Paris Design Week 2015: Sieben Off-Designer

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Bunte Vasen und Regal mit weißer Porzellan-Deko

Was bedeutet eigentlich „off“? Beim Theater sind das die Stücke, die nicht zum Publikum der etablierten Schauspielhäuser passen. Ein bisschen daneben. Die jungen Wilden. Wer Ungewohntes und Brandneues auf der Off-Plattform der Paris Design Week sucht, wo die jungen, unabhängigen Produktdesigner für fünfhundert Euro einen Stand mieten können, wird enttäuscht. In der Cité de la Mode et du Design findet man Entwürfe, die kein bisschen verrückt sind. Aber im besten Fall eine runde Geschichte erzählen. Ich erzähle Euch von meinen sieben interessantesten Begegnungen.

1. Spiegel für Fashionistas

Ein Raumteiler aus weißem Metall, schillernden Plexiglas-Platten und Spiegeln kann kitschig aussehen. Muss aber nicht. Wenn man wie das Duo Traits d’union die Proportionen und Farben gekonnt zusammenstellt. Ein femininer Raumteiler, perfekt geeignet für Fashionistas, die sich gerne in einem großen Loft fotografieren lassen. Stilistisch mehr New York als Paris. Dafür passt eine weitere Spiegelserie in jedes noch so kleine Pariser Apartment: ungewohnte, zweidimensionale Symmetrien mit handbemalten, bunten Rauten. Eine einfache Idee – schön umgesetzt. Was die beiden Französinnen Linda Bayon und Anouche Hachmanian entwerfen, bringt positive Energie in den Raum.

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Links: Linda Bayon – Rechts: Anouche Hachmanian

2. Edel-Seife

Will man sich mit diesen Diamanten und Kreiseln aus Seife wirklich die Hände waschen? Oder will man sich diese verlaufenen Farben einfach gerne im Bad beim Zähneputzen anschauen oder sich daran mit trockenen Händen festhalten, wie an einem Handschmeichler? In jedem Fall sind die Kanten der ‚‚Seem Soap“ von Valentine Sée und Mathilde Lehmann fast zu schön um mit Wasser verformt und abgeschliffen zu werden. Statt wie durchsichtiges Glas wirken zu wollen, wie die Seifen von Pelle, wollen ‚‚Seem Soaps” edlen Steinen zum Verwechseln ähnlich sehen.

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3. Keramik im Beton-Look

Teekannen aus Beton? Das denkt man, wenn man der Optik der Teekannen von Frédérick Gautier glaubt, die in Wirklichkeit aus Ton gefertigt wurden.

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Teekannen aus Beton? Auf den ersten Blick sieht es fast so aus.

Der für Geschirr ungewohnte raue Beton-Look ist ein echtes OFF-Fundstück, das der Landschaftsarchitekt von Hand auf einem Lastkahn produziert hat, in dem 2016 ein Le-Corbusier-Museum auf der Seine eröffnen wird. Dieser wird im Moment mit Beton überdacht und ist ein perfektes Beispiel dafür, wie sich ein Ort der Gestaltung auf ein Produkt auswirken kann. Während eines „Artist-in-Residence-Aufenthalts“ experimentierte Gautier so lange mit dem dortigen Brennofen, bis er über tausend Unikate aus ihm herausholen konnte, die man als Hommage an den großen Meister-Architekten Le Corbusier lesen könnte. Denn so eine raue, einzigartige Form hätte sicher auch Le Corbusier gerne auf seinen Teewagen gestellt.

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4. Ruhe aus Kork und Holz

Wann will man sich eine Haube aus Kork, die einen in ein Minion verwandelt, über den Kopf ziehen? Vielleicht wenn man von seinen Kollegen im Großraumbüro eine Pause braucht und ein bisschen dem Meeresrauschen lauschen will, welches einem auch eine Muschel am Strand zuflüstert! Auch wenn das Konzept des öffentlichen Rückzugsorts nicht neu ist, sieht dieser Kork-Kopf einfach cool aus. Und macht aus jedem Styling einen Look.

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Akustik ist Pierre-Emmanuel Vandeputtes Thema. Auf seinem Leiter-Sitz kann man sich über dem Gemurmel der Menge mit einem Gegenüber auf gleicher Ebene unterhalten. Oder einfach ein bisschen in der Höhe sitzenbleiben, während man sich eine neue Lektüre aus den oberen Reihen des Bücherregals aussucht.

5. Gefaltetes Porzellan, geknotetes Holz

Über die Kaffeereste, die sich in den feinen Ritzen der Porzellan-Kollektion des Ateliers Errance festsetzen werden, sieht man leicht hinweg, wenn man an die feine Schönheit denkt, mit der diese Tassen und Untertassen einen gedeckten Tisch beglücken werden. Hier wurde Plastik- oder Papier-Wegwerf-Geschirr mit flüssigem Porzellan eingestrichen und im Ofen gebrannt. Und zwar in der französischen Stadt Limoges, die berühmt ist für ihre Porzellan-Geschichte. Plastik und Papier verbrennen, das Porzellan nimmt ihren Platz ein. So bleiben Formen, die zum Wegwerfen produziert wurden, lange erhalten. Auch die Präsentation dieser Porzellan-Serie auf einem Holz-Regal, das mit einem feinen Seil zusammen gehalten wird, überzeugt. Und zeigt, wie feingefühlig die Chinesen Xiang Chen und Yijie Huang Materialien in schwebende Formen zu fassen imstande sind.

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Hier wurde Papier- oder Plastikgeschirr mit Porzellan überzogen und gebrannt.

6. Kordel, Glas, Bast

Für Menschen, die ihre Vasen genauso lange ohne Inhalt herumstehen lassen wie mit, sind die Entwürfe der Textildesignerin Hélène Lefeuvre hervorragend geeignet. Die bunten Kordeln, die um Bastzweige in Glasvasen geflochten sind, sind so dekorativ, dass es kaum mehr Blumen braucht.

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Links: Diese Vasen sehen auch ohne Blumenschmuck schon gut aus. Rechts: Die Location der Paris Design Week.

7. Leuchtendes Furnier

Ein Dreh, ein paar Schnitte und schon dreht Corinne Puyo aus einem Holzfurnier einen Lampenschirm. Nicht gerade ein OFF-Punkt, da die Form an die Plastiklampenschirme von Ikea erinnert. Aber trotzdem einfach schön.

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