Der Duft frisch gemahlener Kaffeebohnen, das sanfte Gluckern der Maschine, der erste Schluck am Morgen: Kaffee ist für viele ein echtes Ritual, fast schon eine Philosophie. Doch egal, ob du Filterkaffee liebst, Espresso bevorzugst oder gerne mit der French Press experimentierst: Der Mahlgrad deiner Kaffeebohnen entscheidet maßgeblich darüber, wie dein Kaffee schmeckt. In diesem Ratgeber erfährst du Schritt für Schritt, wie du den optimalen Mahlgrad findest, wie sich Mahlgrade voneinander unterscheiden und wie du deinen Kaffee langfristig noch besser machen kannst.
Das erfahrt ihr gleich
Der Mahlgrad bestimmt, wie viel Oberfläche des Kaffeepulvers während des Brühvorgangs mit Wasser in Kontakt kommt. Das beeinflusst:
- die Extraktionszeit, also wie lange das Wasser Aromen aus dem Kaffee löst
- den Geschmack, also wie bitter, sauer, aromatisch und/oder vollmundig er schmeckt
- den Körper, eher leicht oder kräftig?
- die Konsistenz, also ob das Pulver staubfein oder eher grobkörnig ist
- Der folgende Vergleich, hilft dir vielleicht die eher abstrakten Bezeichnung besser zu begreifen: Ein feiner Mahlgrad bedeutet eine längere Extraktion, was den Kaffee kräftiger macht aber die Gefahr von Bitterkeit birgt. Ein grober Mahlgrad bedeutet eine kürzere Extraktion, was den Kaffee milder macht, aber die Gefahr von Säure oder Wässrigkeit birgt.
Die „Kunst“ den richtigen Mahlgrad zu finden, liegt also darin den Sweet Spot zwischen Säure, Süße und Bitterkeit herzustellen.
Wenn du Bohnen mahlst, entsteht eine bestimmte Partikelgröße von Kaffeemehl. Diese kannst du je nach Gerät in Stufen einstellen, quasi fein, mittel und grob. Je hochwertiger deine Kaffeemühle ist, desto präziser lässt sich dieser Bereich regulieren. Beispiele für Kaffeemühlen, die du kennen könntest, sind:
- Manuelle Handmühlen (z. B. für Pour Over oder unterwegs)
- Elektrische Kaffeemühlen mit Scheibenmahlwerk
- Kaffeevollautomaten, mit integriertem Mahlwerk
Vermeide zum Mahlen von Kaffee Mühlen mit Schlagwerk (z. B. einfache Gewürzmühlen). Sie erzeugen ungleichmäßig große Partikel, was zu einem unausgewogenen Geschmack führt.
Als Grundregel gilt: Je kürzer die Kontaktzeit von Wasser und Kaffee, desto feiner muss der Kaffee gemahlen sein. Der Mahlgrad, der perfekt für Espresso ist, funktioniert für eine French Press überhaupt nicht – und umgekehrt. Jede Methode benötigt eine spezifische Partikelgröße, damit der Wasserfluss und die Kontaktzeit stimmen. Im Folgenden findest
Espresso braucht Druck – und zwar viel. Deshalb muss das Kaffeepulver sehr fein sein, damit das Wasser in den kurzen 25 – 30 Sekunden Extraktionszeit genügend Aromen löst. Achte daher auf folgende Merkmale, um den optimalen Mahlgrad zu finden:
- Konsistenz wie feiner Sand oder Puderzucker
- Sehr kleine Partikel
- Kompakt im Siebträger
Espresso eignet sich hervorragend für die Zubereitung in der Siebträgermaschine, für die Herdkanne/Mokkakanne und den Vollautomat. Für die beiden Letztgenannten sollte der Mahlgrad etwas gröber sein als für die Siebträgermaschine.
Als Regel gilt:
Wenn der Espresso zu schnell durchläuft, solltest du den Mahlgrad feiner stellen.
Wenn der Espresso tröpfelt oder bitter schmeckt, solltest du den Mahlgrad gröber stellen. Stelle am besten immer nur in kleinen Schritten nach, denn bereits kleinste Anpassungen machen einen Unterschied.
