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Smartphones

Fold­ables: Wie gut schla­gen sie sich im Alltag?

Foldables sind ein spannendes Konzept. Aber wie gut schlagen sich die Falt-Smartphones im Alltag?

Mit dem Gala­xy Z Flip3 5G und dem Gala­xy Z Fold3 steht bei Sam­sung bereits die nächs­te Genera­ti­on der Fold­ables in den Start­lö­chern. Grund genug für uns, die bei­den Kon­zep­te aus­führ­lich aus­zu­pro­bie­ren. Dafür haben wir uns die Vor­gän­ger-Model­le geschnappt und sie für eini­ge Wochen ein­fach im All­tag mit­ge­nom­men und genutzt. Dabei zeig­ten die Gerä­te Stär­ken und Schwä­chen. Wel­che Erfah­run­gen wir mit den Fold­ables gemacht haben und ob wir uns auch eines davon kau­fen wür­den, liest du hier.

Fold­ables: Was ist das und um wel­che Gerä­te geht es?

Mit den Fold­ables ent­stand eine völ­lig neue Pro­dukt­ka­te­go­rie inner­halb der Smart­pho­nes. Hier­bei han­delt es sich um Gerä­te, die sich zusam­men­fal­ten las­sen. Das errei­chen die Her­stel­ler, indem sie bieg­sa­me Dis­plays ver­bau­en. Über ein Schar­nier ent­steht ein Falz, damit die Gerä­te kom­pak­ter sind. Aktu­ell gibt es auf dem Markt nur eine Hand­voll sol­cher Model­le. Für die­sen Pra­xis-Test haben unse­re Redak­teu­rin Jana Jans­sen sowie die Redak­teu­re Alex­an­der Kraft und Tho­mas Bott das Klapp-Han­dy Sam­sung Gala­xy Z Flip 5G und das Falt-Smart­pho­ne Sam­sung Gala­xy Z Fold2 für meh­re­re Wochen im All­tag getes­tet. Ihre Erfah­run­gen und Gedan­ken zu den Gerä­ten schil­dern sie im Folgenden.

Sam­sung Gala­xy Z Flip 5G: Das sagen unse­re Redakteur*innen

Jana Jans­sen: Wie gemacht für Social Media – weni­ger dar­über hinaus

Als ich das Sam­sung Gala­xy Z Flip 5G zum ers­ten Mal in den Hän­den hal­te und es im 90-Grad-Win­kel auf­klap­pe, erin­nert es mich sofort an einen klei­nen Taschen­spie­gel. Mein ers­ter Gedan­ke ist daher, die Kame­ra zu öff­nen. Auf dem obe­ren Teil des Dis­plays öff­net sich das Vor­schau­bild, auf dem unte­ren Teil bekom­me ich die ver­schie­de­nen Foto­gra­fie-Modi ange­zeigt. Das fin­de ich beson­ders für Sel­fies prak­tisch, bei denen es so auch gut in der Hand liegt. Zudem ist der Aus­lö­ser leich­ter zu tref­fen. Lei­der wur­de das Poten­ti­al eines Fold­ables, Sel­fies mit der höher auf­lö­sen­den Haupt­ka­me­ra zu machen und sich trotz­dem in einer Vor­schau zu sehen, nicht voll aus­ge­nutzt. Denn das Front­dis­play ist ziem­lich klein und damit auch die Vorschau.

Dafür kommt das Smart­pho­ne qua­si mit einem inte­grier­ten Sta­tiv: Im Win­kel auf einem Tisch oder eine ande­re ebe­ne Flä­che abge­stellt steht es fast immer sta­bil. So kann ich end­lich auch spon­tan Lang­zeit­be­lich­tun­gen aus­pro­bie­ren, ohne ein Sta­tiv dabei zu haben. Die beein­dru­cken­den Fotos vom Nacht­him­mel oder vom Ver­kehr in der Stadt gelin­gen so ganz ohne Ver­wa­ckeln. Dabei fällt aller­dings auf, dass die 12 MP Haupt­ka­me­ra ger­ne auch höher auf­lö­sen dürf­te. Die „Sta­tiv­funk­ti­on“ ist dar­über hin­aus auch für Video­chats prak­tisch – so habe ich zum Bei­spiel wäh­rend des Gesprächs die Hän­de frei und wir kön­nen vir­tu­ell zusam­men kochen oder stricken.

