Wenn die Son­ne hin­ter dem Hori­zont ver­schwun­den ist, beginnt in der Groß­stadt erst das rich­ti­ge Leben: Dann ver­wan­deln sich die grau­en Stra­ßen in ein bun­tes Lich­ter­meer. Jetzt ein Foto machen – aber die Kame­ra fängt nur ver­wa­ckel­te oder gar schwar­ze Bil­der ein? Die­ser UPDATED-Rat­ge­ber zeigt Ihnen, wie Sie trotz Däm­me­rung oder Dun­kel­heit gesto­chen schar­fe Fotos mit fas­zi­nie­ren­den Licht­ef­fek­ten auf­neh­men kön­nen. Egal, ob Sie dafür eine Spie­gel­re­flex­ka­me­ra oder nur Ihr Smart­pho­ne zur Hand haben.

Was ist Lang­zeit­be­lich­tung?

Ein Foto­graf wür­de die Fra­ge ver­mut­lich sehr poe­tisch beant­wor­ten: Lang­zeit­be­lich­tung ist das Spiel mit dem Licht. Die tech­ni­sche Ant­wort ist hin­ge­gen ganz schlicht: Für die Lang­zeit­be­lich­tung setzt der Foto­graf die Ver­schluss­zeit der Kame­ra auf einen lan­gen Wert. Statt eines kur­zen Klicks hat die Kame­ra so mehr Zeit für die Auf­nah­me. Das kön­nen meh­re­re Sekun­den, Minu­ten oder sogar Stun­den und in Ein­zel­fäl­len auch Tage sein. Das Ergeb­nis: Alle Bewe­gun­gen, die in die­ser Zeit vor der Kame­ra pas­sie­ren, gelan­gen auf das Foto.

Emp­find­li­che Tech­nik – So wird das Bild auch scharf

Die­se spe­zi­el­le Foto­gra­fier-Tech­nik ist recht emp­find­lich. Wird die Kame­ra wäh­rend der lan­gen Auf­nah­me etwa bewegt, ver­wa­ckelt das Bild. Stel­len Sie die Kame­ra daher stets auf ein Sta­tiv oder eine fes­te Unter­la­ge. Wich­tig ist auch, die ver­schie­de­nen Ein­stel­lun­gen der Kame­ra ganz genau an die jeweils herr­schen­den Licht­ver­hält­nis­se anzu­pas­sen. Denn: Gelangt zu viel Licht durch die Lin­se, sind die Bil­der zu hell, also über­be­lich­tet. Zu wenig Licht bringt hin­ge­gen die gewünsch­ten Effek­te nicht rich­tig zum Vor­schein.

Wel­che Kame­ras eig­nen sich?

  1. Ganz klas­sisch bie­tet eine Spie­gel­re­flex­ka­me­ra die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen: Dank der ver­schie­de­nen Ein­stel­lun­gen kann der Nut­zer die Belich­tungs­zeit opti­mal anpas­sen. Außer­dem kann er dar­an einen Fern­aus­lö­ser anschlie­ßen oder den Selbst­aus­lö­ser ein­stel­len. An das Objek­tiv lässt sich zusätz­lich ein Fil­ter anschrau­ben. Die­ser ist bei Lang­zeit­be­lich­tun­gen am Tag not­wen­dig, um eine Über­be­lich­tung der Bil­der zu ver­mei­den. Tipp: Neh­men Sie die Fotos im soge­nann­ten RAW-For­mat auf. So haben Sie spä­ter mehr Mög­lich­kei­ten zur Bear­bei­tung.
  2. Auch mit einem Smart­pho­ne las­sen sich beein­dru­cken­de Effek­te erzie­len. Apps wie Slow Shut­ter Cam oder Average Came­ra Pro (bei­de für das iPho­ne) simu­lie­ren die Lang­zeit­be­lich­tung. Für Android bie­tet sich Came­ra FV‑5 an. In der Regel benö­ti­gen Sie für die Auf­nah­men ledig­lich Ihr Smart­pho­ne und ein spe­zi­el­les Sta­tiv für Han­dys oder eine sta­bi­le Abla­ge. Wei­te­re Fil­ter oder spe­zi­el­le Ein­stel­lun­gen wäh­len Sie bequem in der App aus.
  3. Spie­gel­lo­se Kame­ras kön­nen Sie immer dann für die Auf­nah­men ver­wen­den, wenn sich die Belich­tungs­zeit manu­ell fest­le­gen lässt. Bei den hoch­wer­ti­ge­ren, soge­nann­ten Sys­tem- oder Brid­ge­ka­me­ras, ist das meist der Fall. Spei­chern Sie auch hier die Bil­der, sofern mög­lich, im RAW-For­mat.

