Wie Firmenchef Carl Pei bereits bestätigt hat, steht in diesem Jahr kein Nachfolger zum Phone 3 aus 2025 an. Stattdessen wolle sich das Unternehmen auf die Budget-Phones der (a)-Reihe konzentrieren. Den Anfang macht das Nothing Phone 4(a) – mit völlig neuem Glyph-Interface. Doch die neue Generation ist auch ein Bekenntnis zu mehr Farbe. Was sonst noch in dem Gerät steckt und wie es sich in der Praxis schlägt, liest du hier.
Das erfahrt ihr gleich
- Glyph-Interface: Sinnvoll und gut implementiert
- Farben: Nothing traut sich was
- Display: Ordentlich nachgeschärft
- Leistung: Moderates Upgrade statt großem Sprung
- Kameras: Periskop-Linse jetzt auch im Nicht-Pro
- Software: Noch immer eine große Stärke
- Zubehör: Das Phone 4(a) hat alles dabei
- Preis: Auch in neuer Generation ein guter Deal
Für Nothing typisch ist das Glyph-Interface, also eine Anordnung von LEDs auf der Rückseite. Diese haben über die vergangenen Jahre aber immer wieder mehr oder weniger starke Veränderungen durchlaufen. Offenbar hat Nothing aber jetzt eine klare Linie gefunden: Lite-Modelle bekommen eine einzelne LED, die normalen (a)-Geräte bekommen eine Lichtleiste, (a) Pro-Handys ein Glyph-„Display“ mit weniger, großen LEDs und die Phone-Hauptreihe das bekannte Glyph-„Display“ mit mehr, kleinen LEDs. Hier kommt also die erwähnte Lichtleiste zum Einsatz. Sie stellt für mich den bisher besten Kompromiss aus Eigenständigkeit und Nutzen dar. Eingeteilt in sechs kleine Quadrate zeigt das Licht wichtige Informationen an, wenn das Smartphone mit der Rückseite nach oben liegt. Dazu gehören etwa Benachrichtigungen und Anrufe, die sich pro Kontakt durch individuelle Lichtspiele personalisieren lassen. Ein anderer Nutzen ist, dass die Lichter die aktuelle Lautstärke optisch darstellen können.



Das sind kleine Extras, die im Alltag durchaus einen Mehrwert schaffen. Dazu gehört auch die Glyph-Taschenlampe, die durch die hellen, untereinander angeordneten LEDs heller und besser denn je ist. Den Glyph-Timer habe ich schon bei den anderen Smartphones gerne genutzt. Die Darstellung beim Phone 4(a) ist aber die bisher beste. Grundsätzlich gegeben ist hier außerdem die Möglichkeit von Drittanbieter-Nutzungen der Lichter. Leider gibt es die aber noch immer kaum. Würden sich mehr App-Entwickler*innen dessen annehmen, wäre das Glyph-Interface noch viel nützlicher.
Die zweite große Neuerung ist erstaunlich, denn Nothing war bisher nicht unbedingt für Farben bekannt. Das Aufgebot bestand bisher fast ausschließlich aus weißen, schwarzen und grauen Smartphones. Zuletzt begann das Unternehmen etwas mit blauen Designs zu experimentieren, aber eher als Sondereditionen. Das Phone 4(a) hingegen kommt erstmals in einem schicken Pink und regulär als blaue Variante. Beide Designs sind natürlich dennoch halbtransparent gehalten, was dem Smartphone einen besonderen Look verleiht. Gerade die pinke Version gefällt mir dabei sehr gut, da sie erstaunlich unaufdringlich, aber dennoch anders ist. Warum Nothing das nicht früher schon gemacht hat, ist mir ein Rätsel. Wer es klassischer mag, findet aber trotzdem wieder eine schwarze oder weiße Variante, wie unser Testgerät es ist.
Sicher: Schon die Pixeldichte beim Phone 3(a) war auf einem guten Niveau. 387 ppi sorgen für ein durchaus scharfes Bild. Allerdings hat Nothing beim Phone 4(a) eine ordentliche Schippe Pixel draufgelegt. Das nun 6,78 Zoll messende Display kommt auf stattliche 1.224 x 2.720 Pixel, was zu einer Pixeldichte von 440 ppi führt. Damit liegt es nur noch knapp unter dem Flaggschiff Phone 3. Tatsächlich kann sich der brillante AMOLED-Bildschirm sehen lassen – auch in Bewegung. Die Bildwiederholrate fällt mit bis zu 120 Hertz angenehm hoch aus und geht automatisch auf bis zu 30 Hz runter. Und richtig hell ist es auch noch, nämlich bis zu 4.500 Nits in der Spitze, also 1.500 Nits mehr als beim Vorgänger. Die typische Outdoor-Helligkeit steigt um 300 auf 1.600 Nits. Das ist in der, nach dem langem grauen Winter, glücklicherweise wieder sichtbaren Sonne ein Vorteil.