Im auf­ge­klapp­ten Zustand muss­te ich aller­dings lei­der ein­mal mehr fest­stel­len, dass vie­le moder­ne Smart­pho­nes nicht für klei­ne Hän­de gemacht sind. So rutsch­te mir das sehr lan­ge und glat­te Smart­pho­ne häu­fig ein­fach aus den Hän­den. Ver­stärkt wur­de der Effekt durch das eigent­lich ange­nehm leich­te Gewicht. Außer­dem hat mich der doch recht deut­lich sicht­ba­re „Knick“ des Dis­plays gestört sowie die für mein Emp­fin­den kur­ze Akkulaufzeit.

Alex­an­der Kraft: Ein gan­zes hal­bes Smartphone

Ich mag das Sam­sung Gala­xy Z Flip 5G. Denn hin­ter dem Klapp­me­cha­nis­mus ver­birgt sich: ein nor­ma­les Smart­pho­ne. Ja, es hat gegen­über dem Z Fold2 eini­ge Defi­zi­te, allen vor­an das feh­len­de zwei­te Dis­play auf der Vor­der­sei­te. Ich bin beim Z Flip also gezwun­gen, es jedes Mal zu öff­nen – und sei es nur, um eine Nach­richt zu lesen. Das schwer­gän­gi­ge Schar­nier erfor­dert dafür immer zwei Hän­de. Aber im Gegen­satz zum Z Fold2 macht es mir hier Spaß, das Gerät immer und immer wie­der auf­zu­klap­pen. Es erin­nert an frü­he Klapp­han­dys, die ich schwung­voll mit dem Dau­men öff­nen und schlie­ßen konnte.

Dar­über hin­aus muss ich beim Z Flip nicht lan­ge über­le­gen, ob sich der Auf­wand lohnt, es zu öff­nen. Denn das Smart­pho­ne ist sei­nem For­mat nach ein gewöhn­li­ches Smart­pho­ne mit ledig­lich einem Zen­ti­me­ter mehr Dis­play in der Höhe. Das For­mat wirkt nicht unna­tür­lich oder son­der­bar gestreckt. In Zah­len aus­ge­drückt: Aus­ge­klappt misst das Sam­sung Gala­xy Z Flip 5G 167,3 x 73,6 x 7,2 mm, das Sam­sung Gala­xy S21 fällt mit 151,7 x 71,2 x 7,9 mm nur wenig klei­ner aus. Die Dis­play­dia­go­na­le des Z Flip beläuft sich auf 6,7 Zoll bei 1.080 x 2.636 Pixeln. Der Unter­schied zum Gala­xy S21 (6,2 Zoll bei 1.080 x 2.400 Pixeln) ist minimal.

In Apps gewinnt man dadurch maxi­mal ein bis ein­ein­halb Zei­len bei Tex­ten. Durch das kon­ven­tio­nel­le Sei­ten­ver­hält­nis müs­sen App-Ent­wick­ler ihre Pro­gram­me also nicht erst extra anpas­sen. Im Quer­for­mat zeigt das Han­dy Vide­os zum Bei­spiel über die gesam­te Dia­go­na­le an, beim Z Fold2 sind immer schwar­zen Bal­ken zu sehen.

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Wie das Z Fold2 lässt sich auch das Z Flip 5G bereits bei halb geöff­ne­tem Gerät nut­zen. Im soge­nann­ten Flex-Modus kann ich das Fold­able bei­spiels­wei­se hin­le­gen, wäh­rend die obe­re Bild­schirm­hälf­te im 90-Grad-Win­kel auf­ge­stellt ist. So wird etwa ein Tisch zum Sta­tiv für Sel­fies. Das mini­ma­le Front­dis­play fun­giert dabei sogar als Sucher, wobei die Bild­schirm­grö­ße mit sei­nen 1,1 Zoll dafür kaum aus­reicht. Hier hat Sam­sung beim Nach­fol­ger, dem Z Flip3 5G, zum Glück nach­ge­bes­sert, wovon übri­gens auch Benach­rich­ti­gun­gen pro­fi­tie­ren, die sich beim Nach­fol­ger auch zuge­klappt lesen lassen.

