Der erste Sonos Ace war ein bequemer und hochwertig verarbeiteter Premium-Kopfhörer, klanglich blieb er für mich aber hinter seinen Möglichkeiten. Mit dem Sonos Ace Ultra setzt der Hersteller deshalb nicht auf eine große Designrevolution, sondern verbessert vor allem das, was zu hören ist: Ein neuer 40-mm-Treiber, adaptives Noise Cancelling, ein deutlich umfangreicherer Equalizer, längere Akkulaufzeit und eine noch engere Verbindung zum Sonos-Ökosystem sollen den Unterschied machen. Ob das auch wirklich funktioniert, zeigt der Praxistest.
Das erfahrt ihr gleich
- Sonos Ace Ultra: Das Upgrade ist (dezent) sichtbar
- Hoher Tragekomfort mit einem bekannten Hitzestau
- Klang: Endlich verdient der Sonos-Kopfhörer seinen Premium-Anspruch
- Der 8‑Band-Equalizer ist mehr als eine nette Zugabe
- Dolby Atmos: Bei Musik stark, bei Filmen ein echtes Highlight
- ANC und Aware-Modus: Sehr stark, aber nicht in jeder Disziplin Klassenbester
- Sonos-App, Wireless Lossless und die zwei Seiten des Ökosystems
- Akkulaufzeit: Genug Reserve für mehrere lange Tage
Wer den Sonos Ace bereits kennt, muss beim Auspacken des Sonos Ace Ultra ziemlich genau hinsehen. Form, Materialmix und grundsätzliche Designsprache sind nahezu identisch zum normalen Modell. Mein Testexemplar geht farblich leicht in Richtung Mitternachtsblau und wirkt dadurch etwas eigenständiger als ein klassisches Schwarz. Das bleibt aber ein sehr dezenter Unterschied. Einen sofort sichtbaren Ultra-Moment, wie ihn andere Hersteller gern mit neuen Materialien oder auffälligen Designelementen erzeugen, gibt es hier nicht.
Das ist einerseits schade, andererseits war das Ausgangsmaterial bereits gut. Die Ohrmuscheln bestehen weiterhin überwiegend aus Kunststoff, fühlen sich aber keineswegs billig an. Die Metallbügel lassen sich stufenlos verstellen und bieten genau den richtigen Widerstand. Nichts wackelt, nichts klappert, die Verarbeitung wirkt durchgehend hochwertig. Auffälliger als zuvor ist das Sonos-Logo auf der rechten Ohrmuschel, das stärker spiegelt und dadurch leichter zu erkennen ist. Auch die Aluminiumgitter für Mikrofone und Geräuschunterdrückung wurden leicht verändert und heben sich optisch etwas deutlicher ab.
Die Tasten fühlen sich genauso gut an wie beim Ace. Sie sind klar voneinander zu unterscheiden, reagieren zuverlässig und ermöglichen alle wichtigen Funktionen, ohne dass ich ständig zum Smartphone greifen muss. Beim Lieferumfang bleibt ebenfalls alles beim Alten: Im stabilen Travel-Case steckt eine magnetisch haftende Tasche mit USB-C-auf-USB-C-Kabel sowie USB-C-auf‑3,5‑Millimeter-Klinkenkabel. Das ist praktisch, sauber gelöst und reicht für die wichtigsten Einsatzbereiche. Lossless Audio funktioniert auch beim gleichzeitigen Laden am PC oder Mac. Ein neues Extra gegenüber dem normalen Ace gibt es beim Zubehör allerdings nicht.



Beim Komfort macht Sonos vieles richtig. Der Ace Ultra sitzt leicht auf meinem Kopf, obwohl er kein winziger Kopfhörer ist. Die sehr weichen Kunstlederpolster schmiegen sich angenehm an, verteilen den Druck gut und schließen zuverlässig ab. Auch der gepolsterte Kopfbügel drückt bei mir nicht. Mehrere Stunden Musik, konzentriertes Arbeiten oder ein längerer Filmabend sind deshalb bequem möglich.
