Stolz hal­ten Sie es in den Hän­den: Das Album, das Sie schon so lan­ge in den Tie­fen des Kel­lers oder auf den Floh­märk­ten gesucht haben und das ein Lieb­ha­ber wie Sie nur auf Vinyl akzep­tiert. Vor­sich­tig zie­hen Sie die Schei­be aus der Hül­le – doch was ist das? Das sat­te, glän­zen­de Schwarz ist einem mat­ten Grau gewi­chen, Fett­fle­cken glän­zen im Licht, der Staub bezeugt die lan­ge Nicht­be­ach­tung. Doch mit den rich­ti­gen Mit­teln ist die Schall­plat­te schnell wie­der wie neu. Wir zei­gen Ihnen, wie Sie am bes­ten vor­ge­hen.

Tro­cken­rei­ni­gung gegen Staub

Der ers­te Schritt bei der Rei­ni­gung von Schall­plat­ten gilt dem Staub und den fei­nen Här­chen, die sich auf der Ober­flä­che befin­den. Denn eine Plat­ten­na­del bleibt an jedem noch so klei­nen Körn­chen hän­gen, wodurch einer­seits das cha­rak­te­ris­ti­sche Knis­tern ent­steht, ande­rer­seits die Nadel aber auch sprin­gen kann. Für die­se Tro­cken­rei­ni­gung benö­ti­gen Sie eine Car­bon­fa­ser­bürs­te (auch Koh­le­fa­ser­bürs­te genannt), die Sie im Elek­tronik­fach­han­del bekom­men. Ihr Vor­teil: Sie ist anti­sta­tisch, sprich der Staub kehrt nicht so schnell zurück.

Mit die­ser Bürs­te …

  • fah­ren Sie leicht über die Schall­plat­te, wäh­rend sich die­se bereits auf dem Plat­ten­tel­ler dreht (ohne dass die Nadel schon auf­ge­setzt ist)
  • drü­cken Sie nicht zu stark auf und machen leich­te krei­sen­de Bewe­gun­gen, um in die Ril­len zu kom­men.
  • wie­der­ho­len Sie den Vor­gang am bes­ten vor jedem Hören. Idea­ler­wei­se neh­men Sie die­se kur­ze Tro­cken­rei­ni­gung auch nach dem Hören vor, bevor Sie die Plat­te zurück in die Hül­le schie­ben. So bleibt auch die Hül­le von innen staub­frei.

Als Alter­na­ti­ve zur Car­bon­fa­ser­bürs­te kön­nen Sie auch ein fei­nes Mikro­fa­ser­tuch benut­zen.

Tipp: Lagern Sie die ent­staub­ten Schall­plat­ten anschlie­ßend in einer neu­en Hül­le, da sich im Innern der bis­he­ri­gen Hül­len eben­falls Staub ange­sam­melt hat. Wol­len Sie die alten Hül­len behal­ten, etwa weil dar­auf die Song­tex­te abge­druckt sind, kön­nen Sie auch spe­zi­el­le LP-Foli­en­hül­len benut­zen, die abge­run­de­te Ecken besit­zen und damit auch in die eigent­li­che Innen­hül­le pas­sen. Für einen wei­te­ren Staub­schutz schie­ben Sie die Innen­hül­le mit der Öff­nung vor­an in das Album­co­ver.

Nass­rei­ni­gung mit Haus­mit­teln

Gegen Fett­fle­cken, Fin­ger­ab­drü­cke und ande­re hart­nä­cki­ge Ver­un­rei­ni­gun­gen kom­men Sie mit einer Tro­cken­rei­ni­gung nicht an. Statt­des­sen unter­zie­hen Sie die Schall­plat­ten einer “Nass­rei­ni­gung”. Dafür gibt es im Fach­han­del spe­zi­el­le, vor­ge­misch­te Rei­ni­gungs­mit­tel. Sie kön­nen aber auch eine eige­ne Mischung ver­wen­den. Dabei gehen Sie wie folgt vor:

