Im Einklang mit der Natur: Ökourlaub in Österreich

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Das Salzburg­er Lun­gau ist nicht nur Öster­re­ichs größter Biosphären­park, son­dern auch Mod­ell­re­gion für nach­haltige Entwick­lung. Was ist an den Men­schen und der Natur hier so beson­ders? Ich habe die Gegend erkun­det – und Tipps und Rezepte mitgebracht.

Reisefeder Salzburger Lungau
Blog­gerin Iris von Reisefeder

Allgemeine Infos

Wir befind­en uns hier auf 1500 Metern Meereshöhe im Natur­park Ried­ing­tal, Teil des „UNESCO Biosphären­parks Salzburg­er Lun­gau“. Ein Hoch­plateau, dessen Bewohn­er nur durch den Tauern­tun­nel mit der Außen­welt ver­bun­den sind. Lange Zeit galt das Lun­gau wegen sein­er Abgeschieden­heit als rück­ständig. Heute ist es genau umgekehrt, die Lun­gauer sind Vor­re­it­er und Mod­ell­re­gion für nach­haltige Entwick­lung. Tra­di­tio­nen leben und bewahren und im Ein­klang mit der Natur neue Wege gehen. Das klappt hier ziem­lich gut. Sabine Bliem ist dafür ein gutes Beispiel: Sie ist dreifache Mut­ter, Oma, Bäuerin – und Acht­samkeit­slehrerin. Und heute ist sie unsere Wan­der­führerin. Ihre Jacke leuchtet mit der Farbe des Schlier­ersees um die Wette, der in allen Türkis-Tönen schim­mert. Der See dient der sauberen Wasserkraftgewinnung.

Wanderung Salzburger Lungau
Sabine Bliem

Meditieren und Wandern

Während wir ent­lang des Ried­ing­bachs von Alm zu Alm wan­dern, ani­miert Sabine meine Kinder immer wieder dazu, sich auszuprobieren.

Urlaub Naturpark Salzburger Lungau

Steine über das Wass­er der Gletsch­erseen tanzen lassen. Fin­d­linge erk­lim­men. Oder Ameisen­haufen anspuck­en. Wie bitte? „Ihr müsst nach dem Anspuck­en eure Hand ganz dicht über die Ameisen hal­ten und anschließend daran riechen“, erk­lärt Sabine. Und tat­säch­lich! Es zieht ein beißen­der Geruch in die Nase. Ameisen­säure. Die Tiere haben sie zur Vertei­di­gung gegen die Spucke ver­sprüht. „Das ist gut für die Atemwege“, sagt Sabine und holt tief Luft. Wir gehen am Hin­teren Ried­ing­bach ent­lang, set­zen uns auf zwei Fin­d­linge. Sabine führt uns, begleit­et vom Rauschen des Bach­es durch eine Meditation.

Natururlaub Oesterreich Salzburger Lungau

Tiefe­nentspan­nt und mit offen­em Blick geht es weit­er das Tal hin­auf. Wir über­queren Holzbrück­en, hohl tönen die Wan­der­schuhe auf den Ste­gen, die durch die sump­fige Bach­land­schaft führen. An diesem Tal­ab­schnitt liegt ein Hochmoor und Woll­gras wiegt sich san­ft im Wind. Unser Ziel ist die Zauneralm, wo eine weit­ere naturver­bun­dene Bäuerin Tra­di­tion, Natur und Mod­erne miteinan­der vere­int: Hei­di Kremser.

Die Kräuterfee

Hei­di arbeit­et nicht nur als Alm­bäuerin und Wirtin auf der Zauner­hütte. Im ganzen Tal und über dessen Gren­zen hin­aus ist sie für ihr Kräuter­wis­sen bekan­nt. Ange­fan­gen hat das mit ein­er Kuh, die sich auf der Alm an einem Stachel­draht eine tiefe Wunde zuge­zo­gen hat­te. „Kein Tier­arzt weit und bre­it und hier oben hast Du auch keinen Handyemp­fang“, erzählt Heidi.

