Ich will weder „in Szene setzen“ noch „kaschieren“!

16. März 2021 | von

Eigentlich wollen ja immer alle, dass wir Diäten machen und abnehmen. Aber mit zunehmen­dem Selb­st­be­wusst­sein und der Präsenz dick­er Frauen – nicht zulet­zt dank der uner­müdlichen Arbeit der Aktivistin­nen auf Social Media – haben nun auch die Medi­en erkan­nt, dass es uns gibt und bauen gle­ich neuen Druck in Sachen Mode auf.

Bodyshaming bei Dicken

Jahre­lang hat Mode mich mit meinem dick­en Kör­p­er aus­geschlossen. Nun ent­deckt uns, wenn auch immer noch recht über­schaubar, die Mod­ein­dus­trie. Aber wir dür­fen nicht ein­fach Spaß haben, oh nein! Wir sollen dann bitteschön auch bes­timmte Regeln beacht­en. Es nimmt kein Ende: Immer sollen wir irgend­was. In diesem Fall unsere Kur­ven kaschieren oder in Szene set­zen. Es ist uns Dick­en ein­fach nicht ges­tat­tet, so zu sein und uns so zu klei­den, wie wir wollen. Und das nervt!

„Kaschieren“ oder „betonen“ – Dicke unter Zugzwang:

Kurven als Dicke feiern
Kurven als Dicke betonen

Die Medien als Modepolizei 

Wenn ich mich in Frauen­magazi­nen oder im Inter­net über Plus-Size-Mode informieren will, begeg­nen mir häu­fig solche Head­lines: 

„Mit diesen Tricks set­zen Sie Ihre Kur­ven in Szene“

„Styling-Tricks für große Größen – jet­zt wird kaschiert!“

„Kur­ven statt Diäten: Plus-Size gekon­nt in Szene setzen“

„Zele­bri­eren statt kaschieren: Styling-Tipps für Frauen mit Kurven“

Die Artikel haben eine gewisse Tonal­ität. Wörter wie zum Beispiel „Frauen mit Kur­ven“, „kaschieren“, „Prob­lem­zo­nen“, „fig­urfre­undlich“, „vorteil­haft“, „Über­größen“ etc. kom­men darin vor. Diese Wörter sind wer­tend. Aber da sie uns so geläu­fig sind und wir uns daran gewöh­nt haben, fällt es uns meist gar nicht mehr auf. Haben wir Dicke das tox­is­che Vok­ab­u­lar nicht selb­st schon verin­ner­licht? Unter Post­ings auf Face­book, die mod­erne Looks zeigen, sind es immer wieder andere dicke Frauen, die böse und wer­tende Kom­mentare zu den Fotos hin­ter­lassen. Statt in der dick­en Com­mu­ni­ty sol­i­darisch miteinan­der zu sein, wird mit dem Fin­ger auf andere gezeigt.

Bodyshaming auf Social Media

Kaschieren oder blamieren?

Anstatt mich nach mein­er eige­nen Lust und Laune anzuziehen, muss ich ein umfan­gre­ich­es Regel­w­erk beacht­en. Warum darf ich mich nicht klei­den, wie ich es gern möchte? Das sagt doch nur aus, dass mit uns wieder etwas nicht in Ord­nung ist. Wenn wir schon dick sind, dann sollen wir wenig­stens nicht den Ein­druck erweck­en, dass wir uns „gehen lassen“ und uns mit unser­er Klei­dung gefäl­ligst Mühe geben. Wenn wir schon nicht der Norm entsprechen, sollen wir doch wenig­stens bes­timmte Erwartun­gen erfüllen, die uns die Medi­en mit ihrer Vorstel­lung von dem, was schön ist, auf­drück­en. Und dabei gibt es sog­ar „gute Kur­ven“ und „schlechte Kur­ven“: San­duhr-Fig­ur-Kur­ven sind gut, Bauch ist nicht gut. Was ist mit den Frauen, die keine San­duhrfig­ur haben? Die sind dann zum Kaschieren ver­dammt? Mit dem The­ma „Gute Dicke – schlechte Dicke“ hat sich auch Soul­mate Mia beschäftigt und weit­ere inter­es­sante Beispiele gefunden.

Spaß an Mode fuer grosse Groessen

Weg mit den Moderegeln!

Ich will wed­er etwas kaschieren, noch will ich etwas in Szene set­zen. Ich möchte ein­fach ganz nor­mal sein. Ich möchte nicht, dass mein Kör­p­er ständig beurteilt und the­ma­tisiert wird. Das war schon als Kind unerträglich für mich. Die Worte mein­er Mut­ter klin­gen mir heute noch in den Ohren: „Du kannst keine Röcke tra­gen, deine Beine sind zu dick dafür“, „Du musst lange Oberteile tra­gen, das kaschiert deinen dick­en Bauch“, „Mit den kurzen Ärmeln sehen deine Arme furcht­bar aus. Du musst lange Ärmel tra­gen“. Vie­len ist gar nicht klar, wie sehr Müt­ter unser Kör­per­bild bee­in­flussen. Und nun, unter dem Deck­man­tel „dicke Frauen haben tolle Kur­ven“, soll ich mich an neue Regeln hal­ten. Will ich aber nicht.

Ich möchte auch außer­halb der Stan­dard­größen Spaß an Mode haben und zwar auf meine Art. Wenn ich Lust darauf habe, darf ich als dicke Frau mit all meinen Cel­lulite-Kratern in den Ober­schenkeln qui­etschgelbe Leg­gins tra­gen und es geht nie­man­den etwas an. Ich möchte trotz mein­er dick­en Ober­arme Spaghet­titräger-Tops tra­gen und kurze Röcke über meinen dick­en Schenkeln wip­pen lassen. Und wenn ich Lust auf unauf­fäl­liges, schlab­briges Schwarz habe, das „nichts für mich tut“, so muss auch das ges­tat­tet sein. Ich will mich nicht uni­formieren, wie es die Gesellschaft gern hätte. Ich will gegen ihre Regeln ver­stoßen, denn Mode ist dazu da, um Spaß damit zu haben.

Seid mutig, liebe Soul­mates! Set­zt euch über gesellschaftliche Kon­ven­tio­nen hin­weg und tragt das, worauf ihr Lust habt!

Keine Kommentare vorhanden

Kommentar schreiben: Werde aktiv und rede mit!