Der Flex-Modus wird lei­der nicht von beson­ders vie­len Apps unter­stützt – ein Kri­tik­punkt, den sich auch das Z Fold2 gefal­len las­sen muss. Genau genom­men sind es nur Sam­sungs eige­ne Apps, die die Falt­funk­ti­on sinn­voll ein­bin­den: Öff­ne ich zum Bei­spiel die Kame­ra-App im Flex-Modus, rut­schen die Tas­ten auto­ma­tisch auf die unte­re Bild­schirm­hälf­te, wäh­rend die obe­re aus­schließ­lich den Bild­aus­schnitt zeigt. Apps wie etwa You­Tube nut­zen die­se Neu­an­ord­nung als Bedien­kom­fort nicht.

Zusam­men­ge­klappt wird auch das Z Flip 5G nur ver­meint­lich platz­spa­ren­der. Denn das, was es an Län­ge ein­spart, belegt das Gerät statt­des­sen an Tie­fe, da es nun dop­pelt so dick ist. Immer­hin: Mit 183 Gramm wiegt das Fold­able in etwa so viel wie ein Sam­sung Gala­xy S21 oder ein iPho­ne 12.

Tho­mas Bott: Nost­al­gie-Trip mit begrenz­tem Nutzen

Ich erin­ne­re mich noch gut dar­an, vor rund 15 Jah­ren mein Moto­ro­la Krzr K1 bekom­men zu haben. Zur dama­li­gen Zeit waren Klapp-Han­dys natür­lich nütz­lich, vor allem aber cool. Das Modell von Moto­ro­la im Beson­de­ren war auch noch eine Art Fashion-State­ment. Das Gala­xy Z Flip 5G bringt Erin­ne­run­gen an die­se Zeit zurück, in der man am Ende des Tele­fo­nats läs­sig das Gerät zuge­klappt hat, um auf­zu­le­gen. War das Auf- und Zuklap­pen mit einer Hand damals noch kein Pro­blem, ist es das beim deut­lich schwe­re­ren und grö­ße­ren Sam­sung-Smart­pho­ne schon eher. Das liegt auch dar­an, dass das Schar­nier recht schwer­gän­gig ist. Auch das bekann­te Geräusch beim Zuklap­pen ent­fällt dadurch, denn das Klapp-Han­dy schließt eher lang­sam und sanft.

Abseits der Nost­al­gie bleibt ein moder­nes Smart­pho­ne übrig, das tech­nisch durch­aus etwas zu bie­ten hat: eine Dual-Kame­ra für gute Fotos, schnel­le Tech­nik im Inne­ren und ein gro­ßes Dis­play, das immer­hin in erwei­ter­tem Full-HD auf­löst. Die Akku-Kapa­zi­tät ist in Ord­nung, aller­dings nicht über­ra­gend. Das dürf­te aber ein­fach dem Kon­zept geschul­det sein. Gut gemeint ist das Dis­play außen neben der Kame­ra, das zwar Benach­rich­ti­gun­gen anzeigt, aber für alles ande­re ein­fach zu klein ist. Was mich bei der Bedie­nung aller­dings wirk­lich gestört hat, ist der Falz. Der ver­läuft waa­ge­recht über das Dis­play und ist deut­lich sicht- und vor allem fühl­bar. Bei vie­len Ein­ga­ben muss­te ich mit dem Fin­ger durch die­se Kuh­le, was bei Spie­len Ein­ga­ben ver­fäl­schen kann und sich im All­tag ein­fach nicht gut anfühlt.