Der Anpressdruck ist präsent, aber nicht unangenehm. Dadurch bleibt der Kopfhörer stabil, ohne sich wie eine Klammer anzufühlen. Wer den Ace mochte, findet hier praktisch das gleiche Tragegefühl wieder. Das ist allerdings auch die Grenze des Komfort-Upgrades: Kunstleder ist weiterhin nicht besonders atmungsaktiv. Nach einiger Zeit werden die Ohren warm, an heißen Tagen dürfte das noch deutlicher auffallen. Für kurze Pausen nehme ich den Ultra deshalb gern einmal ab. Bequem ist er trotzdem, nur eben nicht luftig.
Der größte Fortschritt steckt im Klang. Schon mit den Werkseinstellungen wirkt der Sonos Ace Ultra klarer, kräftiger und deutlich breiter als der normale Ace. Beim Vorgänger fehlte mir Bass, gleichzeitig konnte der vorhandene Tiefton etwas matschig wirken. Der neue 40-mm-Treiber räumt hier hörbar auf. Instrumente stehen sauberer nebeneinander, Details gehen weniger schnell unter und auch im Subbass passiert endlich etwas.
Bei „Falling Away from Me“ von Korn lässt sich das besonders gut nachvollziehen. Die Hi-Hat ist klar herauszuhören und sauber positioniert, Gitarren und Schlagzeug liegen nicht einfach als kompakte Wand übereinander. Der Bass besitzt mehr Kontur und der Subbass ist wahrnehmbar, wo er beim Ace für mich praktisch fehlte. Das Klangbild bleibt eher intim und zentriert, entwickelt dabei aber mehr Wucht. Einzelne Gitarren und Effekte ziehen die Bühne punktuell weit auseinander, ohne dass Stimmen ihren Fokus verlieren.
Richtig brillieren kann der Sound bei gediegeneren Klängen, etwa im Bereich von RnB, Soul und Jazz. Der Bass kommt dabei punchy rüber, ohne irgendetwas von der restlichen Instrumentalisierung mit einem Schleier zu überziehen. Die Angenehme Klarheit macht in diesen Genres das Hören zum echten Genuss. Das wird etwa bei Songs von Marvin Gaye und Jared Fisher deutlich.
Im direkten Vergleich mit den AirPods Max 2 fehlt dem Ace Ultra ein kleines Stück der ganz großen, offenen Bühne. Bei Detaildarstellung und Separation liegt er aber erstaunlich dicht dran. Mit passenden Einstellungen im Equalizer gefällt mir der Sonos bei manchen Songs sogar besser. Er erinnert mich dann eher an einen präzisen, kontrollierten Kopfhörer wie den Sennheiser HDB 630 als an einen reinen Lifestyle-Over-Ear. Genau das ist als Kompliment gemeint: Der Ultra kann Musik nicht nur angenehm wiedergeben, sondern einzelne Ebenen nachvollziehbar freilegen.
Ein entscheidender Grund dafür ist der neue Equalizer. Beim normalen Ace gab es lediglich Regler für Bass und Höhen – was gerade audiophile Hörer*innen eher mit einem Zähneknirschen hinnehmen mussten. Damit ließ sich der etwas matte Grundklang zwar aufhellen, echte Feinarbeit war jedoch kaum möglich. Der Ace Ultra bietet zunächst einen einfachen 3‑Band-EQ für Bass, Mitten und Höhen. Zusätzlich lässt sich in der App ein erweiterter 8‑Band-EQ aktivieren. Dort können einzelne Frequenzbereiche wesentlich genauer angepasst werden, was für einen individuelleren Klang sorgt.
Diese Freiheit lohnt sich, verlangt aber ein wenig Geduld. Nicht jede Einstellung funktioniert für jedes Genre. Instrumentale Musik oder Singer-Songwriter-Aufnahmen können mit zu viel Bass an Natürlichkeit verlieren. Bei Drum and Bass oder Metal neigt der Subbass bei starker Anhebung schnell zum Übersteuern und klingt dann crunchy. Ab einer Verstärkung von etwa plus sechs wird das je nach Produktion deutlich, für meinen Geschmack baut der Tiefton teilweise schon eine Stufe darunter zu stark ab beziehungsweise drängt sich zu deutlich in den Vordergrund.
