Die Bigotterie der Frauenmagazine

3. Mai 2017 | von

Zwischen Selbstakzeptanz und Bikinifigur

Die klas­sis­chen Frauen­magazine waren die Sehn­sucht­slek­türen mein­er Jugend. Meine Mut­ter war zu sparsam dafür, mein Taschen­geld zu wenig und in der Stadt­bücherei kon­nte man zwar den SPIEGEL und die ZEIT lesen, nicht aber die BRIGITTE und Co. Und so stand ich regelmäßig im Super­markt vor dem Zeitschriften­stand und blät­terte mich durch Hochglanzwel­ten bis mich der Blick ein­er Kassiererin traf oder die Mark­tlei­t­erin mich ver­scheuchte. Ich liebte die Mode­streck­en, auch wenn sie für meinen Geld­beu­tel uner­schwinglich und meine Fig­ur unpassend waren. Ich strick­te die Muster nach (wenn auch mit gün­stiger Rödel-Wolle) und natür­lich diätete ich nach der BRIGITTE — ich weiß nicht, wie viele Vol­lko­rn­brote mit kün­stlich gesüßtem Magerquark oder magerem Schinken ich im Laufe der Jahre ver­speist habe um endlich in die Mode­streck­en-Mode zu passen. Ohne Erfolg.

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Das ist mehr als 30 Jahre her. Heute lese ich Frauen­magazine höch­stens noch im Wartez­im­mer beim Arzt. Beim Durch­blät­tern fällt mir aber eines auf: viel hat sich in den let­zten drei Jahrzehn­ten nicht geän­dert. Da sind immer noch die Mode­streck­en, die Strick­muster (wieder!) und die Diäten. Über­haupt das The­ma Fig­ur! „Biki­ni-Fig­ur: 3 Kilo in 3 Tagen!“ – „So kom­men Sie in Som­mer­form!“ – „Flach­er Bauch in 30 Tagen“ – all diese Titel­sto­rys gab es vor Jahrzehn­ten auch schon.

Selbstliebe vs Diätplan

Es gibt aber auch neue The­men: Selb­stliebe, Selb­stakzep­tanz, Body-Love. The­men, die für die meis­ten Frauen enorm wichtig sind – denn fast jede hadert mit sich selb­st, ihrem Kör­p­er, ihrem Äußeren über­haupt. Zu dick, zu dünn, zu viel oder zu wenig Busen, die Beine zu kurz, der Bauch zu groß – wer von uns kann schon mithal­ten mit ange­sagten GNTM- und Insta­gram-Schön­heit­en? Toll, dass Frauen­magazine diese wichti­gen The­men auf­greifen – doof nur, wenn diese Inhalte nur wenige Seit­en getren­nt sind vom üblichen Diät- und Sport­pro­gramm. Da erfahren wir auf Seite 43, dass wir schön sind, wie wir sind – und lesen 10 Seit­en weit­er, wie wir die Cel­lulite weg­trainieren, den Bauch­speck reduzieren und die altern­den Winkeärm­chen unter lock­eren Leinen­blusen ver­steck­en. Ähm. Finde den Fehler!

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Liebe Frauen­magazine, vielle­icht kön­ntet ihr Euch mal entschei­den!? Eure Glaub­würdigkeit würde es Euch danken! Am schön­sten fände ich es natür­lich, wenn Ihr uns so nehmen würdet, wie wir sind: rundlich oder schlank. Groß oder klein. Alt oder jung. Ohne uns ständig opti­mieren zu wollen. Wäre „Pro Frau“ denn nicht ganz im Sinne eines Frauen­magazins? Ich meine: Ja!

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