Stoffe natürlich färben mit Zwiebeln, Avocados & Co.

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Vergilbte weiße T-Shirts, abge­tra­gene Jeans, alte Kissen – wie kann man seinen Liebling­s­tex­tilien neues Leben ein­hauchen? Am besten mit ein­er umwelt­fre­undlichen Färbe-Session! Wir zeigen, wie natür­lich fär­ben mit nach­halti­gen Mate­ri­alien funktioniert.

Faerbemittel selber machen

Ein­fach aus­ge­blich­ene Tex­tilien in der Waschmas­chine fär­ben oder Far­ben auf­frischen – das haben wir sich­er alle schon mal gemacht. Aber lei­der sind indus­trielle Färbe­mit­tel oft mit Chemikalien belastet. Es gibt aber eine nach­haltige und ökol­o­gis­che Alter­na­tive: natür­lich fär­ben mit Pflanzen und Lebens­mit­tel­resten. Wie das funk­tion­iert, welche Ergeb­nisse du damit erzie­len kannst und vieles mehr erfährst du hier.

Warum industrielles Färben schädlich ist

Die Nachteile industrieller Faerbemittel

Ein echt­es Come­back feiert das Batiken. Der far­ben­fro­he Trend ist schon seit einiger Zeit pop­ulär. Nun haben sich ihm aber auch die großen Design­er angenom­men, die in ihren neuesten Kollek­tio­nen gebatik­te Stoffe mod­ern inter­pretieren. Hier­bei wer­den beim Tex­til­fär­ben bes­timmte Teile des Stoffes aus­ges­part, entwed­er durch Wachs, Ver­knoten oder durch Schnüre. Knal­lige Far­ben, aber auch san­fte Töne liegen im Trend. Dazu kom­men auch Shirts, Hosen oder Interior-Textilien wie Kissen, Deck­en, Vorhänge etc. in Erdtö­nen, san­ftem Rosé, Vanille und Hell­blau. All dies sind blasse Töne, die sich per­fekt zum natür­lichen Fär­ben eignen. Neben der natür­lichen Vari­ante gibt es noch die syn­thetis­che Färbe­meth­ode sowie Reak­tiv­farb­stoffe, die sich für das Fär­ben von dun­kleren oder knal­li­gen Far­ben eignen. Aus ökol­o­gis­ch­er Sicht gibt es beim indus­triellen Fär­ben von Stof­fen aber einen großen Haken: 

Industriell gefaerbte Stoffe

Kon­ven­tionelle Fär­bev­er­fahren in der Tex­tilin­dus­trie erzie­len zwar aufre­gend bunte Ergeb­nisse. Sie haben aber auch eine stark neg­a­tive Auswirkung auf die Umwelt sowie auf die Gesund­heit der Fär­ber und Fär­berin­nen, die mit den Chemikalien umge­hen. Einige Farb­stoffe enthal­ten unter anderem kreb­ser­re­gende Sub­stanzen wie Ben­zidin. Laut Bericht­en der Welt­bank gehen Schätzun­gen aus Chi­na davon aus, dass 17-20 Prozent aller indus­triellen Wasserver­schmutzun­gen auf Tex­til­far­ben und -behand­lun­gen zurück­zuführen sind. Dazu wird geschätzt, dass 90 Prozent des lokalen Grund­wassers ver­schmutzt sind und dass 72 schädliche Chemikalien, die in der Wasserver­sorgung gefun­den wur­den, allein aus der Tex­til­fär­berei stam­men. Ein glob­ales Problem.

Reaktivfarbstoffe für nachhaltiges Färben

Oekologische reaktive Farbpigmente

Im Bere­ich der Fair Fash­ion find­et zum Glück ein Umdenken statt. Die meis­ten nach­halti­gen Mode­un­ternehmen ver­wen­den Stoffe, die zum Beispiel mit Reak­tiv­farb­stof­fen gefärbt wur­den. Diese sind auch zum pri­vat­en Gebrauch in der Drogerie erhältlich. Reak­tiv­farb­stoffe gehören zu den syn­thetis­chen Farb­stof­fen und ver­wen­den cir­ca 90 Prozent weniger Chemikalien als die kon­ven­tionellen syn­thetis­chen Fär­bev­er­fahren. Sie sind auch nor­maler­weise frei von Schw­er­met­allen und chemis­chen Beizmit­teln und wer­den als “Low Impact” eingestuft. Das heißt aber nicht, dass sie zu 100 Prozent sich­er sind. Doch schädliche Inhaltsstoffe kom­men in sehr gerin­gen Men­gen vor und belas­ten die Umwelt ver­gle­ich­sweise wenig. Da ihre Farb­bril­lanz sehr gut ist, eignen sie sich zum Beispiel zum Fär­ben von Jeans.

