ENTWICKLUNG DER FOTOGRAFIE

Vom Ursprung bis zur Gegenwart - Eine Zeitreise durch die verschiedenen Stilrichtungen der Fotografie.

Informationen in kürze:

Fotos sind so vielfältig wie das Leben selbst. Sie können informieren, begeistern, ästhetisch wertvoll sein oder einfach nur verstörend wirken. Seit das erste Foto vor über 175 Jahren aufgenommen wurde, haben sich in der Fotografie die unterschiedlichsten Stilrichtungen herausgebildet, die alle ihre eigene kleine Geschichte der Fotografie erzählen.

Im Folgenden erhältst du einen kleinen Einblick in diese Geschichten und erfährst, wie und wann einige der bekanntesten Fotografie Stile entstanden sind und welchen Einfluss die Technik und die Gesellschaft im Laufe der Zeit auf ihre Entwicklung hatten.

 

Die ers­te Foto­gra­fie der Welt

Die ver­mut­lich ers­te dau­er­haf­te und bis heu­te erhal­te­ne Foto­gra­fie ist nach all­ge­mei­ner Ansicht der “Blick aus dem Arbeits­zim­mer von Le Gras”.

erste Foto der Welt

Der Blick aus dem Arbeits­zim­mer von Nièp­ces Guts­hof Le Gras. Durch die lan­ge Belich­tungs­zeit von acht Stun­den schei­nen die Gebäu­de kei­ne Schat­ten zu werfen.

Sie wur­de im Jahr 1826 von Joseph Nicé­pho­re Nièp­ce mit­hil­fe einer simp­len Came­ra obscu­ra auf einer 20 x 25 cm gro­ßen Zinn­plat­te auf­ge­nom­men. Die­se Art von Kame­ra wird häu­fig auch als Loch­ka­me­ra bezeich­net, was daher kommt, dass es sich bei ihr um einen simp­len licht­dich­ten Kas­ten han­delt, der auf einer Sei­te ein klei­nes Loch auf­weist. Durch die­ses Loch fällt das reflek­tier­te Licht des Motivs auf die gegen­über­lie­gen­de Innen­sei­te der Kame­ra und kann dort mit einem licht­emp­find­li­chen Medi­um (Nièp­ces Zinn­plat­te) fest­ge­hal­ten werden.

Die Bild­qua­li­tät des damals ver­wen­de­ten Ver­fah­rens lies aller­dings noch sehr zu wün­schen übrig, wes­we­gen du auf den ers­ten Blick wahr­schein­lich nur recht wenig auf dem Foto erken­nen wirst. Links im Vor­der­grund zeich­net sich der Rah­men des Fens­ter­flü­gels und dahin­ter das turm­ar­ti­ge Tau­ben­haus ab. In der Mit­te befin­det sich ein klei­nes Gebäu­de mit Pult­dach und rechts dane­ben ein hoher Kamin, der mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit zum Back­haus des Guts­ho­fes gehört. Im Hin­ter­grund ist zudem sche­men­haft ein Baum zu erkennen.

 

Ver­brei­tung der Fotografie

Auch wenn das ers­te Foto bereits 1826 ent­stand, so ver­kün­de­te die fran­zö­si­sche Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten erst 1839 die Erfin­dung der Foto­gra­fie durch Nièp­ce und Lou­is-Jac­ques-Man­dé Daguer­re. Da Nièp­ce aber bereits 1833 ver­stor­ben war, wur­de das gemein­sam ent­wi­ckel­te Ver­fah­ren unter dem Namen “Daguer­reo­ty­pie” bekannt. Aller­dings fand die Foto­gra­fie damals noch kei­nen gro­ßen Anklang und wer sich mit ihr beschäf­tig­te, wur­de von sei­nen Mit­men­schen in der Regel als Ver­rück­ter, Schar­la­tan oder Alche­mist angesehen.

An die­ser Ein­stel­lung änder­te auch die Eröff­nung des ers­ten euro­päi­schen Por­trät-Ate­liers in Lon­don im Jah­re 1841 nur wenig. Mit­ver­ant­wort­lich dafür war mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit der hohe Preis, der für eine fer­ti­ge Auf­nah­me gezahlt wer­den muss­te. Die­ser lag in der Anfangs­zeit in Deutsch­land bei fast 17 Cou­rant­mark (in heu­ti­ger Kauf­kraft etwa 200,- Euro). Grö­ße­re Ver­brei­tung und Akzep­tanz erreich­te die Foto­gra­fie daher erst ab 1854 durch die soge­nann­ten Visi­ten­kar­ten­por­träts. Die­se wur­den mit­hil­fe eines neu­en foto­gra­fi­schen Ver­fah­rens her­ge­stellt, wel­ches zwi­schen 1850 und 1851 von Gust­ave Le Gray ent­wi­ckelt wor­den war. Es basier­te auf Kol­lo­di­um-Nass­plat­ten und war deut­lich kos­ten­güns­ti­ger als die bis dahin ver­wen­de­te Daguer­reo­ty­pie. Der Preis für ein Por­trät konn­te somit deut­lich redu­ziert wer­den, wodurch sich die Por­trät­fo­to­gra­fie sehr schnell zu einem enor­men Erfolg und damit zur ers­ten kom­mer­zi­ell erfolg­rei­chen Stil­rich­tung in der Foto­gra­fie entwickelte.

