Coffee Talk | Body Shaming: Interview mit der Bloggerin modegeschmack

Interview mit Bloggerin Modegeschmack
Mittwoch, 21. Februar 2018, 14:11

Ich habe mich gestern mit der lieben Food-, Fashion- und Lifestyle-Bloggerin Wencke von modegeschmack getroffen und mit ihr über das Thema Body Shaming gesprochen. Die hübsche Brünette ist 23 Jahre alt und kommt gebürtig aus Emden. Seit 4 Jahren wohnt sie nun schon in Hamburg und tobt sich nicht nur mit ihrem Blog, sondern auch beruflich kreativ und modeaffin aus. Nachdem sie lange mit sich gerungen hat, beschloss sie – zum Glück –  ihren eigenen Blog modegeschmack ins Leben zu rufen.  Wie kreativ Wencke ist, erkennt man schon an ihrem Blog-Namen. Das „geschmack“ steht nämlich nicht nur für Mode, sondern auch für Food Themen. ;-)

In unserem Gespräch ging es vor allem um die Selbstdarstellung im Internet, die Scheinwelt auf Instagram und die Wahrnehmung des eigenen Körpers.

Beschreibe dein Instagram-Profil in 3 Worten?

spontan – vegan – natürlich

Hast du eine Lieblingsbloggerin? Und gibt es einen Ort oder eine Plattform von der du dich am liebsten inspirieren lässt?

Ich stöbere unheimlich gern bei Pinterest und lasse mich hier von Rezepten und Outfits inspirieren. Eine Lieblingsbloggerin habe ich nicht direkt, ich finde aber zum Beispiel Luisa Lion von Style Roulette total toll. Sie ist so eine authentische, ehrliche und inspirierende Bloggern, das bewundere ich total. Ich folge ihr auch schon ziemlich lange und finde es toll, dass sie trotz Erfolg immer noch sie selbst ist und nicht – wie viele andere – darauf aus ist, sich in den Sozialen Medien „perfekt“ zu zeigen. Sie berichtet bei Snapchat zum Beispiel auch mal von Problemen oder schwierigen Situationen, zeigt sich ungeschminkt und spricht über Themen, die sie wirklich bewegen.

Du ernährst dich vegan oder? Was ist deine Motivation und was tust du sonst noch für ein positives Körpergefühl?

Ja, ich ernähre mich seit 10 Jahren vegetarisch und seit circa 3 Jahren vegan. Ich bin so begeistert von der Vielseitigkeit der veganen Ernährung – viele meinen ja immer, man könne nur Obst und Gemüse essen. Ich liebe es, mit Quinoa und vielen anderen leckeren Produkten zu experimentieren. Das macht Spaß und gibt mir außerdem ein gutes Körpergefühl.

Neben einer ausgewogenen Ernährung schwöre ich total auf Sport! Ich liebe HIIT Training, bei dem man sich so richtig auspowert à la Kayla Itsines. Das Gefühl danach ist einfach unbeschreiblich. Was mir außerdem dabei hilft, mein positives Körpergefühl zu bewahren, ist mein Lebensmotto „Positive vibes only!“. Ich versuche wirklich darauf zu achten, meine Gedanken zu steuern und jede Situation positiv zu betrachten. Wenn mein Tag mal – sorry – beschissen ist, versuche ich mich auf meinen abendlichen Sportkurs oder ein leckeres Abendbrot zu freuen und meine Gedanken so in eine positivere Richtung zu lenken.

Wie viele Stunden verbringst du durchschnittlich am Tag mit Tätigkeiten rund um deinen Blog?

Ich veröffentliche eigentlich täglich – außer ich bin krank, so wie jetzt gerade – ein Instagram-Posting. Auf dem Blog erscheinen meist 3 Beiträge in der Woche. Da ich aber auch sehr viele Emails und Nachrichten bekomme, verstreichen hier beim Beantworten auch schnell mal die Stunden. Ich würde also sagen, so um die 3-4 Stunden.

Gibt es eine Frage, die dir auf Instagram immer und immer wieder gestellt wird? Wenn ja, kannst du sie gern hier für alle beantworten. :-)

In letzter Zeit sprechen mich immer mehr Follower und sogar einige Freunde und Bekannte darauf an, wie ich es schaffe, so viele private Themen öffentlich zu machen. Ich möchte unbedingt authentisch sein und meine Erfahrungen mit meinen Lesern teilen. Es ist doch toll, sich mit anderen „Leidensgenossen“ austauschen zu können. Ich hätte mir früher sehr gewünscht, dass es solche Blog-Beiträge zu bestimmten Themen gegeben hätte, die einem vielleicht geholfen hätten.

Interview Bloggerin Modegschmack

In einem aktuellen Blogpost schreibst du über das Thema Body Shaming. Kannst du mir noch einmal erläutern, wieso dich das Thema in letzter Zeit so bewegt hat? Und hast du dem Thema schon immer so selbstbewusst gegenübergestanden?

Wie ich auch auf meinem Blog geschrieben habe, hat mich eine Reportage über magersüchtige Mädels total schockiert. Ich finde es so traurig, dass viele Mädchen ein zerstörtes Bild von sich und ihrem Körper haben. Bei Instagram sieht man ja zurzeit auch immer mehr Frauen, die ganz extrem Bodybuilding betreiben. In meinem Instagram Feed sehe ich die verschiedensten Extreme, häufige auch 12-jährige Mädels, die sich viel zu freizügig im Internet zeigen. Um das Thema Body Shaming kommt man jetzt einfach nicht mehr drum rum.

