Flirttipps für starke Frauen

13. November 2018 | von

Meine Fre­undin Camil­la und ich waren let­zte Woche aus und haben fest­gestellt, wie angestrengt viele Hip­ster ver­suchen, bei ihren Flirts cool rüberzukom­men und dabei dann doch recht albern ausse­hen. Das Ergeb­nis: Sie fühlen sich eher frus­tri­ert als erfreut nach einem Date.

16Wir haben uns über­legt, wie es sein kann, dass Flirten für viele ein unan­genehmer Kraftakt gewor­den ist. Wer genau hin­guckt, sieht Men­schen, die sich ihrem Gesprächspart­ner im per­fek­ten 45-Grad-Winkel zuwen­den und dabei angestrengt Mimik und Kör­per­hal­tung des Gegenübers imi­tieren. Man kann davon aus­ge­hen, dass dies der anhal­tenden Beliebtheit der Rat­ge­ber­lit­er­atur geschuldet ist. „Das Spiegeln der Kör­per­sprache sig­nal­isiert Sym­pa­thie und schafft Ver­trauen“ – solche und ähn­liche Tipps ste­hen jeden­falls in den Rat­ge­bern. Zulet­zt hat sich ja die Zeitschrift „Bra­vo“ mit für Mäd­chen entwürdi­gen­den Flirt­tipps in die Nes­seln geset­zt und viele selb­st­be­wusste Frauen haben lustig und smart gekon­tert.

Camil­la und ich haben uns vorgenom­men, die aktuell kur­sieren­den Flirt­tipps unter die Lupe zu nehmen, um her­auszufind­en, ob sie eher helfen oder ver­wirren. Für unseren Test ziehen wir die „Flirt­tipps aus der Dose“ her­an, denn die Blech­schachtel ist süß und macht Lust darauf, den Inhalt zu erkunden.

Und los geht’s:

5„Mach große Augen!“, rät mir die erste Karte, die ich zufäl­lig ziehe. Ich soll mich also vorteil­haft aber möglichst unauf­fäl­lig Schminken. Zwis­chen den Zeilen lese ich her­aus, dass ich mit Rehau­gen und Auge­nauf­schlag an ver­meintliche Beschützerin­stink­te appel­lieren soll. Wo wir schon bei einem sehr span­nen­den The­ma wären, näm­lich dem Rol­len­ver­ständ­nis. Ger­ade uns Plus Size-Frauen wird ja oft ein dom­i­nantes Auftreten unter­stellt, das Män­ner nicht sel­ten erschreckt. Ich habe mir schon oft darüber Gedanken gemacht, ob ich mich, um dies zu ver­mei­den, „niedlich­er“ geben soll. Und meine Antwort auf diese Frage lautet ganz klar: NEIN! Ich zeige mich von der ersten Sekunde an genau­so, wie ich bin. Was natür­lich nicht heißt, dass ich mich nicht auf mein Gegenüber ein­stelle, ganz im Gegen­teil. Das ist für mich ein entschei­den­der Punkt: Statt großer Augen mache ich lieber große Ohren, denn ich will ja wis­sen, mit wem ich es zutun habe und worüber man zukün­ftig gemein­sam span­nende Gespräche führen kann.

3„Der Spiegel lügt nicht, opti­miere Deinen Auftritt vor dem Spiegel, bevor du Dich hin­auswagst zum Flirten!“, verkün­det mir die zweite Karte. Tat­säch­lich ver­bringe ich gerne Zeit vor dem Spiegel, ver­mut­lich eine Begleit­er­schei­n­ung meines Berufes als Schaus­pielerin. Die eigene Wirkung zu erforschen, kann schon sehr span­nend sein. Das „möglichst selb­stkri­tis­che Urteil“, das mir die Karte nahelegt, klingt aber mehr nach Selb­stkasteiung als nach Spaß. Für mich ist es wichtig, Freude an mir und meinem Äußeren zu haben. Ich liebe es ein­fach, mich um mich selb­st zu küm­mern, mir orig­inelle Klei­dung zusam­men­zustellen und diese zu tra­gen. Das „selb­stkri­tis­che Urteil“ würde ich eher durch „Mut und Freude an sich selb­st“ erset­zen. Und ja, es ist nicht immer leicht, jeden Tag total gut drauf zu sein! Und vor allen Din­gen ist es auch nicht nötig, denn wir sind ja Men­schen und keine Robot­er. Ich denke, es ist sehr wichtig, ein aus­ge­wo­genes Ver­hält­nis zu sich selb­st zu entwick­eln, dann strahlt man diese Aus­ge­wogen­heit auch aus.

4„Sei eingestellt auf Flirt!“, ruft mir die näch­ste Karte zu. Ich soll wie die Feuer­wehr immer bere­it sein für Funken­flug und knis­ternde Span­nung, ob am Arbeit­splatz, im Bürg­er­amt oder an der Käsetheke im Super­markt. Ja, das ist der Stoff, aus dem die großen Hol­ly­wood-Filme gestrickt sind: Wir sehen einen ganz alltäglichen Moment, er sieht sie, sie sieht ihn, dann dieses total orig­inelle, lustige und zutief­st entzück­ende Ges­tam­mel, bis man die Tele­fon­num­mer wie eine Trophäe in der Hand hält und dazu entrückt lächelt. Ich bin davon überzeugt, dass genau diese Vorstel­lun­gen davon, wie wir jeman­den ken­nen­ler­nen und flirten sollen, uns irgend­wie blind machen. Das Flirten erscheint so wie etwas total Außergewöhn­lich­es. Dabei sind die besten Flirts doch die, bei denen man gar nicht merkt, dass man flirtet! Umso bess­er, wenn man sich dann auch noch auf Face­book addet!

2Camil­la und ich sind uns einig: Wir hat­ten mit diesen Flirt-Tipps einen amüsan­ten Nach­mit­tag. Doch wir find­en auch, dass die Tipps eher dazu beitra­gen, uns steif zu machen, da man ver­sucht ist, alles „richtig“ zu absolvieren. Wer ständig alles kon­trol­liert, läuft aber Gefahr, dabei einen guten Flirt zu ver­passen. Wer sich ein­er Sit­u­a­tion oder einem Gespräch hin­gibt, hat größere Chan­cen auf einen tollen Flirt.

Darum meine drei gold­e­nen Tipps: 

  • Keine Flirt-Tipps auswendig ler­nen, son­dern eine gutes Bauchge­fühl für sich und den Men­schen gegenüber entwickeln.
  • Lieber mal unbe­holfen und pein­lich sein, als steif allen Regeln zu folgen.
  • Und vor allem: Zeige immer, wer und wie Du bist, denn das sind Deine stärk­sten Argumente!!!
Letzte Kommentare (1)

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Dienstag, 8. September 2015, 15:13 Uhr

Haha, gut gekon­ntert, Tati! 🙂