Sta­tiv – für schar­fe Lang­zeit­auf­nah­men bei Tag und Nacht

Hal­ten Sie die Kame­ra in der Hand, ist es bereits ab einer kur­zen Belich­tungs­zeit von 1/30 Sekun­de schwie­rig, dass das Foto nicht ver­wa­ckelt. Abhil­fe schafft ein Sta­tiv. Grund­sätz­lich kön­nen Sie die Kame­ra natür­lich auch auf einem fes­ten Unter­grund able­gen, etwa auf einer Mau­er oder dem Boden. Ein Sta­tiv ist aber viel­sei­tig ein­setz­bar und sorgt für eine fes­te Kame­r­a­po­si­ti­on, sodass die Bil­der nicht ver­wa­ckeln kön­nen. Außer­dem lässt es sich über­all schnell auf­bau­en, und die Posi­ti­on der Kame­ra und damit der Auf­nah­me­win­kel sind ein­fa­cher zu ver­schie­ben.

Die Kame­ra wird an das Sta­tiv geschraubt. Alle Spie­gel­re­flex­ka­me­ras haben dazu an der Unter­sei­te ein run­des Gewin­de. Auch die meis­ten spie­gel­lo­sen Digi­tal­ka­me­ras sind damit aus­ge­stat­tet. In der Regel han­delt es sich dabei um ein ¼‑Zoll-Gewin­de. Die Aus­wahl des Sta­tivs soll­te sich nach der Grö­ße der Kame­ra rich­ten. Dabei gilt der Grund­satz: Je grö­ßer das Objek­tiv der Kame­ra, des­to sta­bi­ler soll­te das Sta­tiv sein, da die Kame­ra sonst nach vor­ne kippt.

Fil­ter – für Lang­zeit­be­lich­tung am Tag

Möch­ten Sie aus­schließ­lich nachts Fotos mit einer Lang­zeit­be­lich­tung machen, benö­ti­gen Sie kei­nen Fil­ter. Tags­über sieht das schon ganz anders aus: Hier hilft ein Grau­fil­ter (auch “ND” oder “Neu­t­ral­dich­te­fil­ter” genannt) vor Über­be­lich­tung. Er fun­giert wie eine Son­nen­bril­le für die Kame­ra und ermög­licht in den meis­ten Fäl­len über­haupt erst die Lang­zeit­be­lich­tung am Tag. Meist gelangt bei Son­nen­schein bereits nach kür­zes­ter Zeit so viel Licht in die Kame­ra, dass die Bil­der bei län­ge­rer Belich­tung kom­plett weiß, also über­be­lich­tet wer­den.

Fern- und Selbst­aus­lö­ser – Schützt vor Ver­wack­lern

Ihre Kame­ra steht sicher und sta­bil auf einem Sta­tiv und trotz­dem ver­wa­ckeln die Bil­der? Das könn­te an dem kur­zen Moment lie­gen, in dem Sie den Aus­lö­ser drü­cken. Durch die­se win­zi­ge Erschüt­te­rung ver­wa­ckelt das Bild bereits. Abhil­fe schafft ein Aus­lö­ser per Fern­steue­rung. Damit kön­nen Sie das Bild auf­neh­men, ohne die Kame­ra zu berüh­ren. Dabei haben Sie die Wahl zwi­schen der Steue­rung per Funk, Infra­rot oder Kabel. Alter­na­tiv kön­nen Sie auch den ein­ge­bau­ten Selbst­aus­lö­ser Ihrer Kame­ra nut­zen und die­sen dann unge­stört das Foto machen las­sen.

Oku­larab­de­ckung – gegen Streu­licht & hel­le Strei­fen im Bild

Die­ses klei­ne Plas­tik­teil ste­cken Sie hin­ter den Sucher. Also dort, wo Sie nor­ma­ler­wei­se beim Foto­gra­fie­ren durch­schau­en. Die Oku­larab­de­ckung ver­hin­dert, dass soge­nann­tes Streu­licht durch den Sucher ein­tritt. Set­zen Sie gera­de tags­über die Oku­larab­de­ckung ein, damit es nicht zu einer Fehl­be­lich­tung in Form von hel­len Strei­fen oder Schlie­ren auf dem Bild kommt.

