Nur noch einen Rock kürzen und dann noch eine Jeans umnähen, einen Sticker auf die Lederjacke, neue Bündchen an die Pulloverärmel … – und unter der Dauerlast arbeitet deine Nähmaschine langsam nicht mehr so fleißig wie gewohnt? Dann machen ihr vielleicht Schmutzpartikel und winzige Stoffreste das Leben schwer. Höchste Zeit für eine Reinigung. Doch auch, wenn du nicht regelmäßig nähst, freut sich das Gerät über ein bisschen Pflege. Denn mit der Zeit setzt sich Schmutz an und in ihr fest, der die Leistungsfähigkeit mindern kann. Wie du deine Nähmaschine reinigst und damit gleichzeitig ihre Lebensdauer verlängerst, erfährst du hier.

Warum und wie oft soll ich die Nähmaschine reinigen?

Auch die Nähmaschine will regelmäßig gereinigt und gepflegt werden? Ja. Denn im Inneren sammeln sich Schmutz, Staub, Fadenreste und kleinste Stoffpartikel an. Der reibungslose Lauf kann dadurch beeinträchtigt werden.

Wie oft deine Nähmaschine eine Reinigung nötig hat? Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort. Einzelne Maschinen zeigen selbstständig an, wenn eine Kontrolle angebracht wäre. Ansonsten: Wirf einen Blick in die Bedienungsanleitung. Häufig wird dort eine Reinigung etwa alle vier Wochen empfohlen.

Falls du dort keine ausreichenden Informationen findest, halte dich an diese grundsätzlichen Hinweise:

  • Je häufiger du nähst, desto öfter solltest du die Maschine reinigen – bei starker Beanspruchung auch mehrmals im Monat.
  • Öffne den Kasten unter der Stichplatte. Findest du dort viele abgelagerte Partikel, ist es Zeit für eine Reinigung.
  • Hast du die Maschine längere Zeit nicht in Benutzung, brauchst du sie in der Zwischenzeit nicht zu reinigen. Vor dem nächsten Einsatz aber solltest du die Staubpartikel entfernen, die sich auch im Inneren ansammeln können.
  • Zeigt deine Maschine Leistungseinbußen, indem sie etwa lauter läuft oder nicht einwandfrei näht, ist dringend eine Reinigung nötig, um größere Schäden oder womöglich eine teure Reparatur zu vermeiden.
  • Fängt die Maschine an zu quietschen? Spätestens jetzt kann sie ein paar Tropfen Öl gebrauchen. Allerdings ist es ratsam, nur mechanische Nähmaschinen zu ölen.
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Nähmaschine reinigen: Das brauchst du

Das Wichtigste, bevor du den ersten Reinigungsschritt ausführst: Schalte die Nähmaschine aus und ziehe den Stecker aus der Steckdose! Lege dir dann die wichtigsten Reinigungsutensilien bereit. Dazu gehören:

  • Pinsel mit langen, festen Borsten
  • eine Pinzette
  • ein sauberes Reinigungstuch
  • Handstaubsauger mit Aufsatz für zielgenaues Saugen
  • Nähmaschinenöl
  • Schraubenzieher
  • ggf. ein Druckluftspray (siehe Kasten)
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Nähmaschine mit Druckluft reinigen?

An der Frage, ob auch Druckluftspray bei der Reinigung einer Nähmaschine zum Einsatz kommen kann, scheiden sich die Geister. Die einen freuen sich, dass der Staub kräftig weggeblasen wird. Die anderen verweisen darauf, dass er dadurch vielleicht nur in umso schwerer zugängliche Bereiche befördert wird.

Letzteres aber kannst du vermeiden, indem du ein Druckluftspray nur dann einsetzt, wenn das Gerät komplett geöffnet ist und sich in Sprührichtung keine Maschinenwand befindet. Dann wird der Staub tatsächlich aus dem Gerät hinaus geblasen. In allen anderen Fällen lass von Druckluftspray lieber die Finger. Stattdessen kannst du einen Handstaubsauger benutzen, der den Staub nicht verwirbelt, sondern einsaugt.

Nähmaschine reinigen Schritt für Schritt

Für einige gründliche Reinigung ist es nötig, die Nähmaschine auseinanderzubauen. Gehe dabei sehr aufmerksam vor und lege die Einzelteile in der Reihenfolge ab, wie du sie ausbaust. So fällt dir der anschließende Zusammenbau leichter. Mache dir ggf. Notizen oder Fotos von den einzelnen Zwischenschritten. Ziehe auch die Bedienungsanleitung zu Rate, um sicherzugehen, dass du alles korrekt auseinandernimmst.

  1. Vergewissere dich, dass das Gerät vom Stromnetz getrennt ist.
  2. Entferne das Nähgarn.
  3. Entferne die Nähnadel. Falls sie gebogen oder beschädigt ist, tausche sie gleich aus.
  4. Nimm den Nähfuß ab und säubere ihn mit einem weichen Tuch oder einem Pinsel.
  5. Entferne die Stichplatte. Dazu benötigst du meistens einen Schraubenzieher. Wische die Stichplatte sauber.

