Bin ich schön?

22. Mai 2019 | von

Bin ich schön? Ich bin mir sich­er, das hat sich jed­er von uns irgend­wann ein­mal gefragt. Vielle­icht haben wir uns ger­ade im Spiegel betra­chtet, in einem Modemagazin geblät­tert oder schlichtweg eine andere schöne Frau auf der Straße gese­hen. Die meis­ten unter uns, kön­nen gar nicht anders, als sich ständig mit anderen zu ver­gle­ichen, beson­ders wenn diese Frauen einem ver­meintlichen Ide­al entsprechen.

Schön­heit­side­ale begleit­en die Men­schheit seit eh und je. Sowohl Frauen als auch Män­ner. Ich werde euch heute auf eine kurze Reise in die Welt der Schöhn­heit­side­ale schick­en, stetig auf der Suche nach der Antwort auf die Frage Bin ich schön?

Schönheitsideale früher

Jede Epoche bringt einen neuen Schön­heits­stan­dard her­vor. Vorgegeben wird dieser von dem Zeit­geist und geformt von den herrschen­den poli­tis­chen, wirtschaftlichen und sozialen Gegeben­heit­en. Der kul­turelle Ein­fluss spielt nicht min­der eine Rolle, wodurch sich bis heute die ver­schieden­sten Schön­heit­side­ale in den unter­schiedlichen Län­dern entwick­elt haben.

Im west­lichen Teil Europas hat die weib­liche Sil­hou­ette ein stetiges Auf und Ab durch­lebt. Während in der griechis­chen Antike Frauen mit leicht­en Run­dun­gen bevorzugt wur­den, mussten Frauen in der mit­te­lal­ter­lichen Zeit eher jugendlich schlank sein und möglichst unschuldig ausse­hen, um keine Ver­führung in der dama­li­gen, streng christlichen Zeit, darzustellen.

In der Renais­sance bis hin zu Barock und Rokoko durften die Frauen dann wieder beleibter sein. Selb­st rundliche Gesichter mit einem leicht abze­ich­nen­den Dop­pelkinn standen für Wohl­stand und Frucht­barkeit. Ab dem 17. bis 18. Jahrhun­dert musste sich Frau in ein Korsett ein­schnüren um eine schmale Wespen­taille zu bekom­men und kon­nte sich erst zu Beginn des 20. Jahrhun­derts endgültig davon befreien.

Schönheitsideale im Wandel der Zeit

Wem jet­zt noch nicht schwindelig ist, wird es spätestens, wenn man sich den Wan­del des Schön­heit­sideals im 20. Jahrhun­dert anschaut. Die Frauen gewan­nen endlich mehr an neuer Selb­st­ständigkeit, die diese ins­beson­dere in ihrem Ausse­hen und in der Mode wider­spiegel­ten. Pro Dekade wech­selt das Schön­heits­bild zu einem Gar­conne-Look. Haare wur­den kurz geschnit­ten und ein androg­y­nes Ausse­hen angestrebt.  Die Klei­dung teils maskulin, teils fem­i­nin. So wurde gerne eine Krawat­te und ein Mel­o­nen­hut zu einem Kleid getra­gen, die die schlanke Sil­hou­ette der Frau unter­stre­ichen sollte.

Von der knaben­haften Sil­hou­ette entwick­elte sich das Ide­al zu ein­er Fig­ur á la Mar­i­lyn Mon­roe, die zu ihrer Zeit als Sexsym­bol und Vor­bild viel­er Frauen galt. Ein weib­lich­er Kör­p­er mit Run­dun­gen an Busen, Bauch, Hüften und Beinen waren qua­si ein Muss. Zu den 80er Jahren hin entwick­elte sich eine ath­letis­che Kör­perkul­tur bis hin zum schlanken Hero­in-Chic der Kate Moss. Und heute?

Schönheitsideale heute

Schaue ich mich heute in den Medi­en um, wun­dere ich mich fast gar nicht darüber, dass junge Frauen ver­wirrter sind denn je. Vor allem soziale Net­zw­erke bee­in­flussen nicht nur unser Bild von ide­al­er Schön­heit, son­dern auch unsere Selb­st­wahrnehmung. Während die einen Diszi­plin, Schlankheit und Diäten predi­gen, rufen andere zur bedin­gungslosen Selb­stliebe auf. Andere wiederum feiern plas­tis­che Chirurgie und über­natür­liche Kör­per­for­men und ver­drän­gen, dass es für das wahre Leben nun ein­mal keinen Fil­ter oder Face­tune gibt. Woran soll sich Frau oder Mann denn orientieren?