Filterkaffee ist besonders aromatisch, wenn das Kaffeemehl gleichmäßig und mittelgrob ist. Achte daher auf folgende Merkmale, um den optimalen Mahlgrad zu finden.
- Die Konsistenz sollte an groben Zucker erinnern
- Das Mahlbild sollte gleichmäßig sein
Das Kaffeemehl eignet sich hervorragend für die Zubereitung im Handfilter, für elektrische Filtermaschinen oder die Chemex. Für die Zubereitung in Letzterer sollte das Kaffeemehl etwas gröber sein.
Auch hier kannst du dir folgendes merken:
Wenn der Kaffee bitter schmeckt, solltest du ihn etwas gröber mahlen. Wenn er sauer oder dünn schmeckt, solltest du ihn etwas feiner mahlen.
Tipp: Vor allem bei Pour Over lohnt sich eine gute Handmühle, da du so viel Kontrolle über deinen Mahlgrad hast.
In der French Press wird das Kaffeemehl mit heißem Wasser aufgegossen und bleibt dort für etwa vier Minuten. Anschließend wird der Satz mit einem Siebstempel nach unten gedrückt. Zu feines Pulver würde durch das Sieb gelangen und zu einem bitteren, „sandigen“ Kaffee führen. Die folgenden Merkmale zeigen dir, ob du den optimalen Mahlgrad für die Zubereitung in der French Press gefunden hast:
- Die Konsistenz sollte an Meersalz erinnern
- Die groben Partikel sollten gut sichtbar sein
Falls du einen Cold Brew zubereiten möchtest, solltest du darauf achten, den Mahlgrad noch gröber einzustellen. Beim Cold Brew baden die Bohnen 12–24 Stunden im Wasser. Zu feines Pulver würde zu einem extrem starken, bitteren Extrakt führen.
Generell gilt: Ist dir der Kaffee zu bitter, solltest du die Bohnen gröber mahlen, ist er dir zu dünn, solltest du ihn feiner mahlen.
Die Herdkanne, auch vielen bekannt als Bialetti (hier handelt es sich jedoch nur um eine Marke der Herdkanne), braucht einen Zwischenbereich: feiner als Filter, aber gröber als Espresso. Der optimale Mahlgrad ist etwas feiner als Zucker, dabei aber nicht pudrig. Sollte deine Herdkanne zischen oder spritzen, ist der Mahlgrad meist zu fein.
Vollautomaten arbeiten ähnlich wie Siebträgermaschinen mit Druck, aber nicht so stark wie echte Siebträger. Deshalb braucht der Kaffee eher einen mittleren Mahlgrad. Im Gegensatz zur Siebträgermaschine, ist die Kaffeemühle bei Vollautomaten bereits integriert und daher nicht immer extrem hochwertig und oft weniger fein. Hier gilt es sich ein bisschen heranzutasten.
Beginne mit der empfohlenen Grundeinstellung: Egal, ob Espresso oder Filter – starte mit dem Richtwert und arbeite dich dann vor. Nimm am besten nur kleine Änderungen vor. Bereits ein Klick oder eine Viertelumdrehung kann spürbar sein. Wichtig ist auch nur EINE Sache zu verändern. Änderst du nämlich Mahlgrad, Menge und Tamperdruck gleichzeitg, weißt du nicht was den Unterschied gemacht hat. Probiere nun mehrere Bezüge aus, denn nach dem Verstellen der Mühle brauchst du oft 1–2 Testbezüge, bis der neue Mahlgrad optimal im Ergebnis ankommt.
Wie oben beschrieben, hat der Mahlgrad einen direkten Einfluss auf Bitterkeit, Säure und Körper des Kaffees. Je nachdem an welcher Stellschraube du drehst, kannst du so den Geschmack des Kaffees beeinflussen.
Ist dein Kaffee zu bitter? Wähle einen gröberen Mahlgrad, senke die Brühtemperatur und verkürze die Ziehzeit.
Ist dein Kaffee zu sauer? Wähle einen feineren Mahlgrad, erhöhe die Brühtemperatur und verlängere die Ziehzeit.