    Tipp: Bei großen Flächen, die nicht mit Elektronik in Berührung kommen, kannst du zum Abwischen auch ein leicht angefeuchtetes Tuch verwenden. Ansonsten benutze ausschließlich trockene Tücher oder einen Pinsel.

  6. Entferne den Spulenhalter inklusive Unterfaden. Säubere ihn mit einem Pinsel.
  7. Prüfe, ob du noch weitere Abdeckungen oder Einzelteile entfernen kannst, und nimm sie ggf. ab.
  8. Wische die Außenverkleidung vorsichtig mit einem leicht angefeuchteten Tuch ab. Benutze kein Reinigungsmittel.
  9. Entferne mit der Pinzette größere, festsitzende Staub- und Schmutzpartikel bzw. Fadenreste aus dem Inneren der Nähmaschine.
  10. Benutze den Staubsauger mit kleiner Düse, um die Schmutzpartikel aus dem Innern zu entfernen. Löse anschließend mit dem Pinsel feste, schlechter erreichbare Partikel.
  11. Falls nötig und möglich, öle die Nähmaschine.

Nun ist die Reinigung abgeschlossen und du kannst die Maschine wieder zusammensetzen:

  1. Setze die Einzelteile in umgekehrter Reihenfolge wieder ein. Orientiere dich im Zweifel an deinen Notizen oder Fotos und wirf auch einen Blick in die Bedienungsanleitung.
  2. Setze die Unterspule und den Oberfaden wieder ein, stecke den Netzstecker in die Steckdose und schalte die Nähmaschine ein.
  3. Teste vor dem Ersteinsatz an ein paar Probetextilien, ob alles ordnungsgemäß läuft. Prüfe dabei auch, ob sich noch Ölreste auf dem Stoff absetzen. In diesem Fall nähst du so lange weitere Stücke, bis kein Öl mehr abgegeben wird.

Es muss nicht immer Stoff sein

Wer sagt eigentlich, dass du immer nur Textilien zum Nähen von Hosen, Blusen, Hemden und Co. benutzen sollst? Die Modeindustrie hat längst exotischere Materialien entdeckt, zum Beispiel:

  • Kork: Den Naturstoff gibt es als Korkleder im Fachhandel. Er lässt sich genauso wie dünnes Leder verarbeiten, ist geschmeidig und strapazierfähig.
  • Fahrradschläuche: Aufschneiden und die langen Bahnen zusammennähen – das perfekte Outdoor-Material.
  • Feuerwehrschläuche: Schwer zu bekommen, dafür außergewöhnlich belastbar. So massiv, dass du sie am besten nur für Accessoires wie Krawatte oder Gürtel einsetzt.

Nähmaschine ölen: So geht’s!

Ist die Nähmaschine gerade auseinandergebaut, bietet sich die ideale Gelegenheit, ihr ein paar Tropfen Öl zu spendieren. Denn dann laufen die beweglichen Teile im wahrsten Sinne des Wortes wieder wie geschmiert. Aber Achtung: Moderne Nähmaschinen benötigen in der Regel kein Öl, es kann ihnen sogar schaden. Ob Ölen für dein Gerät empfehlenswert ist, liest du in der Bedienungsanleitung. Falls ja, beachte die folgenden Punkte:

  • Schalte die Nähmaschine vor dem Ölen stets aus und ziehe den Netzstecker ab.
  • Du solltest die Maschine nur dann ölen, wenn du sie zuvor gereinigt hast. Andernfalls könnten sich Schmutzpartikel durch das Öl eher noch stärker festsetzen.
  • Benutze nur spezielles Nähmaschinen-Öl aus dem Fachhandel, kein Speiseöl.
  • Öle alle beweglich-mechanischen Teile, etwa die Nadelstange, den Nähmaschinenarm und den Spulenhalter.Tipp: Die beweglichen Teile erkennst du ganz leicht, wenn du am Hinterrad drehst.
  • Weniger ist mehr! Benutze jeweils nur einen kleinen Tropfen Öl. Am besten benutzt du ein Wattestäbchen, damit kein Öl vertropft. Entferne überschüssiges Öl so schnell wie möglich mit einem trockenen Tuch.

Kurze Pflege schafft lange Freude

Was dem Maler seine Pinselauswahl oder dem Friseur seine Schere ist, ist für den Nähfreund seine Nähmaschine: Unersetzliches Werkzeug, treuer Begleiter, fast wie eine dritte Hand. Umso wichtiger ist es, sie lange zu erhalten. Reparaturen sind kostspielig und eine komplett neue Maschine ist immer erst mal gewöhnungsbedürftig. Besser ist es da, sich regelmäßig oder nach langer Nichtbenutzung die Mühe zu machen, die Maschine von Ablagerungen zu befreien oder ihr ein paar Tropfen Öl zu gönnen – und schon geht es weiter mit der textilen Umsetzung deiner eigenen Vorstellungen.

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