Ich finde, wir kön­nten damit begin­nen, uns mal wieder auf uns selb­st zu besin­nen. Her­aus­find­en, wer „Ich“ eigentlich bin und was „Ich“ wirk­lich will und was mich glück­lich macht. Aufhören, sich ständig mit jedem ver­gle­ichen zu müssen und konkur­ri­eren zu wollen. Aufhören zu urteilen, über andere und sich selb­st. Getreu dem Mot­to „Leben und leben lassen“. Das ist für mich der richtige Weg.

Während ich Selb­stakzep­tanz für einen wichti­gen Aspekt halte, so weiß ich auch, dass er auf andere ein­schüchternd wirken kann. Wie eine Puppe, die an den Armen von zwei Kindern hin und her geris­sen wird. Das eine Kind urteilend und auf­fordernd, sich endlich gesund ernähren und kör­per­lich betäti­gen zu müssen, um für die Gesellschaft akzept­abel zu wer­den – das andere ermah­nend, sich selb­st lieben zu müssen, egal wie man zu sich selb­st oder zu seinem Kör­p­er ste­ht. Bei­des kann ver­wirrend und ermü­dend sein. Denn bei­des lenkt den Fokus ständig auf den eige­nen Kör­p­er. Und gibt es denn nicht Wichtigeres, als sich ständig nur mit seinem Ausse­hen zu befassen? Selb­stzweifel sind vol­lkom­men okay. Sich verän­dern zu wollen, ist vol­lkom­men okay, aber auch ein­fach so bleiben zu wollen wie man ist, ist vol­lkom­men okay.

Plus-Size bloggerin Isabell spricht über Schönheitsideale

Zudem möchte ich noch erwäh­nen, dass mich Vor­gaben, wie eine „richtige Frau“ auszuse­hen hat eben­so stören – was mich auch zu dem gezeigten Look inspiri­ert hat­te. Eine Frau ist nicht dann eine Frau wenn sie Run­dun­gen hat, langes Haar oder lange, lack­ierte Nägel. Eine Frau ist auch dann nicht Frau wenn sie sich fem­i­nin klei­det und ihren Kör­p­er betont. Jed­er der sich als Frau fühlt, ist auch eine Frau, unab­hängig von Kör­pe­rum­fang und ‑form, Sex­u­al­ität oder biol­o­gis­chem Geschlecht.

Es gibt nichts daran auszuset­zen, Vor­bilder zu haben nach denen man streben kann, ob wir uns nun auf­grund äußer­er oder inner­er Werte an ihnen ori­en­tieren. Ich finde es aber wichtig, dass jed­er selb­st entschei­den sollte, zu wem er auf­se­hen möchte oder sich eben bewusst dazu entschei­det dieses nicht zu tun. Dafür benötigt es ab und an Mut, aber es zahlt sich aus! Denn mein­er Mei­n­ung nach ist jed­er von euch schön, genau so, wie er eben ist. Um uns das Leben zu erle­ichtern, wün­sche ich mir für unsere Zukun­ft mehr Diver­sität und Akzep­tanz. Eine Zukun­ft, in der wir sein kön­nen so wie wir sind oder sein möcht­en — ohne dafür verurteilt zu wer­den. Vielle­icht dann – und nur dann – kön­nten wir in unseren Spiegel schauen und denken: „Ja, ich bin schön“. Aus Überzeu­gung und nie wieder als Fragestellung.

Hast du dir auch schon ein­mal die Frage gestellt Bin ich schön?

Letzte Kommentare (1)

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Ichwillnursein
Samstag, 6. Juli 2019, 15:19 Uhr

Ich habe noch nie einen Kom­men­tar auf irgen­dein­er Inter­net­seite geschrieben, aber dieser Artikel hat mir so aus der Seele gesprochen, dass ich die Ver­fasserin dies gerne wis­sen lassen möchte.

