Laptop, Smartphone, Social Media – täglich hinterlassen wir digitale Spuren: Fotos auf Instagram, Verträge bei Streamingdiensten, E‑Mails. Doch was passiert mit diesen Daten, wenn das Leben endet? Viele stellen sich die Frage erst spät — oder gar nicht. Dabei können ungeregelte Zugänge für Angehörige zur echten Herausforderung werden. Wir zeigen dir, wie du wichtigen digitalen Nachlass einfach und sicher organisierst – damit deine Lieben den Überblick behalten und unangenehme Überraschungen ausbleiben.
Das erfahrt ihr gleich
- Was gehört zum digitalen Nachlass?
- Typische Herausforderungen beim digitalen Nachlass
- Wie gehst du mit der Liste am besten um?
- Kannst du digitale Speicherlösungen nutzen?
- Was passiert, wenn du nichts regelst?
- Jeder Anbieter hat eigene Regeln – Apple, Google und Microsoft im Überblick
- So funktioniert der digitale Nachlass bei Apple
- So funktioniert der digitale Nachlass bei Google
- So funktioniert der digitale Nachlass bei Microsoft
Dein digitaler Nachlass umfasst mehr als ein paar E‑Mails oder das Spotify-Abo. Zum digitalen Nachlass zählen alle Daten, Konten und Verträge im Internet, die sich im Lauf deines Lebens ansammeln. Das reicht von E‑Mails über Online-Bankkonten bis zu digitalen Wertgegenständen wie E‑Books oder Kryptowährungen. Auch Geräte im Haushalt – etwa Smarthome-Systeme – gehören dazu, wenn sie online verwaltet werden. Viele dieser Verträge bleiben nach deinem Tod bestehen, wenn sie nicht aktiv geregelt werden.
Die folgenden Beispiele machen deutlich, welche Stolpersteine häufig entstehen:
- Zugang zu Konten ist verloren, weil niemand die Passwörter kennt
- Verträge laufen weiter und verursachen Kosten
- Social-Media-Profile bleiben öffentlich sichtbar
- Smarthome lässt sich nicht mehr steuern
- Bankkonten sind gesperrt und Geld bleibt unerreichbar
Diese Beispiele zeigen, wie wichtig eine rechtzeitige Regelung ist. Eine klare Übersicht und konkrete Festlegungen helfen dir, Probleme zu vermeiden und für mehr Sicherheit zu sorgen.
Um deinen digitalen Nachlass gut zu organisieren, lohnt es sich, beizeiten eine Liste mit den wichtigsten Konten anzufertigen. Hier sind die wichtigsten Kategorien, die du im Blick behalten solltest:
- E‑Mail-Accounts
- Social-Media-Profile (zum Beispiel Facebook, Instagram, LinkedIn)
- Online-Banking und Finanz-Apps
- Kostenpflichtige Verträge (Streaming, Shopping, Cloud-Dienste)
- Smarthome-Geräte und Anwendungen
- Digitale Wertgegenstände (E‑Books, Fotos, Kryptowährungen)
- Newsletter, Mitgliedschaften, Gaming-Accounts
- Bezahlkonten und Wallets (zum Beispiel PayPal)
Mit dieser Übersicht kannst du gezielt prüfen, welche Daten und Zugänge du hinterlegen willst. Auch weniger offensichtliche Bereiche wie Smarthome-Geräte oder Cloud-Speicher solltest du bedenken.
Wenn Du eine Liste mit den wichtigsten Konten angelegt hast, solltest du sie nicht zwischen unscheinbaren Dokumenten verstecken, sondern deutlich kennzeichnen. Ein verschlossener Umschlag bei Versicherungsunterlagen oder Kontoauszügen ist oft sinnvoll – so bleibt deinen Angehörigen später langes Suchen erspart. Grundsätzlich sollte die Liste immer an einem sicheren und für Vertrauenspersonen zugänglichen Ort aufbewahrt werden – also bei deinen wichtigsten Dokumenten. Auch ein privater Tresor oder ein Bankschließfach sind gut geeignet. Entscheidend ist, dass die Person, die im Ernstfall verantwortlich wird, sowohl Standort als auch Zugang kennt.
Eine Vollmacht kann helfen, damit der Zugriff auch in Notfallsituationen (zum Beispiel bei Krankheit) gilt – und über den Todesfall hinaus. Es empfiehlt sich, dass du die Familie frühzeitig einweihst.
Wenn du keine Papierliste möchtest, kannst du die Kontenübersicht auch auf einem USB-Stick oder digitalen Datenträger ablegen – idealerweise verschlüsselt und mit einem Passwort gesichert. Deine Vertrauensperson sollte dann sowohl den Standort als auch das Passwort kennen und mit digitalen Tools umgehen können. Alternativ kannst du auch einen Passwortmanager als zentrale digitale Lösung für Zugangsdaten nutzen.
