Plus-Trends der PANORAMA 2017

11. April 2018 | von

Liebe Soul­ful­ly-Leserin­nen, der Fash­ion Trubel in Berlin ist nun vor­bei. Unsere liebe Susie hat bere­its einen tollen und wirk­lich passenden Beitrag zur Fash­ion Week für Plus-Size-Frauen geschrieben. Nun kommt unser OTTO-Experte Matthias zu Wort, der uns heute Ein­blicke in den DOB-Bere­ich gewährt und auf der PANORA­MA-Messe unter­wegs war, um neue Trends für Große Größen aufzus­püren. Unsere Gast­blog­gerin Julia besuchte ihn auf der Messe und hat sich mit ihm unter­hal­ten! Das ganze Inter­view lest ihr hier. Viel Spaß :)!

Lieber Matthias, was macht Dich eigentlich zum Plus-Size-Experten bei OTTO?

Seit vie­len Jahren liebe ich die Ziel­gruppe ein­fach und habe mich im DOB-Bere­ich in dieser Zeit sehr für den Bere­ich Plus Size engagiert. Und ich liebe meinen Job. Beson­ders im Bere­ich Fremd­marken dür­fen mein Team und ich uns immer wieder um neue Mode und neue Trends küm­mern, was mit­tler­weile glück­licher­weise im Große Größen-Seg­ment auch abso­lut möglich ist.

Wie würdest Du Deinen eige­nen Stil beschreiben?

Mein eigen­er Stil ist ein Stück casu­al, aber immer auch ein biss­chen trendig. Und obwohl ich in Sachen Klei­der­größe selb­st gar nicht zur Ziel­gruppe Große Größen gehöre, passe ich ger­ade vom Stil her sehr gut dazu. Denn auch der Plus-Size-Bere­ich ist für mich zu 60 bis 70 % casu­al und sportiv. Mein per­sön­lich­es Styling-Mot­to lautet:

„Manch­mal ist weniger ein­fach mehr“.

Und mit dieser Ein­stel­lung gehe ich auch an die Sachen her­an, die ich für unsere Kundin­nen aus­suche.

Worauf acht­est Du bei der Auswahl neuer Klei­dungsstücke – welche Teile schaf­fen es in Euer Sor­ti­ment?

Bei manchen Marken berück­sichti­gen wir ganz viele Basics, um vor allem auch den Kun­den­wün­schen gerecht zu wer­den. Ander­er­seits gibt es auch Marken, bei denen die Fash­ion High­lights ganz wichtig sind. Das ist im Grunde genom­men ein bunter Mix. Was auf jeden Fall gar nicht mehr geht, ist diese typ­is­che Rich­tung Große Größe: das ver­hül­lende „Zelt“ zum Beispiel. Das braucht heute wirk­lich kein­er mehr. Eigentlich wollen doch alle Frauen die gle­ichen Trends. Aber die müssen für große Größen eben richtig über­set­zt und umge­set­zt wer­den.

Welche Klei­dungsstücke ver­misst Du noch im Plus-Size-Seg­ment?

Es gibt immer noch zu wenig schöne Out­door-Jack­en und Män­tel. Und wenn, dann sind diese ehrlich gesagt viel zu teuer. Ein weit­eres The­ma ist „Schöner-Anlass“-Bekleidung. Damit meine ich nicht unbe­d­ingt nur das lange Abend­kleid – das fehlt sowieso. Aber ein­fach auch das nor­male „kleine Schwarze“. Wenn kurvige Frauen für einen schick­en, speziellen Anlass etwas Schönes suchen, ist die Auswahl lei­der immer noch mehr als ger­ing oder alt­back­en. Das war schon vor zwanzig Jahren so und ist heute immer noch der Fall. In Ameri­ka ist das ganz anders. Dort gibt es das schon lange und mit einem ganz großen Selb­stver­ständ­nis.

Apro­pos Ameri­ka: Kennst Du Dich auch im inter­na­tionalen Plus-Size-Markt aus? Was kön­nen wir uns von unseren Nach­barn vielle­icht noch abschauen?

Wir kön­nen ler­nen, wie aktuelle Trends direkt und gut für Plus Size umge­set­zt wer­den kön­nen. Aber auch in Deutsch­land gibt es mit­tler­weile einige Marken wie sheego, Zizzi oder Junarose, die sich das zur Auf­gabe gemacht haben und da entsprechend nachziehen. Sie machen Monat­spro­gramme, also viele kleine Kollek­tio­nen, die vom Look und der Jahreszeit her dann sofort trag­bar sind und neue Trends eben schnell auf­greifen. Das ganze Mode­bild hat sich da also schon ein biss­chen in die richtige Rich­tung pos­i­tiv verän­dert. Und es kom­men immer mehr Marken dazu! Lei­der noch nicht wirk­lich aus Deutsch­land, son­dern eher aus Däne­mark, Eng­land oder Hol­land. Aber die kann man ja dann importieren – und das ist eben auch genau der Job von meinem Team.

Warum pro­duzieren Dein­er Mei­n­ung nach immer noch so viele Her­steller nur bis max­i­mal Gr. 46?