 

Por­trät­fo­to­gra­fie

Wie wich­tig die Por­trät­fo­to­gra­fie bereits in den Anfän­gen der Foto­gra­fie war, zeigt sich schnell, wenn man Bild­ar­chi­ve aus dem 19. Jahr­hun­dert durch­sieht. Dabei beschränk­ten sich die Foto­gra­fen damals aber nicht nur auf die klas­si­sche Por­trät­fo­to­gra­fie. Schon damals ver­such­ten sie die Gren­zen des neu­en Medi­ums aus­zu­tes­ten, um neue und krea­ti­ve Ver­wen­dungs­mög­lich­kei­ten für die Foto­gra­fie zu fin­den. Aus die­ser Expe­ri­men­tier­freu­de ent­stan­den bei­spiels­wei­se die kopf­lo­sen Por­träts, die auch heu­te noch einen gewis­sen Gru­sel­fak­tor besit­zen und über die du spä­ter noch mehr erfah­ren wirst.

 

Eine "Versteckte Mutter" unter dem Tuch fixiert den Kopf des Babys.

© simpleinsomnia/CC BY 2.0. Eine “Ver­steck­te Mut­ter” unter dem Tuch fixiert den Kopf des Babys.

Ver­steck­te Müt­ter und Ver­steck­te Porträts

Ein biss­chen gru­se­lig wir­ken aus heu­ti­ger Sicht auch die Por­träts von Kin­dern, die in der zwei­ten Hälf­te des 19. Jahr­hun­derts ange­fer­tigt wur­den. Manch­mal erkennt man auf die­sen Fotos erst auf den zwei­ten Blick, dass sich hin­ter den Kin­dern eine ver­hüll­te Gestalt befin­det. Bei die­sen Per­so­nen han­del­te es sich aller­dings nicht um irgend­wel­che mys­ti­schen Wesen, son­dern um Müt­ter und Kin­der­mäd­chen, die die Kin­der mit fes­tem Griff fixier­ten, damit die­se wäh­rend der damals noch lan­gen Belich­tungs­zei­ten mög­lichst ruhig saßen.

Diese Damen verhüllen ihr Gesicht, da sie sich wahrscheinlich in Trauer befinden.

Die­se Damen ver­hül­len ihr Gesicht, da sie sich wahr­schein­lich in Trau­er befinden.

Ähn­lich bizarr wir­ken auch die soge­nann­ten Ver­steck­ten Por­träts, die eben­falls aus dem spä­ten 19. Jahr­hun­dert stam­men und aus­schließ­lich den Rücken oder den Hin­ter­kopf der foto­gra­fier­ten Per­so­nen zei­gen. Eini­ge His­to­ri­ker mut­ma­ßen, dass mit die­sen Por­träts die Fri­su­ren der Per­so­nen zur Schau gestellt wer­den soll­ten. Gewiss­heit besteht dar­über aller­dings nicht. Zur glei­chen Kate­go­rie gehö­ren auch Foto­gra­fien, bei denen die Por­trä­tier­ten ihre Gesich­ter mit Taschen­tü­chern oder einem Stück Papier ver­deck­ten. Kunst­his­to­ri­ker ver­mu­ten, dass es sich bei den dar­ge­stell­ten Per­so­nen ent­we­der um Pro­sti­tu­ier­te han­del­te oder um die Dar­stel­lung von Damen, die sich in Trau­er befanden.

 

 

 

Dieses Porträt einer Geisteskranken wurde ungefähr 1851 von Hugh Welch Diamond im Surrey County Lunatic Asylum angefertigt.

Die­ses Por­trät einer Geis­tes­kran­ken wur­de unge­fähr 1851 von Hugh Welch Dia­mond im Sur­rey Coun­ty Lun­a­tic Asyl­um angefertigt.

