese Bauart kommt oft für ANC-Bluetooth-Kopfhörer zum Einsatz.


Vorteile:
+ Gute Abschirmung von außen
+ Bestens geeignet für ANC und Wireless
+ Ermöglichen sattere Bässe
Nachteile:
- Deutlich kleinere Klangbühne
- Ohren werden schnell warm
- Vermissen manchmal Detailreichtum im Sound
Alternativ gibt es noch einen Kompromiss aus offenen und geschlossenen Kopfhörern: die halboffenen Kopfhörer. Hierbei wird durch eine clevere Bauweise versucht, das Beste aus beiden Welten zu vereinen. Du sollst also starke Bässe bekommen, aber keine heißen Ohren, nicht alles von außen mitbekommen, aber auch nicht gar nichts hören. Perfektion solltest du dabei aber nicht erwarten. Wie so oft bei Kompromissen, übernehmen sie nicht nur die positiven Seiten, sondern eben auch die negativen mit. Die Abschirmung ist nicht ideal, der Sound hält nicht mit den besseren Modellen beider Arten mit. Keine heißen Ohren zu haben ist zwar schön, dafür ist die Klangbühne aber auch nicht wirklich mit offenen Kopfhörern zu vergleichen.
Vorteile:
+ Etwas weitere Klangbühne (als geschlossene)
+ Ohren werden weniger warm (als geschlossene)
+ Etwas bessere Abschirmung (als offene)
Nachteile:
- Kein Instrument glänzt so richtig
- Viel moderne Technik wie ANC und Wireless kaum möglich
- Töne von außen kommen noch immer durch
Während der Markt für Over-Ear-Kopfhörer seit Jahrzehnten floriert, scheint der für On-Ear-Kopfhörer immer weiter zu schrumpfen. Zu gut sind die Alternativen mittlerweile, zu wenig scheinen die On-Ear-Modelle noch mit eigenen Stärken auftrumpfen zu können. Noch gibt es sie aber natürlich – und manchmal ergeben sie auch Sinn. Das gilt besonders dann, wenn du sehr kompakte Kopfhörer suchst. Das ist nämlich ihre größte Stärke. Während Over-Ear-Kopfhörer stets etwas klobig sind, können die Ohrmuscheln bei On-Ear-Kopfhörern deutlich kleiner gebaut sein. Sie müssen schließlich nur aufliegen und den Gehörgang mit Sound bedienen. Abseits davon sind die Geräte aber eher von Nachteilen geprägt.
Weil die Treiber entsprechend auch klein sind, liefern sie nicht die Klangqualität, die deutlich großzügiger bemessene Over-Ear-Kopfhörer liefern. Eine große Klangbühne suchst du hier vergeblich, genauso wie eine vernünftige Abschirmung von außen. Gerade bei längeren Hör-Sessions können die Kopfhörer außerdem unangenehm aufs Ohr drücken. Weniger Platz für Akkus ist auch, weshalb Wireless-Versionen nicht so lange durchhalten wie Over-Ear-Alternativen.
Vorteile:
+ Kompakte Bauweise, ideal für unterwegs
+ Häufig noch Sound-Vorteile im Vergleich zu In-Ear-Kopfhörern
+ Viele Modelle günstig zu haben
Nachteile:
- Bei Klangbühne und Sound Over-Ears unterlegen
- Drücken nach einiger Zeit unangenehm auf die Ohren
- Wireless-Modelle mit deutlich kleineren Akkus (als Over-Ears)
Viele Menschen hören bevorzugt unterwegs Musik. Dafür ist eine Kategorie von Kopfhörern besonders gut geeignet, nämlich die der In-Ear-Kopfhörer. Auch die gibt es schon eine ganze Weile, besonders populär wurden sie aber durch mobile CD-Player ab Ende der 1990er und vor allem MP3-Player in den 2000ern. Heute sind vor allem kabellose Modelle beliebt, angeführt von den Apple AirPods, die erstmals 2016 in Erscheinung traten. In-Ear-Kopfhörer sind extrem kompakt gebaut, passen somit in jede Hand- und Hosentasche, liefern vernünftigen Sound und können heute einiges an zusätzlichen Funktionen bieten.
Bei Wireless-Modellen sind Technologien wie aktive Geräuschunterdrückung, Transparenz-Modi bis hin zur Hörunterstützung, Sensoren für Sport und vieles mehr durchaus normal. Kabelgebundene Modelle müssen ohne solche Features leben, sind dafür meist sehr günstig und/oder liefern hochwertigen Klang. Ähnlich wie bei den Over-Ear-Kopfhörern gibt es hier aber unterschiedliche Bauweisen.
Die heute wohl geläufigste Form von Over-Ear-Kopfhörern reicht dank kleinen Silikon-Stöpseln bis in den Gehörgang hinein. Dadurch „verankern“ sich die Kopfhörer darin, rutschen also nicht so einfach aus dem Ohr. Das macht sie für die Bewegung, egal ob einfach beim Gehen oder bei richtigem Sport, ideal. Ein Nebeneffekt davon ist, dass die Silikon-Tips für ein gewisses Maß an Versiegelung sorgen. Das hilft nicht nur dem Sound (vor allem im Tiefton-Bereich), sondern hat auch einen natürlichen Effekt von Geräuschunterdrückung. Zusätzlich haben aber viele Wireless-Modelle auch noch ANC mit an Bord.