Ist dein Kaffee zu wässrig? Mahle die Bohnen etwas feiner und verwende ein wenig mehr Kaffeemehl.
Ist der Kaffee zu stark? Mahle die Bohnen etwas gröber und verwende etwas weniger Kaffee.
Wie bereits erwähnt, solltest du erstmal eine Sache ändern, um dich langsam an den optimalen Geschmack heranzutasten.
Nicht nur die Zubereitungsmethode beeinflusst, welchen Mahlgrad du wählen solltest – auch die Bohne selbst spielt eine Rolle.
Röstung: Helle Röstungen musst du oft feiner mahlen, um ausreichend Süße zu extrahieren. Dunkle Röstungen dagegen eher gröber, da sie schneller extrahieren und sonst bitter werden.
Arabica vs. Robusta: Robusta enthält weniger Säure und darf etwas gröber gemahlen werden. Arabica hingegen schmeckt komplexer. Diese Bohnen musst du feiner mahlen, um die Aromen hervorzuheben.
Alter der Bohnen: Frische Bohnen (7–21 Tage nach Röstdatum) brauchen oft feinere Mahlgrade als ältere Bohnen. Diese solltest du gröber mahlen, da sie weniger CO₂ enthalten.
Die Wahl deiner Kaffeemühle hat einen großen Einfluss darauf, wie gut du den optimalen Mahlgrad einstellen kannst und wie aromatisch dein Kaffee am Ende schmeckt. Nicht jede Mühle mahlt gleich, und die Bauart entscheidet darüber, wie gleichmäßig und aromaschonend deine Bohnen zerkleinert werden.
Mühlen mit Scheibenmahlwerk gelten als besonders präzise. Zwei flache Scheiben mahlen die Bohnen sehr gleichmäßig, sodass du ein homogenes Mahlgut erhältst, was ein entscheidender Vorteil für konstante Ergebnisse ist. Dadurch eignen sich Scheibenmahlwerke ideal für Espresso- und Filterzubereitungen, bei denen selbst kleine Unterschiede im Mahlgrad Geschmack und Extraktion beeinflussen. Sie arbeiten schnell und zuverlässig, können jedoch etwas lauter sein.

Kegelmahlwerke mahlen schonend und erzeugen weniger Hitze, was das Aroma besser bewahrt. Durch ihre Bauform laufen sie meist leiser und benötigen weniger Energie. Viele hochwertige Hand- und Haushaltsmühlen setzen auf diese Technik. Das homogene Mahlbild und die einfache Bedienung machen Kegelmahlwerke besonders für den Heimgebrauch attraktiv – egal ob Espresso, Pour Over oder French Press.
- Du stellst den Mahlgrad während des Mahlens um: Dadurch können Bohnen verklemmen. Leere die Mühle, bevor du den Mahlgrad änderst und vor allem, wenn du eine andere Bohnensorte einfüllst.
- Du verwendest denselben Mahlgrad für unterschiedliche Bohnen: Jede Sorte reagiert anders, du musst also pro Bohne den Mahlgrad neu einstellen.
- Du mahlst zu früh: Gemahlener Kaffee verliert in Minuten sein Aroma. Du solltest also immer frisch mahlen.
- Du passt Menge und Mahlgrad gleichzeitig an: So kannst du nicht erkennen, was den Unterschied erzeugt hat. Passe daher immer nur eine Variable an.
Ob Espresso, Filterkaffee oder French Press: Der richtige Mahlgrad entscheidet darüber, wie viel Aroma du aus deinen Bohnen herausholst. Schon kleine Anpassungen können den Unterschied zwischen einem flachen, bitteren oder perfekt ausgewogenen Kaffee ausmachen. Starte mit dem empfohlenen Richtwert für deine Zubereitungsmethode und taste dich dann Schritt für Schritt heran. Achte dabei immer auf die Signale deines Geschmacks: Wird der Kaffee zu bitter, mahle gröber, wirkt er dünn oder sauer, wähle eine feinere Einstellung. Wenn du verstanden hast, wie Mahlgrad, Bohnenprofil und Brühmethode zusammenwirken, eröffnet sich dir eine völlig neue, individuelle Welt des Kaffeegenusses.
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