Psych­ia­tri­sche und Medi­zin-his­to­ri­sche Fotografien

Der gro­ße Erfolg der kom­mer­zi­el­len Por­trät­fo­to­gra­fie führ­te auch dazu, dass die Foto­gra­fie ver­mehrt für medi­zi­ni­sche Zwe­cke ein­ge­setzt wur­de. So war man bei­spiels­wei­se der Ansicht, dass sich mit­hil­fe der Foto­gra­fie der Cha­rak­ter eines Men­schen abbil­den las­sen wür­de und man dadurch die mensch­li­che Psy­che erkun­den kön­ne. Als Pio­nier auf dem Gebiet der kli­nisch-psych­ia­tri­schen Foto­gra­fie gilt Hugh Welch Dia­mond. Wäh­rend sei­ner Tätig­keit im Sur­rey Coun­ty Lun­a­tic Asyl­um fer­tig­te er vie­le Por­träts von (vor­nehm­lich weib­li­chen) Pati­en­ten an, die der wis­sen­schaft­li­chen Illus­tra­ti­on von psy­chi­schen Stö­run­gen die­nen soll­ten. Der dia­gnos­ti­sche Wert die­ser Foto­gra­fien war aller­dings auch schon zu dama­li­ger Zeit fraglich.

Porträt der jungen, vierbeinigen Myrtle Corbin aus dem Jahr 1880.

Por­trät der jun­gen, vier­bei­ni­gen Myrt­le Cor­bin aus dem Jahr 1880.

Die Foto­gra­fie wur­de aber nicht nur für die Ergrün­dung und Doku­men­ta­ti­on psy­chi­scher Lei­den, son­dern auch zur Dar­stel­lung von the­ra­peu­ti­schen Ver­fah­ren ver­wen­det, damit die­se von ande­ren Medi­zi­nern leich­ter nach­voll­zo­gen wer­den konn­ten. Auch Men­schen mit ange­bo­re­nen Fehl­bil­dun­gen wur­den mit­hil­fe der Foto­gra­fie abge­bil­det. Die­se Bil­der dien­ten aller­dings sel­ten der medi­zi­ni­schen Doku­men­ta­ti­on, son­dern wur­den im spä­ten 19. Jahr­hun­dert als Kabi­nett­kar­ten ver­mark­tet. Bei die­sen Kar­ten han­del­te es sich um ein neu­es For­mat von Abzü­gen, das deut­lich grö­ßer war als das der Visi­ten­kar­ten­por­träts und ab 1866 in der Por­trät­fo­to­gra­fie immer popu­lä­rer wurde.

 

 

 

Viktorianische Post-Mortem-Fotografie eines Ehepaares mit ihrer toten Tochter. Der Körper wurde so fixiert, dass sie nahezu lebendig wirkt.

Vik­to­ria­ni­sche Post-Mor­tem-Foto­gra­fie eines Ehe­paa­res mit ihrer toten Toch­ter. Der Kör­per wur­de so fixiert, dass sie nahe­zu leben­dig wirkt.

Vik­to­ria­ni­sche Post-Mortem-Fotografie

Unheim­lich wir­ken heut­zu­ta­ge auch die Toten­fo­to­gra­fien des spä­ten vik­to­ria­ni­schen Zeit­al­ters (1860 — 1910), die damals eine wich­ti­ge Rol­le im Toten­kult des Abend­lan­des ein­nah­men. Um eine unge­trüb­te Erin­ne­rung an den Ver­stor­be­nen zu erhal­ten, wur­den mit den Leich­na­men mög­lichst natür­li­che Sze­nen aus dem Leben nach­ge­stellt. Beson­ders häu­fig sind auf die­sen Foto­gra­fien tote Kin­der zu sehen, was dar­an liegt, dass im spä­ten 19. Jahr­hun­dert Tot­ge­bur­ten oder Todes­fäl­le bei Kin­dern durch Krank­hei­ten sehr häu­fig waren. Da die Foto­gra­fie zu die­ser Zeit noch nichts All­täg­li­ches war, waren die­se Toten­fo­to­gra­fien häu­fig die ein­zi­gen Licht­bil­der der Kinder.

 

 

 

Land­schafts- und Naturfotografie

Neben der Por­trät­fo­to­gra­fie hat sich auch die Land­schafts- und Natur­fo­to­gra­fie schon früh als eigen­stän­di­ges Gen­re in der Foto­gra­fie eta­bliert. Dies lag nicht zuletzt dar­an, dass die Moti­ve auf­grund ihrer Unbe­weg­lich­keit gut mit den damals noch lan­gen Belich­tungs­zei­ten har­mo­nier­ten. Die frü­hen Land­schafts- und Natur­fo­to­gra­fen ver­such­ten aber nicht nur die Ästhe­tik der Land­schaft ein­zu­fan­gen, son­dern ver­folg­ten in den meis­ten Fäl­len auch doku­men­ta­ri­sche Inter­es­sen. So wur­de die Land­schafts­fo­to­gra­fie bei­spiels­wei­se bevor­zugt auf For­schungs­rei­sen ein­ge­setzt, da sie deut­lich schnel­ler war als ein Maler und auch detail­rei­che­re Bil­der lie­fer­te. Dies ver­ein­fach­te die For­schung stark und half die enor­men Kos­ten einer sol­chen Rei­se zu sen­ken. Im Lau­fe des 20. Jahr­hun­derts trat der doku­men­ta­ri­sche Gedan­ken dann immer wei­ter in den Hin­ter­grund und die ästhe­ti­sche Dar­stel­lung der Land­schaft wur­de immer wichtiger.

