Die Sache mit der Farbberatung

10. Januar 2020 | von

Ich bin ein Kind der Achtziger. Die späten Achtziger – das war meine Zeit. Ich hörte „1999“ (und kon­nte mir nicht vorstellen, jemals so alt zu wer­den), tanzte aus­ge­lassen zu „Don’t let me be mis­un­der­stood“, trank bil­li­gen Chi­anti – und trug schwarz. Nur schwarz. Tou­jours. Bis hin zur Blu­men­haark­lam­mer. Ja, damals hat­te ich eine Blu­men­haark­lam­mer und selb­st die war schwarz.

Das hatte gleich mehrere Vorteile:

  • Dra­ma, Baby, Dra­ma!
  • Alles passte zusam­men, zumin­d­est mehr oder weniger.
  • Ich gewann viel Leben­szeit, weil – siehe 2. Punkt.
  • Für Klam­ot­ten musste ich rel­a­tiv wenig Geld aus­geben, weil ja ohne­hin alles ein biss­chen gle­ich aus­sah.

Schwarz Styling

Natür­lich beschw­erte sich meine Oma regelmäßig, warum ich denn IMMER schwarz trüge. Das wirke doch so trau­rig. Fand ich gar nicht. Mich machte schwarz glück­lich. Ich liebte meine schwarze Blu­men­haark­lam­mer, meinen flat­tern­den schwarzen Rock, meine unzäh­li­gen schwarzen Shirts, die schwarzen Bal­leri­nas. Dazu knall­rote Lip­pen! Hal­lo Leben, hier bin ich!

Sind Sie Herbst oder Winter?

Dann kam der Tag, als plöt­zlich Farbe in mein Leben kam. Meine Fre­undin Ruth schleppte ein Buch zur Farb- und Stil­ber­atung in unsere Stu­den­ten­bude. Die Bes­tim­mung des eige­nen Farb­typs war frisch aus den USA herübergeschwappt – ein Mega-Hype. Kein Wun­der, ver­sprach die „richtige“ Farbe doch mehr Ausstrahlung, mehr Selb­st­be­wusst­sein, mehr Erfolg! Farb- und Stil­ber­atung war plöt­zlich ein richtiger Beruf und wurde für Beruf­se­in­steiger sog­ar vorm Arbeit­samt bezahlt.

Farblehre

Für mich bedeutete es lei­der den Anfang vom Ende – vom Schwarz. Denn plöt­zlich sollte ich mit meinem kas­tanien­braunen Haar, grün-braunen Augen und eher „warmem“ Teint kein Schwarz mehr tra­gen. Weil ich ein Herb­st­typ sei, und Dunkel­braun mein Schwarz. Ruth hat­te zwar fast dieselbe Haar­farbe, war aber ein Som­mer­typ. Wegen ihrer blauen Augen. Doris hat­te das große Los gezo­gen: Sie (sehr dunkel­haarig, sehr blass, sehr blaue Augen) war ein Win­ter – wie Eliz­a­beth Tay­lor.

Stilberatung

Ich war nei­disch. War das Leben nicht ungerecht? Ich wollte auch ein Win­ter­typ wie Liz Tay­lor sein! Und wieder – far­bz­er­ti­fiziert und beglaubigt – Schwarz tra­gen dür­fen. Pah! Ich stampfte auf, tönte ich mir die Haare ein wenig dun­kler, kaufte mir grüne Kon­tak­tlin­sen, wählte den Ton mein­er Foun­da­tion einen Hauch küh­ler als nötig – und mogelte mich auf diese Weise in die Win­ter-Ecke des Farb­sys­tems. Allerd­ings immer mit schlechtem Gewis­sen, wenn ich mich beim Einkaufen durch die Schwarz-Ecke pro­bierte – anstatt mir Klam­ot­ten in dem mir zugewiese­nen Dunkel­braun anzuschauen!

Irgend­wann fand dann aber auch dieser Hype ein Ende. Ver­mut­lich hat­ten wir Frauen ein­fach keine Lust mehr, mit Farbpässen einkaufen zu gehen und auf Lieblingsklam­ot­ten zu verzicht­en, bloß weil sie ein wenig zu blau- oder gelb­stichig für uns sein soll­ten.