Bleibt noch die Fra­ge nach dem Sinn: Klapp-Han­dys soll­ten einst ein Pro­blem lösen, denn durch die ver­bau­ten Tas­ten blieb ein­fach nicht viel Platz für das Dis­play übrig. Genau die­ses Pro­blem exis­tiert bei Touch-Smart­pho­nes aber nicht mehr. Beim Z Flip 5G ist die Idee, einen mög­lichst gro­ßen Bild­schirm in ein mög­lichst klei­nes Gerät zu quet­schen. Das gelingt aber auch nur, indem das deut­lich an Tie­fe zulegt. Rund 17,3 mm sind im Ver­gleich zu einem nur 8,9 mm schma­len Gala­xy S21 Ultra 5G eben deut­lich dicker. Damit fühlt es sich in der Hosen­ta­sche auch komisch an. So rich­tig ver­ste­he ich den Sinn dahin­ter also nicht. Mit Blick auf das ähn­lich teu­re und deut­lich bes­ser aus­ge­stat­te­te Gala­xy S21 Ultra 5G, gäbe es für mich nur einen Grund, zum Gala­xy Z Flip 5G zu grei­fen: das Fashion-Statement.

Sam­sung Gala­xy Z Fold2: Mei­nun­gen aus dem Praxis-Test

Jana Jans­sen: 2‑in-1-Smart­pho­ne mit hohem Entertainment-Faktor

Das Sam­sung Gala­xy Z Fold2 bringt vie­le Vor­tei­le des Flip mit, macht dabei aber mei­ner Mei­nung nach vie­les bes­ser. So lässt es sich eben­falls sta­bil auf­stel­len, lässt es sich aber auch wie ein klei­ner Lap­top nut­zen. Beim Foto­gra­fie­ren mit der Haupt­ka­me­ra kann ich mir das Vor­schau­bild sowohl auf dem Front- als auch auf dem Haupt­dis­play anzei­gen las­sen. So kann ich bes­se­re Sel­fies machen und wenn ich mei­ne Freun­de foto­gra­fie­re, kön­nen sie sich eben­falls sehen. Außer­dem ent­fal­tet sich beim Fold2 das vol­le Poten­ti­al der Fold­ables: Ich bekom­me ein Smart­pho­ne in Tablet­grö­ße, das sich aber so klein zusam­men­fal­ten lässt wie ein nor­ma­les Smartphone.

Das gro­ße Dis­play macht es für mich ganz klar zu einem Enter­tain­ment-Smart­pho­ne: Egal ob Strea­ming, Gaming oder Lesen – auf dem gro­ßen Dis­play macht alles noch mehr Spaß. Die schwar­zen Bal­ken oben und unten stö­ren mich beim Spie­len oder Strea­men im Quer­for­mat nicht, unge­wöhn­lich fand ich sie aller­dings bei eini­gen Apps, die sich nur im Hoch­for­mat nut­zen las­sen, wie zum Bei­spiel Insta­gram. Aber das ist sicher­lich auch Gewöh­nungs­sa­che. Sehr kom­for­ta­bel fin­de ich auch, mit dem Fold2 online Arti­kel zu lesen und könn­te mir vor­stel­len, hier­mit auch mal E‑Books aus­zu­pro­bie­ren. Ganz sicher wäre es auch in mei­ner Uni-Zeit prak­tisch gewe­sen. So hät­te alle Vor­le­sungs­fo­li­en und Semi­nar­tex­te in ange­neh­mer Grö­ße auf dem Smart­pho­ne lesen kön­nen und hät­te mei­nen Lap­top öfter zuhau­se las­sen können.

Noch unschlüs­sig bin ich mir aller­dings, wie ich das For­mat des Front­dis­plays im zuge­klapp­ten Zustand fin­den soll. Die­ses ist mit einem 25:9‑Seitenverhältnis wirk­lich sehr schmal und dadurch erst ein­mal unge­wohnt. Der Vor­teil dabei ist aber, dass es gut in mei­ner Hand liegt. Es fühlt sich ein wenig an wie eine Fern­be­die­nung. Das führt dazu, dass ich auch mit einer Hand alles rela­tiv gut bedie­nen kann. Haupt­säch­lich habe ich es aber zuge­klappt nur genutzt, um schnell auf Nach­rich­ten zu ant­wor­ten oder mir einen Über­blick über Benach­rich­ti­gun­gen zu ver­schaf­fen. Die vol­le Magie des Smart­pho­nes ent­fal­tet sich schließ­lich erst im auf­ge­klapp­ten Zustand.