Vorteile:
+ Fester Halt im Ohr
+ Satte Bässe dank Abschirmung
+ Wenig Geräusche von außen stören beim Hören
Nachteile:
- Passen nicht ideal in jedes Ohr
- Kaum Klangbühne
- Druckgefühl kann entstehen (gerade mit ANC)
Früher der Standard, heute eher exotisch sind die In-Ear-Kopfhörer, die mehr oder weniger lose im Ohr eingehängt sind. Bekanntester moderner Vertreter dieser Kategorie sind die normalen AirPods. Abseits davon gibt es hauptsächlich eher günstige Modelle. Wirklich verwunderlich ist das nicht, denn alleine der Halt ist schon ein Problem bei den meisten klassischen In-Ears – wenn sie auch grundsätzlich in viele Ohren passen. Dazu kommt, dass es nahezu keine Versiegelung gibt, wodurch so ziemlich jedes Störgeräusch durchkommt.
Vorteile:
+ Geeignet für viele Ohren
+ Meist sehr günstig
+ Potenzial für guten Sound (was meist nicht ausgenutzt wird)
Nachteile:
- Keine Abschirmung
- Kein allzu fester Halt
- Oft eher dünner Sound
In der Musik sind „In-Ear-Monitore“, kurz „IEM“ schon seit Ewigkeiten ein fester Bestandteil von Live-Auftritten. Die meist perfekt an die Ohren von Künstler*innen angepassten Kopfhörer sorgen dafür, dass Einzelkünstler*innen und Bands überhaupt spielen können. Am Schlagzeug gibt es einen Klick-Track für den Rhythmus, Gitarrist*innen hören meist zusätzlich sich selbst sowie den Bass und Sänger*innen hören die eigene Stimme sowie rhythmische Instrumente. Natürlich kann sich der tatsächliche Mix je nach eigener Präferenz unterscheiden. Tatsächlich eignen sich IEMs aber auch hervorragend einfach zum Musikhören, weshalb in den vergangenen Jahren ein ziemlich großer Markt darum entstanden ist. Zwar sind die Modelle nicht individuell an das jeweilige Ohr angepasst, liefern aber eine hohe Klangqualität zu nicht selten vernünftigen Preisen. Allerdings bist du dabei immer an ein Kabel gebunden und Technologien wie ANC oder Sensoren fallen komplett weg. Deshalb sind die Kopfhörer vor allem in audiophilen Kreisen beliebt.
Vorteile:
+ Meist sehr hochwertiges Klangbild
+ Gute Klangbühne durch ausgeklügelte Resonanzkörper
+ Guter Sound oft schon sehr günstig zu bekommen
Nachteile:
- Mittelmäßige Abschirmung
- Beim Hören an ein Kabel gebunden
- Keine fortschrittlichen Technologien integriert
Es gibt auch noch Exoten unter den Kopfhörern, etwa die Open-Ear-Headphones. Sie sind optisch und in ihrer Kompaktheit nah an den In-Ear-Kopfhörern, sitzen aber eben nicht am oder im Gehörgang. Vielmehr liefern sie den Sound „von außen“. Wie genau das geschieht, ist von Konzept zu Konzept unterschiedlich. So können Open-Ear-Kopfhörer etwa über dem Ohr „schweben“ oder daran festgeklippt sein. Besonders geeignet sind sie dann, wenn du keine richtige Abschirmung gebrauchen kannst, etwa weil du noch mitbekommen musst, was um dich herum passiert. Im Umkehrschluss bedeutet das aber, dass du keinerlei Abschirmung erwarten kannst, wenn du mal für dich Musikhören willst.

Vorteile:
+ Sitzen gut an sehr vielen Ohren
+ Schirmen dich nicht komplett von der Umwelt ab
+ Sind meist kabellos mit ordentlichen Laufzeiten
Nachteile:
- Personen um dich herum hören die Musik lauter als bei In-Ears
- Klanglich meist weniger stark als andere Kopfhörer
- Bieten keinerlei Geräuschunterdrückung, wenn sie gewünscht ist
Noch exotischer als Open-Ear-Headphones sind Knochenschallkopfhörer. Die sitzen gar nicht über, auf, am oder im Ohr, sondern liegen am Schädelknochen auf. Sie geben auch nicht im klassischen Sinne Töne per Treiber an das Trommelfell weiter, sondern setzen auf Vibrationen, die durch Schwingungen direkt die Hörschnecke erreichen. Um dich herum hört also niemand irgendetwas, nur du über deine Knochen. Das mag im ersten Moment befremdlich wirken, funktioniert aber in der Praxis sehr gut. Ein mit anderen Kopfhörern vergleichbares Klangbild solltest du aber nicht erwarten, gerade was die Klangbühne angeht. Außerdem können tiefe Töne ein unangenehmes Kitzeln erzeugen. Wirklich günstige Modelle gibt es auch nicht.
Vorteile:
+ Komplett privates Hören, da kein allgemein hörbares Klangsignal erzeugt wird
+ Meist sehr gut für den Sport geeignet
+ Keine Probleme mit Passgenauigkeit und Form im Ohr
Nachteile:
- Im Vergleich zu anderen Kopfhörern ungewöhnliches Klangbild
- Vibrationen können bei längerem Hören anstrengend sein
- Eher hoher Einstiegspreis
Wie du siehst, gibt es heute eine Vielzahl an unterschiedlichen Kopfhörer-Arten auf dem Markt. Welches Modell das richtige ist, kommt ganz auf dich individuell an. Genießt du vor allem gerne hochwertigen Sound, solltest du eher bei Over-Ear-Kopfhörern und IEMs fündig werden. Ist dir ein kompaktes Design wichtig, sind In-Ear-Kopfhörer die richtige Wahl. Für den Sport können Knochenschallkopfhörer eine tolle Alternative sein, wenn du etwas mehr Geld ausgeben willst. So oder so: fündig wirst du auf jeden Fall.
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