Wenn du keine Vorkehrungen triffst, müssen deine Erben im Todesfall meist mühsam nachweisen, dass sie berechtigt sind – beispielsweise mit einem Erbschein. Zugänge zu Konten oder Daten sind dann nicht automatisch verfügbar. Das dauert nicht nur, sondern zieht auch emotionale Belastungen nach sich und kann laufende Kosten verursachen, zum Beispiel durch weiterlaufende Abos.
Die Abwicklung digitaler Konten und Verträge im Todesfall ist alles andere als einheitlich. Jeder Anbieter stellt seine eigenen Anforderungen an Nachweise, Zugriffsrechte und Möglichkeiten zur Löschung oder Umwandlung von Nutzerkonten. Während bei einigen Diensten bereits eine Sterbeurkunde genügt, verlangen andere einen Erbschein oder zusätzliche Dokumente.
Besonders relevant sind die drei großen Anbieter — Apple, Google und Microsoft. Ihre Systeme steuern die Geräte, die im Alltag am häufigsten genutzt werden: Smartphones, Tablets und Laptops sowie zentrale Cloud- und Login-Dienste. Wir zeigen dir, wie du bei diesen Anbietern den digitalen Nachlass regelst und worauf du dabei achten solltest.
Apple kannst du bereits zu Lebzeiten einen sogenannten Nachlasskontakt festlegen. Diese Person erhält nach dem Ableben Zugang zu ausgewählten Daten in deinem Apple Account, etwa Fotos, Notizen, Kontakte oder Mail – vor allem solche, die im iCloud-Backup gespeichert sind.
Wie richte ich einen Nachlasskontakt ein?
- Direkt auf deinem iPhone, iPad oder Mac kannst du in den Einstellungen unter „Account“, „Sicherheit“ und „Nachlasskontakt“ eine Person auswählen. Das geht sowohl für Familienmitglieder als auch für andere Vertrauenspersonen.
- Nach der Auswahl erhält der Nachlasskontakt einen Zugriffsschlüssel. Dieser kann digital oder als Ausdruck hinterlegt und im Todesfall zusammen mit der Sterbeurkunde verwendet werden, um den Zugang zu beantragen.
- Apple überprüft dabei die Unterlagen und schaltet dann den Zugriff frei.
Welche Daten sind zugänglich?
Der Nachlasskontakt kann auf viele wichtige Inhalte zugreifen:
- Fotos, Notizen und Dokumente in iCloud und iCloud-Backups
- Kontakte, Kalender, Erinnerungen, Nachrichten und Nachrichten in iCloud
- Gesundheitsdaten, Sprachmemos, Safari-Lesezeichen und Leselisten
Aber nicht alle Daten werden freigegeben:
- Gekaufte Inhalte wie Filme, Musik oder Bücher sind nicht automatisch zugänglich
- Zahlungsinformationen oder Apple Pay bleiben geschützt
- Passwörter und andere Sicherheitsschlüssel werden nicht ausgehändigt
Was passiert, wenn du keinen Nachlasskontakt eingerichtet hast?
In Deutschland ist dann ein Erbschein oder ein gerichtlicher Beschluss nötig. Der Zugang wird bei Apple beantragt und geprüft – dabei müssen Dokumente wie Sterbeurkunde, Nachweis der Erbenstellung und die Apple-ID des Verstorbenen vorgelegt werden. Ein automatischer Zugriff auf alle Inhalte ist nicht garantiert und Apple entscheidet immer individuell.
Google regelt den Umgang mit dem digitalen Nachlass komplexer als Apple. Nutzende können bereits zu Lebzeiten über den sogenannten „Kontoinaktivitäts-Manager“ festlegen, welche Vertrauenspersonen im Todesfall Zugriff auf bestimmte Daten erhalten sollen. Dabei kannst du auswählen, welche Informationen geteilt werden – etwa Mails, Kontakte oder Kalender – und bis zu zehn Personen als Ansprechpartner benennen. Die festgelegten Kontakte erhalten automatisch eine Nachricht, sobald du dein Konto über einen selbst gewählten Zeitraum – zum Beispiel nach 3, 6 oder 12 Monaten ohne Anmeldung – nicht mehr genutzt hast. In dieser Nachricht steht auch, welche Daten sie einsehen können und wie der Zugriff funktioniert.
Was passiert, wenn du keine Vertrauenspersonen benannt hast?
