Vanlife: Ein Erfahrungsbericht

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Gibst du in den sozialen Netzwerken den Hashtag „Vanlife“ ein, spuckt dir diese Suche jede Menge Bilder von toll ausgebauten Camper Vans, coolen VW Bussen, Berichte über das dauerhafte Leben in einem Wohnmobil und Erfahrungen von sogenannten digitalen Nomaden aus. Wir wollen uns in diesem Artikel mal mit dem Leben im Van beschäftigen und dir auch von unseren eigenen Erfahrungen mit Wohnmobilen erzählen. Klar macht das natürlich einen Unterschied, ob du – so wie wir – für einen begrenzten Zeitraum, für ein paar Urlaubswochen oder so, dein Zuhause mit einem rollenden Heim tauschst oder dich dafür entscheidest, den Camper als ständigen Wohnsitz und auch als Arbeitsplatz zu nutzen. Aber im Prinzip sind die täglichen Herausforderungen recht ähnlich. Sowohl auf einer Urlaubstour, als auch beim ständigen Vanlife.

Erfahrungen beim Vanlife

Thema Ordnung

Wir haben festgestellt, dass das Thema Ordnung und Ordnung halten absolut wichtig ist. Besonders wenn du zu zweit unterwegs bist. Bei unserem dreiwöchigen Womo-Trip in den USA haben wir gelernt, dass jedes Teil seinen festen wiederfindbaren Platz braucht. Egal ob Küchenutensilien oder Klamotten, alles sollte ohne langwierige Suche schnell von beiden im Van lebenden Personen gefunden werden. Wir haben gemerkt, dass es total sinnvoll ist, eine gewisse Aufräum-Disziplin zu entwickeln. Je kleiner der Wohnraum, desto eher sollte man seinen Kram wieder wegräumen. Das trifft natürlich nicht nur auf fahrbare Unterkünfte zu, sondern sollte auch in Tiny HousesMini-Apartments und kleinen WG Zimmern praktiziert werden. Wir sind zwar auch nicht die Aufräumer vor dem Herren, aber es macht durchaus Sinn und erspart viel Sucherei und macht gleich ein besseres Feeling, wenn es ordentlich ist und du nicht erst den halben Tisch abräumen mußt, um dein Gemüse für das Mittagessen zu schneiden.

Thema Kochen

Je nach Größe des Fahrzeuges gibt es einige Unterschiede in der Kücheneinrichtung. Im Bus oder Kastenwagen-Wohnmobil hast du meistens nur eine Kochfläche mit zweiflammigem Gasherd. In dem geräumigeren USA-RV (recreational vehicle) hatten wir einen richtigen Herd mit Backofen und vier Gasplatten. Und eine Mikrowelle war da auch noch an Board, aber das halten wir, ehrlich gesagt, für Blödsinn. Nutzen kannst du die Micro dann eh nur, wenn du an „Landstrom“ angeschlossen bist und das 230 Volt Netz bzw 110 Volt in den USA nutzen kannst. Viel wichtiger ist da eine Arbeitsfläche, wo du gescheit schnibbeln und vorbereiten kannst. Je kleiner das Womo, desto kleiner ist auch da die Fläche zum Arbeiten. In dem Kastenwagen, den wir neulich testen dürften, war eigentlich nur der Tisch der Dinette als Schneideplatz und eine klappbare Arbeitsplatten-Verlängerung dafür nutzbar. Das ist aber auch kein so riesiges Problem, denn wenn es das Wetter hergibt, kannst du deinen Küchenarbeitsplatz ja auch nach draußen verlagern. Bei Van-Nomaden, die ständig im Camper leben, wird es da schon schwieriger. Irgendwann, irgendwo ist immer mal bescheidenes Wetter, wo du gezwungen bist, indoor zu arbeiten. Wir haben gelernt, daß man beim Kochen im Kastenwagen strukturierter sein muß, als in der Küche zu Hause. Auch die Koch-Aufgaben bei zwei Personen im Van sollten klar verteilt sein, sodass jeder seinen festen Platz hat und man nicht ständig zwischen Tisch, Spüle und Herd pendeln muss. Auf gut Deutsch, du brauchst einen guten Plan und viel entscheidender ein gutes Rezept.

Denn auch welche Gerichte du kochst, spielt natürlich eine Rolle. Wenn du, wie im Van eh „nur“ zwei Platten zur Verfügung hast und sich eine große Pfanne und ein großer Topf, die gleichzeitig auf den Platten stehen, schon ins Gehege kommen, solltest du dir ruhig vor dem Urlaubstrip mal ein paar „One-Pot-Rezepte“ in deinem Handy speichern. Fazit: Wenn du ein bißchen Kreativität beim Kochen auf kleinen Raum an den Tag legst, geht´s ganz easy.

Thema Energie

Wasser, Strom und Gas sind im Wohnmobil begrenzt. Wenn du ein paar Tage frei stehst, also keine Möglichkeit hast, Fremdstrom zu beziehen, deinen Wassertank aufzufüllen oder eine neue Gasflasche zu kaufen, gehst du ganz automatisch viel bewußter mit diesen Ressourcen um. So ging es uns jedenfalls. Wir sind zum Beispiel, ohne uns einzuschränken, vernünftiger mit dem Wasservorrat umgegangen, und haben so wesentlich weniger als zu Hause verbraucht. Fazit: Wenn du dir bewußt machst, daß Energieressourcen im Wohnmobil sowie im täglichen Leben nicht unendlich vorhanden, nachladbar und auftankbar sind, macht´s „klick“ im Kopf und du fängst an zu sparen, besser zu haushalten und gehst besonnener damit um.

Vanlife Arbeiten Unterwegs

Thema Autarkie

Gerade wenn du nicht gerne Camping- oder Stellplätze anfährst und du, wie oben erwähnt, lieber alleine irgendwo einsam mitten in der Pampa stehen willst, ist es immer sinnvoll so autark wie möglich zu sein. Eine Solaranlage auf dem Dach des Vans hilft dir deinen Strom zu produzieren, mit einer Kompost-Toilette kannst du dir das Chemie-Klo sparen, und mit einem größeren Wassertank kannst du länger ohne nachzutanken unterwegs sein.

Für „Vollzeit-Nomaden“, die sich ihr Wohnmobil selber ausbauen, käme auch mit Sicherheit ein Holzofen zum Heizen, Kochen und zum Warmwasser produzieren in Frage, auch wenn das in einem mobilen Wohnraum wahrscheinlich genehmigungstechnisch eher schwierig realisierbar ist, zumindest hier in Deutschland. Naja, was beim Wohnwagen bezüglich Autarkie geht, sollte doch auch in absehbarer Zeit bei einem Wohnmobil machbar sein. Das hoffen wir ganz fest. Wir warten jedenfalls gespannt auf den Wohnmobil-Ausbauer, der das erste „nachhaltige Womo“ auf den Markt bringt.

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Wir sind Sig und Sven und schreiben seit 2009 auf unserem Blog wohn-blogger.de über nachhaltige und alternative Wohnkonzepte gemixt mit DIY- und Upcycling-Ideen. Tiny Houses, umgebaute Schiffscontainer und Earthships haben...

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