Coffee-Talk | Oh Wunderbar über das Reisen mit Kind

Zwei Bloggerinnen sitzen nebeneinander beim Interview
Mittwoch, 19. April 2017, 14:09

Vielleicht kennen einige von euch Janina schon. Sie ist mit ihrem Blog Oh wunderbar sehr erfolgreich, hat eine treue Fangemeinde auf Instagram und lebt mit ihren zwei Töchtern und Mann in Hannover. So viel zu den Eckdaten. Ich folge ihr schon eine Weile und fand im letzten Jahr vor allem ihre Reiseberichte spannend, in denen sie über ihre Auszeit, die sie vor allem allein mit Kindern in Südostasien verbrachte, berichtet. Nun ist sie mit dem dritten Kind schwanger und fliegt wieder allein mit Tochter Mimi, die bald zwei wird, in die Ferne. Ein Grund mehr sie vor dem Flug noch schnell abzupassen und mit ihr über das Thema Fernreisen mit Kindern zu sprechen.

Interview mit Janina von Oh Wunderbar

Janina von Oh Wunderbar mit Tochter Mimi in Bali vor einem Tempel

Wie kam es denn eigentlich dazu, dass du allein mit deiner kleinen Tochter Mimi, damals ein Jahr alt, verreist bist?

Ich hatte eine große Reiselust, die immer stärker wurde und Henry, mein Mann, konnte nicht so viel Urlaub nehmen. Aber mir war nach mehr als einfach nur zwei Wochen Urlaub. Ich wollte eine richtige Auszeit nehmen. Und irgendwann meinte dann auch Henry; „Ach komm, mach es doch einfach“ und so fuhren wir ins Reisebüro und es wurden zehn Wochen.

Wow, zehn Wochen sind ja eine lange Zeit.

Ja, das war eine ganz spontane Entscheidung. Zwei davon war Henry auch dabei. Die ersten dreieinhalb Wochen war ich allein mit Mimi, dann kamen Anni und Henry und nachdem Henry wieder zurückmusste, war ich den Rest der Zeit allein mit meinen beiden Kindern.

Wie waren denn die Reaktionen in der Familie und im Freundeskreis? Es ist ja recht ungewöhnlich mit einem Kleinkind ganz allein nach Südostasien zu reisen.

Meine Familie dachte ursprünglich, ich würde einfach nur reden und hätte so eine Idee. Sie haben es nicht so recht ernst genommen und dachten, es würde sich wieder erledigen. Aber als ich dann gesagt habe, dass ich meinen Flug gebucht habe, waren sie im ersten Moment ziemlich baff, haben sich aber dann sehr für mich gefreut. Es war wirklich so, dass meine Schwestern es super fanden, und mein Vater meinte auch, dass ich es unbedingt machen soll.

Wusstest du denn von Anfang an, wo du hinwillst?

Nein, gar nicht. Ich wollte schon nach Asien, also Südostasien, aber ich wusste überhaupt nicht, welche Tour ich machen wollte, oder wie lang ich irgendwo bleiben will. Ich bin auch generell nicht der Mensch, der viel plant. So habe ich nur den Hin- und den Rückflug gebucht. Also Frankfurt – Bangkok und Bangkok – Frankfurt. Alles andere war offen.

Ah, spannend. Genau das wäre meine nächste Frage gewesen. Wie viel hast du im Voraus geplant?

Gar nichts. Ich hatte für fünf Tage eine Unterkunft in Bangkok und alles andere war offen. Und ich habe auch nie etwas online gebucht, sondern bin rumgefahren und wenn mir etwas gefallen hat, habe ich einfach gefragt, ob noch ein Zimmer frei ist. Das war richtig schön und ich würde es immer wieder so machen.

Janina von Oh Wunderbar am Strand von Thailand

Wie sah deine Route in etwa aus?