Hast du keinen Kontoinaktivitäts-Manager eingerichtet, müssen Erben oder Bevollmächtigte nach dem Todesfall einen offiziellen Antrag bei Google stellen. Das Unternehmen prüft in jedem Einzelfall, welche Daten herausgegeben werden – eine automatische Freigabe des gesamten Kontos erfolgt nicht. Für den Antrag werden verschiedene Unterlagen verlangt, zum Beispiel:
- Sterbeurkunde,
- Erbschein oder andere Vollmachten,
- Ausweis des Verstorbenen und des Antragstellers.
Die Entscheidung über die Datenfreigabe trifft Google individuell. Es kann daher nicht garantiert werden, dass tatsächlich alle Inhalte – etwa E‑Mails oder gespeicherte Dateien – zugänglich werden.
Welche Daten kannst du teilen?
Mit dem Kontoinaktivitäts-Manager lassen sich gezielt bestimmen:
- Ob und welche Daten (beispielsweise E‑Mails, Kontakte, Kalender) einem Kontakt zugänglich gemacht werden sollen.
- Es erfolgt keine vollständige Weitergabe des Kontos, sondern eine Auswahl, je nach Wunsch des Kontoinhabers.
Wenn kein Kontoinaktivitäts-Manager eingerichtet ist, bleibt der Zugang zu vielen Daten in Googles Ermessen.
Nach dem Tod des Kontoinhabers bleibt das Konto zunächst bestehen, wird aber nach längerer Inaktivität – meist nach etwa zwei Jahren – endgültig gelöscht. Erben oder berechtigte Personen erhalten keinen automatischen Zugriff auf das gesamte Microsoft-Konto und sämtliche Daten (wie Outlook, OneDrive, Office oder Windows-Lizenzen). Stattdessen müssen sie einen formellen Antrag beim Microsoft-Support stellen.
Was braucht man für den Zugriff?
Microsoft prüft jede Anfrage individuell und verlangt die Vorlage offizieller Dokumente. Dazu gehören:
- Kopie der Sterbeurkunde des Verstorbenen
- Nachweis der Erbenstellung (z. B. Erbschein oder gerichtlicher Beschluss)
- Kopien des Personalausweises oder Reisepasses des Antragstellers und des Verstorbenen
Je nach Einzelfall sind weitere Nachweise oder eine Vollmacht erforderlich, insbesondere um die Beziehung zum Verstorbenen zu belegen. In Europa werden ausschließlich zivilrechtliche Nachweise akzeptiert. Anfragen und Dokumente müssen schriftlich beim Kundensupport eingereicht werden. Microsoft entscheidet im Einzelfall, welche Daten herausgegeben werden – beispielsweise E‑Mails oder gespeicherte Dateien. Nach etwa zwei Jahren Inaktivität wird das Konto samt Daten unwiderruflich gelöscht. Um laufende Kosten zu vermeiden, sollten allerdings Abonnements und laufende Verträge zuvor gekündigt werden.
Was passiert mit den Daten?
Microsoft gibt Daten wie E‑Mails oder gespeicherte Dateien nur heraus, wenn eine rechtliche Legitimation vorliegt und alle Bedingungen erfüllt sind. Datenschutzvorgaben werden sorgfältig geprüft, und die Entscheidung über den Zugriff erfolgt individuell nach geltendem Recht und Unternehmensrichtlinien.
Digital vorsorgen – was kannst du vorbereiten?
Als praktische Vorsorgelösung bietet Microsoft das „Digital Legacy“-Feature für OneDrive: Du kannst schon zu Lebzeiten einer Vertrauensperson gezielt schreibgeschützten Zugriff auf deine gespeicherten Fotos und Dateien gewähren. Der Zugriff wird über einen Sicherheitscode freigeschaltet, den du individuell weitergeben oder in deinen Vorsorgedokumenten hinterlegen kannst. Voraussetzung: Die ausgewählte Person benötigt ein eigenes Microsoft-Konto.
Falls das Digital Legacy-Feature nicht aktiv genutzt wurde, bleibt die Abwicklung weiterhin nur über den Kundensupport und mit offiziellen Nachweisen möglich.
Wenn du deinen digitalen Nachlass frühzeitig organisierst, verschaffst du dir und deinen Angehörigen Sicherheit und Klarheit. Im Ernstfall wissen deine Vertrauenspersonen genau, wie sie mit deinen Konten, Daten und Verträgen umgehen sollen. Die Nachlassabwicklung läuft so deutlich reibungsloser — so kannst du unerwartete Kosten, emotionaler Stress und rechtliche Hürden vermeiden.
Mit ein paar klaren Schritten kannst du sicherstellen, dass deine digitale Welt auch dann in guten Händen ist, wenn du sie selbst nicht mehr verwalten kannst. Überprüfe deine Nachlassliste und Zugangsdaten am besten einmal pro Jahr, damit alles aktuell bleibt und deine Liebsten nicht im Chaos suchen müssen.
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