Viele Marken wollen ein­fach nicht größer. Wir bei OTTO haben aber natür­lich längst gemerkt, dass sich die Kern­größen der deutschen Frauen ver­schoben haben. Eine 46 ist ganz nor­mal. Manche Marken­in­hab­er oder deren Mar­ketingabteilun­gen haben sich mit der Ziel­gruppe ver­mut­lich nie richtig beschäftigt und die Poten­tiale daher noch nicht erkan­nt. Die soll­ten es dann aber auch gle­ich lassen und es bess­er denen über­lassen, die es bere­its begrif­f­en haben, denn die machen es dann ein­fach auch bess­er.

Von welch­er Marke würdest Du Dir wün­schen, dass es sie auch in Großen Größen gibt?

Vor allem die Anschlussgrößen 44/46/48, also die „Inbe­twee­nie“-Größen, soll­ten mein­er Mei­n­ung von ein­er Marke wie z.B. Hall­hu­ber mit ein­er Selb­stver­ständlichkeit und Nor­mal­ität ins Sor­ti­ment aufgenom­men wer­den. In der deutschen Bevölkerung trägt ein großer Anteil, näm­lich mit­tler­weile gut 60 %, diese Größe. Wenn schöne Marken ihr Ange­bot mit einem tollen Pass­form-Konzept in diese Rich­tung weit­er­en­twick­eln wür­den, wäre eine sehr große Ziel­gruppe glück­lich und die Marke dann mit Sicher­heit auch.

Hast Du auf der PANORA­MA-Messe auch noch neue oder span­nende Marken ent­deckt, die Dein Inter­esse geweckt haben?

Ich fand auch in diesem Jahr wieder die Kollek­tion von Zizzi sehr span­nend. Die einzel­nen The­men der Kollek­tion sind sehr abge­gren­zt, es gibt viele modis­che Über­raschun­gen, die Marke ist sehr aufgeschlossen und mutig was den Style ange­ht und ver­ste­ht die Ziel­gruppe sehr gut. Anson­sten haben wir die Marke No Secret für uns neu ent­deckt, die wir gerne in unser Sor­ti­ment aufnehmen wür­den. Auch Junarose bietet großar­tige Mode in ein­er guten Preis­lage.

Was sollte die ide­ale Plus-Size-Marke mit­brin­gen?

Es ist im Grunde genom­men seit vie­len Jahren das Gle­iche: ein­fach von der Basis her eine richtig gute Plus-Size-Pass­form, kom­biniert mit dem richti­gen Mate­r­i­al und dem richti­gen Style. Große Größen brauchen ger­ade im Mate­r­i­al schon eine andere Qual­ität. Mehr Elas­tiz­ität und auch feinere, leichtere Qual­itäten. Das ist ein ganz großes The­ma, viele Marken ver­ste­hen das bere­its – viele aber auch noch nicht.

Unter­schei­den sich die Trends für „nor­male“ Größen von den Trends für Große Größen? Wollen nicht eigentlich alle mode­be­wussten Frauen das Gle­iche?

Ja, das zeich­net sich in den let­zten zwei Jahren ganz klar so ab. Es wollen alle mode­be­wussten Frauen – unab­hängig von ihrer Kon­fek­tion­s­größe – das Gle­iche. Das war vor eini­gen Jahren noch ganz anders. Da hat man immer ver­sucht, für große Größen sep­a­rate Trends zu entwick­eln. Vielle­icht gilt diese Gle­ich­heit nicht unbe­d­ingt für einen Minirock-Hype, da unter­schei­den wir schon und wür­den dieses The­ma für die Ziel­gruppe anders umset­zen. Ich bin generell aber abso­lut dafür, Trends 1 zu 1 genau­so auch für Große Größen umzuset­zen. Und zwar min­destens genau­so schnell! Mein Ziel wäre eigentlich, dass die Großen Größen die Trends noch eher bekom­men, als die Nor­mal­größe. Das wäre für mich die Rev­o­lu­tion. Weltweit!

Jaaa! Das ist die richtige Botschaft! Und wie gelun­gen find­est Du die Umset­zung von aktuellen Trends für Große Größen bish­er?

Ich finde generell, dass die Marken alle sehr aufgeschlossen dafür sind. Sie set­zen das schon zum Teil sen­sa­tionell um. Allerd­ings dürften sie auch gerne mal ein biss­chen mutiger sein. Sie sind immer sehr vor­sichtig und manch­mal dann doch wieder zurück­hal­tend, wo ich ein­fach sage: Macht doch mal etwas Ver­rück­tes! Auch wenn wir es dann vielle­icht gar nicht mal so gut verkaufen, aber das muss es ein­fach mal in großen Größen geben! Man muss ein paar High­lights set­zen – im Leben und auch in den Kollek­tio­nen. Da sind die meis­ten ein­fach doch noch viel zu deutsch und viel zu anständig. Ich sehe ganz oft in den USA Trends, die dort auch in großen Größen mit ein­er Selb­stver­ständlichkeit getra­gen wer­den. Bestes Beispiel: Ash­ley Gra­ham. Das finde ich großar­tig! Aber wir wis­sen ja, Deutsch­land braucht eben ein paar Saisons länger. Und irgend­wann ist es bei uns dann bes­timmt auch soweit. Ich finde es schade, dass wir noch nicht da angekom­men sind, denn für uns in Deutsch­land ist das The­ma Große Größen mit­tler­weile so nor­mal, dass eine Größe 46/48 im Straßen­bild über­haupt nicht mehr auf­fällt. Das ist längst keine Ecke, keine Nis­che mehr, son­dern mit­ten aus dem Leben!