Mit etwas Feinarbeit ist das Ergebnis dafür hervorragend. Sleep Token und Architects klingen instrumental klar, energisch und sauber geschichtet. Gitarren behalten Schärfe, Becken sind gut nachvollziehbar und der Mix fällt nicht in sich zusammen. Der Ace Ultra ist damit kein Kopfhörer, bei dem eine spektakuläre Basskurve pauschal jedes Genre retten soll. Er belohnt vielmehr die Bereitschaft, zwei oder drei passende Profile für unterschiedliche Musikrichtungen zu finden. Dann spielt er weit über dem Niveau des ersten Ace.
Räumlicher Klang ist beim Ace Ultra nicht bloß ein Haken auf der Funktionsliste. Das Album „Oxymore“ von Jean-Michel Jarre zeigt sehr deutlich, was der Kopfhörer mit einem guten Dolby-Atmos-Mix anfangen kann. Instrumente und Effekte lassen sich präzise in verschiedene Richtungen einordnen. Auch virtuelle Höheninformationen wirken glaubwürdiger als bei vielen anderen Kopfhörern. Der neue Treiber hilft dabei, die einzelnen Positionen voneinander zu trennen, statt alles mit künstlichem Hall größer erscheinen zu lassen.
Gerade dieser Hall ist bei virtualisiertem Dolby Atmos oft ein Problem. Manche Mixe wirken, als würde die Band plötzlich nicht mehr auf einer Bühne, sondern in einem stark reflektierenden Badezimmer spielen. Ein schwieriges Beispiel ist „My Hero“ von den Foo Fighters. Bei weniger gelungenen Atmos-Abmischungen stehen Stimme und Lead-Gitarre sehr weit vorn, während Rhythmusgitarre und Schlagzeug an Druck verlieren. Der Ace Ultra kann den Mix nicht neu erfinden, stellt ihn für mich aber breiter und nachvollziehbarer dar als die AirPods Max 2. Mehr vom Schlagzeug bleibt hörbar und die Instrumente laufen weniger zu einem großen Klangbrei zusammen.
Bei elektronischer Musik, etwa von Kiasmos oder Bonobo, funktioniert der 3D-Effekt noch besser. Richtig beeindruckend wird es bei Filmen. In Verbindung mit einer kompatiblen Sonos-Soundbar und True Cinema entsteht eine erstaunlich räumliche Kulisse. Effekte bewegen sich nachvollziehbar durch den virtuellen Raum und Stimmen bleiben klar verankert. Da die Übertragung innerhalb des Sonos-Systems über WLAN statt als gewöhnlicher Bluetooth-Stream erfolgt, wirkt der Sound in meinem Test besonders sauber und immersiv.
Das aktive Noise Cancelling war bereits beim Ace ordentlich, der Ultra legt noch einmal zu – nicht zuletzt dank zehn Mikrofonen am Ace Ultra gegenüber acht beim Vorgänger. Bis zu zweifach stärkere Geräuschunterdrückung verspricht Sonos. Gleichmäßige Geräusche und tieferes Brummen verschwinden sehr zuverlässig. Auch Tastaturanschläge werden deutlich reduziert. Die AirPods Max 2 blenden dieses Tippen in meinem direkten Vergleich noch etwas konsequenter aus, groß ist der Abstand aber nicht. Im Büro, unterwegs oder beim konzentrierten Arbeiten liefert der Sonos damit genau die Ruhe, die ich von einem Premium-Kopfhörer erwarte.
Noch klarer fällt die Verbesserung beim Aware-Modus aus. Der normale Ace wirkte hier leicht robotisch und etwas dumpf. Beim Ultra klingen Umgebungsgeräusche offener, und auch die eigene Stimme wird natürlicher übertragen. An die Transparenz und räumliche Breite der AirPods Max 2 kommt er nicht ganz heran. Zeitgleich ist ein leichtes Grundrauschen im Aware-Modus hörbar, was aber nur in ruhigeren Umgebungen wirklich merkbar auffällt. Der Sonos verzichtet zudem auf eine stufenlose Mischung aus Transparenz und Geräuschunterdrückung. Zur Wahl stehen ANC, Aware oder komplett deaktivierte Effekte. Das ist weniger flexibel, im Alltag aber gut nutzbar.