Bangkok hat mich total überreizt. Es war laut, stinkend, versmoggt. Dazu kamen die Zeitverschiebung und der Jetlag. Also bin ich von dort aus erst mal nach Bali geflogen, wo ich zwei Wochen bleiben wollte. Aber ich habe mich dort so in die Insel verliebt, dass ich auf den Tag genau vier Wochen geblieben bin. Mein Visum galt nur bis zu unserem Tag der Ausreise. Den Rückflug von dort habe ich übrigens auch erst am Flughafen gebucht. Das war echt ne knappe Kiste! Das würde ich auch tatsächlich nicht noch mal machen, da mich das dann doch ziemlich gestresst hat. Von Bali bin ich auch wieder nach Bangkok geflogen und habe die Stadt diesmal richtig lieben gelernt. Von dort bin ich dann allein mit den Kindern im Nachtbus nach Krabi gefahren, wo wir dann ein paar Tage verbracht und im Anschluss Inselhopping gemacht haben. Am längsten waren wir auf Ko Samui. Das war wirklich ein Traum. Wunderschön. Wir hatten dort einen Strand, an dem einfach niemand war. Wenn da am Tag fünf Leute vorbeigekommen sind, war das schon viel.  Von dort aus bin ich dann wieder mit den Kindern im Nachtbus nach Bangkok gefahren.

Konnte Mimi eigentlich schon laufen?

Ja, aber ich habe sie eigentlich immer vor dem Bauch getragen. Also, vorne das Kind, hinten der Rucksack.

 Du hast ja schon gesagt, dass du nicht geplant hast. Aber was hast du so an Vorbereitungen getroffen? Man kann ja auch nur mit leichtem Gepäck reisen.

Um ehrlich zu sein, habe ich mich gar nicht vorbereitet. Ein paar Tage vorher bin ich panisch zum Arzt gerannt, um zu fragen, ob ich noch eine Impfung bräuchte. Und meinen Backpack habe ich so zwei Stunden bevor mein Zug nach Frankfurt ging gepackt. So ganz aus dem Bauch heraus. Das führt dazu, dass ich so Sachen wie Highheels mithatte.

Nicht wirklich, oder?

Doch, doch. Und natürlich habe ich sie nicht einmal angezogen. Dafür haben mir dann andere Sachen gefehlt, die ich wirklich dringend gebraucht hätte. Bequeme Schuhe wären zum Beispiel gut gewesen. Meine Birkenstocks waren da auch nicht die optimale Lösung. Shorts wären auch noch toll gewesen. Stattdessen hatte ich nur die schönsten Röcke mit. Da weiß ich jetzt, wie ich es besser mache. Am Ende habe ich 80% der mitgenommenen Sachen verschenkt oder irgendwo stehen lassen.  Zum Schluss reichte mir das Paar Shorts, das ich mir unterwegs gekauft hatte. Und die Kinder brauchten eh nichts.

Gibt es im Nachhinein etwas, das du jetzt, mal abgesehen vom Packen, anders machen würdest?

Nein, ich würde alles genau so wieder machen. Ich habe gerade die Spontanität sehr genossen. Nicht zu wissen, wo es als nächstes hingeht, morgens aufzuwachen und sich zu denken: „Ja, heute bin ich bereit diesen Ort zu verlassen und woanders hinzufahren…“ Genau das war für mich der Reiz. Unterwegs auf Bali habe ich die Bloggerin Sarahplusdrei getroffen, die mit ihrer Familie die Elternzeit dort verbrachte. Sie haben alles im Voraus gebucht, weil sie auch einfach sehr organisierte Menschen sind und die Sicherheit mögen. Aber das wäre für mich persönlich nichts.

Gerade Thailand ist für das spontane Reisen auch ideal, oder?

Ja, man muss nicht unbedingt im Voraus buchen. Und es ist ein so höfliches und freundliches Volk. Die Menschen sind wahnsinnig hilfsbereit. Ich habe kaum ein zuvorkommenderes Volk als die Thailänder gesehen.

Nun fliegst du ja nächste Woche wieder Richtung Süden? Wo geht’s diesmal hin?

Also, Thailand fällt raus, da ich schwanger bin. Dort steht derzeit die Warnstufe vor dem Zika-Virus auf rot. Es ist dort so schlimm wie in Südamerika. Aber ich wollte ursprünglich schon nach Thailand.  Dann dachte ich, ich mache ne Java-Tour, also richtig Backpacking. Aber das traue ich mir mit Babybauch nun auch nicht mehr zu. Vorne das Baby und hinten den Rucksack wäre dann wohl doch zu viel. Daher plane ich nun in etwa zwei bis fünf Stationen ein. Ich denke, ich werde noch mal nach Bali reisen, dann wohl auf die Gillis und Lombok.