 

Foto­mon­ta­gen

Mit moderner Technik lassen sich kopflose Porträts deutlich leichter herstellen als früher. Von ihrem Gruselfaktor haben sie allerdings bis heute kaum etwas verloren.

© koradbak/Fotolia.com. Mit moder­ner Tech­nik las­sen sich kopf­lo­se Por­träts deut­lich leich­ter her­stel­len als frü­her. Von ihrem Gru­sel­fak­tor haben sie aller­dings bis heu­te kaum etwas verloren.

Dass Foto­gra­fien nicht immer nur die Wirk­lich­keit abbil­den, weiß spä­tes­tens seit Pho­to­shop jedes Kind. Doch die Mani­pu­la­ti­on von Bil­dern ist kei­ne moder­ne Erfin­dung. Bereits als die Foto­gra­fie noch in den Kin­der­schu­hen steck­te, ver­such­ten Foto­gra­fen sich an der Foto­mon­ta­ge. Die skur­rils­ten die­ser Bil­der sind mit Sicher­heit die soge­nann­ten kopf­lo­sen Por­träts, auf denen die foto­gra­fier­ten Per­so­nen ihre eige­nen Köp­fe oder die einer ande­ren Per­son auf dem Sil­ber­ta­blet präsentieren.

Aus die­sen anfäng­li­chen Spie­le­rei­en, mit denen sich die geho­be­ne Gesell­schaft ger­ne einem woh­li­gen Gru­seln hin­gab, ent­wi­ckel­ten sich auch schnell die ers­ten poli­tisch moti­vier­ten Bild­ma­ni­pu­la­tio­nen. So wur­de bei­spiels­wei­se um 1860 der Kopf von Abra­ham Lin­coln auf den Kör­per des Poli­ti­kers John Cal­ho­un mon­tiert, da wie man heu­te ver­mu­tet, zu die­ser Zeit noch kein “aus­rei­chend heroi­sches Foto” von Lin­coln exis­tier­te. Auch Lenin und Sta­lin bedien­ten sich Anfang des 20. Jahr­hun­derts ger­ne der Bild­ma­ni­pu­la­ti­on, um unlieb­sam gewor­de­ne Per­so­nen aus Fotos her­aus­re­tu­schie­ren zu lassen.

 

Mode- und Werbefotografie

Ande­re Stil­rich­tun­gen wie die Mode- und Wer­be­fo­to­gra­fie bedien­ten sich eben­falls schon früh der Retu­sche und Täuschung.

Fotografie der Comtesse de Castiglione, dem ersten Fotomodell in der Geschichte der Fotografie (etwa 1863-1866).

Foto­gra­fie der Com­tesse de Cas­tiglio­ne, dem ers­ten Foto­mo­dell in der Geschich­te der Foto­gra­fie (etwa 1863–1866).

Bereits 1908 ver­öf­fent­lich­te J. B. Schrie­ver das Buch “Com­ple­te Self-Inst­ruc­ting Libra­ry Of Prac­ti­cal Pho­to­gra­phy”, in dem er erklär­te, wie man bei­spiels­wei­se durch das Bema­len des Nega­tivs “schie­len­de Augen rich­ten” oder “dicke Häl­se radie­ren” kön­ne. Die Vor­läu­fer der Mode­fo­to­gra­fien ent­stan­den aller­dings schon viel Frü­her. Im Jahr 1856 ver­öf­fent­lich­te Adol­phe Braun bei­spiels­wei­se ein Buch mit über 200 Foto­gra­fien der Com­tesse de Cas­tiglio­ne, auf denen die Edel­da­me ihre Gar­de­ro­be vorführte.

Die ers­te repro­du­zier­te Mode­stre­cke erschien dann 1892 in der La Mode Pra­tique, einer fran­zö­si­schen Publi­ka­ti­on und zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts ent­stan­den dann die ers­ten Foto­stu­di­os für Mode­fo­to­gra­fie in vie­len euro­päi­schen Haupt­städ­ten. Ab den 1920ern wur­de die Mode­fo­to­gra­fie dann deut­lich künst­le­ri­scher, wobei sich mit dem Zwei­ten Welt­krieg der Schwer­punkt von Euro­pa nach Ame­ri­ka verschob.

