Schon die Nothing Headphone (1) haben überrascht. Rechteckige Ohrmuscheln, transparente Elemente und ein Design, das sich bewusst gegen die Konventionen der Branche stellt. Mit den neuen Headphone (1) Pro geht Nothing diesen Weg konsequent weiter. Mehr Premium-Materialien, neuer Treiberaufbau, zusätzliche Studio-Funktionen und ein höherer Tragekomfort sollen die Kopfhörer nicht nur schicker, sondern auch besser machen. Ich habe die Headphone (1) Pro mehrere Tage mit ganz unterschiedlicher Musik gehört, beim Arbeiten getragen und sogar für Monitoring in der DAW genutzt. Dabei hat sich schnell gezeigt: Nothing hat an den richtigen Stellen nachgelegt.
Schon die ersten Headphone (1) waren unverwechselbar. Die Pro-Version bleibt diesem Look treu, wirkt aber gleichzeitig deutlich erwachsener. Das liegt vor allem an den auffällig gestalteten Echokammern für den Bass. Sie sitzen weiterhin oval in den rechteckigen Ohrmuscheln, werden nun aber von einem Aluminiumrahmen eingefasst. Dazu kommt Glas statt Kunststoff. Das klingt zunächst nach einem kleinen Detail, macht in der Praxis aber einen überraschend großen Unterschied.
Die Headphone (1) Pro wirken dadurch wesentlich hochwertiger. Vor allem in der Hand entsteht direkt der Eindruck eines echten Premium-Produkts. Besonders gelungen sind erneut die Proportionen. Trotz der markanten Form sitzen die Kopfhörer angenehm schlank auf dem Kopf und tragen deutlich weniger auf, als vielleicht zunächst zu erwarten wäre.
Ganz perfekt ist das Design aber weiterhin nicht. Ein kleiner Kritikpunkt der Standard-Version bleibt bestehen: Werden die Kopfhörer eingedreht, stoßen die unteren Ecken der Ohrmuscheln aneinander. Dieses Klackern wirkt ein wenig unpassend für ein Produkt dieser Preisklasse und hinterlässt mit der Zeit auch Spuren am Material. Einklappen und somit verkleinern lassen sich die Kopfhörer auch in der Pro-Version nicht.
Auch beim Transportcase gibt es Veränderungen. Nothing verabschiedet sich vom Softshell-Case und setzt nun auf ein Hardcase. Das Konzept erinnert dabei unverkennbar an Apples Ansatz: Die Ohrmuscheln verschwinden im Case, während der Kopfbügel oben herausragt und fast wie ein Tragegriff wirkt. Stabil ist die Lösung zwar für mich persönlich passt es aber optisch nicht. Besonders schade finde ich, dass die schwarzen Kopfhörer mit einem weißen Case ausgeliefert werden. Bei der silbernen Version mag das passen, bei der schwarzen eher nicht. Zum Glück passen aber auch die Pro noch in das Case der normalen Headphone (1), weshalb ich unterwegs deren Case nutzen werde.
Noch wichtiger als das Design ist im Alltag aber der Komfort. Genau hier haben die Headphone (1) Pro einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht.
Das Kopfband ist besser gepolstert als bei den normalen Headphone (1) und verteilt das Gewicht angenehmer. Gleichzeitig ist der Kopfhörer etwas breiter gebaut, wodurch weniger Druck auf den Kopf ausgeübt wird. Schon nach wenigen Minuten fällt auf, dass sich die Headphone (1) Pro lockerer tragen, ohne dabei an Halt zu verlieren.
Auch die Ohrpolster überzeugen. Sie schmiegen sich angenehm an die Haut an und sorgen bei mir für eine sehr gute Abdichtung. Das verbessert nicht nur den Komfort, sondern kommt auch dem ANC zugute. Natürlich gilt wie immer: Jeder Kopf und jedes Ohr sind unterschiedlich. Für meine Ohren gehören die Headphone (1) Pro aber klar zu den bequemeren Over-Ear-Kopfhörern ihrer Klasse.


