Für Helden: Messe für nachhaltigen Konsum in Hamburg

| von 

Am 21. und 22. Februar fand in Hamburg Altona der Heldenmarkt statt – die Messe für nachhaltigen Konsum. Die Wort-Kombination aus „nachhaltig“ und „Konsum“ stach mir sofort ins Auge. Interessant! Ab ins Cruise Center Altona und bei richtigem Hamburger Schietwetter rein ins Messegedränge. Als wir dort ankamen, hatte sich vor dem Eingang schon eine Schlange gebildet. Das Publikum: bunt gemischt. Man sah Rastazöpfe, Hipster-Frisuren, Kindergesichter und auch viele grauhaarige Köpfe. Sehr sympathisch!

Heldenmarkt_Gedränge

Dichtes Gedränge herrschte auf dem Heldenmarkt.

An über 50 Ständen aus den unterschiedlichsten Bereichen durfte alles gekostet, aus- oder anprobiert und gefragt werden. Was man also vor allem mitbringen sollte, war Zeit. Neben Ausstellern aus den Bereichen Food und Fashion fanden sich unter anderem auch „grüne“ Versicherungen und Banken in der Messehalle. Da mein Magen allerdings knurrte, blieb ich als Erstes an einem Stand hängen, an dem man Bio-Olivenöl und Meersalz probieren konnte.

Olivenöl

Bio-Olivenöl von Facetas de Daniel Martins.

„Aber was genau ist daran denn jetzt bio?“ wollte ich wissen. Thorsten Ulbrich, der das Olivenöl namens Facetas de Daniel Martins auf dem Heldenmarkt vorgestellt hat, hat es mir erklärt. Der respektvolle Umgang mit der Natur und seinen Kunden hat für Daniel Martins, dem Olivier der jungen Öl-Manufaktur, höchste Priorität. Also benutzt er bei der Herstellung des Olivenöls keine Herbizide oder chemischen Düngemittel, sondern setzt auf biologische Anbauweisen. Zum Beispiel wird die berüchtigte Olivenfliege auf natürlich Weise bekämpft. Insektenfressende Vögel, denen auf dem Olivenhain geschützte Brutplätze eingerichtet werden, helfen dabei.

Ein paar Stände weiter, konnte man seinen Durst stillen. Dort hatten Saskia Ludwig und Frank Doose von Hand zu Hand eine ordentliche Palette mit Bio-Apfel- & Rhabarberschorle zum Verkosten dabei.

Heldenmarkt_Handzuhand_Porträt

Leidenschaft für ihr Herzensprojekt: Frank Doose und Saskia Ludwig von Hand zu Hand.

Sofort Feuer und Flamme war ich nicht. Schließlich gibt es mittlerweile viele Bio-Schorlen. Nichtsdestotrotz habe ich probiert und nachdem mich der Geschmack sofort überzeugt hatte, bin ich mit Saskia und Frank ins Gespräch gekommen. Regionalität und Qualität spielen für die zwei eine ganz große Rolle. Die Äpfel kommen aus dem Alten Land und sind handverlesenes Bio-Obst von heimischen Bauern. Der Flascheninhalt ist somit nicht nur superlecker, sondern auch 100 Prozent veganer Direktsaft.

Heldenmarkt_HandzuHand_Flaschen

Was mich darüber hinaus aber die Ohren spitzen ließ, waren die Projekte, von denen Saskia mir erzählte. Und nun verstand ich auch den Namen „Hand zu Hand“. Von jedem Liter verkaufter Schorle gehen zehn Cent an soziale Projekte, direkt vor unserer Haustür. Denn, was viele nicht wissen: Allein fast 300.000 Kinder in Norddeutschland sind von Armut bedroht, was oft mit Mangelernährung einher geht. Nicht für jedes Kind ist es selbstverständlich, ein ordentlich belegtes Brot und einen Apfel von seinen Eltern mit in die Schule zu bekommen oder zu Hause eine ausgewogene Ernährung zu genießen.

Genau solchen Kindern wollen Frank und Saskia helfen. Sie unterstützen Ernährungsprojekte, z. B. eine wöchentliche kostenlose Versorgung von Schulkindern mit Bio-Obst aus dem Alten Land. In der Entdeckerwerkstatt können Kinder Ausflüge in die Umgebung machen, etwa Segeln auf der Elbe oder eben einen Apfelhof im Alten Land besuchen und ganz nebenbei wieder den Zugang zur Natur und der eigenen Umgebung finden. Richtig sympathisch fand ich die beiden und deswegen gibt es einen senkrechten Daumen nach oben für dieses Rundum-Herzensprojekt. Wenn ihr wissen wollt, wo ihr die Hand-zu-Hand-Produkte findet, könnt ihr einfach eure Postleitzahl auf der Homepage eingeben und schon werden die nächstgelegenen Geschäfte angezeigt.