Die rich­ti­ge Belich­tungs­zeit wäh­len

Die rich­ti­ge Belich­tungs­zeit hängt von zwei Fak­to­ren ab: von der Hel­lig­keit und gege­be­nen­falls der Stär­ke des ver­wen­de­ten Fil­ters. Grund­sätz­lich gilt: Je dunk­ler die Umge­bung, des­to län­ger kön­nen Sie das Bild belich­ten. Tags­über ste­hen somit nur weni­ge Sekun­den zur Ver­fü­gung, nachts kön­nen die Auf­nah­men der Bil­der Minu­ten oder Stun­den dau­ern. Wenn Sie bei­spiels­wei­se nachts ein Feu­er­werk auf­neh­men möch­ten, kön­nen Sie die Belich­tungs­zeit auf meh­re­re Minu­ten stel­len.

Tipp: Die App “NDCalc” (Android und iOS) hilft bei der Berech­nung der opti­ma­len Belich­tungs­zeit für Ihre Bil­der.

Pro­bie­ren Sie ein­fach ver­schie­de­ne Ein­stel­lun­gen aus. Gera­de im Däm­mer­licht kann der Bruch­teil einer Sekun­de bei der Belich­tung bereits einen gewal­ti­gen Unter­schied auf das fer­ti­ge Bild haben.

Die rich­ti­ge Ein­stel­lung der Blen­de wäh­len

Die Ein­stel­lung der Blen­de bestimmt, wie viel Licht in die Kame­ra gelangt. Das beein­flusst die Schär­fe und die Hel­lig­keit des Bil­des. Je nach Licht­ver­hält­nis­sen soll­ten Sie die Blen­de auf einen Wert zwi­schen f/8 und f/12 ein­stel­len. Bei klei­ne­ren Wer­ten wäre die Blen­de zu sehr geöff­net, was zu viel Schärfen­tie­fe im Vor­der­grund und einem unschar­fen Hin­ter­grund füh­ren wür­de. Das Bild wür­de dann einen klei­nen Bereich deut­lich abbil­den, den Rest aber unscharf las­sen. Bei der Lang­zeit­be­lich­tung ist aber in der Regel eine gleich­mä­ßi­ge Schär­fe erwünscht.

Der rich­ti­ge ISO-Wert für die Lang­zeit­be­lich­tung

Der ISO-Wert soll­te mög­lichst tief ste­hen, etwa auf 100. Die­sen nied­ri­gen Wert gleicht die lan­ge Belich­tungs­zeit aus, da dann im Ergeb­nis wie­der aus­rei­chend Licht durch den Sen­sor kommt und das Bild schön aus­ge­leuch­tet wird. Deut­lich höhe­re ISO-Wer­te als etwa 800 füh­ren zu einem soge­nann­ten Bild­rau­schen, also einem sehr grob­kör­ni­gen Bild.

Ablauf­plan für eine Lang­zeit­be­lich­tung

  1. Motiv und geeig­ne­ten Stand­ort wäh­len.
  2. Sta­tiv an die Kame­ra schrau­ben und bei­des auf­stel­len. Wenn vor­han­den: Kabel­aus­lö­ser anschlie­ßen und Fil­ter auf­schrau­ben.
  3. Kame­ra aus­rich­ten und fokus­sie­ren, dafür auf “manu­el­len Fokus” stel­len, am Objek­tiv kann dafür ein Reg­ler von AF auf MF gescho­ben wer­den.
  4. Blen­de und Belich­tungs­zeit ein­stel­len.
  5. Aus­lö­sen.
  6. Abwar­ten, bis das Bild fer­tig belich­tet wur­de, dann erst wie­der die Kame­ra berüh­ren.

Feu­er­werk & Licht­strei­fen in der Nacht foto­gra­fie­ren – so geht’s

In der Dun­kel­heit der Nacht gibt es zwei Mög­lich­kei­ten, ein Foto zu machen, das nicht kom­plett schwarz ist: mit einem Blitz­ge­rät oder mit der Lang­zeit­be­lich­tung. Der Blitz ver­än­dert die Far­ben und zeigt nur einen Teil der Wirk­lich­keit. Für weit ent­fern­te Moti­ve eig­net er sich nicht. Die Lang­zeit­be­lich­tung hin­ge­gen nutzt und ver­stärkt alle vor­han­de­nen Licht­quel­len.

