Beleuchtung

Experten-Interview: Lichtplaner Marc Nelson, Teil 1

­Licht und Lichtstimmung sind in der Innenraumgestaltung ein wiederkehrendes Thema. Die schönste Einrichtung wirkt weniger einladend durch das „falsche“ Licht. Auf der anderen Seite kann mit wenigen Mitteln viel für eine positive Raumwirkung getan werden. Doch wie funktioniert das denn überhaupt mit dem Licht und Lichtfarben? Und welches Licht ist für welchen Raum am besten geeignet?

Wir haben uns für die Beantwortung dieser Fragen einen Experten an die Seite geholt und freuen uns sehr, dass Marc Nelson, Lichtplaner aus Hamburg, uns heute ein paar Antworten und Tipps aus seiner Berufspraxis geben wird.

Guten Tag Herr Nelson, bitte erzählen Sie uns doch vorab etwas über sich und Ihre Arbeit.

Seit nunmehr fast 25 Jahren bestimmt Licht mein berufliches Leben. Es begann in den frühen 90er-Jahren mit der Gestaltung und Anfertigung von Licht-Kunstobjekten, die auch immer als Leuchte funktioniert haben. Irgendwann kamen erste Aufträge für Lichtplanungen, d. h. die komplette Planung von Beleuchtungslösungen für Büros und Privathäuser. Im Laufe der Zeit wurden die Anforderungen und Projekte immer größer und mittlerweile arbeite ich ausschließlich als Lichtplaner. Das Aufgabenfeld ist sehr vielfältig und umfasst private Wohnungen und Häuser, Restaurants, Schulen, Hotels, Büroflächen, Außenanlagen und vieles mehr. Wo auch immer gutes Licht benötigt wird, bin ich gern behilflich. Zu sehen sind realisierte Projekte unseres Büros auf unserer Homepage.

In diesem Interview geht es um Licht, Lampen und Leuchten. Deshalb vorab zur Erläuterung: Die Lampe, oder umgangssprachlich das Leuchtmittel, erzeugt das Licht. Glühbirne, Halogen- und Energiesparlampe sind, ebenso wie die LED, Lampen. Leuchten hingegen sind quasi das Gehäuse der Lampe, z. B. Decken-, Tisch-, Wand- oder Stehleuchten.

Wie wirken sich „warme“ und „kalte“ Lichtfarben, von denen häufig gesprochen wird, auf den menschlichen Körper und unseren Eindruck von Räumen aus?

Betrachtet man die gesamte Menschheitsgeschichte, verbringen wir erst seit Kurzem einen großen Teil unserer Zeit in künstlichem Licht. Ursprünglich wurde unser Tagesablauf vom Licht der Sonne bestimmt. Das Tageslicht ist nicht immer gleich, sondern ändert sich über den Tag: von der Morgenröte über das Himmelsblau am Mittag bis zur Abendröte.

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Tageslicht regt die Produktion von bestimmten Botenstoffen (z. B. Serotonin, Noradrenalin und Dopamin) und Hormonen an. Zwei dieser Hormone bestimmen unseren Schlaf- und Wachrhythmus: Melatonin und Cortisol. Melatonin entspannt, macht müde und wird bei abnehmender Helligkeit produziert. Die Produktion von Cortisol hingegen wird bei zunehmendem Tageslicht angeregt, über den Tag ausgeschüttet und hält uns wach und aktiv.

Diese Effekte lassen sich durch künstliches Licht unterstützen:

sehr helles Licht mit einem hohen Blau-Anteil im Farbspektrum aktiviert Cortisol und macht wach,

warmes, reduziertes Licht mit höherem Rot-Anteil aktiviert Melatonin und lässt uns zur Ruhe kommen.

In der Lichtplanung wird zunehmend „Circadianes Licht“ eingesetzt, also eine künstliche Beleuchtung, die durch eine vorprogrammierte Veränderung von Helligkeit und Lichtfarbe dem Tageslichtverlauf angepasst ist. Diese Art der Beleuchtung eignet sich für Schulen, Krankenhäuser, Senioren- und speziell Demenz-Einrichtungen.

Im privaten Raum ist dieses Licht nach meinem Dafürhalten nur bedingt sinnvoll, denn kalte Lichtfarben lassen Räume tatsächlich kühl und wenig gemütlich erscheinen. Zudem ist ein Spaziergang von 15 Minuten im Tageslicht, selbst bei bedecktem Himmel, viel wirksamer als ein mehrstündiger Aufenthalt unter hellem, kalten Kunstlicht.

Wann ist es sinnvoll, im privaten Wohnbereich mit farbigem Licht zu arbeiten?