Das sehe ich genau so. Und meine The­o­rie ist ja, dass in Deutsch­land nur deshalb so viele Basics in großen Größen verkauft wer­den, weil es ein­fach son­st nicht viel Span­nen­des gibt! Im Gegen­satz zu den Must-haves … Hast du neue Must-haves oder Inter­pre­ta­tio­nen davon ent­deckt?

Mein­er Mei­n­ung nach gibt es vor allem im Druck­bere­ich eine neue Rich­tung, denn die Drucke wer­den wieder ein biss­chen ruhiger und klein­er – als Gegen­satz zu den großen Blu­men und Pais­ley-Mustern. Anson­sten wurde im Unterteil­bere­ich auch das The­ma Shap­ing aus den Nor­mal­größen in die großen Größen über­set­zt. Es bleibt nach wie vor die schmale Hose, gerne zum weit­en, kasti­gen, volu­mi­gen Oberteil. Dieser Over­size-Look macht in allen Größen eine gute Fig­ur – da kann man oft gar nicht sehen: Ist das jet­zt eine 42 oder eine 48? Wenn es in Rich­tung Wade schön schmal wird, schme­ichelt das ein­fach der Sil­hou­ette, ger­ade auch wenn oben etwas „mehr“ ist. Vorteil­hafter geht es nicht.

Du hast mal gesagt, dass Du eine Muse hast. Eine Art Fan­tasie-Frau in Größe 48, die den Input all Dein­er Gespräche mit Kundin­nen und klu­gen Men­schen aus der Branche bün­delt. Gibt es diese Muse noch und was trägt sie im näch­sten Win­ter?

Ja, ich habe schon seit vie­len Jahren diese Frau an mein­er Seite. Sie trägt Klei­der­größe 48, ist groß, hat tolle Pro­por­tio­nen und ste­ht mit bei­den Beinen im Leben. Und sie sagt mir dann immer, ob „ja“ oder „nein“. Durch diese Muse ver­ste­he ich die Ziel­gruppe am besten. Das Bild von ihr ist qua­si immer bei mir. Ein guter „Pro­to­typ“ ist zum Beispiel Ash­ley Gra­ham. Unab­hängig davon, dass wir auch pri­vat befre­un­det sind. Sie ist ein­fach eine tolle Frau, die trotz ihrer großen Kar­riere total nor­mal geblieben ist. Im näch­sten Win­ter trägt die Muse eine weite Hülle von Woll­man­tel, dazu ein ein­fach­es Oberteil zu einem schmalen Unterteil. Und wie ich jet­zt in Berlin auf der Fash­ion Week gel­ernt habe, ist sie schon sehr gerne schwarz und grau gek­lei­det, aber abends ist sie dann mit dem richti­gen Make-Up auch mal der große Vamp und trägt Farbe.

Das dauert aber noch so lange bis zum näch­sten Win­ter. Was darf denn jet­zt im Früh­ling in unserem Klei­der­schrank nicht fehlen?

Jet­zt im Früh­ling gibt es wie immer wieder viele Far­ben, viele Drucke, auch im Unterteil-Bere­ich. Unsere Kundin greift da eher zu den ruhigeren Din­gen und wagt dafür mehr im Den­im-Bere­ich, wo der Trend weit­er­hin in Rich­tung „destroyed“ und „Used“-Optik geht. Aber im Oberteil-Bere­ich gibt es tolle Inno­va­tio­nen: Die High­lights sind Spitze, Tran­parenz, Lagen­look und Vol­u­men. Und ganz weit vorne und auch ein großes The­ma zum Frühjahr/Sommer sind Klei­der. Jet­zt gibt es davon eine Unmenge, auf die die Ziel­gruppe lange Jahre gewartet hat. Ich kann nur sagen: Hur­ra, es gibt sie! Der Frühling/Sommer kann kom­men! Zieht sie an und kauft sie – ihr werdet begeis­tert sein.

Das kann ich nur bestäti­gen. Ich hat­te in den let­zten drei Tagen auch zweimal ein Kleid an. Was wäre denn eigentlich dein per­sön­lich­er Styling-Tipp vom Mode-Profi für mich?

Du bist schön groß und hast gute Pro­por­tio­nen und du machst das schon ganz richtig. Ich kann dir auch empfehlen, auf jeden Fall weit­er­hin Klei­der zu tra­gen!

Vie­len her­zlichen Dank für dieses span­nende Inter­view, lieber Matthias!

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