Die Angst, als Plus-Size-Frau in der Öffentlichkeit zu essen

5. März 2018 | von

Liebe Soul­ful­ly-Leserin­nen, dies ist ein Gast-Artikel von Mia von In Fat Style!


Genuss­men­schen empfind­en Freude beim Genießen. Sie kosten den Moment aus, etwa beim Essen. Ich bin so jemand und und liebe es, zu essen. Viele Jahre hat es gedauert, das zu erken­nen und mir es einzugeste­hen – denn auf­grund meines Kör­pergewichts darf ich in den Augen viel­er Men­schen eigentlich nicht genießen.

Plus-Size Bloggerin Mia über Scham beim Essen.

In der Öffentlichkeit zu essen war immer ein Problem

Als Kind, Jugendliche und auch heute als dicke Frau. Abw­er­tende Blicke, gehäs­sige Kom­mentare und frag­würdi­ge Kom­pli­mente sind lei­der immer noch an der Tage­sor­d­nung ver­miesen mir den Genuss mit Sätzen wie „Ist das ALLES für dich?“ Schlanke Frauen, die sich unge­hemmt alles in den Mund stopfen, was das Fast-Food-Restau­rant bietet, bekom­men Kom­pli­mente. Der all­ge­meine Tenor lautet (lei­der): Als Plus-Size-Frau soll­test Du vor anderen möglichst reduziert essen. Nicht zu viel, nicht zu fet­tig, bloß keine Aufmerk­samkeit auf Deinen volu­minösen Kör­p­er lenken.

Wie fühlt sich man sich, als Plus-Size Frau beim Essen in der Öffentlichkeit.

Ich werde von allen kritisiert – oder ist das nur Einbildung?

Eines mein­er größten Äng­ste sind Buf­fets. Nie und nim­mer würde ich als erste zum Buf­fet ren­nen. Wenn es mich dann doch überkommt, dann ganz langsam und nur mit einem kleinen Teller. Der muss ja noch quer durch den Raum getra­gen wer­den, und jed­er kann dann sehen, dass Du zugeschla­gen hast. Ein zweites Mal hinge­hen? Niemals!

Dadurch entste­hen so viele ver­passte Chan­cen – etwa gutes Essen zu pro­bieren. So viele inter­es­sante Stände bei Food-Fes­ti­vals habe ich über­gan­gen, nur weil ich die ver­meintlichen Blicke von Frem­den bemerk­te, die bes­timmt dacht­en: „Oh ja, die Frau ist nicht ohne Grund dick.“ Lei­der ist das ist kein einge­bilde­ter Satz, son­dern etwas, dass ich oft gehört habe. Nie­mand will so etwas hören und nie­mand von uns will ein Klis­chee bestäti­gen – schon gar nicht das von der kor­pu­len­ten Frau, die sich alles in den Mund stopft.

Mia möchte Essen was und wann sie möchte.

Ich möchte essen, wo und was ich will

Mir geht es oft so: Es ist ein stres­siger Tag, viele Ter­mine und keine Zeit da, um ans Essen zu denken. Die Energiere­ser­ven sind aufge­braucht. Ein Fis­chbrötchen schnell auf die Hand, das wäre es jet­zt, aber auf dem Weg zum Stand werde ich von Blick­en zer­ris­sen. Der Kauf ist erledigt, aber wohin jet­zt? Auf die Park­bank set­zen und essen? Oh nein, zu viele Men­schen. An die Hal­testelle, in der U‑Bahn? Am Ende schleppe ich das Brötchen mür­risch durch die halbe Stadt und esse es zu Hause. Ein­fach nur Hunger haben und nicht essen kön­nen, weil andere Men­schen einem ein schlecht­es Gefühl dabei ver­mit­teln, ist immer im Hin­terkopf dabei.

Als Curvy in der Öffentlichkeit Essen.

Wer liebt es denn nicht, einmal gnadenlos zu schlemmen?

„I kind of define pow­er now by hav­ing the con­fi­dence to make your own deci­sions, to not be swayed by oth­er peo­ple, and be brave and fear­less to know that, even if you do make the wrong deci­sion, you made it for a good rea­son. ”
Adele

Ich habe zum Glück ein Alter erre­icht, wo ich für mich selb­st ver­ant­wortlich bin. Wenn ich mich mal unge­sund ernähre, ist das auch in Ord­nung. Dabei denkt auch nie­mand nur im ger­ing­sten daran, in welch­er Sit­u­a­tion ich mich befinde. Ich ernähre mich größ­ten­teils gesund und aus­ge­wogen. Ich bekoche meine Fam­i­lie, habe ein kleines Kind und möchte, dass meine Tochter jedes Obst und jedes Gemüse ken­nen­lernt. Wenn sich dann mal die Chance ergibt, mit Fre­undin­nen oder meinem Mann auszuge­hen und mich die Lust auf ein Stück Torte oder einen riesi­gen Burg­er überkommt, dann habe ich mir das genau­so ver­di­ent, wie jed­er andere Men­sch.

Es ist ein Genuss der sel­ten stat­tfind­et, von dem ich aber noch lange zehre und den ich mir auf­grund mein­er Statur nicht nehmen lassen möchte. Da brauche ich mir kein schlecht­es Gewis­sen machen lassen. Wer hat schon das Recht, sich ein Urteil über Men­schen zu bilden, die wir nicht ken­nen? Eines kann ich Dir sagen. Nie­mand. Denn viele vergessen: Essen macht nicht dick, Essen macht satt.

 

Letzte Kommentare (3)

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Jasmin
Montag, 23. April 2018, 15:44 Uhr

Die Ver­fasserin schreibt mir aus der Seele. Dieses unglaublich blöde Gefühl “war klar, dass die Dicke wieder am Essen ist” und das ohne jeglich­es Hin­ter­grund­wis­sen.
Danke, dass es mal jemand ausspricht!

Aileen
Donnerstag, 5. April 2018, 16:18 Uhr

Ein wirk­lich schön­er Artikel der auch Dinge bzw Prob­leme anspricht die all­ge­gen­wär­tig sind aber son­st nie­mand gerne darüber reden möchte. Das finde ich super!

Milla
Mittwoch, 7. März 2018, 16:32 Uhr

Toll geschrieben & spricht aus meinem Herzen 💞💞💞