Wenn Sie mit farbigem Licht wirklich buntes Licht, also Rot, Grün, Blau und deren Mischfarben meinen, dann wäre meine lapidare Antwort: wenn der Kunde es so wünscht. Als Lichtplaner nutze ich farbiges Licht zur künstlerischen Gestaltung von Räumen und zur Betonung von Architektur. Farbiges Licht als ausschließliche Beleuchtung von Wohnräumen halte ich jedoch für ungeeignet.

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Auf meiner Homepage ist ein Projekt dargestellt, bei dem der Auftraggeber zu Beginn nur farbiges Licht zur Beleuchtung seiner Wohnung wollte. Auf den Projektbildern können Sie erkennen, dass es sich um sehr besondere Räume handelt. Das Ergebnis zeigt, dass erst die richtige Mischung aus farbigem und weißem Licht eine Wohnlichkeit erzeugt.

Welche Empfehlungen können Sie raumspezifisch geben, sprich welches Licht eignet sich besonders gut für Schlafzimmer, Küche oder Wohnzimmer im Vergleich? Welches (farbige) Licht brauche ich beispielsweise im Schlafzimmer zum optimalen Aufwachen?

Für Schlafzimmer empfehle ich unterschiedliche Arten der Beleuchtung:

Zum Abend bzw. zur Nacht ein warmes, nicht zu helles Licht mit einem hohen Anteil Rot im Lichtspektrum, wie es zum Beispiel in Glühlampen, zu denen auch Halogen-Lampen gehören, vorhanden ist. Hierfür wären kleine Leuchten am Bett oder auf dem Nachttisch passend. Diese dienen nicht nur zum Lesen, sondern erzeugen auch eine behagliche Grundstimmung im Raum. Ergänzt werden kann dieses Licht am Abend durch eine dimmbare Stehleuchte oder eine kleine Tischleuchte auf einer Kommode.

Für eine helle Grundbeleuchtung am Morgen sind Deckenleuchten sinnvoll. Hierbei sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die Leuchte nicht blendet, wenn man im Bett liegt. Das klingt erst einmal selbstverständlich, wird aber häufig vergessen. Um jedoch am Abend durch zu helles Licht der Deckenleuchte nicht wieder wach zu werden, sollte sie möglichst dimmbar sein.

Mittlerweile gibt es Leuchten für den Nachttisch, die wie ein Wecker funktionieren und uns durch Helligkeits- und Farbverlauf beim Aufwachen unterstützen sollen; also ein Art circadianes Licht. Inwieweit diese Leuchten wirksam sind, kann ich jedoch nicht beurteilen, da ich sie selbst noch nicht ausprobiert habe.

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LED im Schlafzimmer halte ich persönlich für ungeeignet. Das Licht der LED-Lampen wird auf Basis eines blauen LED-Chips erzeugt, der erst durch Beimischung bestimmter Stoffe, z. B. Phosphor, weißes Licht erzeugt. Entsprechend haben diese Lampen einen hohen Blauanteil im Farbspektrum, der bei günstigen LED-Produkten oft noch deutlich sichtbar ist und somit eher ungemütliches Licht erzeugt. Die Weiterentwicklung der LED verläuft jedoch rasant und die Produkte werden immer besser. Entsprechend habe ich in letzter Zeit in einigen wenigen Projekten LED-Lampen auch im Wohnzimmer eingesetzt. Hier allerdings nur sehr hochwertige und somit auch teure Lampen, die ausschließlich über den Fachgroßhandel zu beziehen sind.

In Bad und WC, in Fluren, Nebenräumen und auch in der Küche kann LED-Licht durchaus sinnvoll eingesetzt werden. Bitte beachten Sie hier, dass oftmals die LED-Lampe fest mit der Leuchte verbunden ist. Wenn es also zum Ausfall der LED kommt, wird nicht einfach eine Lampe gewechselt, sondern die ganze Leuchte muss ersetzt werden. Einige Hersteller weisen mittlerweile auf diesen Umstand hin.

Energiesparlampen im privaten Bereich halte ich für kompletten Unsinn. Die für den Verbraucher erschwinglichen Produkte halten in der Regel nicht so lange wie angegeben, und zudem handelt es sich durch die verwendeten Stoffe bei der Energiesparlampe um Sondermüll, der, anders als die Glühlampe, keinesfalls im Hausmüll und auch nicht in der gelben Tonne entsorgt werden darf, sondern beim Recycling-Hof oder speziellen Annahmestellen abgegeben werden muss.

Vielen Dank schon einmal für den ersten Teil des Interviews, Herr Nelson.

Am Mittwoch könnt Ihr im zweiten Teil des Interviews lesen, wie Ihr mit Hilfe von Licht bestimmte Stimmungen erzeugen könnt und Euer Zuhause optimal ausleuchtet.

lampencollage

Pendelleuchte bunt // Stehleuchte Lucie // Stehleuchte Blumen // Leselampe // Schreibtischlampe // Pendelleuchte // Stehlampe Papier