  1. Mischen Sie destil­lier­tes Was­ser (aus der Dro­ge­rie) und Iso­pro­pa­nol-Alko­hol (aus der Apo­the­ke) im Ver­hält­nis 2:1. Gegen die Ober­flä­chen­span­nung des Was­sers – und damit gegen eine zu star­ke Trop­fen­bil­dung – geben Sie opti­ma­ler­wei­se eini­ge Trop­fen Netz­mit­tel hin­zu (z. B. Age­pon oder Mira­sol), das Sie in der Dro­ge­rie oder im Foto-Fach­han­del bekom­men. Alter­na­tiv ist Spül­mit­tel mög­lich, das Sie jedoch nur spar­sam ver­wen­den soll­ten, damit kei­ne Schlie­ren zurück­blei­ben (sie­he Kas­ten).
  2. Geben Sie die Flüs­sig­keit in eine Sprüh­fla­sche und benet­zen Sie die Schall­plat­te. Ach­ten Sie dar­auf, dass das Eti­kett in der Mit­te tro­cken bleibt.
  3. Alter­na­tiv kön­nen Sie die Flüs­sig­keit in eine Schüs­sel geben und die Schall­plat­te rund­her­um ein­tau­chen. Auch hier­bei soll­te das Eti­kett unbe­han­delt blei­ben.
  4. Las­sen Sie die Flüs­sig­keit eini­ge Minu­ten ein­wir­ken.
  5. Stel­len Sie die Schall­plat­te senk­recht auf und las­sen Sie die Flüs­sig­keit abtrop­fen.
  6. Tup­fen Sie Sie die Schall­plat­te mit einem Mikro­fa­ser­tuch oder einem fus­sel­frei­en Baum­woll­tuch vor­sich­tig sau­ber.
  7. Wischen Sie mit einem zwei­ten, sau­be­ren Tuch in krei­sen­den Bewe­gun­gen an den Ril­len ent­lang die Schall­plat­te tro­cken.
  8. Las­sen Sie die Schall­plat­te voll­stän­dig trock­nen, etwa in einem Geschirr­stän­der.
    Geben Sie die Schall­plat­te in eine (neue) Innen­hül­le.

Vor­sicht! Fin­ger weg von die­sen Rei­ni­gungs­mit­teln!

Man­che Rei­ni­gungs­klas­si­ker sind nicht für den Ein­satz an Vinyl-Schall­plat­ten (und übri­gens auch nicht auf CD oder DVD) geeig­net. Denn sie kön­nen mehr Scha­den anrich­ten als Nut­zen brin­gen.

  • Küchen­tü­cher: In ihnen wur­den zer­malm­te Holz­par­ti­kel ver­ar­bei­tet, die als Kleinst­tei­le auf der Schall­plat­te zurück­blei­ben kön­nen.
  • Hoch­pro­zen­ti­ger Alko­hol: Etha­nol kann das PVC in Schall­plat­ten angrei­fen. Des­halb lie­ber zu Iso­pro­pa­nol (auch 2‑Propanol oder Iso­pro­pyl­al­ko­hol genannt) grei­fen.
  • Lei­tungs- und demi­ne­ra­li­sier­tes Was­ser: Hier­in sind immer noch kleins­te Rest­stof­fe wie z. B. Sal­ze vor­han­den, die nach dem Trock­nen in der Schall­plat­te ver­blei­ben kön­nen.
  • Spül­mit­tel: Es soll die Ober­flä­chen­span­nung der Rei­ni­gungs­flüs­sig­keit her­ab­set­zen, ent­hält aber häu­fig schmie­ri­ge Öle oder che­mi­sche Duft­sub­stan­zen.

Nass­rei­ni­gung mit Dis­co­film

“Dis­co­film” ist ein Ver­fah­ren, das spe­zi­ell für die Rei­ni­gung von Schall­plat­ten ent­wi­ckelt wur­de. Dabei wird eine gel­ar­ti­ge Flüs­sig­keit auf die Schall­plat­te gege­ben, die Staub und kleb­ri­ge Par­ti­kel bin­det und zu einer Folie trock­nen lässt. Der Dis­co­film lässt sich dann mit­samt den Ver­un­rei­ni­gun­gen abzie­hen. Die Dis­co­film-Flüs­sig­keit erhal­ten Sie ent­we­der in einer Fla­sche mit einem auf­ge­setz­ten Auf­tra­ge­schwamm, ähn­lich wie bei man­chen Schuh­cremes, oder sepa­rat mit einer bei­lie­gen­den Auf­tra­ge­hil­fe, einem soge­nann­ten Appli­ka­tor. Bei­des kön­nen Sie hier online bestel­len.