Beim Sonos Ace Ultra zeigt sich besonders deutlich, wie großartig ein Ökosystem sein kann, wenn alles funktioniert, und wie frustrierend es wird, wenn die Software nicht mitspielt. Bluetooth und Lossless Audio über USB‑C liefen in meinem Test zuverlässig. Wieder mit dabei ist natürlich auch die verlustfreie Wiedergabe über Bluetooth via Qualcomms aptX aus der Sonos-App heraus. Dafür müssen die verwendeten Musikdienste in der App verknüpft sein. Einen eindeutigen Lossless-Indikator habe ich während der Wiedergabe vermisst, obwohl Sonos eine solche Kennzeichnung bei seinen Lautsprechern grundsätzlich kennt.
Klanglich lohnt sich die WLAN-Wiedergabe. Die Separation wird noch klarer, feine Details treten deutlicher hervor und komplexe Passagen behalten ihre Struktur. Das ist einer dieser seltenen Momente, in denen ein Kopfhörer mich beim Hören spontan zum Lächeln bringt. Der Ace Ultra schafft das nicht mit einem übertriebenen Effekt, sondern mit sauber herausgearbeiteten Ebenen und einem sehr unmittelbaren Klang.
TV-Audio-Swap gehört ebenfalls zu den großen Stärken. Die erste Einrichtung war mit meiner Software etwas frickelig. Sobald die Verbindung stand, genügte aber ein längerer Druck auf die Content-Key-Taste, um den Fernsehton nahtlos von der Sonos-Soundbar auf den Kopfhörer zu holen. Ein weiterer langer Druck schickte ihn zurück. Eine spürbare Latenz fiel mir nicht auf. Der Vorteil gegenüber vielen Konkurrenzlösungen: Die Soundbar dient als zentrale Quelle. Dadurch funktioniert der Wechsel nicht nur mit einer einzelnen Streamingbox, sondern auch mit anderen am Fernseher angeschlossenen Geräten, etwa einer Konsole.
Weniger erfreulich verlief mein Versuch mit Headphone-Linking. Die Funktion befindet sich zum Testzeitpunkt im Early Access und wollte in meinem Netzwerk nicht zuverlässig starten. Fehlermeldungen, Abbrüche und mehrere Zurücksetzungen sorgten für Frust. Nach einem Update ließ sich aus der App zeitweise gar keine Wiedergabe mehr starten, während Bluetooth weiterhin funktionierte. Ob mein Netzwerk einen Anteil daran hatte oder die Sonos-App selbst, lässt sich aus diesem Test nicht eindeutig ableiten. Sicher ist nur: Wer mit einer Ökosystem-Funktion wirbt, muss bei der Zuverlässigkeit nachlegen. Wenn alles läuft, ist die Erfahrung beinahe magisch. Wenn nicht, bleibt nur viel Zeit mit Fehlersuche zu verbringen. Wie erwähnt, ist die Funktion noch im Early Access und ich gehe davon aus, dass Sonos hier mit Software-und Firmware-Updates nachsteuern wird.
Sonos gibt für den Ace Ultra bis zu 35 Stunden Wiedergabe mit aktiviertem ANC und Bluetooth an. Das sind fünf Stunden mehr als beim Ace. Drei Minuten am Ladekabel sollen bis zu drei Stunden zusätzliche Wiedergabe ermöglichen. Damit ist der Ultra gut für lange Arbeitstage, Reisen und ausgedehnte Filmabende aufgestellt. Im Vergleich zu den AirPods Max 2, die mit rund 20 Stunden deutlich früher nach einer Steckdose verlangen, besitzt der Sonos einen klaren praktischen Vorteil. Wie immer hängen die tatsächlichen Werte von Lautstärke, Verbindungsart und aktivierten Funktionen ab, die Herstellerangabe liefert aber einen komfortablen Rahmen. Und dank EU-Vorgabe ist der Akku bei den Sonos Ace Ultra jetzt auch austauschbar.
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