Rhabarberleder? | Interview mit der Gründerin des Labels Deepmello

deepmello rhabarberleder
Two for Fashion Autorin Susanna
Dienstag, 13. März 2018, 11:24

Susanna traf sich während der Berlin Fashion Week mit Dr. Anne-Christin Bandleben, der Gründerin des Labels Deepmello, beim Green Showroom und interviewte sie zum Thema Rhabarberleder. Ihr möchtet wissen was genau das ist und sowieso alles zum Label erfahren, das nicht nur hip ist, sondern gleichzeitig total umweltfreundlich? Denn Nachhaltigkeit wird bei Deepmello groß geschrieben und das finden wir mega! Aber lest selbst….

Rhabarberleder – weiches Wunder aus der Wurzel! Ein Interview mit Deepmello

Schön, dass du die Zeit für ein Interview finden konntest. Ich freue mich, dass es klappt!

Na klar!

Wie kam dir denn die Idee zu deinem Format? Worum geht es bei Deepmello?

Bei Deepmello geht es um Rhabarberleder. Genauer gesagt um die Möglichkeit, Leder pflanzlich zu gerben. Wir haben hierbei ein Verfahren entwickelt das Gerben anstelle mit Chromsalzen mit einem Extrakt aus der Rhabarberwurzel zu machen. Unser Ziel dabei war es, das Leder zu hundert Prozent in Deutschland herzustellen. Von der Pflanze, über den Extrakt und das Leder, dass wir nur von in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Rindern verwenden, die als Milch- und Fleischvieh gehalten werden und nicht nur für das Leder. Wichtig war uns, die Gerbung in Deutschland zu machen. Das Ganze verstehen wir unter Rhabarberleder! Die Grundidee war, auf Chrom-Salze zu verzichten, um das in Verruf geratene Gerben mit diesen Salzen zu ersetzen und eine Alternative zu bieten. Deepmello ist das Label dazu. Heißt: wir haben auch eine eigene Kollektion in der wir zeigen, was man alles aus dem Leder herstellen kann, darunter Taschen, Schuhe, Accessoires und so weiter. Wir haben einmal das Label, vertreiben aber zusätzlich auch das Material.

Super, dann können andere Designer auf das Material zurückgreifen?

Genau!

Ah, verstehe! Und wie kommt man darauf, Rhabarber zu verwenden? Wir trinken ja alle mittlerweile ganz selbstverständlich die Schorle, aber wieso gerbt man damit?

Von Haus aus kommt keiner von uns aus dem klassischen Mode-Bereich oder aus dem klassischen Gerber-Bereich. Wir sind alle Pflanzen-Analytiker! Heißt: Wir hatten relativ viel Erfahrung, was die Inhaltsstoffe von Pflanzen angeht und wie man sie Nutzen kann. Und besonders beim Rhabarber. Da entstand dann die Idee, weil wir wussten, dass in der Wurzel Inhaltsstoffe enthalten sind, die das Gerben theoretisch könnten. Anschließend ging es daran zu gucken, ob sie es auch praktisch könnten und ob sich daraus ein wirtschaftliches Verfahren stricken lässt. Es gibt nämlich auch andere Pflanzen, die in Frage kommen, jedoch muss es natürlich auch wirtschaftlich, also effektiv sein, damit man genügend Inhaltsstoffe zum Gerben heraus bekommt. Letztendlich steckte ein großer Forschungs-Aufwand dahinter, bis man dann dieses fertige Verfahren hatte.

Ah, verstehe! Und wenn du sagst „wir“, wer war da noch beteiligt? Seid ihr ein ganzes Team?

Ja, genau! Wir sind ein Dreier-Gründerteam gewesen und kommen alle aus der Forschung. Wir haben demnach alle in einer Arbeitsgruppe gearbeitet, an der Hochschule und haben uns mit dem Verfahren beschäftigt.

Interessant! Wie lange dauert es denn dann, bis man so etwas entwickelt?

Das reine Verfahren hat über vier Jahre gedauert, bis wir die ersten Leder hatten und sagen konnten „das ist jetzt eine tolle Sache!“. Es ist dann natürlich immer schwierig, das Ganze von dem Forschungsstand in die Wirtschaft zu überführen. Da gehört dann natürlich auch immer noch etwas mehr dazu. Deshalb haben wir dann auch gesagt, dass es schade wäre, wenn das Projekt in der Schublade verschwindet. Wir hatten am Anfang eigentlich nur den Forschungsanspruch, wir wollten daraus eigentlich kein Unternehmen  machen. Aber wir haben uns dann entschlossen, bevor es in der Schublade verschwindet, selber etwas daraus zu machen. So kamen wir dann dazu, Unternehmer zu werden und unsere eigene Idee zu verkaufen.

Das ist natürlich toll! Wie genau entsteht denn so eine Kollektion? Wer designt? Designst du auch?

Also, unter anderem designe auch ich – mittlerweile. Es gibt unser Label ja nun schon seit 2011 und wir arbeiten immer wieder mit Gastdesignern zusammen, die uns dann für bestimmte Kollektionen unterstützen. Wir sagen dann, wir hätten gerne bestimmte Produkte oder würden gerne eine neue Farbe auf bestimmte Art und Weise präsentieren. Oder aber Designer kommen auf uns zu und möchten mit uns kooperieren. Die andere Möglichkeit ist, dass wir In-House Ideen haben, wie wir unser Leder umgesetzt sehen möchten. Dann brauchen wir natürlich professionelle Unterstützung, also Leute, die von Design und Schnitt Ahnung haben und Schneider sind, das Ganze also in ein fertiges Produkt überführen können, denn da haben wir dann auch keine Kompetenzen und sind eher auf Kooperationen angewiesen. Das was wir können, wissen wir und wo wir etwas nicht können, da holen wir uns dann die passenden Partner dazu.

Toll! Das heißt, du hast ja schon erwähnt: das Leder, also der Rohstoff kommt vom Tier…

Genau! Also die Tierhäute, die wir verwenden, kommen von Fleisch- und Milchvieh. Das Fleisch wird also für die Lebensmittelindustrie weiterverwendet, wir verwenden dann die Haut, also das Abfallprodukt, für unsere Rhabarberleder-Produkte.

Und das wird dann alles in Deutschland produziert. Also gegerbt wird bei euch auf der Ecke?

Gegerbt wird in Bayern, da ist die Gerberei, die für uns das Leder bearbeitet. Die Felder sind in Sachsen-Anhalt, die Extraktion machen wir in Sachsen, die Rinder stammen vornehmlich aus Süddeutschland. Die Fertigung geschieht dann wieder in Sachsen-Anhalt oder in Berlin – kommt darauf an, um welche Produkte es geht. Alles sehr regional, um regionales Handwerk zu unterstützen und weil es uns am Herzen lag ein echtes „Made in Germany“ Produkt zu schaffen, um zu zeigen, dass so etwas möglich ist.

Ja, super. Wirklich toll! Wo kann man eure Kollektion aus Rhabarberleder denn kaufen?

In vielen Einzelhandels-Stores hier in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. Und natürlich in unserem eigenen Online-Shop: Deepmello.com und in anderen Online-Stores.

Susanna: Super, vielen vielen Dank für das Interview.

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