Die Top-10-Vorurteile gegen Dicke

24. März 2020 | von

Rob Gor­don, die Haupt­fig­ur aus Nick Horn­bys Roman und dem gle­ich­nami­gen Film „High Fideli­ty“ (dargestellt von John Cusack) erstellt lei­den­schaftlich gerne Top-5-Lis­ten — nicht nur sein­er Lieblingssongs, son­dern auch sein­er schmerzhaftesten Liebeskum­mer-Erleb­nisse. Mit diesen Lis­ten bekommt man für einen Moment die Welt in eine Art Ord­nung und kann nicht nur die besten, son­dern auch die schlimm­sten Dinge ihrer Sparte ein­sortieren. Hier kommt meine Top-10-Liste der Vorurteile gegen Dicke!

Vorurteile gegen Dicke

10. Dicke sind frustriert und unglücklich.

Was uns wirk­lich frus­tri­ert und unglück­lich macht, ist die Stig­ma­tisierung und Diskri­m­inierung durch die Gesellschaft. Selb­stach­tung und Selb­stver­trauen nehmen dadurch ab. Wenn das neg­a­tive Fremd­bild zum Selb­st­bild wird, beste­ht die Gefahr ein­er Angst­störung oder Depres­sion. Anson­sten sind wir so glück­lich oder unglück­lich wie jed­er andere Men­sch auch.

9. Dicke sind lustig und gesellig.

Ja, auch das ist ein Vorurteil, auch wenn es erst ein­mal pos­i­tiv klingt. Und nein, Dicke sind nicht immer witzig. Aber es ist eben auch ein Stig­ma: Wenn eine Dicke nicht unglück­lich ist, und verzweifelt ver­sucht abzunehmen, dann soll sie wenig­stens lustig sein!

Als Dicke mit Sport anfangen

8. Dicke treiben keinen Sport.

Auch dicke Men­schen kön­nen sportlich sein und sich aus­ge­wogen ernähren, und nicht jed­er dünne Men­sch treibt Sport und isst gesund. Wenn Dicke keinen Sport treiben, dann vielle­icht deshalb, weil wir schon im Sportun­ter­richt schlechte Erfahrun­gen gemacht haben und nie erfahren haben, dass Sport auch Spaß machen kann. Wir hat­ten keine Gele­gen­heit, ein pos­i­tives Gefühl zu unserem eige­nen Kör­p­er aufzubauen. Der Spießruten­lauf im Fit­nessstu­dio und Schwimm­bad erfordert zudem sehr viel Mut.

7. Dicke haben keinen Erfolg.

Die Frage ist: Wie wollen wir Erfolg definieren? Denn dicke Frauen wer­den im Beruf­sleben oft diskri­m­iniert. Sie wer­den als weniger durch­set­zungs­fähig, faul und weniger intel­li­gent eingestuft als dünne Bewer­berin­nen. Bei gle­ich­er Qual­i­fika­tion wer­den schlanke Bewer­berin­nen bevorzugt, dicke Frauen bei Gehalt­szu­la­gen und Beförderun­gen über­gan­gen — das zeigt eine Studie der Uni­ver­sität Tübingen.

Als Dicke Liebe finden

6. Dicke finden keinen Partner.

Die große Liebe hat nichts mit der Kon­fek­tion­s­größe zu tun. Manch­mal wer­den dicke Men­schen fetis­chisiert, aber für die Liebe zählen doch wohl haupt­säch­lich die inneren Werte? Das eigentliche Prob­lem liegt darin, dass viele dicke Men­schen glauben, sie seien auf­grund ihres Gewichts nicht Wert, geliebt zu wer­den. Das Ausse­hen ist nur ein klein­er Aspekt der Part­ner­suche, es ist auch für dünne Men­schen oft nicht leicht, den richti­gen Part­ner zu find­en. Gehe liebevoll mit dir selb­st um, arbeite an deinem Selb­st­be­wusst­sein und an der Wertschätzung dir selb­st gegenüber, dann kannst du auch zulassen, dass andere Men­schen dich lieben.

5. Alle Dicken sind krank.

Man kann einem Men­schen nicht auf­grund sein­er Kör­per­form anse­hen, ob er krank ist und Dick­sein bedeutet nicht automa­tisch krank zu sein. Bes­timmte Krankheit­en, die Dick­en zugeschrieben wer­den, kön­nen allerd­ings auch durch Stress und Diskri­m­inierung erst entste­hen. Viele Dicke set­zen sich zudem extrem damit unter Druck, abnehmen zu müssen. Zielführend wäre es, dicke Men­schen weniger zu stig­ma­tisieren — denn Stressre­duk­tion sorgt dafür, die Gesund­heit zu verbessern. Aus­ge­wogen essen, Sport treiben und eine pos­i­tive Grun­de­in­stel­lung ist für uns alle gut, egal ob dick oder dünn.

