Wiesn-Zeit: Was du über das Dirndl wissen musst

31. Juli 2019 | von

Das Okto­ber­fest — oder in München bess­er bekan­nt als die Wiesn — ste­ht vor der Tür und alle Mädels sind bere­its auf der Suche nach einem neuen Dirndl. Bei der ein oder anderen ist es schon eine Art Tra­di­tion gewor­den, dass jedes Jahr ein neuer Dirndl-Look her muss. Neben dem Aspekt, dass Tra­cht­en­mode auf der Wiesn fast schon Pflicht ist, sehen die Klei­der ja auch ein­fach toll aus und ste­hen jedem Fig­ur­typ. Doch auch beim Dirndl gibt es ein paar Dinge, die du wis­sen solltest.

Der Ursprung vom Dirndl

Bei allem Tra­di­tions­be­wusst­sein reicht der Ursprung der mod­er­nen Tra­cht­en­mode ger­ade ein­mal ins 19. Jahrhun­dert zurück – die älteste bayrische Leder­hose stammt aus dem Jahr 1801. Das an den Hosen­trägern verzierte Klei­dungsstück wird damals bere­its von adeli­gen Jägern als „Som­mer­out­fit“ getra­gen, allen voran Kaiser Franz Joseph. Passend dazu tra­gen die Her­ren kari­erte Hem­den und West­en aus Samt.

deutsche Lederhosen
tracht zum oktoberfest

Auch das Dirndl wird zu dieser Zeit pop­ulär. Anders als viele denken, entstammt es nicht direkt der Bek­lei­dung der dama­li­gen Dirnen aus Bay­ern und Öster­re­ich. Zwar tra­gen die Mägde und Dien­st­botin­nen des 19. Jahrhun­derts das geschnürte Kleid über dem weißen Hemd, wie wir es auch heute ken­nen, jedoch ist dieses „Out­fit“ meist sehr schlicht und ohne Verzierun­gen, die Schürze wird oft ein­fach aus Bet­twäsche genäht. Das mod­erne Dirndl kommt vielmehr von städtis­chen Bürg­erin­nen, die ihre roman­tis­che Vorstel­lung vom Land­hausleben mit dem Tra­cht­en­stil ausleben.

Der Wandel vom Arbeitskittel zur Designermode

Im 19. Jahrhun­dert wächst die Sehn­sucht nach dem ein­fachen Landleben, Städ­terin­nen fühlen sich vor allem von der Alpen-Idylle ange­zo­gen. Ähn­lich wie später die Jeans von ländlich­er Arbeit­erklei­dung zum städtis­chen Trend wird, wan­delt sich auch das Dirndl: Die städtis­chen Damen, die in den Alpen oder am Tegernsee Som­merurlaub machen, begin­nen, die Klei­der im Stil ihrer Mägde anzuziehen. Tra­cht­enele­mente wer­den en vogue. Die ursprünglich ein­fachen Out­fits wer­den mit Stick­ereien und Verzierun­gen im Dekol­leté-Bere­ich und am Saum aufge­hüb­scht – die wir auch beim mod­er­nen Dirndl sehen.

Später trug man Dirndl und Tra­cht­en­blusen auf dör­flichen Hochzeit­en, Jahrmärk­ten oder Kirchen­t­a­gen. In den 1970er erlebt es im Zuge des Okto­ber­fests ein bun­des­deutsches Revival. Im frühen Herb­st wird das Tra­cht­en­kleid inzwis­chen auch mal auf den Straßen von Ham­burg oder Han­nover gesichtet. Auch Design­er wie Vivi­enne West­wood oder Dolce & Gab­bana haben das Dirndl ent­deckt und sich davon inspiri­eren lassen. West­wood wurde sog­ar in Wien zur Tra­cht­en­botschaf­terin 2010 gekürt – für die Punk­frau der britis­chen Mode ste­ht das Dirndl für emanzip­ierte Erotik.

Dirndl für Große Größen kaufen – worauf achten?

dirndl plus size

Wer das Dirndl oder die Tra­cht­en­bluse für das Okto­ber­fest kauft, sollte eher auf robuste Stoffe wie Baum­wolle und Leinen set­zen, die sich nach der Feierei ein­fach in die Waschmas­chine wer­fen lassen. Die gün­sti­gen Dirndl beste­hen meist aus Baum­wolle. Etwas fes­tlich­er sind die Tra­cht­en­klei­der aus Sei­de, die hoch­preisi­gen Mod­elle sind oft aus Taft und Tüll.