Nothing verfolgt bei den Headphone (1) Pro einen spannenden Ansatz. Statt eines klassischen Treiberdesigns kommt ein dreigeteilter Aufbau zum Einsatz. Hoch‑, Mittel- und Tieftonbereich werden innerhalb eines Treibers getrennt angesprochen und verarbeitet.
Bereits ohne Anpassungen klingt der Kopfhörer gut. Die Abstimmung ist ausgewogen und macht zunächst wenig falsch. Das wahre Potenzial zeigt sich aber erst in der Nothing-X-App.
Noch besser als der Headphone (1) reagiert der Kopfhörer auf Equalizer-Einstellungen. Dafür stehen nicht nur einfache Regler zur Verfügung. Wer möchte, kann sogar Haupttreiber und Präzisionstreiber getrennt voneinander anpassen und auf Wunsch parametrisch eingreifen. Für viele Nutzer*innen dürfte allerdings schon der einfache Equalizer vollkommen ausreichen.
Nach einigen kleineren Anpassungen gefallen mir die Headphone (1) Pro sogar ausgesprochen gut. Rock und Metal profitieren besonders stark davon. Sleep Token, I Prevail oder Black Foxxes haben ordentlich Druck, ohne dabei ihre Feinheiten zu verlieren. Gleichzeitig bleiben auch die subtileren Elemente bei Künstlern wie Michael Kiwanuka, Jacob Collier oder Cory Wong hervorragend nachvollziehbar.
Die Bässe liefern einen kräftigen Punch, bleiben aber präzise. Die Mitten wirken differenziert und sauber aufgelöst. Besonders positiv fällt auf, dass die Höhen nie unangenehm scharf werden. Statt künstlich spektakulär zu klingen, setzen die Headphone (1) Pro auf Ausgewogenheit. Genau das macht sie langfristig angenehm hörbar.

Neu ist ein zusätzlicher Schalter an der Innenseite der Ohrmuscheln. Dahinter verbirgt sich die Funktion „Flat EQ“. Ein Druck genügt und der Equalizer wird auf eine neutrale Abstimmung zurückgesetzt.
Das klingt zunächst unspektakulär, erweist sich in der Praxis aber als überraschend sinnvoll. Gerade beim Monitoring oder beim Arbeiten in einer DAW ist es oft hilfreich, möglichst unverfälscht zu hören. Im Zusammenspiel mit E‑Gitarre, E‑Bass und verschiedenen Aufnahmeprogrammen funktionierte das im Test hervorragend. Besonders praktisch ist, dass der Wechsel direkt am Kopfhörer erfolgt und nicht erst über die App gesucht werden muss.
Gemeinsam mit den Metropolis Studios in London hat Nothing außerdem eine neue räumliche Audiowiedergabe entwickelt. Die Einstellung hört in der App auf den Namen „Studio B“ und soll die Klangcharakteristik eines professionellen Aufnahmeraums nachbilden.
Persönlich konnte mich die Funktion allerdings nicht vollständig überzeugen. Wie bei vielen virtuellen Raumklanglösungen geht aus meiner Sicht etwas von der eigentlichen Klangqualität verloren. Wer räumliches Audio grundsätzlich mag, bekommt mit „Studio B“ aber eine der besseren Umsetzungen dieser Idee.

Beim aktiven Noise Cancelling liefern die Headphone (1) Pro insgesamt eine starke Leistung ab. Alltagsgeräusche werden zuverlässig reduziert und konzentriertes Arbeiten fällt deutlich leichter.
An die absolute Spitze des Marktes reichen sie allerdings nicht ganz heran. Sowohl die AirPods Max 2 als auch die Sony XM6 unterdrücken Umgebungsgeräusche noch etwas konsequenter. Für meinen Alltag macht das jedoch erstaunlich wenig Unterschied. In Büro, Bahn oder Café funktioniert das ANC der Headphone (1) Pro zuverlässig und effektiv.
Auch der Transparenzmodus macht einen guten Job. Stimmen werden natürlich wiedergegeben und Gespräche sind problemlos möglich. Im direkten Vergleich mit den besten Lösungen am Markt fehlt jedoch noch ein wenig Natürlichkeit.
Interessant ist außerdem der Einfluss des ANC auf den Klang. Mit aktivierter Geräuschunterdrückung wirken die Headphone (1) Pro etwas wärmer und bassbetonter. Ohne ANC klingen sie minimal klarer und differenzierter. Der Unterschied ist vorhanden, fällt aber erfreulich gering aus.
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