Und nein, ich stand dem Thema nicht immer so selbstbewusst gegenüber. Man wird einfach entspannter mit der Zeit, liegt wahrscheinlich auch am Alter. Ich habe irgendwann einfach dieses Konkurrenzdenken abschalten können und stehe zu mir und meinem Körper.

Du sprichst den Perfektionismus auf Instagram an, versuchst du deinen Lesern bewusst mit deinem Blog und deinem Account ein anderes Bild zu vermitteln und ihnen sozusagen die Augen für die Realität zu öffnen?

Ja, keiner ist perfekt und das möchte ich meinen Lesern auch näher bringen. Ich bin gern ungeschminkt und berichte auf meinem Blog auch mal von Problemen, mit denen sich bestimmt viele identifizieren können. Besonders auf Instagram versuche ich auch, mich so zu zeigen wie ich bin und nicht nur Beiträge zu posten, die einen farblich perfekt aussehenden Feed ergeben.

Was meinst du, was für Auswirkungen es hat, dass viele Blogger so perfekte Bilder bei Instagram hochladen?

Viele junge Menschen fangen an, sich für andere und die Scheinwelt bei Instagram zu verändern. Man möchte so aussehen wie sein Vorbild, sich so kleiden und genauso schlank sein. Das ist für die eigene Körperwahrnehmung natürlich super kontraproduktiv. Instagram ist häufig mehr Schein als Sein. Nur weil ein Instagram-Profil farblich zusammenpasst und nur Bilder positiver Ereignisse zeigt, heißt das nicht, dass das Leben dieser Person hinter dem Profil auch perfekt ist.

Es gibt jetzt ja einige Blogger wie zum Beispiel Lou mit ihrem Blog Fit Trio oder Iskra Lawrence, die jetzt anfangen „unperfekte“ Fotos zu posten und sich dem Diätwahn entgegensetzen. Was hältst du davon?

Ich finde das super! Instagram und allgemein das Internet braucht viel mehr Realität. Ich finde zum Beispiel Verena von TheSkinnyandtheCurvyOne toll. Sie ist super zufrieden mit sich und ihren Rundungen und zeigt das auch. Verena trägt die verschiedensten Modetrends so souverän und macht damit ganz deutlich, wie wichtig es ist, zu sich und seinem Körper zu stehen.

Was macht deiner Meinung nach eine Frau schön?

Authentisch sein. Ich finde es bringt nichts, nur die neusten Trends zu tragen, weil man sie gerade in einer Zeitschrift gesehen hat. Wir Frauen müssen einfach versuchen, zu unserer Körperform und zu unserem Alter zu stehen. Man muss das anziehen, was einem selber passt und nicht das, was vielleicht einer Freundin steht. Ich finde, je authentischer eine Frau ist, desto attraktiver wird sie auch. Wenn ich eine Frau sehe, die sich schminkt wie sie will und sich so anzieht wie sie will, dann denke ich „Wow, das ist eine Powerfrau!“.

Bei Instagram versucht man ja grundsätzlich immer, ein Foto so zu bearbeiten, dass es perfekt aussieht und es möglichst viele Likes bekommt oder? Ich verzweifle manchmal bei der Fotobearbeitung und merke wie meine Laune ihren Tiefpunkt erreicht… und das alles nur wegen eines Fotos. Wie bearbeitest du denn deine Fotos?

Ich versuche immer, meine Fotos nicht zu perfekt aussehen zu lassen. Ich bin nicht perfekt und ebenso wenig sollen meine Fotos so etwas symbolisieren. Wenn ich mit einem Foto unzufrieden bin, sage ich mir immer „Ne, das passt jetzt zu mir.“ Es ist auch in Ordnung, wenn man mal nichts hochlädt. Es sollte kein Zwang sein, ein Foto hochladen zu müssen und man sollte sich damit auch nicht unter Druck setzen. Die App facetune nutze ich zum Beispiel sehr gern, da man da zum Beispiel die Haut leicht glätten kann. Ansonsten bearbeite ich meine Fotos nur bei Instagram, helle sie etwas auf und verstärke den Blaustich.

Hast du einen Tipp für alle Mädels da draußen, wie sie sich von Idealbildern auf Instagram distanzieren können?

Ganz klar: Man selbst sein! Das ist natürlich einfacher gesagt als getan. Ich weiß, dass es manchmal – besonders als Teenie – wirklich schwer ist, sich selbst zu akzeptieren. Aber je mehr man sich so nimmt wie man ist, desto leichter fällt es einem auch, sich der Außenwelt genau so zu zeigen. Ich versuche immer mir selbst treu zu bleiben und zum Beispiel durch Sport einen Ausgleich im Leben zu schaffen. Aber auch hier muss man darauf achten, dass man nicht nur Sport macht, um abzunehmen oder ein Sport-Foto bei Instagram zu posten, sondern um Körper und Seele etwas Gutes zu tun. Jeder hat mal einen schlechten Tag, da helfen manchmal nur positive Gedanken und Vorfreude auf ein tolles Erlebnis in der Zukunft.

Vielen Dank für dieses aufschlussreiche und spannende Gespräch, liebe Wencke!

XX, Cathrin

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