Selbstakzeptanz durch den Partner lernen?

3. Februar 2021 | von

Habe ich mich selb­st akzep­tiert und lieben gel­ernt oder kann ich nur entspan­nter mit meinem Kör­p­er umge­hen, weil ich einen Part­ner habe und nicht mehr an mir arbeit­en muss?

Selbstliebe durch den Partner lernen

Die meis­ten mein­er Posts für diesen wun­der­baren Blog sind eine Art Geständ­nis. Darin ver­ar­beite ich auch Erin­nerun­gen von früher. So entste­hen inter­es­sante Gedanken­spiele, in denen die Ver­gan­gen­heit und die Gegen­wart miteinan­der agieren. In diesem Post geht es vor allem um das The­ma Selb­stakzep­tanz und ob wir sie durch unseren Part­ner ein­fach­er erre­ichen oder uns lediglich wohler beim „sich gehen lassen“ fühlen.

Selbstliebe als Curvy

Dauer-Diät, um einen Mann zu finden

Meine Mut­ter war fast 3 Monate bei mir zu Besuch. Eine sehr inten­sive, aber wun­der­bare und erken­nt­nis­re­iche Zeit. Sie erzählt immer Geschicht­en von mir als Kind. Und eine dieser Geschicht­en passte zu einem Gefühl, das ich in let­zter Zeit öfter hat­te. Zweifel am The­ma Selb­stakzep­tanz. Die Geschichte mein­er Mut­ter lautet: Als ich etwa zehn Jahre alt war, machte meine Mut­ter ständig Diäten oder pro­bierte eine neue Ernährung­sum­stel­lung aus. Gesund­heit und Essen waren bei uns immer ein The­ma und sog­ar eine gewisse Besessen­heit. Sie erzählte, dass ich mehr als ein­mal zu ihr sagte: “Mama, warum machst du eine Diät? Du bist doch schon ver­heiratet!” Es schock­iert mich richtig, dass ich schon so früh mit so selt­samen Ide­olo­gien kon­fron­tiert war. Als wäre es das Ziel ein­er Frau, ver­heiratet zu sein und bis zum Erre­ichen dieses Ziels den eige­nen Kör­p­er zu trim­men. Diese Denkweise ist ganz weit weg von dem, wofür ich heute stehe.

Hüb­sch sein, nur um einem Mann zu gefall­en und wenn das erledigt ist, dann darf man sich endlich so lieben, wie man wirk­lich ist? Meine Mut­ter lachte, als ich ihr meine Gedanken schilderte, und das war wahrschein­lich das erste Mal, dass sie mir einen Vor­trag über Selb­stliebe hielt und wie wir Dinge für uns selb­st tun soll­ten und nicht für die Men­schen um uns herum. Das hat mich hell­hörig gemacht. Denn schließlich sind meine Eltern schon sage und schreibe 47 Jahre zusam­men und immer noch verliebt.

Graue Haare lieben lernen

Mit Jogginhose & ungeschminkt in der Beziehung

Doch nun zur Gegen­wart: Seit Tagen bin ich in Jog­ging­ho­sen unter­wegs. Nein, kein cooles Fash­ion-Item, son­dern eher Klam­ot­ten, mit denen man das Haus stre­ichen kön­nte. Ich habe meine grauen Haare wild wach­sen lassen und nicht über­färbt. Meine soge­nan­nte Salz-und-Pfef­fer-Frisur. Ich habe mich die läng­ste Zeit meines Lebens nicht geschminkt. Ich, ohne­hin schon eine kurvige Frau bin, habe es mir gut gehen lassen und wie ver­rückt gekocht und gegessen. Um auf den Punkt zu kom­men: Ich habe fünf Kilo zugenom­men. Und ich bin total zufrieden damit, mit allem. Jet­zt wer­den natür­lich Stim­men laut, die fra­gen: Ist das wirk­lich so?

