Die Bigotterie der Frauenmagazine

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Zwischen Selbstakzeptanz und Bikinifigur

Die klassischen Frauenmagazine waren die Sehnsuchtslektüren meiner Jugend. Meine Mutter war zu sparsam dafür, mein Taschengeld zu wenig und in der Stadtbücherei konnte man zwar den SPIEGEL und die ZEIT lesen, nicht aber die BRIGITTE und Co. Und so stand ich regelmäßig im Supermarkt vor dem Zeitschriftenstand und blätterte mich durch Hochglanzwelten bis mich der Blick einer Kassiererin traf oder die Marktleiterin mich verscheuchte. Ich liebte die Modestrecken, auch wenn sie für meinen Geldbeutel unerschwinglich und meine Figur unpassend waren. Ich strickte die Muster nach (wenn auch mit günstiger Rödel-Wolle) und natürlich diätete ich nach der BRIGITTE – ich weiß nicht, wie viele Vollkornbrote mit künstlich gesüßtem Magerquark oder magerem Schinken ich im Laufe der Jahre verspeist habe um endlich in die Modestrecken-Mode zu passen. Ohne Erfolg.

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Das ist mehr als 30 Jahre her. Heute lese ich Frauenmagazine höchstens noch im Wartezimmer beim Arzt. Beim Durchblättern fällt mir aber eines auf: viel hat sich in den letzten drei Jahrzehnten nicht geändert. Da sind immer noch die Modestrecken, die Strickmuster (wieder!) und die Diäten. Überhaupt das Thema Figur! „Bikini-Figur: 3 Kilo in 3 Tagen!“ – „So kommen Sie in Sommerform!“ – „Flacher Bauch in 30 Tagen“ – all diese Titelstorys gab es vor Jahrzehnten auch schon.

Selbstliebe vs Diätplan

Es gibt aber auch neue Themen: Selbstliebe, Selbstakzeptanz, Body-Love. Themen, die für die meisten Frauen enorm wichtig sind – denn fast jede hadert mit sich selbst, ihrem Körper, ihrem Äußeren überhaupt. Zu dick, zu dünn, zu viel oder zu wenig Busen, die Beine zu kurz, der Bauch zu groß – wer von uns kann schon mithalten mit angesagten GNTM- und Instagram-Schönheiten? Toll, dass Frauenmagazine diese wichtigen Themen aufgreifen – doof nur, wenn diese Inhalte nur wenige Seiten getrennt sind vom üblichen Diät- und Sportprogramm. Da erfahren wir auf Seite 43, dass wir schön sind, wie wir sind – und lesen 10 Seiten weiter, wie wir die Cellulite wegtrainieren, den Bauchspeck reduzieren und die alternden Winkeärmchen unter lockeren Leinenblusen verstecken. Ähm. Finde den Fehler!

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Liebe Frauenmagazine, vielleicht könntet ihr Euch mal entscheiden!? Eure Glaubwürdigkeit würde es Euch danken! Am schönsten fände ich es natürlich, wenn Ihr uns so nehmen würdet, wie wir sind: rundlich oder schlank. Groß oder klein. Alt oder jung. Ohne uns ständig optimieren zu wollen. Wäre „Pro Frau“ denn nicht ganz im Sinne eines Frauenmagazins? Ich meine: Ja!

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