Die Klas­si­ker: Licht­strei­fen von vor­bei­fah­ren­den Autos. Stel­len Sie sich dazu mit einem Sta­tiv an eine Stra­ße oder auf eine Brü­cke. Bei letz­te­rer ach­ten Sie dar­auf, dass die­se nicht zu sehr durch die dar­un­ter fah­ren­den Autos erschüt­tert wird. Wenn Sie ein leich­tes Beben spü­ren, wird die Kame­ra bei den Auf­nah­men eben­falls bewegt und das Foto ver­wa­ckelt. Bei kom­plet­ter Dun­kel­heit stel­len Sie die Blen­de auf einen Wert zwi­schen f/8 und f/12 und den ISO Wert auf 100 ein. Star­ten Sie mit einer Belich­tungs­zeit von einer Minu­te und erhö­hen Sie die­se lang­sam, um den Effekt zu ver­stär­ken. Hier gilt es, etwas aus­zu­pro­bie­ren. Mit den glei­chen Ein­stel­lun­gen kön­nen Sie auch ein Feu­er­werk ablich­ten. Auch die­ses Motiv spielt wun­der­bar mit der Bewe­gung von Licht. Eben­falls ein­drucks­voll, wenn auch nicht ganz unge­fähr­lich: Auf­nah­men eines Gewit­ters.

Wol­ken­mee­re & nebel­ar­ti­ges Was­ser am Tag foto­gra­fie­ren – so geht’s

Auch am Tag geht es bei der Lang­zeit­be­lich­tung um das Spiel mit dem Licht. Die län­ge­re Belich­tungs­zeit am Tag führt dabei zu inter­es­san­ten und fast unwirk­li­chen Effek­ten: Wol­ken ver­schwim­men zum Bei­spiel zu einem grau­en Strom, Was­ser wird schein­bar zu Nebel. Wäh­len Sie für Ihre Bil­der Moti­ve aus, die sich gleich­mä­ßig bewe­gen, etwa Wel­len an der Küs­te, ein Getrei­de­feld im Wind, einen Bach, Was­ser­fäl­le oder einen leicht bewölk­ten Him­mel.

Nut­zen Sie für Ihre Auf­nah­men einen Grau­fil­ter. Die Blen­de soll­ten Sie abhän­gig von der Stär­ke des Fil­ters ein­stel­len. Ist der Fil­ter eher schwach, müs­sen Sie stär­ker abblen­den. Stel­len Sie die Blen­de zwi­schen f/8 und f/12 ein und wäh­len Sie einen ISO-Wert von 100. Die Belich­tungs­zeit hängt von den herr­schen­den Licht­ver­hält­nis­sen ab. An einem wol­ki­gen Tag kann län­ger belich­tet wer­den, als an einem sehr son­ni­gen Tag. Star­ten Sie mit einer kür­ze­ren Belich­tungs­zeit von 10 Sekun­den und arbei­ten Sie sich lang­sam hoch. Ver­ges­sen Sie auch das Sta­tiv nicht, um ein Ver­wa­ckeln der Bil­der zu ver­hin­dern.

Mit Licht malen – so geht’s

Wenn Sie in der Dun­kel­heit Auf­nah­men machen, kön­nen Sie zusätz­li­che Licht­quel­len, wie eine Wun­der­ker­ze oder eine Taschen­lam­pe, als Zei­chen­stift benut­zen und im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes mit Licht malen: Befes­ti­gen Sie dazu die Kame­ra auf einem Sta­tiv und stel­len Sie die Blen­de zwi­schen f/8 und f/12 ein. Die Belich­tungs­zeit soll­ten Sie je nach Motiv­auf­wand wäh­len. Wenn Sie zum Bei­spiel mit einer Wun­der­ker­ze ein Herz “malen” möch­ten brau­chen Sie dazu etwa 5 Sekun­den. Nut­zen Sie dabei auch die ver­schie­dens­ten Hilfs­mit­tel. Schrau­ben Sie etwa einen Grau­fil­ter vor die Lin­se oder decken den Sucher mit einer Oku­larab­de­ckung ab.

Fotos die “lan­ge” im Gedächt­nis blei­ben

Egal, für wel­che Tages- oder Nacht­zeit Sie sich ent­schei­den, pro­bie­ren Sie ein­fach ver­schie­de­ne Ein­stel­lun­gen Ihrer Kame­ra aus. Begin­nen Sie mit einer kur­zen Belich­tungs­zeit, und tas­ten Sie sich lang­sam an län­ge­re Zei­ten her­an, um zu sehen, wel­che Effek­te Sie mit Licht errei­chen kön­nen.

 

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