Alex­an­der Kraft: Qua­dra­tisch, prak­tisch – gut?

Qua Beruf habe ich viel mit Smart­pho­nes zu tun. Klar, dass da nicht mehr jedes ein­zel­ne Gerät Begeis­te­rungs­stür­me in mir aus­löst. Wie auch. Tech­nisch betrach­tet sind Smart­pho­nes am Ende. Ihre Tech­no­lo­gie ist nahe­zu aus­ge­reizt. Bei den jähr­li­chen Updates han­delt es sich meis­tens nur um Opti­mie­run­gen und Ver­bes­se­run­gen im Detail: mehr Pixel, höhe­re Auf­lö­sung, län­ge­re Akku­lauf­zeit, neue Kame­ra­funk­tio­nen. Aber mal ehr­lich, für den Groß­teil der Anwen­der spie­len die­se Neue­run­gen im All­tag kaum eine Rol­le. Dein Smart­pho­ne kann jetzt 4K dar­stel­len? Super, aber hät­test du das auch ohne Mar­ke­ting durch rei­ne Anschau­ung selbst gemerkt? Ver­mut­lich nicht. Kein Wun­der, dass Sam­sung, Hua­wei und Co. längst eine Post-Smart­pho­ne-Ära pro­phe­zei­en und an Nach­fol­ge-Gerä­ten for­schen. Bis es so weit ist, wird aber auch bei Smart­pho­nes wei­ter­hin flei­ßig experimentiert.

Eines die­ser Expe­ri­men­te, die es bis zur Markt­rei­fe geschafft haben, ist das Sam­sung Z Fold2. Es gehört der sel­te­nen Spe­zi­es der soge­nann­ten Fold­ables an ­– Smart­pho­nes, die sich auf- und zuklap­pen las­sen. Bei mei­nem Erst­kon­takt mit dem Gerät stieg tat­säch­lich so etwas wie Vor­freu­de und Auf­re­gung in mir auf. Ein Smart­pho­ne, das bei Bedarf zu einem Tablet wird? Ist das die Zukunft oder doch nur gutes Mar­ke­ting? Nach zwei Wochen der Nut­zung als All­tags­ge­rät fällt mein Resü­mee nüch­tern aus: für mich ein­deu­tig letzteres.

Das fängt schon beim Gewicht an: 282 Gramm bringt der Schar­nier-Schmet­ter­ling auf die Waa­ge. Damit ist das Z Fold2 fast so schwer wie eine vol­le 330-ml-Geträn­ke­do­se und über 100 Gramm schwe­rer als das Sam­sung Gala­xy S21 oder das iPho­ne 12. Geschmei­dig in der Hosen­ta­sche trägt es sich bei dem Gewicht nicht. Dazu kommt die Dicke des Geräts im geschlos­se­nen Zustand. 16,8 Mil­li­me­ter misst es an der dicks­ten Stel­le, also am Schar­nier. Und selbst vor­ne, wo sich bei­de Dis­play­hälf­ten berüh­ren, sind es immer noch 13,8 Mil­li­me­ter. Zwei iPho­nes über­ein­an­der­ge­legt sind flacher.

Gewicht und Dicke mal außer Acht gelas­sen, ist der eigent­li­che Clou des Z Fold2, das Ent­fal­ten, aber auch mein Haupt­kri­tik­punkt. Denn jedes Öff­nen und Schlie­ßen setzt Zeit, Kraft und immer zwei Hän­de vor­aus. Im All­tag ist das stres­sig. Selbst bana­le Auf­ga­ben erfor­dern mecha­ni­sche Arbeit. Das Z Flip bie­tet hier kei­ne Alter­na­ti­ve. Beim Z Fold2 ist aber das Pro­blem, dass es mit einem zwei­ten Dis­play auf der Außen­sei­te aus­ge­stat­tet ist. Dadurch ver­kommt das Kern­fea­ture zum Gim­mick, weil ich im all­täg­li­chen Nut­zen aus Bequem­lich­keit eben doch das Front­dis­play nut­ze. Eigent­lich möch­te ich es auf­fal­ten, um die ange­prie­se­ne Erfah­rung zu haben. Aber zum einen ist das jedes ein­zel­ne Mal müßig, zum ande­ren wird alles nur grö­ßer. Es ändert sich nichts oder nur wenig in der Hand­ha­bung bzw. dem tat­säch­li­chen Nutzwert.