Die Wer­be­fo­to­gra­fie ist dage­gen ein rela­tiv jun­ges Gen­re, wel­ches sich erst in der Mit­te des 20. Jahr­hun­derts her­aus­bil­de­te. Sie ver­sucht, das Beson­de­re einer Ware her­vor­zu­he­ben und visu­ell zu kom­mu­ni­zie­ren. Um dies zu errei­chen, benö­tigt der Foto­graf einen enor­men Ideen­reich­tum und viel Krea­ti­vi­tät bei der tech­ni­schen Umset­zung, damit er auch aus­ge­fal­le­ne Moti­ve anspre­chend in Sze­ne set­zen kann.

 

Akt­fo­to­gra­fie

Die Dar­stel­lung des nack­ten Kör­pers war in der Male­rei kei­ne Sel­ten­heit. So ist es auch nicht ver­wun­der­lich, dass die ers­ten Akt­fo­to­gra­fien bereits kurz nach Erfin­dung der Foto­gra­fie entstanden.

Eine der ersten Aktfotografien von 1853

Eine der ers­ten Akt­fo­to­gra­fien von 1853

Wäh­rend jedoch die Akt­bil­der der Male­rei gesell­schaft­lich akzep­tiert waren und kei­ne Auf­re­gung aus­lös­ten, gal­ten Akt­fo­tos — die nicht für künst­le­ri­sche oder wis­sen­schaft­li­che Zwe­cke ange­fer­tigt wur­den — schnell als Por­no­gra­fie. Die­se Ein­stel­lung änder­te sich erst mit dem Beginn des 20. Jahr­hun­derts. Zu die­ser Zeit ver­än­der­te sich das Bild der Nackt­heit in der Gesell­schaft Zuse­hens und so fan­den Akt­fo­to­gra­fen bei­spiels­wei­se in der auf­blü­hen­den Frei­kör­per­kul­tur der 1920er Jah­re neue Themenfelder.

Die Kon­tro­ver­se um die Akt­fo­to­gra­fie war damit aber noch lan­ge nicht been­det. So lös­ten bei­spiels­wei­se noch Ende der 1980er Jah­re die expli­zi­ten, homo­ero­ti­schen Bil­der des US-ame­ri­ka­ni­schen Foto­gra­fen Robert Mapp­lethor­pes im angel­säch­si­schen Raum schwe­re Dis­kus­sio­nen aus. Vie­le reli­giö­se und kon­ser­va­ti­ve Grup­pen pro­tes­tier­ten regel­mä­ßig gegen sei­ne Aus­stel­lun­gen, da die­se häu­fig auch öffent­lich finan­ziert wor­den waren.

 

 

Stereoskopische Aufnahme aus 1890, die mit zwei Kameras aufgenommen wurde.

Ste­reo­sko­pi­sche Auf­nah­me aus 1890, die mit zwei Kame­ras auf­ge­nom­men wurde.

Ste­reo­sko­pie

Bei der Ste­reo­sko­pie han­delt es sich um ein Ver­fah­ren, wel­ches die mensch­li­che Wahr­neh­mung aus­nutzt, um Bil­der mit einem räum­li­chen Ein­druck von Tie­fe zu erzeugen.

Durch das Stereoskop sieht jedes Auge nur eines der beiden Fotos. Im Gehirn werden diese unterschiedlichen Informationen dann zu einem einzigen Bild zusammengesetzt, wodurch der räumliche Tiefeneffekt entsteht.

Durch das Ste­reo­skop sieht jedes Auge nur eines der bei­den Fotos. Im Gehirn wer­den die­se unter­schied­li­chen Infor­ma­tio­nen dann zu einem ein­zi­gen Bild zusam­men­ge­setzt, wodurch der räum­li­che Tief­en­ef­fekt entsteht.

Dazu wird das Motiv aus leicht unter­schied­li­chen Blick­win­keln auf­ge­nom­men, damit spä­ter beim Betrach­ten durch ein Ste­reo­skop ein räum­li­cher Tief­en­ef­fekt ent­steht. Bereits in der Anfangs­zeit der Foto­gra­fie waren die­se effekt­vol­len Bil­der sehr beliebt. Aus die­sem Grund wur­de schon 1849 die ers­te Zwei­ob­jek­tiv-Kame­ra ent­wi­ckelt, mit der ste­reo­sko­pi­sche Bil­der in einer ein­zi­gen Auf­nah­me her­ge­stellt wer­den konn­ten. Durch den im Ver­gleich zur her­kömm­li­chen Foto­gra­fie hohen tech­ni­schen Auf­wand konn­te sich die Ste­reo­fo­to­gra­fie jedoch nie dau­er­haft eta­blie­ren und wur­de ab 1910 immer mehr von den beweg­ten Bil­dern des Films ver­drängt. Durch die digi­ta­le Tech­nik erlebt sie aller­dings wie­der eine leich­te Renais­sance, da die­se ein kos­ten­güns­ti­ges Expe­ri­men­tie­ren erlaubt.