Hier geht’s zu Tatis Looks:

Mein Kopf reagiert darauf mit erneuten Zweifeln: Habe ich aufge­hört, mich richtig um mich zu küm­mern, seit ich in ein­er fes­ten Beziehung bin? Ja, ich habe mich gehen lassen. Um ganz ehrlich zu sein, habe ich mich tat­säch­lich entspan­nt, nach­dem ich geheiratet habe. Der Druck zu gefall­en, war weg. Das Gefühl, akzep­tiert zu wer­den, hat mich läs­siger wer­den lassen. Aber die Selb­stakzep­tanz kam nicht erst mit meinem Part­ner. Schon vor langer Zeit habe ich mich so akzep­tiert, wie ich bin: klein, rund, schw­er und trotz­dem gut aussehend.

Aber ich muss auch zugeben, dass ich mich mit anderen Augen gese­hen habe, seit mein Part­ner – die Per­son, die ich liebe und die mich liebt – mich und meinen Kör­p­er so akzep­tiert wie er ist. Es gibt keine blö­den Kom­mentare über meinen Look, meine Fig­ur, meine grauen Haare oder mein ungeschmink­tes Gesicht. Er will nicht, dass ich mich extra für ihn schön mache oder mich verän­dere. Das ist etwas Außergewöhn­lich­es, das ist Liebe! Ich habe auch schon andere Erfahrun­gen gemacht. Diese schildere ich in meinem Post „Tren­nungs­grund: Übergewicht“.

Sich selber lieben lernen
Den eigenen Koerper akzeptieren

Wahre Selbstliebe hat nichts mit dem Partner zu tun

Diese Liebe führt dazu, dass ich mich und meine Gewohn­heit­en anders wahrnehme. Aber obwohl ich mich gebor­gen und geliebt füh­le, gibt es Momente, in denen ich meine Selb­stakzep­tanz und Selb­stliebe infrage stelle. Jede Medal­lie hat zwei Seit­en, das gilt auch für eine Beziehung: Auf der einen Seite gibt sie dir Sicher­heit und das Gefühl, akzep­tiert und geliebt zu wer­den. Auf der anderen Seite sollte man zuerst sich selb­st akzep­tieren, seine Fehler, seine Schwächen. Das ist nicht leicht, weil man oft viel kri­tis­ch­er mit sich selb­st ist, als es beispiel­sweise der Part­ner ist. Es stimmt also, dass man sich wohler durch eine Beziehung fühlt und man sich auf­grund der Sicher­heit entspan­nen und sich etwas gehen lassen kann. Wenn du dich und dein Gewicht, deinen Kör­p­er, deine Sil­hou­ette aber nicht lieben lernst, dann nützt dir auch die Akzep­tanz deines Part­ners nichts. Ver­suche, dich durch seine Augen zu sehen und nicht mit deinem kri­tis­chen Blick auf jeden ver­meintlichen Makel.

Sich selbst wertschaetzen

Fazit: Sich selber lieben, aber trotzdem an sich arbeiten

Es geht nicht darum, deinem Part­ner zu gefall­en oder einem Ide­al­bild der Gesellschaft zu entsprechen. Es geht darum, dich selb­st zu lieben und deinem Kör­p­er etwas Gutes zu tun. Dafür habe ich fol­gende Vorsätze gefasst: Ich werde keine Diäten machen, aber ich werde meinen Kör­p­er weit­er bewe­gen, Sport treiben und tanzen. Nicht um abzunehmen, son­dern um gesund und in Schwung zu bleiben. Für mich, meine Tochter und meine Fam­i­lie. Ich werde mich in Sachen Klei­dung etwas mehr bemühen. Für MICH SELBST, um mir selb­st zu gefall­en, mich schön zu fühlen und um mir etwas Gutes zu tun! Und dann im zweit­en Schritt auch als Wertschätzung für meinen Part­ner und die Welt um mich herum. Ich werde das, was ich habe und was ich bin, mehr schätzen, anstatt mir ein lächer­lich­es Ide­al als Ziel zu set­zen. Fakt ist: Manch­mal set­zen wir unsere Stan­dards absichtlich zu hoch, um zu recht­fer­ti­gen, dass wir gar nicht erst ver­suchen, sie zu erre­ichen. Arbeite jeden Tag daran, die best­mögliche Ver­sion von dir selb­st zu sein und dich ein Stück mehr zu lieben. Aber nur nach deinen eige­nen Regeln.

Wie arbeitest du an dein­er Selb­stakzep­tanz und hast du ähn­liche Erfahrun­gen gemacht?

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