Krauterkunde Kraeuterfee
Hei­di Kremser die Kräuterfee

Da erin­nerte sie sich an eine Kräuter­wan­derung mit einem alten Mann, der von den guten Eigen­schaften des Wund­klees schwärmte. „Damit habe ich dann in der Verzwei­flung meine erste Salbe angerührt – und siehe da: die Wunde der Kuh heilte schnell ab.“ Von nun an kam die Salbe immer häu­figer zum Ein­satz, zuerst bei den Tieren, dann in ihrer Fam­i­lie. Bald fragten Nach­barn und Bekan­nte danach. Hei­di exper­i­men­tierte mit immer mehr Heilkräutern und Gutem aus der Natur, von Meis­ter­wurz bis Lärchen­pech. Sprach mit betagten Tal­be­wohn­ern, um möglichst viel altes Kräuter­wis­sen zu ret­ten. Gle­ichzeit­ig vari­iert sie die alten Rezepte, wo es ihr nötig erscheint. „Früher fer­tigten die Leute solche Heil­sal­ben mit Schweine­fett, aber das wird schnell ranzig“, erk­lärt Hei­di. „Ich arbeite heute mit Mandel- und Olivenöl und füge für die fes­tere Kon­sis­tenz Bienenwachs hinzu.“

Naturkosmetik selber machen: Rezept für Kräutersalben

Kraeuter Zum Heilen

Das brauchst du:

  • 100 ml Mandel- oder Olivenöl
  • 6 g Bienenwachs
  • Kräuter

Und so geht’s:

  1. Wer frische Kräuter benutzt, sollte diese zuerst mörsern. Trock­enkräuter lassen sich direkt verwenden.
  2. Das Öl gemein­sam mit den Kräutern erhitzen – aber nicht zu heiß, damit die Inhaltsstoffe nicht zer­stört werden.
  3. Den Ansatz über Nacht ziehen lassen.
  4. Nach 24 Stunden den Ansatz wieder leicht erwär­men, die Mis­chung durch einen Tee- oder Kaf­feefilter geben.
  5. Das Bienenwachs im Wasser­bad schmelzen und zum Kräuter­ansatz dazugeben, umrühren und anschließend in einen Sal­ben­tiegel füllen.

Hei­di Kremser vari­iert je nach Heilkraut und Ansatz ihre Rezepte. „Grund­sät­zlich nutze ich für kos­metis­che Sal­ben Man­delöl“, erk­lärt Hei­di. „Für Heil­sal­ben, die tiefer ein­drin­gen sollen, ist Olivenöl die bessere Wahl.“ Mit einem Tiegel Wundklee-Salbe im Wan­der­ruck­sack mache ich mich später wieder auf den Rückweg. 

Die bloggende und backende Biobäuerin

Am Abend tre­ffe ich mich dann mit ein­er weit­eren ungewöhn­lichen Bewohner­in des Biosphären­parks: Christi­na. Während Hei­di auf ihrer Alm nicht ein­mal Handyemp­fang hat, ist diese Biobäuerin voll im Medien­zeital­ter angekom­men. Sie ist erfol­gre­iche Blog­gerin, Buchau­torin und bringt sog­ar eine eigene Zeitschrift her­aus. Ange­fan­gen hat alles damit, dass Christi­na Bauer den Feriengästen auf ihrem Hof etwas Beson­deres bieten wollte: frisch geback­enes Brot und süßes Gebäck zum Früh­stück. Und weil sie neben­bei zwei Kinder, 30 Schafe und 40 Rinder ver­sorgte, fehlte ihr die Zeit für aufwändi­ge Teige. Bald sprachen sich im Salzburg­er Lun­gau ihre ein­fachen, aber leck­eren Back-Kreationen herum.

