Ein Jahr in der Ferne: Mein Kind als Austausch-
schüler

20. September 2018 | von

Das Fernweh-Gen haben meine Kinder von mir geerbt. Während mein Mann den Drang in die Ferne weniger verspürt (von Urlaubsreisen abgesehen, die genießt er sehr!), hat es mich schon als junges Mädchen in die Welt hinausgezogen. Erst in Gedanken – ich wollte Journalistin werden und in New York City leben – dann in Taten: Bereits mit 15 verließ ich für ein Jahr meine beschauliche oberbayrische Heimatstadt und lebte als Austauschschülerin ein Jahr im US-Staat Mississippi. Ja, in der tiefsten amerikanischen Provinz!

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Die Lust nach dem Unbekannten

Mein Fernweh war danach nicht gestillt, aber ich erkannte auch, wie verbunden ich meiner Heimat war. Und verwarf meine bereits als Teenager gehegten Auswanderungspläne. Was blieb, war die Neugier auf und die Begeisterung für die Fremde – und der Wunsch auch mal länger als eine oder zwei Wochen im Ausland zu leben (den werde ich mir übrigens erfüllen, wenn meine Kinder ausgezogen sind). Aber Deutschland dauerhaft verlassen? Nein, das käme für mich nicht in Frage.

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Frühe Erfahrungen bewähren sich

Mein Interesse an der weiten Welt habe ich an meine Kinder weitergegeben. Mehr noch: Ihr Interesse, selbst für ein paar Monate ins Ausland zu gehen, haben wir immer unterstützt. Ein paar Monate sind nicht nur eine Bereicherung für jeden Lebenslauf, es prägt fürs ganze Leben, macht weltoffen und tolerant gegenüber anderen Kulturen – etwas, das mir und meinem Mann in unserer Erziehung immer besonders wichtig war. So ging mein ältester Sohn mit 16 für zwei Monate nach Südafrika. Eine bereichernde Erfahrung, da er nicht bei einer wohlhabenden weißen Familie landete, sondern bei einer schwarzen Großfamilie in einem Township bei Pretoria. Töchterlein zog es ein Jahr später für drei Monate nach Neuseeland, und bald ist auch der Jüngste unterwegs: Für ihn geht es ab Februar 2019 für ein halbes Jahr nach Costa Rica.

Irgendwann müssen die Küken aus dem Nest

Natürlich war und ist es für mich als Mutter nie leicht: Wie wird es meinen Kindern im Ausland ergehen? Werden sie sich in ihren Familien wohlfühlen? Wie werden sie mit Problemen umgehen? Werden sie Freunde finden oder womöglich einsam sein? Diese Ängste sind normal, lassen sich aber mit guter Vorbereitung in den Griff bekommen. Für Kinder ist ein Austauschjahr eine unglaublich wertvolle Erfahrung, sie kehren weltoffen zurück und haben Freunde auf der ganzen Welt. Übrigens: Auch ich bin immer noch im Kontakt mit einer Finnin, die ich in Mississippi kennengelernt habe. Und das ist immerhin schon mehr als 35 Jahre her …

Durch Auslandsaufenthalte die Welt erkunden

Meine wichtigsten Tipps für einen gelungenen Auslandsaufenthalt:

  1. Kinder, die kein Interesse an einem Auslandsaufenthalt haben, sollte man nicht drängen. Der Wunsch muss aus dem Kind selbst kommen, nur dann wird es die Zeit im Ausland genießen und wertschätzen.
  2. Vorbereitet wird ein Auslandsaufenthalt in der Regel über eine Austauschorganisation. Bei der Auswahl bitte gut informieren: Wie lange gibt es die Organisation schon? Ist sie eher kommerziell oder gemeinnützig orientiert? Wie viele Kinder werden jedes Jahr „vermittelt“? Werden Stipendien vergeben?
  3. Die Auswahl des Landes sollte nicht danach erfolgen, welche Sprache das Kind schon spricht – sondern nach Interesse. Die Sprache lernt sich dann (fast) von allein!
  4. Die Erwartungshaltung muss stimmen: Ein Auslandsaufenthalt als Austauschschüler ist kein „Urlaub“, sondern soll das „ganz normale Leben“ im Austauschland vermitteln – samt Hausarbeit, Schule und mit den Gastgeschwistern geteilten Zimmern.
  5. Man kann sich die Welt übrigens auch ins Haus holen: Wir haben mit unseren Austauschkindern – ein junger Mann aus Venezuela und eine junge Frau aus Kolumbien – ganz wunderbare und bereichernde Erfahrungen gemacht!

Waren deine Kinder oder du selbst als Austauschschüler im Ausland? Wie ist deine Erfahrung?

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