Des­halb grei­fe ich in der Eile auf den Front­s­creen zurück. Der fällt mit sei­nen 6,2 Zoll fast schon nor­mal aus, wirkt auf­grund sei­nes gestreck­ten For­mats aber sehr schmal und dadurch doch wie­der klein. Das fühlt sich falsch und nicht sexy an – wie Wel­len­rei­ten auf der Ostsee.

Die Funk­tio­nen, die mir das Fold2 bie­tet, bekom­me ich auf mei­nem Tablet in bes­ser. App-Anbie­ter ent­wi­ckeln für Tablets nati­ve Anwen­dun­gen, die spe­zi­ell auf die Fähig­kei­ten und Dimen­sio­nen eines Groß­zol­lers aus­ge­legt sind. Die Fold­able-Nische ist der­zeit noch so klein, dass kein Ent­wick­ler sich die Mühe macht, sei­ne App dort hineinzuzwängen.

Das unge­wöhn­li­che Sei­ten­ver­hält­nis des Sam­sung Gala­xy Z Fold2 sorgt dafür, dass vie­le Apps im Voll­bild­mo­dus gestreckt wer­den. Über die 7,6 Zoll gro­ße Dia­go­na­le gezo­gen erschei­nen sie grö­ßer, bie­ten aber per se kei­nen Mehr­wert. Ich habe also nichts von dem grö­ße­ren Dis­play, außer dass Schrift und Bil­der grö­ßer dar­ge­stellt werden.

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Vie­le Apps, wie Spie­gel, Twit­ter, Insta­gram oder Snap­chat sind ver­ti­kal aus­ge­rich­tet. Die Feeds lau­fen von oben nach unten. Beim Z Fold2 ent­steht des­halb oft ein seit­li­cher Rand oder es wird eben alles ein­fach grö­ßer, aber nicht unbe­dingt mit mehr Inhalt dar­ge­stellt. Mei­ne Hoff­nung, dass zumin­dest die Kind­le-App von dem Buch-ähn­li­chen For­mat des Fold­ables pro­fi­tie­ren wür­de, wur­de eben­falls zunich­te gemacht: Auch hier wird der Text nur von ganz links außen bis ganz rechts außen an den Rand gestreckt und nicht auf die bei­den Dis­play­sei­ten ver­teilt, sodass ich wie bei einem Buch umblät­tern könn­te. Für mei­ne Augen bedeu­tet die ver­än­der­te Dar­stel­lung vor allem, einen län­ge­ren Weg pro Zei­le zurück­le­gen zu müs­sen, bis sie wie­der nach ganz links zur nächs­ten Zei­le springen.

Eini­ge Apps, wie zum Bei­spiel Insta­gram, bie­ten über­haupt kei­nen Voll­bild­mo­dus. Sie wer­den schlicht hoch­kant ange­zeigt und links und rechts von dicken, schwar­zen Bal­ken gerahmt.

Die Nut­zer­freund­lich­keit und der Bedien­kom­fort eines Smart­pho­nes steigt also nicht pro­por­tio­nal mit jedem wei­te­ren Zoll an Dis­play. Heißt im Umkehr­schluss: Grö­ßer ist nicht auto­ma­tisch bes­ser. Die meis­ten Apps sind heut­zu­ta­ge eben auf eine ver­ti­ka­le oder hori­zon­ta­le Nut­zung aus­ge­legt, nur sel­ten sind sie so fle­xi­bel, sich adap­tiv auf ande­re Bild­for­ma­te ein­zu­las­sen. Das ist vor allem für das Z Fold2 mit sei­nem nahe­zu qua­dra­ti­schen Bild­for­mat ein Problem.