Übergewicht und Krankheiten

4. An jeder Krankheit, die ein Dicker hat, ist das Gewicht Schuld.

Lei­der All­t­ag im Sprechz­im­mer: Jedes Symp­tom, das ein dick­er Men­sch hat, wird in den meis­ten Fällen automa­tisch dem Übergewicht zugeschrieben. Ärzte und Pflegekräfte haben gegenüber Dick­en diesel­ben Vorurteile wie die All­ge­mein­bevölkerung. Mögliche Unter­suchun­gen wer­den nicht durchge­führt, schw­er­wiegende Krankheit­en überse­hen, da es meis­tens heißt: „Nehmen Sie erst mal ab, dann haben Sie auch keine Schmerzen mehr.“ Der Umkehref­fekt ist, dass dicke Men­schen sel­tener zum Arzt gehen, da sie Angst haben, sowieso wieder stig­ma­tisiert und abgewiesen zu werden.

3. Dicke essen masslos.

Übergewicht ist kein selb­st gewähltes Schick­sal. Nie­mand will vorsät­zlich dick wer­den, aber jed­er Men­sch hat unter­schiedliche Rah­menbe­din­gun­gen, die das Gewicht bee­in­flussen. Viele Dicke, die ich kenne, sind Experten in Sachen gesun­der Ernährung und immer wieder auf Diät. Außer­dem gibt es Erkrankun­gen wie Essstörun­gen (Binge-Eat­ing), die aber auch im Gegen­satz zu. z.B. Mager­sucht gesellschaftlich nicht anerkan­nt sind.

Gesunde Ernährung bei Übergewicht

2. Dicke sind faul und undiszipliniert, …

… bequem, ver­fressen, wil­lenss­chwach, dumm, ungepflegt, langsam, stinken, lassen sich gehen. Ich fass dass hier mal alles unter einem Punkt zusam­men. Ein dick­er Kör­p­er ste­ht gesellschaftlich für Ver­sagen und Faul­heit. Wenn ein Kör­p­er aus der Norm fällt, wird erwartet, dass man sich wenig­stens Mühe gibt, ihn anzu­passen — also abn­immt. Im Gegen­satz zu Haut­farbe, Reli­gion oder sex­ueller Ori­en­tierung ist der Kör­p­er etwas, das verän­der­bar ist. Somit ist es immer noch gesellschaftlich anerkan­nt, über Dicke zu lästern. Den meis­ten Men­schen fällt es noch nicht ein­mal auf, wenn sie Gren­zen über­schre­it­en. Ich habe in meinem Leben mehrere Hun­dert Kilo ab- und wieder zugenom­men. Nur jemand, der auch betrof­fen ist, kann nach­fühlen, wieviel Stärke und Diszi­plin es bedarf, nach all den Rückschlä­gen immer wieder neu zu beginnen.

1. Dicke sind selbst Schuld an ihrem Übergewicht, wenn sie nur wollten, könnten sie abnehmen.

Es gibt viele Gründe für hohes Gewicht. Das Zusam­men­spiel von Genetik und Umwelt­fak­toren ist kom­plex. Die Gründe für Adi­posi­tas sind mul­ti­fak­to­riell — es gibt also vielfältige Ursachen, die über­wiegend nicht oder nur in geringem Maße unter bewusster Kon­trolle des Patien­ten sind. Adi­posi­tas gilt in der Wis­senschaft nicht mehr als selb­st verur­sacht, son­dern als Krankheit, die durch genetis­che, biol­o­gis­che, psy­chol­o­gis­che und soziale Fak­toren begün­stigt wird.

Mehr Respekt für Dicke

Warum sind diese Vorurteile so beliebt? 

Ich zitiere mal Albert Ein­stein: „Welch triste Epoche, in der es leichter ist, ein Atom zu zertrüm­mern als ein Vorurteil.“ Bei vie­len Men­schen erhöht es den Selb­st­wert, wenn sie anderen die Schuld für etwas geben, das sie als neg­a­tiv wahrnehmen. Hinzu kommt die Vorstel­lung der Leis­tungs­ge­sellschaft, dass jed­er alles mit ein biss­chen Anstren­gung selb­st schaf­fen kann. Men­schen mit Übergewicht stren­gen sich in ihren Augen ein­fach nicht genug an, son­st wären sie ja nicht so dick. Liebe Leute, seid kri­tisch, auch euch selb­st gegenüber, und hin­ter­fragt eure eige­nen Vorurteile. Wir soll­ten ein für alle Mal aufhören, Kör­p­er in schön oder hässlich, gut oder schlecht einzuteilen!

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