Und wie lang planst du diesmal zu verreisen?

Fünf Wochen. Und diesmal ganz allein. Es kommt aus der Familie niemand nach. Und das finde ich auch total schön. Auf der letzten Reise konnte Mimi ja noch nicht sprechen, und ich habe für mich gelernt, auch mal für mich allein zu sein. Ich habe erst da gemerkt, dass ich das anscheinend nicht konnte. Mal stundenlang nicht zu reden und auch nicht das Handy in die Hand zu nehmen oder irgendwas im Internet zu machen. Sondern einfach nur zu sein. Das war eine ganz tolle Erfahrung für mich.

Kind mit baby in der manduca am Strand von Thailand

 Und hast du dich diesmal mehr vorbereitet als letztes Mal?

Nein, ich habe mich noch gar nicht vorbereitet. Ich fliege in vier Tagen und habe noch nicht einmal den Flug gebucht. Ich habe mir noch keinen Plan gemacht, was ich einpacke. Ich habe noch keine Sommersandalen,…. Dienstag habe ich noch einen wichtigen Termin und ich möchte am Mittwoch fliegen. Ich vermute also, dass ich am Dienstagabend oder Mittwochvormittag packen werde. Aber die Shorts liegen schon bereit.

Du hast ja schon gesagt, dass du bei dieser Reise schwanger bist. Gibt es etwas, was du im Hinblick darauf an Vorbereitungen triffst?

Ich habe eine Reisekrankenversicherung, die ich immer abschließe, wenn ich auf Reisen bin. Ich finde gerade mit Kindern muss man schauen, dass man nicht fahrlässig handelt. Für mich ist die Krankenversicherung auf Reisen superwichtig. Zudem weiß ich auch einfach, dass die Krankenversorgung auf Bali oder auch in Thailand gut ist und dort auch Englisch gesprochen wird. In Thailand war ich beim letztens Mal sogar im Krankenhaus. Ich hatte Dengue-Fieber und habe mich richtig elend gefühlt.

Ui, wo war denn dann Mimi in der Zeit?

Zum Glück war Anni zu dem Zeitpunkt bei mir. Und die Ärzte waren sehr, sehr hilfsbereit. Ich hatte das Gefühl, das Krankenhaus wäre eher ein Hotel. Das ging gut.

Hast du noch Tipps für unsere User, die vielleicht auch mit dem Gedanken spielen so eine Tour zu machen.

Also, ich finde das einzige wirklich Must-have ist tatsächlich die Reisekrankenversicherung. Und dass man so einen ungefähren Plan hat, wo man hinreisen möchte, und auch vorab schon mal ein wenig informiert. So ganz blauäugig sollte man dann doch nicht einfach losreisen. Es ist natürlich auch Typsache, aber besonders schön ist, wenn man auf der Reise Dinge auch einfach mal passieren lässt und auf sein Bauchgefühl hört. Gerade das können wir im Alltag so oft nicht. Ich glaube, dass das eine Erfahrung ist, die einen menschlich weiterbringen und den Horizont erweitern kann. Davon bin ich überzeugt. Ansonsten kann ich nur einen Tipp geben: Nicht träumen, sondern machen!

Wenn man den wirklichen Wunsch hat und irgendwie die Möglichkeit hat, dann soll man es tun. Ich denke jetzt seit zwei Jahren über eine Reise mit dem Wohnmobil durch Europa nach. Und immer denke ich, dass ich das nicht machen kann, da es ja die Kinder gibt. Meine große Tochter ist schließlich schulpflichtig. Aber es gibt – nicht immer, aber meistens – eine Lösung. Und wenn wir die Möglichkeit haben, es so zu machen, wie wir es uns vorstellen, dann sollen wir es tun. Nicht lange zögern, denn das bereuen wir irgendwann, sondern einfach machen!

Ein schönes Schlusswort, liebe Janina. Ich danke dir sehr für das Interview und werde deiner Reise online auf Oh Wunderbar mit Sicherheit folgen.

XX Susanna

Fotos: BE: PR, Oh Wunderbar (3)

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