Anmer­kung: Mei­ne Kri­tik­punk­te bezüg­lich sinn­vol­ler Nut­zung und Bedien­kom­fort bezie­hen sich aus­drück­lich auf das Z Fold2. Beim Sam­sung Gala­xy Z Fold3 hat Sam­sung eini­ge der hier ange­spro­che­ne Män­gel bereits aus­ge­bes­sert, unter ande­rem durch die Unter­stüt­zung des Stylus und der Mög­lich­keit, Apps hän­disch an die Dis­play­grö­ße anzu­pas­sen. Was das Z Fold3 dar­über hin­aus noch anders – und hof­fent­lich bes­ser – macht, erfährst du hier:

Tho­mas Bott: Idee mit Zukunft, aber lei­der noch mit Schwächen

Im Ver­gleich zum Gala­xy Z Flip 5G wirkt das Z Fold2 wirk­lich wie eine Neu­erfin­dung. Hier ist mir auch der Sinn direkt klar: Statt zwei Gerä­te mit sich schlep­pen zu müs­sen, ste­cken hier Smart­pho­ne und Tablet in einem. Außen ist dafür ein Dis­play mit 6,2 Zoll (15,81 cm) ver­baut. Bei auf­ge­klapp­tem Gerät offen­bart sich ein Bild­schirm mit sat­ten 7,6 Zoll (19,27 cm), einer ordent­li­chen Auf­lö­sung von 2.208 x 1.768 Pixeln, Dyna­mic-AMO­LED-Tech­nik und bis zu 120 Hertz Bild­wie­der­hol­ra­te. Dar­auf machen Spie­le, Fil­me und Seri­en durch­aus Spaß. Ein klei­ner Wer­muts­trop­fen dabei ist jedoch das For­mat. 4:3 ist in die­sem Fall nicht opti­mal und pro­du­ziert dicke schwar­ze Bal­ken oben und unten. Dafür glänzt das Sei­ten­ver­hält­nis beim Kon­su­mie­ren von Tex­ten, etwa in E‑Books und auf Web­sites, sowie beim Mul­ti­tas­king mit zwei neben­ein­an­der geöff­ne­ten Apps. Das Pro­blem mit dem Falz ist hier übri­gens nicht so prä­sent, wie beim Z Flip.

Blei­ben wir beim Dis­play und schau­en auf das äuße­re Exem­plar. Hier ist das For­mat-Pro­blem näm­lich ein noch grö­ße­res. Mit 25:9 ist der Bild­schirm sehr lang und wirkt des­halb schmal. In der Pra­xis stört das etwa durch Bal­ken an den Sei­ten, vor allem aber durch die unge­wohnt schma­le Bild­schirm­tas­ta­tur. Ich erwisch­te mich des­halb dabei, zum Tip­pen immer das Smart­pho­ne auf­zu­klap­pen und die bequem gro­ße Tas­ta­tur in die­sem Modus zu ver­wen­den. Zwar lässt sich der Bild­schirm außen gut im All­tag nut­zen, er fühlt sich aber auch in der zwei­ten Genera­ti­on des Falt-Han­dys noch wie eine Not­lö­sung an.

Tech­nisch steckt im Z Fold2 übri­gens mehr als in sei­nem Falt-Geschwis­ter­chen Flip. Der ver­bau­te Pro­zes­sor ist flot­ter, es gibt mehr Arbeits­spei­cher, eine zusätz­li­che Kame­ra außen und auch einen grö­ße­ren Akku. Von letz­te­rem soll­test du aber nicht zu viel erwar­ten, denn durch das gro­ße Dis­play innen frisst das Fold2 auch mehr Strom. Obwohl das Gerät mit 16,9 mm Tie­fe im zuge­klapp­ten Zustand auch nicht gera­de schlank ist, wirkt es den­noch sehr kom­pakt. Hier steckt schließ­lich ein klei­nes Tablet in der Hosen­ta­sche. Auch optisch ist das Z Fold2 durch­aus anspre­chend. Design und ver­wen­de­te Mate­ria­li­en wir­ken sehr hoch­wer­tig und der Preis­klas­se durch­aus angemessen.

Fazit unse­rer Redakteur*innen: Was tau­gen Foldables?

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