So gehen Sie vor:

  • Tra­gen Sie die Flüs­sig­keit mit­hil­fe des Schwamms oder des gefüll­ten Appli­ka­tors groß­zü­gig auf eine Sei­te der Schall­plat­te auf, bis ein homo­ge­ner Film die gesam­te Flä­che und alle Ril­len voll­stän­dig bedeckt hat.
  • Legen Sie ein Stück Kle­be­band als Abzugs­la­sche an den Plat­ten­rand, sodass es einen Zen­ti­me­ter über den Rand her­aus­ragt.
  • Wie­der­ho­len Sie die bei­den Schrit­te auf der ande­ren Sei­te der Schall­plat­te.
  • Las­sen Sie den Dis­co­film bei Raum­tem­pe­ra­tur aus­gie­big trock­nen, am bes­ten einen Tag lang.
    Zie­hen Sie mit­hil­fe der Abzugs­la­sche den getrock­ne­ten Dis­co­film vor­sich­tig nach oben hin ab.
  • Haben Sie die Flüs­sig­keit zu dünn auf­ge­tra­gen, kann der Dis­co­film beim Abzie­hen rei­ßen. Geben Sie in die­sem Fall neue Flüs­sig­keit über den schon getrock­ne­ten Film, las­sen Sie ihn erneut trock­nen und zie­hen Sie ihn anschlie­ßend ab.

Nass­rei­ni­gung mit einer Plat­ten­wasch­ma­schi­ne

Wenn Sie eine gro­ße Samm­lung mit vie­len Schall­plat­ten besit­zen, die eine Rei­ni­gung nötig haben, kön­nen Sie über die Anschaf­fung einer Plat­ten­wasch­ma­schi­ne nach­den­ken. Die­se spe­zi­el­len Gerä­te erle­di­gen die gesam­te Arbeit von allein. Sie brau­chen ledig­lich die Schall­plat­te ein­zu­le­gen und ggf. – je nach Modell – die Rei­ni­gungs­flüs­sig­keit auf­zu­tra­gen.

Unter­schie­de gibt es außer­dem bei der Absau­gung: Man­che Gerä­te sau­gen eine gro­ße Flä­che ab, was einen Zeit­vor­teil bringt, dafür aller­dings mehr Ener­gie benö­tigt. Model­le mit einer soge­nann­ten Punkt­ab­sau­gung trock­nen eine klei­ne­re Flä­che. Der Ener­gie­auf­wand ist gerin­ger, der Vor­gang dau­ert dafür län­ger.

Ein­stei­ger­ge­rä­te kos­ten einen mitt­le­ren drei­stel­li­gen Euro-Betrag, die Prei­se für pro­fes­sio­nel­le Plat­ten­wasch­ma­schi­nen kön­nen auch einen vier­stel­li­gen Bereich errei­chen. Dafür kön­nen Sie die Gerä­te aber auch ein­set­zen, bevor sich gro­ße Ver­un­rei­ni­gun­gen auf einer Schall­plat­te ange­sam­melt haben. Denn der Klang wird durch eine Rei­ni­gung in aller Regel bes­ser.

Eine Frisch­zel­len­kur für Schall­plat­ten lohnt sich

Allen Unken­ru­fen zum Trotz: Die Schall­plat­te lebt. Sei es, weil das hap­ti­sche Erleb­nis unver­gleich­bar ist und der Klang für vie­le “ech­ter” klingt. Sei es, weil nur dort die Album­co­ver rich­tig zur Gel­tung kom­men. Oder sei es, weil es man­che Schät­ze ein­fach nur auf Vinyl gibt. Doch Staub und Ver­un­rei­ni­gun­gen kön­nen den Spaß schnell ver­der­ben. Für die­sen Fall lohnt sich ein Gang in die Dro­ge­rie oder den Fach­han­del, wo Sie alles Not­wen­di­ge bekom­men, um den Schall­plat­ten eine Frisch­zel­len­kur zu gön­nen. Und für auf­wen­di­ge­re, pro­fes­sio­nel­le Ein­sät­ze gibt es den Dis­co­film oder Plat­ten­wasch­ma­schi­nen. Augen und Ohren wer­den Ihnen den Auf­wand dan­ken.

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