Ich bin seit mein­er Kind­heit übergewichtig und die Art und Weise, wie sowohl von Gle­ichal­tri­gen als auch von Ärzten usw. mit mir umge­gan­gen wurde, haben mich als sehr lange beherrscht und eingeschüchtert. Obwohl ich im Alter von Mitte 30 und nach unzäh­li­gen Abnehmver­suchen inzwis­chen nun etwas entspan­nter und selb­st­be­wusster mit meinem Erschei­n­ungs­bild umge­hen kann, füh­le ich mich im All­t­ag doch noch häu­fig diskrim­miniert. Ins­beson­dere, wenn es darum geht die Klei­dung zu tra­gen, die mir gefällt. Denn in den meis­ten Läden von Bekan­nten Marken bekommt man Klei­dung nur bis Größe 44, wenn über­haupt. Da es schon eine Weile her ist, dass ich diese Größe tra­gen kon­nte, kann ich Klei­dung meist nur online oder aus Kat­a­lo­gen bestellen. Jed­er Ver­such bei einem Einkaufs­bum­mel durch die Geschäfte etwas zu find­en, was mir gefällt und in dem ich mich wohl füh­le, endet in weit­eren ent­täuscht­en Selb­stzeifeln, dass ich wohl nie eine “hüb­sche Frau” sein werde — bzw. mich nicht als solche fühlen werde.

Doch wer will eigentlich fes­tle­gen, wann bzw. wie eine Frau “schön” aussieht? Wie in diesem Artikel beschrieben, hat sich das Schön­heit­side­al im Laufe der Zeit so oft verän­dert und wird doch heute von den Medi­en (und denen, die ihre Botschaften damit trans­portieren) vorgegeben. Dabei ist kaum ein Bild von ein­er Frau in der Werbung/ Mod­ewelt nicht irgend­wie bear­beit­et und dem Schön­heit­side­al angepasst. Und wie viele von uns entsprechen denn tat­säch­lich dem Ide­al? Wie so oft gilt in Punc­to Ausse­hen irgend­wie immer das als Ide­al, was sel­ten vorkommt und deshalb wohl auch so auffällt/ aus der Masse her­aussticht. Sobald das propagiert wird, wollen alle so ausse­hen und bis sie es geschafft haben, gilt wieder etwas anderes als Ide­al und alle ren­nen diesem dann wieder hin­ter­her. So kann man seine Leben­szeit auch vergeuden.

Warum kann ein Men­sch nicht ein­fach ein Men­sch sein, egal als wer oder was er/sie/es sich fühlt, wie man aussieht, welche Behin­derung man hat etc.? Und weil wir alle Men­schen sind, ist es jed­er wert als men­schlch­es Wesen respek­tiert, geliebt und als einzi­gar­tig wahrgenom­men zu wer­den. Doch die ständi­ge Bew­er­tung all der vielfälti­gen men­schlichen Erschei­n­ungs­for­men führt zu Intol­er­anz und Unglück­lich­sein. Ich plädiere ebe­so wie dieser Artikel ganz entsch­ieden dafür, dass jed­er so ausse­hen und sich damit wohlfühlen dür­fen sollte, wie er ist oder sein möchte. Und ger­ade diese Vielfalt macht das Zusam­men­leben in ein­er Gesellschaft doch inter­es­sant. Mit mehr gegen­seit­iger Akzep­tanz und Respekt füreinan­der kön­nte es auf unser­er Welt um einiges friedlich­er und viele Men­schen glück­lich­er sein. Das gilt übri­gens nicht nur in Bezug auf das Erscheinungsbild.

Solange es in dieser Hin­sicht kein all­ge­meines Umdenken gibt, wird es wohl für alle, die mit Ihrem Erschei­n­ungs­bild aus dem Rah­men von “nor­mal” oder “schön” fall­en weit­er­hin eine Menge Mut und Selb­stver­trauen benöti­gen, um sich so wohlzufühlen, wie sie eben sind und sich nicht von neg­a­tiv­en Kom­mentaren ein­schüchtern zu lassen.

Bish­er hat­te auch ich in mein­er eige­nen Unsicher­heit oft einen Drang dazu andere schnell zu bew­erten, und in eine Schublade zu steck­en. Doch ich lebe entspan­nter und füh­le mich glück­lich­er, seit ich damit aufge­hört habe, weil ich seit­dem nicht mehr das Gefühl habe selb­st so oft von anderen (neg­a­tiv) bew­ertet zu wer­den. Also qua­si ” leben lassen und damit selb­st bess­er leben” 😉