Wer würde schon ein neues Smartphone ohne Chipsatz-Upgrade veröffentlichen? Nothing jedenfalls nicht. Deshalb kommt hier der Nachfolger des Chips aus dem Phone 3(a) zum Einsatz, der Snapdragon 7s der vierten Generation. Auch der setzt wieder auf acht Kerne, die nun aber mit je 2,7 statt 2,5 GHz takten. In der Praxis sorgt das für mehr Leistung, wenn der Sprung auch nicht atemberaubend sein mag. Das liegt auch daran, dass Nothing den Arbeitsspeicher bei 8 GB bis 12 GB belässt. Schön ist aber, dass im Smartphone nun stets 256 GB interner Speicher zur Verfügung stehen. Das Paket fühlt sich, vor allem für den Preis, gut an. Für höchst anspruchsvolle Apps ist die (a)-Reihe ohnehin nicht gemacht.
Was bisher dem Phone (a) Pro und natürlich dem Flaggschiff vorbehalten war, findet seinen Weg jetzt ins Phone 4(a): die Periskop-Linse. Die hat große Vorteile, weil sie die Kamera deutlich flexibler macht. So liefert das kleine Nothing Phone jetzt ansehnliche Makro-Fotos und einen qualitativ ansehnlichen Zoom bis zu 3,5‑facher Vergrößerung. Bis dahin reicht nämlich der optische Zoom. Nothing lässt bis zu siebenfach digital und bis zu 70-fach Ultra-Zoomen. Richtig Freude machen die Ergebnisse dann aber nicht mehr. Das Phone 4(a) fühlt sich im Bereich von 1.0x bis 3,5x wohl. Alles darunter oder darüber ist nur teilweise brauchbar. Videos nimmt das Smartphone in 4K immerhin mit 30 Bildern pro Sekunde auf. In Full-HD sind bis zu 60 fps im normalen Modus beziehungsweise bis zu 120 fps für Zeitlupen-Videos möglich. Die Qualität kann sich sehen lassen, liegt aber natürlich nicht auf dem Niveau des Phone 3. Selfies werden dank der 32 Megapixel-Frontkamera sehr gut.

Eine der größten Stärken, wenn sie auch nicht exklusiv für das Phone 4(a) gilt, ist die Software. Nothing schafft es, schickes, schlichtes, hochmodernes Design mit viel Funktionalität zu verbinden. Nothing OS ist kein Blender, sondern auf einfache Bedienung und Produktivität getrimmt. Das ist im Alltag ein großer Pluspunkt im Vergleich zu anderen Oberflächen, die oft eher auf verschnörkelte Schönheit setzen. Wem das Nothing-Prinzip gefällt, dürfte das Phone 4(a) mit Nothing OS 4.1 also zusagen. Das gilt besonders für alle, die KI-gestützte Funktionen wie den Essential Space nützlich finden.
Ein besonderes Lob verdient Nothing für seine Großzügigkeit beim Zubehör. Nicht nur ein Displayschutz ist ab Werk angebracht, das Unternehmen liefert auch noch die passende Hülle mit. Die ist transparent, gut verarbeitet und schützt das Gerät mitsamt Kamera-Erhöhung ideal. Sogar an eine kleine Aussparung für den Blitz hat Nothing gedacht, damit der durch den durchsichtigen Kunststoff nicht zu diffus leuchtet. Sonst liegt, wie von modernen Smartphones gewohnt, nur noch ein Kabel bei. Ein Ladegerät fehlt.

Die Preisgestaltung ist in der Technik-Brache durch KI und stark schwankende Preise für einzelne Komponenten sehr kompliziert geworden. Das ist auch bei Nothing zu spüren, denn das Gerät ist etwas teurer als sein Vorgänger. Zum Glück hatte der aber ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Das bleibt auch beim Phone 4(a) so, trotz Kosten von (mindestens) 349 Euro für das Smartphone.
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