Heldenmarkt_Unterwäsche_Collage

Revolutioniert die Unterwäschewelt: Janos Kalmann von kleiderhelden.

Über das, was man drunter trägt, konnte man mit Janos Kalmann ganz unverfänglich plaudern. Allein der Markenname berechtigte dazu, auf dem Heldenmarkt auszustellen: kleiderhelden. Eco-Fashion ist mittlerweile fast jedem ein Begriff und wird gern assoziiert mit coolen Shirts, die man auch gut zur Schau stellen kann. Janos Kalmann und Gerrit Pfurr haben sich vor einer Weile gefragt, wie es unten drunter aussehen soll. Also, wenn man schon ein nachhaltig und fair produziertes T-Shirt trägt, warum dann nicht bei der Unterwäsche weitermachen?

Heldenmarkt_Sliptease

Die Modelle für Männer und mittlerweile auch Frauen gibt es in drei unterschiedlichen Farben: schwarz, weiß und heldengrün. Aus kontrolliert biologisch angebauter und fair gehandelter Bio-Baumwolle bestehend, kann außerdem jedes Wäscheteil über alle Produktionsstufen hinweg zurückverfolgt werden. Das liegt daran, dass die kleiderhelden mit einem renommierten deutschen Hersteller zusammenarbeiten, der bereits seit 2009 Fairtrade-zertifiziert ist. Absolut bequem soll sie sein, die Heldenunterwäsche. Gut, ausprobiert habe ich das vor Ort nun nicht, aber wer sich davon überzeugen will, findet alle Produkte im kleiderhelden Online-Shop.

Diese drei Aussteller waren nur ein Bruchteil dessen, was man sich auf dem Heldenmarkt anschauen konnte. Erwähnenswert sind sicherlich noch einige weitere. Zum Beispiel Susanne Jordan, die Deutschlands erste faire Computermaus hergestellt hat und sich für gerechte Arbeitsbedingungen in den Fabriken der Computerindustrie einsetzt. Oder TerraCycle. TerraCycle sorgen dafür, dass weniger Abfall in der Müllverbrennung landet und stattdessen recycelt wird. Durch spezielle Sammelprogramme können sogar Schreibutensilien, Zigarettenstummel oder Zahnpflegeprodukte recycelt werden.

Heldenmarkt_Plakat

Für jeden etwas dabei: Neben zahlreichen Ausstellern gab es viele unterschiedliche Programmpunkte.

Neben den Messeständen, die die Besucher mit Informationen und nachhaltigen Produkten versorgten, forderten interaktive Stationen die Besucher dazu auf, selbst tätig zu werden und zu lernen, was jeder Einzelne zu einem verantwortungsbewussteren Lebensstil beitragen kann. Dazu gehört auch, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu berechnen. Hier gab es einen Stand mit vier Stationen, die jeweils einen Lebensbereich darstellten: Konsum, Ernährung, Mobilität und Wohnen. Dort konnte man prüfen, wie groß der eigene ökologische Fußabdruck ist; also wie viele natürliche Ressourcen man mit seinem Lebensstil verbraucht. Die Mitarbeiter der Fußabdruck-Station gaben Tipps, wie und an welchen Stellen man sich noch verbessern konnte.

Einziger Wermutstropfen der Messe: Einige Aussteller boten ihre Probierware aus Plastikbechern oder von Plastiklöffeln an. Liebe Helden, das geht bestimmt noch besser! Wer sich jetzt trotzdem darüber ärgert, den Heldenmarkt in Hamburg verpasst zu haben: Das war bloß der Anfang! In diesem Jahr werden noch Heldenmärkte in Berlin, Frankfurt, München, Ruhr und Stuttgart stattfinden. Die Termine findet ihr auf der Heldenmarkt Homepage.

Fotos: © Jan Frederick Unnewehr

Weiterlesen:

Hallöchen, ich bin Christina. Ich wollte schon von klein auf die Welt retten. Und zwar die ganze. Zugegeben, das grenzt an Größenwahnsinn. Als ich älter wurde, beschloss ich, erstmal bei...

Zum Autor

Keine Kommentare vorhanden

Kommentar schreiben: Werde aktiv und rede mit!