Bin ich schön?

30. Oktober 2017 | von

Bin ich schön? – Ich bin mir sicher, das hat sich jeder von uns irgendwann einmal gefragt. Vielleicht haben wir uns da gerade im Spiegel betrachtet, in einem Modemagazin geblättert oder schlichtweg eine andere schöne Frau auf der Straße gesehen. Wir können gar nicht anders, als uns ständig mit anderen zu vergleichen, besonders wenn diese Frauen einem vermeintlichen Ideal entsprechen.

Schönheitsideale früher

Schönheitsideale begleiten die Menschheit seit eh und je. Sowohl Frauen als auch Männer. Dabei bringt jede Epoche einen neuen Schönheitsstandard hervor. Vorgegeben wird dieser von dem Zeitgeist und geformt von den herrschenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten. Der kulturelle Einfluss spielt nicht minder eine Rolle, wodurch sich bis heute die verschiedensten Schönheitsideale in den unterschiedlichen Ländern entwickelt haben.

Im westlichen Teil Europas hat die weibliche Silhouette ein stetiges Auf und Ab durchlebt. Während in der griechischen Antike Frauen mit leichten Rundungen bevorzugt wurden, mussten Frauen in der mittelalterlichen Zeit eher jugendlich schlank sein und möglichst unschuldig aussehen, um keine Verführung in der damaligen, streng christlichen Zeit, darzustellen. In der Renaissance bis hin zu Barock und Rokoko durften die Frauen dann wieder beleibter sein. Selbst rundliche Gesichter mit einem leicht abzeichnenden Doppelkinn standen für Wohlstand und Fruchtbarkeit. Ab dem 17. bis 18. Jahrhundert musste sich Frau in ein Korsett einschnüren um eine schmale Wespentaille zu bekommen und konnte sich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts endgültig davon befreien.

Wem jetzt noch nicht schwindelig ist, wird es spätestens, wenn man sich den Wandel des Schönheitsideals im 20. Jahrhundert anschaut. Pro Dekade wechselt das Schönheitsbild von knabenhafter Silhouette im Garconne-Look bis hin zu überweiblichen Rundungen à la Marilyn Monroe; vom athletischen Körperkult der 80er Jahre bis hin zum schlanken Heroin-Chic der Kate Moss. Und heute?

Schönheitsideale heuteSchaue ich mich heute in den Medien um, wundere ich mich fast gar nicht darüber, dass junge Frauen verwirrter sind denn je. Vor allem soziale Netzwerke beeinflussen nicht nur unser Bild von idealer Schönheit, sondern auch unsere Selbstwahrnehmung. Während die einen Disziplin und Schlankheit predigen, rufen andere zur bedingungslosen Selbstliebe auf. Andere wiederum feiern plastische Chirurgie und übernatürliche Körperformen und verdrängen, dass es für das wahre Leben nun einmal keinen Filter oder Facetune gibt. Woran soll sich Frau oder Mann denn orientieren?

PLus-Size-Bloggerin spricht über Schönheitsideale

Ich finde, wir könnten damit beginnen, uns mal wieder auf uns selbst zu besinnen. Herausfinden, wer „Ich“ eigentlich bin und was „Ich“ wirklich will und was mich glücklich macht. Aufhören, sich ständig mit jedem vergleichen zu müssen und konkurrieren zu wollen. Aufhören zu urteilen, über andere und sich selbst. Getreu dem Motto „Leben und leben lassen“. Das ist für mich der richtige Weg.

Während ich Selbstliebe für einen wichtigen Aspekt halte, so weiß ich auch, dass er auf andere einschüchternd wirken kann. Wie eine Puppe, die an den Armen von zwei Kindern hin und her gerissen wird. Das eine Kind urteilend und auffordernd, sich endlich gesund ernähren und körperlich betätigen zu müssen, um für die Gesellschaft akzeptabel zu werden – das andere ermahnend, sich selbst lieben zu müssen, egal wie man zu sich selbst oder zu seinem Körper steht. Beides kann verwirrend und ermüdend sein. Denn beides lenkt den Fokus ständig auf den eigenen Körper. Und gibt es denn nicht Wichtigeres, als sich ständig nur mit seinem Aussehen zu befassen? Selbstzweifel sind vollkommen okay. Sich verändern zu wollen, ist vollkommen okay, aber auch einfach so bleiben zu wollen wie man ist, ist vollkommen okay.

Plus-Size bloggerin Isabell spricht über Schönheitsideale

Zudem möchte ich noch erwähnen, dass mich Vorgaben, wie eine „richtige Frau“ auszusehen hat ebenso stören – was mich auch zu dem gezeigten Look inspiriert hatte. Eine Frau ist nicht dann eine Frau wenn sie Rundungen hat, langes Haar oder lange, lackierte Nägel. Eine Frau ist auch dann nicht Frau wenn sie sich feminin kleidet und ihren Körper betont. Jeder der sich als Frau fühlt, ist auch eine Frau, unabhängig von Körperumfang und -form, Sexualität oder biologischem Geschlecht.

Mein Fazit: Es gibt nichts daran auszusetzen, Vorbilder zu haben nach denen man streben kann, ob wir uns nun aufgrund äußerer oder innerer Werte an ihnen orientieren. Ich finde es aber wichtig, dass jeder selbst entscheiden sollte, zu wem er aufsehen möchte oder sich eben bewusst dazu entscheidet dieses nicht zu tun. Ich würde mir für unsere Zukunft mehr Diversität und Akzeptanz wünschen. Eine Zukunft, in der wir sein könnten so wie wir eben sind oder sein möchten ohne dafür verurteilt zu werden.

Vielleicht dann – und nur dann – könnten wir in unseren Spiegel schauen und denken: „Ja, ich bin schön“. Aus Überzeugung und nicht als Fragestellung.

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