 

Unter­was­serfo­to­gra­fie

Die Unter­was­serfo­to­gra­fie ist ein Gebiet, wel­ches ganz beson­de­re Anfor­de­run­gen an Mensch und Tech­nik stellt. Dies muss­te 1872 auch der Eng­län­der W. Thomp­son fest­stel­len, als er ver­such­te die ers­ten brauch­ba­ren Unter­was­serfo­tos zu erstellen.

Dieses Foto gilt als erstes Unterwasserfoto der Welt. Aufgenommen wurde es 1893 von Louis Boutan mithilfe eines Magnesiumblitzes.

Die­ses Foto gilt als ers­tes Unter­was­serfo­to der Welt. Auf­ge­nom­men wur­de es 1893 von Lou­is Bou­tan mit­hil­fe eines Magnesiumblitzes.

Die lan­gen Belich­tungs­zei­ten von teil­wei­se über 10 Minu­ten ver­ur­teil­ten sein Unter­fan­gen aller­dings immer wie­der zum Schei­tern. Ers­te brauch­ba­re Ergeb­nis­se gelan­gen daher erst dem Fran­zo­sen Lou­is Bou­tan 21 Jah­re spä­ter in der Bucht Banyuls-sur-Mer. Die­se Fotos brach­ten ihm den Titel des Begrün­ders der Unter­was­serfo­to­gra­fie ein. Ihren Sie­ges­zug erleb­te die Unter­was­serfo­to­gra­fie aller­dings erst durch die Ent­wick­lung moder­ner Tauch­ge­rä­te, wel­che die klo­bi­gen Helm­tauch­ge­rä­te ablösten.

In den 1930er Jah­ren waren es dann ambi­tio­nier­te Män­ner wie Cous­teau, die mit selbst gebas­tel­ten Kame­ra­ge­häu­sen ihre Fotos als “Fisch unter Fischen” schos­sen und damit ein welt­wei­tes Inter­es­se an der Unter­was­serfo­to­gra­fie los­tra­ten. Auf­grund des immer grö­ßer wer­den­den Inter­es­ses an der Unter­was­serfo­to­gra­fie kamen dann bald auch die ers­ten kom­mer­zi­el­len Unter­was­serfo­to­ap­pa­ra­te und ‑Gehäu­se auf den Markt. Heu­te wer­den Unter­was­ser­ge­häu­se von einer Viel­zahl von Her­stel­lern und für bei­na­he jeden Kame­ra­typ ange­bo­ten, wodurch die­ses Gebiet der Foto­gra­fie nun auch der brei­ten Mas­se offen steht.

 

 

Reportage­fo­to­gra­fie

Die Auf­ga­be der Repor­ta­ge­fo­to­gra­fie ist die objek­ti­ve und visu­el­le Dar­stel­lung von zeit­lich und ört­lich begrenz­ten Ereig­nis­sen der Wirk­lich­keit. Die­se Defi­ni­ti­on liegt im Ein­klang mit der zu Beginn der Foto­gra­fie herr­schen­den Ansicht, dass ein Foto ein mög­lichst getreu­es Abbild der “wirk­li­chen” Umwelt sein solle.

Diese Daguerreotypie des Brandes von Hamburg ist eines der ersten Reportagefotos der Welt.

Die­se Daguer­reo­ty­pie des Bran­des von Ham­burg ist eines der ers­ten Repor­ta­ge­fo­tos der Welt.

Da die Foto­gra­fie aller­dings immer nur einen Aus­schnitt der drei­di­men­sio­na­len Wirk­lich­keit zeigt und die­sen auch noch auf eine ein­zi­ge Ebe­ne redu­ziert, ist die objek­ti­ve Abbil­dung der Wirk­lich­keit prak­tisch gar nicht mög­lich. Trotz­dem wird Foto­gra­fien ein gro­ßer Wahr­heits­ge­halt zuge­spro­chen, wes­we­gen dem Repor­ta­ge­fo­to­gra­fen eine hohe ethi­sche Ver­ant­wor­tung zukommt.

Ob die­se Tat­sa­che auch Her­mann Biow bewusst war, als er 1842 sei­ne Daguer­reo­ty­pen der Rui­nen der Brand­ka­ta­stro­phe in Ham­burg anfer­tig­te, wer­den wir wohl nie erfah­ren. Sicher ist aber, dass die­se Foto­gra­fien als die ers­ten Repor­ta­ge­fo­to­gra­fien in Deutsch­land gelten.

