Studieren bei eisiger Kälte
Autor:KajaDatum:04.05.2018
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Studieren bei eisiger Kälte

Tom berichtet von seinem Auslandssemester in Helsinki

„Ich mache ab Januar ein Auslandssemester in Helsinki.“
„Warum gehst du denn nach Finnland? Haben die dort überhaupt Sonne im Winter – gehe doch stattdessen lieber nach Spanien! Die Finnen sind doch diejenigen die selten reden und immerzu in der Sauna sitzen? Finnisch - ist das nicht diese absurde Sprache, die mit keiner anderen Sprache verwandt ist?“

All diese und viele andere Vorurteile habe ich mir von Vielen anhören müssen, denen ich von meinen anstehenden Plänen erzählt habe. Jetzt, nach mehr als vier Monaten vor Ort in Helsinki, kann ich nahezu alle Vorurteile aus dem Weg räumen.
Ich lebe in einem Apartment mit 5 Mitbewohnern (ein Peruaner, ein Mexikaner, zwei Niederländer und ein Franzose) in einem Studentenwohnheim mit ca. 100 weiteren Austauschstudenten. Wie man sich vorstellen kann, geht es hier ziemlich bunt zu und regelmäßig finden diverse Events, wie Ausflüge, Filmnächte, gemeinsames internationales Kochen oder Partys statt. Langweilig wird es im Wohnheim also definitiv nicht. Wenn ich allerdings mal Ruhe zum Lernen benötige, kann ich mich in die zwei Minuten entfernte Uni setzen. 

Das Uni-Leben an der „Haaga-Helia University of Applied Sciences“ unterscheidet sich auch sehr deutlich von dem an der HSBA. Hier ist das Semester insgesamt sieben Wochen länger, was sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar macht: Zum einen wird an der Haaga-Helia der Fokus weniger auf Klausuren am Ende des Semesters gelegt. Stattdessen gibt es über das Semester verteilt verschiedene Hausarbeiten, Projekt- und Gruppenarbeiten, sowie Präsentationen. Die Projektarbeiten sind in den meisten Fächern praxisnah gestaltet oder finden direkt in Kooperation mit lokalen finnischen Unternehmen statt. Zum anderen kann ich mir meinen Stundenplan selbst gestalten oder an virtuellen Kursen von zuhause teilnehmen. Dies hat zum Vorteil, dass ich montags und dienstags keine Uni habe. Allerdings täuscht der Trugschluss, dass ich entsprechend jede Woche ein langes Wochenende genießen kann. Denn statt den Vorlesungen an den beiden Tagen, stehen regelmäßig Gruppentreffen und Projektmeetings an. 

Aufgrund der vielen Tausenden Studenten an mehreren Standorten ist die Studenten-Organisation ESN stark vertreten und organisiert für uns viele Events und Trips, die sich als echte Höhepunkte während meines Aufenthaltes hier in Helsinki entpuppten. Im Februar waren wir mit einer Gruppe in Lappland bei atemberaubenden Temperaturen von bis zu -35 Grad. Eine Woche lang stand nichts Anderes als Skifahren, Schneemobilfahren, Schneeschuhwanderungen, saunieren und Husky Safaris auf dem Programm. Ein weiterer Trip führte uns für einige Tage nach St. Petersburg und Tallinn. Aber auch ohne organisierte Trips, erkunden wir am Wochenende Helsinki und die Umgebung.

Einer unserer tollen Erasmus-Ausflüge

Doch lasst uns zum Schluss noch einmal die zu Beginn angesprochenen Vorurteile aus dem Weg räumen: Der Winter hier in Finnland ist in der Tat ziemlich dunkel und trist. Der Unterschied zu Hamburg ist jedoch lediglich, dass anstelle von Temperaturen um die 0 Grad und Schneeregen, vielmehr eisige Temperaturen von -10 Grad und Dauerfrost herrschen. Von Dezember bis Ende April ist ganz Finnland in eine Schneedecke gehüllt, die die gesamte Umgebung märchenhaft erscheinen lässt.
In Bezug auf die mangelnde Redseligkeit meiner aktuellen Mitbürger, kann ich basierend auf meiner eigenen Erfahrung nun auch sagen, dass viele Finnen nicht besonders interessiert an Smalltalk sind. Nichtsdestotrotz, habe ich sie jedoch als ziemlich hilfsbereit und gesellig kennengelernt, sobald man einander näher kennengelernt hat.

Auch die Kultur ist natürlich nicht zu kurz gekommen

Zu guter Letzt nun zu der finnischen Sprache und zum Saunieren: letzteres ist definitiv das liebste Hobby der Finnen! Auf 5 Millionen Einwohner kommen ca. 2 Millionen Saunen – selbst unser Studentenwohnheim besitzt zwei. Was die finnische Sprache anbelangt, hat man aufgrund der vielen Doppelvokalen und Umlauten oft wirklich zu kämpfen. Der einzige Vorteil ist hier jedoch, dass die Worte genauso ausgesprochen werden, wie sie geschrieben werden.

Mein Resümee aus vier Monaten Finnland kann ich nun wie folgt in ein paar Worten zusammenfassen: Viele neue Freunde aus der ganzen Welt; atemberaubende Urlaube in Lappland, St. Petersburg und Tallinn; ein Semester mit viel Raum zur Selbstgestaltung. Jetzt genieße ich noch meinen letzten Monat hier vor Ort, bevor mein nächster Einsatz bei OTTO auf mich wartet.

  • Kaja  Beutin
    Kaja  Beutin

    Kaja   Beutin

    Duale Studentin Business Administration
    Direkt zu Beginn meines dualen Studiums habe ich mich entschlossen, für den OTTO-Azubiblog zu schreiben. Als ich noch zur Schule gegangen bin, habe ich den Blog selbst gelesen und fand es unglaublich spannend, mehr über die Ausbildung zu erfahren. Jetzt sitze ich auf der anderen Seite und hoffe, ebenfalls interessierte Schüler erreichen zu können. Gleichzeitig bedeutet das Bloggen für mich aber auch, dass ich mich mit Teilen meiner Ausbildung oder Events noch einmal intensiver auseinandersetze, wenn ich darüber berichte.

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