Stilberatung

Ab und an höre ich den Satz aber auch heute noch beim Einkaufen. Und muss dann ein wenig schmun­zeln: „Diese Farbe ste­ht mir nicht – ich bin doch ein Früh­lingstyp!“

Letzte Kommentare (7)

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Doris
Donnerstag, 26. Mai 2016, 9:56 Uhr

Irgend­wie passt es mit dem Farb­typ aber doch: Moos­grün, Cur­rygelb, Nougat­braun oder leuch­t­en­des Tomaten­rot und ich erhalte ohne Weit­eres eine mehrtägige Krankschrei­bung,
aber ich bin auch die Liz Tay­lor — Win­ter­typ — Doris ! Liebe Susi, danke für das Kom­pli­ment und fürs Erin­nern an unsere Farb­ber­atung !

Mittwoch, 25. Mai 2016, 18:36 Uhr

Oh, ja. Muss bei deinem Bericht schmun­zeln. Die 80 und 90 Jahre, ich kann mich noch an den Style und Farb-Hype erin­nern, auch wenn ich damals noch nicht so modisch inter­essiert war. Über­all hörte man es, nein nimm die Farbe, die macht deine Augen leuch­t­en­der, die wärmt deinen Haut­ton und und und.
War sowieso eine spezielle Zeit, vielle­icht weil man Jung war? Man sollte direkt mal eine Blog­pa­rade zu den 80 Jahren machen, gibt sich­er irre Sto­rys dazu.
Alles liebe Hei­go

    Dienstag, 31. Mai 2016, 15:45 Uhr

    Oja! Das wäre dann mal ein Blog­pa­rade, an der ich glatt mit­machen würde … :-))

Mittwoch, 25. Mai 2016, 12:13 Uhr

Gott sei dank tra­gen wir heute, was wir wollen, denn Schwarz ste­ht dir gut und du warst bild­hüb­sch (auch heute noch). Ich erin­nere mich: Vor den Achtzigern gab es keine nor­malen schwarzen Klam­ot­ten, es war eine reine Trauer­farbe. Deshalb wahrschein­lich die Aus­sage dein­er Oma. Als Schwarz dann Mode wurde, stürzten wir uns alle drauf. wir woll­ten ein­fach cool aus­sa­hen. Meine Schwest­er — Jahrgang 1966 — trug damals eine schwarze Karot­ten­hose und eine schwarze Strick­jacke, falsch herum mit den Knöpfen nach hin­ten.

    Freitag, 27. Mai 2016, 9:39 Uhr

    haha, die Knöpfe nach hin­ten … das habe ich damals auch getra­gen. 🙂

Sabine
Dienstag, 24. Mai 2016, 18:35 Uhr

Liebe Susi,
Du hast recht, so ganz ist das aus den Köpfen noch nicht ver­schwun­den. Ich werde immer noch gefragt, welch­er Farb­typ ich bin (Herb­st wahrschein­lich) und ich bekomme guten Rat, was mir bess­er ste­hen würde. Im Gegen­satz zu Dir, bin ich allerd­ings mit dem Herb­st sehr zufrieden, er hat die Far­ben, die ich mag. Trotz­dem will ich mich nicht in eine Schublade steck­en und trage auch Schwarz und Pastell und störe mich nicht daran, wenn es jemand nicht gefällt. Statt nach Farb­typ klei­de ich mich lieber nach Stim­mung.
Lieben Gruß
Sabine, die Deine schwarze Blu­men­haark­lam­mer ganz wun­der­bar und dur­chaus immer noch trag­bar find­et.

    Freitag, 27. Mai 2016, 9:38 Uhr

    Liebe Sabine, wie süß!! Lei­der hat sie irgend­wann schon vor sehr vie­len Jahrzehn­ten das Zeitliche geseg­net. Und die passende Frisur habe ich ja auch nicht mehr. Ich hätte sie höch­stens an mein Töchter­lein weit­ergeben kön­nen .…