Christina
Blog­gerin und Buchau­torin Christi­na Bauer

So ist das eben, in einem Gebi­et mit nur 15 Ortschaften. Man ken­nt sich. Christi­na fängt an, Back­kurse zu geben, veröf­fentlicht später dann auch die Rezepte auf Face­book. Und plöt­zlich kommt eine Law­ine ins Rollen, die Beiträge wer­den öster­re­ich­weit geteilt. Christi­na stellt einen Blog ins Netz. Heute sind ihre Kurse immer aus­ge­bucht, es ist eine „Backen-mit-Christina“-Bewegung ent­standen. Als ich mit ihr am Küchen­tisch sitze, hat sie ger­ade eine Video-Session für ihr neuestes Rezept hin­ter sich. Längst macht sie nicht mehr alles allein. Eine Wer­beagen­tur betreut ihre Web­seite und macht pro­fes­sionelle Fotos für die Zeitschrift und Videos für ihren Inter­ne­tauftritt. Eine Agen­tur aus dem Salzburg­er Lun­gau, natür­lich. Das Mehl für ihre Back­waren stammt aus ein­er Müh­le in der Nach­barschaft, das Getrei­de dazu wächst im Lun­gau. Nun beginne ich zu ver­ste­hen, was diese Region so einzi­gar­tig macht:

„Natür­lich, ein­fach, kurze Wege. So geht nachhaltig.” 

Rezept für Kräuterbrot

Rezept Christinas Kraeuterbrot

Das brauchst Du (für zwei Brote):

  • 500 g Weizen­mehl 700
  • 150 g lauwarme Milch
  • 150 g lauwarmes Wasser
  • 10 g Salz
  • 20 g zim­mer­warme Butter
  • 10 g Hefe

Für die Füllung:

  • 50 g weiche Butter
  • Kräuter nach Wahl

Und so geht’s:

  1. Zuerst den Hefeteig zubere­it­en. Dafür Milch und Wass­er in eine Schüs­sel geben, Mehl, But­ter, Hefe und Salz dazugeben und unge­fähr 10 Minuten gut durchkneten, anschließend cir­ca 20 Minuten zugedeckt ruhen lassen.
  2. Den Teig jet­zt in zwei Teile teilen und jedes Teil zu ein­er Kugel formen.
  3. Die Kugeln kurz ruhen lassen und anschließend rechteck­ig ausrollen.
  4. Die But­ter und die Kräuter auf dem Teig verteilen und im Anschluss zu ein­er Rolle aufrollen.
  5. Die Rolle in der Mitte hal­bieren und die bei­den ent­stande­nen Teile miteinan­der ver­drehen. Mit der zweit­en Teigkugel genau­so verfahren.
  6. Anschließend gut mit Wass­er besprühen und nochmal 10 Minuten gehen lassen.
  7. Den Back­ofen auf 210 Grad Heißluft vorheizen und die Brote darin cir­ca 20 Minuten mit viel Dampf back­en bzw. ein Gefäß mit Wass­er in den Ofen stellen.

In your Face: Was uns die Industrie alles in Gesicht und Nahrung mixt

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Unser Lifestyle hat sich schwer verändert in den letzten Jahrhunderten. Genauer gesagt, seitdem die Industrie mitmischt. Unsere Nahrung und unsere Kosmetik wird verarbeitet bis zum Exzess. Aber nicht mit dem Ziel, uns das Leben besser, gesünder und angenehmer zu machen - auch, wenn die Industrie das gerne werbewirksam behauptet. Sondern das Ziel lautet: möglichst viel Gewinn mit möglichst viel Masse zu machen. Auf Kosten unserer Gesundheit.

„Statt Obst und Gemüse kommen Vitamin-C-reiche Müslis auf den Frühstückstisch und Wellness-Gummibärchen mit Extra Vitaminen auf den Couchtisch.”
Muesli
Die Zusatz- und Inhaltsstoffe der Industrie: Um welche Stoffe handelt es sich? Wie…

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet das Redaktionsteam Reisefeder unter anderem für Magazine wie Brigitte, Onlineportale wie Spiegel Online oder Reisebücher wie Merian. Seit ihrer Kindheit auf dem Bauernhof fühlt...

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