Ger­ade bei Großen Größen ist Tragekom­fort das Wichtig­ste: Ein hochw­er­tiges Dirndl ist atmungsak­tiv und sollte wie angegossen sitzen, ohne dass es abschnürt, stel­len­weise zu eng oder zu weit sitzt oder Fal­ten wirft. Faus­tregel ist immer: So lange du noch gut atmen kann, hast du die per­fek­te Größe. Das Band, die Dirndl­bluse und der Dirndl-BH müssen eben­falls per­fekt sitzen. Hier soll­test du darauf acht­en, dass nichts “raus­fällt” und die Bluse nicht zu lock­er sitzt. Gut zu wis­sen: früher erset­zte die Dirndl­bluse den BH. 😉

Plus-Size-Frauen, die ihre Kur­ven etwas kaschieren wollen, soll­ten sich für ein schlicht­es Design entschei­den – zu auf­fäl­lige Muster kön­nen eventuell auf­tra­gen. Auch bei den Acces­soires kön­nen sich die Trägerin­nen meist zurück­hal­ten. Bei den Schuhen kön­nen Frauen mit High Heels oder Peep­toes nichts falsch machen. Lediglich wenn es beim Okto­ber­fest Ab auf die Bank heißt, sind ein Paar Bal­ler­i­nen in der Taschen sich­er sehr nützlich.

Die Vorzüge des Dirndl für Übergrößen

Jed­er, wirk­lich jed­er Frau ste­ht ein Dirndl. Es ist ein Klei­dungsstück, das die per­fek­te Fig­ur zaubert und die richti­gen Stellen des Kör­pers betont,. Zudem erhält man das Gefühl, dass alles gut ver­packt ist. Das Tra­cht­en­kleid schafft eine schmale Taille und betont das Dekol­leté, was bei vie­len Plus-Size-Frauen nicht ger­ade eine Prob­lem­zone ist. Auch bei kleineren Ober­weit­en sorgt der Dirndl-BH mit seinem Push-Up-Effekt für einen schö­nen Auss­chnitt. Die Mieder-Schnürung ver­lei­ht dem Oberkör­p­er Kon­turen, während der schwin­gende Rock Pöl­sterchen an Hüfte, Bauch, Po und Ober­schenkel kaschiert.

Die Dirndl-No-Gos

plus size dirndl
  • Weniger ist mehr: Das gilt auch fürs Dirndl. Zu viel Chichi macht aus einem Dirndl schnell ein Faschingskostüm. Dirndl punk­ten mit hochw­er­ti­gen Mate­ri­alien und guter Pass­form, nicht mit Glitzer­steinchen, wil­dem Mustern und viel Spitze.
  • Mini-Dirndl: Die meis­ten Frauen in Süd­deutsch­land sind sich einig, Mini-Dirndl sehen max­i­mal bei Tee­nies noch ganz süß aus. Bess­er sind knie- bis waden­lange Klei­der. Außer­dem wirken kurze Dirndl oft unproportioniert.
  • Dirndl als Kostüm: Auch wenn sich manche denken, ein Dirndl ist ganz nett im Karneval, hat es dort prinzip­iell nichts verloren.

Das Schleifen A‑B-C

Dirndl Schleife binden

Was ist das, wer­den sich jet­zt einige fra­gen — aber lass dir gesagt sein, dass die Schleife an der richti­gen Stelle den ein oder anderen audf­dringlichen Verehrer abhal­ten kann.

  • Schleife Rechts: Vergeben
  • Schleife Links: Unverheiratet
  • Schleife Mitte: Jungfrau
  • Schleife Hin­ten: Verwitwet

Noch mehr Infor­ma­tion zum Dirndl-Schleifen Binden find­est du bei unseren lieben Kol­le­gen von TwoFor­Fash­ion. 🙂

Hotspots auf der Wiesn

Du weißt nicht genau, was du auf jeden Fall auf der Wiesn gemacht und gegessen haben soll­test? Dann hat unser Soul­mate Ver­e­na nun tolle Tipps für dich:

  1. Das Schützen­festzelt: Das mit Abstand beste Zelt mit der besten Stimmung.
  2.  Fis­chsem­mel von Fisch Hell­berg: Seit Jahren hole ich mir dort meine Sher­ry-Mat­jes-Sem­mel. Ein Gedicht sag ich euch.
  3.  Das Riesen­rad: Warum? Wegen des unglaublichen Blicks.
  4. Rund um den Tegernsee: Ein Fahrgeschäft, dass mich schon seit mein­er Kind­heit auf der Wiesn begleit­et. Abge­se­hen davon, ist der Tegernsee meine Heimat.
  5. Das Weinzelt: Das Weinzelt ist der place to be, wenn die Zelte schon langsam ihre Türen schließen, und ein „Sturm“, auch genan­nt Fed­er­weißer, geht allerweil.
  6. Magen­brot: Unbe­d­ingt eine Pack­ung kaufen — ist und bleibt mein Favorit.

Und mein let­zter Tipp: Schau dir den Wiesn-Knigge an, um über Dos und Don’ts auf dem Okto­ber­fest Bescheid zu wis­sen! In diesem Sinne:

„Auf eine friedliche Wiesn! Oans, Zwoa, Drei, Gsuf­fa’ — Prost!” 
Letzte Kommentare (1)

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Katrin Maier
Dienstag, 24. August 2021, 14:10 Uhr

Danke für diesen infor­ma­tiv­en Text zum Dirndl! Eine Fre­undin und ich möcht­en uns dem­nächst auch Dirndl holen, hat­ten bis hier­hin aber keine Idee, auf was wir alles acht­en müssen. Dieser Text hil­ft uns dabei defin­i­tiv weit­er! Guter Hin­weis, dass vor allem Tragekom­fort wichtig ist!