Plus Size-Model Theresa Hinterecker im Interview

30. Januar 2019 | von

There­sa Hin­tereck­er ist eines der gefragtesten deutschen Plus-Size-Mod­els und seit 2010 auch Blog­gerin. Wir haben uns mit There­sa über die Plus-Size-Szene und –Trends unter­hal­ten und ver­sucht, ein wenig mit ihr in die Zukun­ft zu blicken.

There­sa, was warst Du zuerst, Plus-Size-Mod­el oder Bloggerin?

Bei­des startete ziem­lich gle­ichzeit­ig. Im Mai 2010 wurde ich Zweite bei einem Schön­heitswet­tbe­werb und gewann einen Mod­elver­trag. Damals gefiel mir schon das Blog der US-Amerikaner­in Gaby Fresh und ich habe gese­hen, dass es in Deutsch­land fast gar nichts Entsprechen­des gab. Das wollte ich ändern und begann selb­st zu bloggen.

Seit Ash­ley Gra­hams Pool-Inter­mez­zo in der Bade­mod­en-Aus­gabe des US-Mag­a­zins „Sports Illus­trat­ed“ ist die kurvige Frau plöt­zlich wieder sehr en vogue. Find­est Du die diesen Über­schwang positiv?

Klar, an sich ist diese Aufmerk­samkeit gut. Es sollte nur viel selb­stver­ständlich­er sein, dass ganz unter­schiedliche Frauen in Mag­a­zi­nen gezeigt wer­den. Schließlich laufen wir auch im wirk­lichen Leben in diversen Größen und For­men herum.

Es heißt, dass kurvige Mod­els noch mehr trainieren müssen als sehr schlanke Mod­els, um den hohen Ansprüchen an die per­fek­te Over­size-Pro­por­tion entsprechen zu kön­nen. Stimmt das?

Ich mache vier bis fünf Mal die Woche Sport, doch das tuen auch schlanke Mod­els. Bei uns kurvi­gen Frauen ist es wichtig, dass wir eine schöne glat­te Haut haben und dass wir fest sind. Für bei­des ist regelmäßiges Train­ing wichtig. Ich bin eben bre­it­er gebaut, habe aber auch Taille, und um die zu erhal­ten, achte ich extrem auf meine Ernährung.

Plus-Size-Mod­els gel­ten als Iko­nen der Szene. Spürst Du auch etwas von dieser Entwicklung?

Also auf der Straße wurde ich noch nicht ange­sprochen. Aber auf Mod­en­schauen, bei denen ich gemein­sam mit schlanken Mod­els laufe, sagen die Zuschauerin­nen oft: „Wenn ihr raus­ge­ht, kommt viel mehr Men­schlichkeit, mehr Ausstrahlung und Authen­tiz­ität rüber.“ Ich finde auch dünne Mod­els toll, aber die Frauen erwäh­nen auch, dass sie sich die Klei­dung bess­er an sich selb­st vorstellen kön­nen, wenn wir sie zeigen, schließlich haben eben die wenig­sten gängige Modelmaße.

Model Streetstyle

Du forder­st mit dem Slo­gan „Show your Curves“ Frauen dazu auf, sich in ihrer ganzen Pracht zu zeigen. Hast Du nie den Wun­sch gehabt, Dich zu verstecken?

Mit 17 oder 18 Jahren war ich nicht so selb­st­be­wusst wie heute. Damals war ich aber auch viel dick­er und wog 40 Kilo­gramm mehr. Ich hat­te aber schon früher das Glück, dass mir mein Umfeld nie zu ver­ste­hen gegeben hat, dass etwas grund­sät­zlich falsch an mir sei.

Was magst du ganz beson­ders an deinem Körper?

Im Gesicht meine Lip­pen, son­st meine Taille.

Model Porträt Fotomodel

Bist du eigentlich eine Naturblondine?

Eigentlich bin ich mit­tel­blond, der Grad mein­er Blondheit vari­iert ganz nach Lust und Laune.

Dein Selb­st­be­wusst­sein ist sehr ermuti­gend. Gibt es auch jeman­den, der dich ermutigt?

Die großen Plus Size-Mod­els wie Ash­ley Gra­ham, Tara Lynn oder Denise Bidot sind tolle Frauen und echte Stil-Iko­nen für mich. Das, was die machen, ver­suche ich immer im Blick zu behal­ten, weil es mich inspiriert.

Was tust du, wenn du mal den Blues hast und dich nicht so toll fühlst?

Dann gehe ich joggen, dabei kann ich den Frust so richtig schön raus­lassen. Und mir geht es auch immer bess­er, wenn ich mich mit meinen Fre­undin­nen treffe.

Sind deine Fre­undin­nen eigentlich auch Plus-Size?

Ganz gemis­cht. Unter meinen Mod­el­fre­undin­nen sind viele Plus Siz­erin­nen, aber meine beste Fre­undin ist zum Beispiel sehr schlank – und das war noch nie ein Prob­lem für uns.

Wenn du die Entwick­lung des Plus-Size-Designs der ver­gan­genen Jahre Revue passieren lässt, welch­es Zwis­chen­faz­it ziehst Du?

Im Bere­ich Plus-Size-Fash­ion hat sich weltweit sehr viel getan, die Band­bre­ite an Labels ist viel größer als früher. In Deutsch­land fehlt aber noch das bre­ite Ange­bot für junge trendi­ge Frauen, es kön­nten auch mehr Mod­en­schauen stattfinden.

Gibt es ein Plus-Size-Label, das du beson­ders magst?

Ich finde Per­sona von Mari­na Rinal­di sehr klasse und Stu­dio Untold. Das ist eine sehr junge Marke, die von den Plus Size-Blog­gerin­nen sehn­süchtig erwartet wurde.

Was wün­schst du dir für deine Model-Zukunft?

Natür­lich viel mehr Pro­duk­tio­nen mit Frauen wie mir. In Deutsch­land und Europa wer­den die meis­ten Große-Größen-Kat­a­loge ja immer noch in 40 oder 42 fotografiert. Da denken viele Frauen, die eigentlich Ziel­gruppe sind: „Men­sch, die ist ja gar nicht dick!“ Ich wün­sche mir all­ge­mein mehr Mut, die Vielfalt der Frauen zu zeigen. Und die Mod­en­schauen ab Größe 44 soll­ten so ernst zu nehmen sein wie die großen Schauen in Mai­land oder Paris. Warum müssen Plus-Size-Mod­els auf dem Lauf­steg oft so betont hap­py sein und auch herum­tanzen? Da wün­sche ich mir viel mehr Cool­ness und Lässigkeit.

Liest du eigentlich andere Plus-Size-Blogs?

The Skin­ny and the Curvy One mag ich wegen der authen­tis­chen Styles von Ver­e­na und Sophia, Lu zieht an hat ein­fach sagen­hafte Fotos und sehr gute Beau­ty-Tipps, Gaby Fresh inspiri­ert mich immer noch, genau wie Megabam­bi, Theodo­ra Flip­per und Miss Bar­toz, die ein­fach super schreibt und von Events berichtet.

Ein beson­deres Blog-Erlebnis?

Es ist immer wieder schön, wenn Frauen mir schreiben, dass sie sich durch mein Blog ermuntert fühlen, sich mehr zu trauen, sich modis­ch­er anzuziehen und sich mehr zu zeigen. Dafür mache ich das Ganze ja!

Model Theresa Model Shooting

 

There­sa, vie­len Dank für das Interview!

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