Die moder­ne Repor­ta­ge­fo­to­gra­fie ent­wi­ckel­te sich aller­dings erst ab etwa 1880, als die ers­ten Foto­gra­fien in Zei­tun­gen abge­druckt wur­den. Einen star­ken Wan­del erleb­te die Repor­ta­ge­fo­to­gra­fie dann mit dem Beginn des 20. Jahr­hun­derts, als die Kame­ras klei­ner und die Fil­me licht­emp­find­li­che­rer wur­den. Repor­ter konn­ten nun Auf­nah­men direkt am Ort des Gesche­hens anfer­ti­gen und sogar beweg­te Moti­ve erfas­sen. Durch den Ein­zug der Digi­tal­fo­to­gra­fie am Ende des 20. Jahr­hun­derts hat sich die Bericht­erstat­tung dann noch wei­ter beschleu­nigt. Aller­dings hat durch die moder­ne Tech­nik auch die Glaub­wür­dig­keit der Fotos wei­ter gelit­ten, da sich die digi­ta­len Daten heut­zu­ta­ge beson­ders leicht mani­pu­lie­ren lassen.

 

Lomo­gra­fie

Die Lomo­gra­fie ist ein noch sehr jun­ger foto­gra­fi­scher Stil, der sich erst Anfang der 1990er Jah­re ent­wi­ckel­te. Ihren Namen erhielt die Lomo­gra­fie durch die Lomo­ka­me­ra LC‑A, die ab 1983 in der Sowjet­uni­on pro­du­ziert wur­de. Die­se Kame­ra zeich­ne­te sich beson­ders durch ihre Unzu­ver­läs­sig­keit und eine schlech­te Bild­qua­li­tät aus und war daher äußerst unbe­liebt. Auf­merk­sam­keit erhielt die Kame­ra erst Anfang der 1990er durch eine Grup­pe Wie­ner Stu­den­ten, die sich auf einer Urlaubs­rei­se nach Prag meh­re­re Lomos kauf­ten, um Schnapp­schüs­se der Stadt anzu­fer­ti­gen. Trotz der schlech­ten Qua­li­tät der Fotos waren die Stu­den­ten von den Bil­dern begeis­tert, da sie einen ganz spe­zi­el­len Aus­druck besa­ßen. Durch die­se Begeis­te­rung fan­den die farb­in­ten­si­ven und feh­ler­be­haf­te­ten Lomo-Fotos schnell immer mehr Anhän­ger und bereits 1992 wur­de die ers­te Lomo­gra­fi­sche Gesell­schaft in Wien gegrün­det. In den fol­gen­den Jah­ren ent­wi­ckel­te sich eine immer grö­ßer wer­den­de Fan­ge­mein­de und die Lomo­gra­fie wur­de zu einem prä­gen­den Fak­tor der 1990er Jah­re. Heu­te sind lomo­gra­fi­sche Gesell­schaf­ten und Bot­schaf­ten welt­weit zu fin­den. Der lomo­gra­fi­sche Stil zeich­net sich vor allem dadurch aus, dass die meis­ten Bil­der aus unge­wöhn­li­chen Posi­tio­nen oder aus der Hüf­te her­aus auf­ge­nom­men wer­den (also ohne durch den Sucher zu schau­en). Zudem wer­den in der Lomo­gra­fie ger­ne abge­lau­fe­ne Fil­me ver­wen­det, da die­se in der Regel zu unvor­her­seh­ba­ren Ergeb­nis­sen und Bild­feh­lern füh­ren, die in der Lomo­gra­fie nicht als Makel son­dern als Qua­li­täts­merk­mal ange­se­hen werden.

 

Selbst­por­träts

Selfies sind eine moderne Art der Selbstinszenierung und im Internet weit verbreitet.

© Yulia Mayorova/Fotolia.com. Sel­fies sind eine moder­ne Art der Selbst­in­sze­nie­rung und im Inter­net weit verbreitet.

Foto­gra­fi­sche Selbst­por­träts sind an sich nichts Neu­es. Sie exis­tie­ren bereits seit im Jahr 1900 die trag­ba­re Kod­ak-Brow­nie-Box-Kame­ra auf den Markt kam. Damals wur­den die Auf­nah­men in der Regel mit­hil­fe eines Spie­gels ange­fer­tigt, wobei die Kame­ra ent­we­der auf einem Sta­tiv oder einem nahe­ge­le­ge­nen Möbel­stück plat­ziert wur­de. Spä­te­re Kame­ras ermög­lich­ten dann ähn­li­che Bil­der mit­hil­fe eines Selbst­aus­lö­sers. Bis zur Jahr­tau­send­wen­de führ­te das foto­gra­fi­sche Selbst­por­trät aller­dings eher ein Nischendasein.

Erst als im Jahr 2002 das ers­te als Sel­fie bezeich­ne­te Selbst­por­trät in einem aus­tra­li­schen Inter­net­fo­rum auf­tauch­te, soll­te sich die­ser Umstand nahe­zu schlag­ar­tig ändern. Inzwi­schen hat sich der Schnapp­schuss auf Armes­län­ge zu einem welt­wei­ten Trend ent­wi­ckelt, dem sich selbst Schau­spie­ler wie Meryl Streep oder Poli­ti­ker wie Barack Oba­ma nicht ent­zie­hen kön­nen. Sei­ne schnel­le Ver­brei­tung ver­dankt das Sel­fie dabei vor allem den sozia­len Netz­wer­ken, wel­che sich eben­falls kurz nach der Jahr­tau­send­wen­de zu eta­blie­ren begannen.

 

Wei­te­re Sti­le der Fotografie

Neben den erwähn­ten foto­gra­fi­schen Sti­len gab und gibt es in der Foto­gra­fie auch noch eine Viel­zahl wei­te­re Gen­res, wel­che die Geschich­te der Foto­gra­fie mehr oder weni­ger stark geprägt haben. Zu die­sen gehö­ren unter anderem:

- die Astrofotografie
— die Reisefotografie
— die Polizeifotografie
— die Tierfotografie
— die Architekturfotografie
— die Pin-up-Fotografie
— und die Sportfotografie

 

Berühm­te Aus­stel­lun­gen rund um die Fotografie

Wie du siehst, hat die Foto­gra­fie in ihrem über 175 jäh­ri­gen Bestehen die unter­schied­lichs­ten Stil­rich­tun­gen her­vor­ge­bracht. Dies hat natür­lich auch dazu geführt, dass es unzäh­li­ge Aus­stel­lun­gen rund um das The­ma gab und gibt, von denen eini­ge gro­ße Berühmt­heit erlangt haben.

Eine der wich­tigs­ten Aus­stel­lun­gen, die seit 2003 sogar zum UNESCO-Welt­do­ku­men­ten­er­be zählt, ist die von Edward Stei­chens zusam­men­ge­stell­te Aus­stel­lung “The Fami­ly of Man” von 1955. Mit über 500 Bil­dern von 273 Foto­gra­fen aus mehr als 60 Län­dern zeich­net sie ein umfas­sen­des Por­trät der Mensch­heit. Nach den Schre­cken des Krie­ges soll­te sie dabei hel­fen, das Ver­ständ­nis zwi­schen den Völ­kern zu ver­bes­sern und eine bes­se­re Welt zu schaf­fen. Seit 1994 kannst du die­se Aus­stel­lung per­ma­nent im Schloss Clervaux bewundern.

Einer der wich­tigs­ten und welt­weit größ­ten Foto­aus­stel­lun­gen ist dar­über hin­aus die “Les Ren­con­tres d’Arles”, die jedes Jahr von Juli bis Sep­tem­ber in dem süd­fran­zö­si­schen Städt­chen Arles statt­fin­det. Bereits seit 1969 prä­sen­tie­ren dort berühm­te Foto­gra­fen aus aller Welt in den Som­mer­mo­na­ten ihre bes­ten Arbeiten.

Natür­lich dür­fen bei einer Auf­zäh­lung berühm­ter Aus­stel­lun­gen rund um die Foto­gra­fie auch die Foto­aus­stel­lun­gen auf der Pho­to­ki­na nicht ver­ges­sen wer­den. Die Pho­to­ki­na wir im Zwei­jah­res­rhyth­mus in Köln abge­hal­ten und gilt als die welt­weit bedeu­tends­te Mes­se für Fotografie.

 

Die Foto­gra­fie ent­wi­ckelt sich immer weiter

Foto­gra­fie ist etwas Leben­di­ges und wie alles Leben­di­ge ist sie einem ste­ti­gen Wan­del unter­wor­fen. Die Foto­gra­fie und ihre unter­schied­li­chen Stil­rich­tun­gen wer­den sich daher auch in Zukunft immer wei­ter ent­wi­ckeln. Alte Stil­rich­tun­gen ver­lie­ren an Wich­tig­keit oder wer­den wie­der­ent­deckt oder voll­kom­men neue Ansich­ten wer­den plötz­lich zum Trend. Sicher ist dabei nur eines: Du darfst gespannt sein, was die Zukunft der Foto­gra­fie noch für Über­ra­schun­gen für uns bereithält.