Kleidung natürlich färben: Welche Pflanze ergibt welche Farbe?

Textil natuerlich faerben

Es gibt aber noch eine andere Alter­na­tive: Tex­tilien natür­lich fär­ben und zwar mit Zwiebelschalen, Avo­ca­dos, Kurku­ma, Rote Beete etc. Eine sichere und sehr umweltscho­nende Vari­ante ist es auch, Stoffe mit Pflanzen natür­lich zu fär­ben. Dafür eignen sich beispiel­sweise Ringel­blume, Hol­un­der­beere oder Rosmarin. 

Hier eine Über­sicht der ver­schiede­nen Fär­berpflanzen und der möglichen Farbtöne:

FarbtonPflanze
BlauFär­ber­hülse, Fär­berknö­terich, Indigopflanze, Scham­blume, gewöhn­liche Mahonie
RotBlut­beere, echt­es Labkraut, Fär­berdis­tel, Geranien, gewöhn­lich­er Blutwei­derich, Hei­del­beere, Indis­ch­er Spinat, wilde Malve, Stockrosen
GelbBirken, Gar­de­nie, Betonie, Gol­drute, Mädesüß, Safran, Fär­berdis­tel, Färber-Ginster, Fär­berkamille, gelbe Schaf­garbe, Gelb­wurz, Johan­niskraut, Kurku­ma, Ringelblume
GrünFrauen­man­tel, gewöhn­lich­er Liguster, große Brennnes­sel, Korn­blume, Rosmarin
OrangeFärber-Meier, Hen­nas­trauch, Küchen­zwiebel, Mäd­chenau­gen, Rotes Sandel­holz, Sumpfdotterblume
BraunEchte Wal­nuss, Essig­baum, Faulbaum, Gerber-Akazie, Gink­go, Pfin­gstrose, Schöllkraut
Vio­lettBlauholz, Pur­pur­kraut, Zimt-Himbeere, Schminkwurz, Schwarz­er Holunder
SchwarzEdelka­s­tanie, Eichen, Granatapfel

Die nach­haltig­ste Vari­ante ist, Lebens­mit­tel­reste, die anson­sten weggeschmis­sen wer­den, zum Fär­ben von Stof­fen zu ver­wen­den, beispiel­sweise Zwiebelschalen.

Die fol­gen­den Lebens­mit­tel­reste eignen sich sehr gut zum Färben:

Avo­ca­do: Avo­ca­dos sind ein exo­tis­ches Lebens­mit­tel, das viele aus Nach­haltigkeits­grün­den eher sel­ten ver­speisen. Wenn wir es uns also doch ein­mal gön­nen, soll­ten wir die ganze Frucht aus­nutzen. Anstatt Avo­ca­doschalen und -kerne wegzuw­er­fen, kann man diese ein­fach im Gefrier­schrank auf­be­wahren und dann zum Fär­ben ver­wen­den. Für einen Kopfkissenbezug wer­den Reste von cir­ca vier Avo­ca­dos benötigt. Das Ergeb­nis sind warme Pfir­sichtöne bis hin zu einem blassen Rosaton.

Zwiebelschalen: Zwiebelschalen sind die wahren Fär­ber­meis­ter. Bere­its eine kleine Menge liefert einen farbin­ten­siv­en Sud. Gelbe Zwiebelschalen ergeben eine gelb-orangene Farbe, während rote Zwiebelschalen eher ein blass­es Orange mit rosa Untertö­nen erzielen.

Rote Beete: Ein­fach die Schalen aufheben, um einen sat­ten rötlichen Farb­stoff herzustellen. Die aus Rote Beete hergestellte Farbe in den Stof­fen verblasst oft mit der Zeit, lässt sich aber ein­fach wieder nach­fär­ben und leis­tet aber auch gute Dien­ste bei kurzfristi­gen Anwen­dun­gen wie dem Fär­ben von Ostereiern, Zuck­er­guss oder Teigen. 

Das Fär­ben mit Lebens­mit­tel­resten ist ein­fach, natür­lich, macht Spaß und ist immer für eine Über­raschung gut. Diese Vari­ante erzielt jedes Mal unter­schiedliche Ergeb­nisse, je nach Inten­sität des Farb­suds, Ein­we­ich­dauer und Qual­ität der Lebens­mit­tel bzw. Tex­tilien. Die Far­bge­bung kann auch sehr schnell fleck­ig wer­den, wenn der Stoff die Farbe nicht gle­ich­mäßig aufziehen kann. Wenn dies passiert, kann man die Fär­bung ein­fach wieder­holen oder die Batik-Technik ein­set­zen, die sowieso von Unregelmäßigkeit­en prof­i­tiert. Hier­bei vorm Ein­we­ichen im Farb­sud das Tex­til ver­knoten oder mit Gum­mis oder Schnüren abbinden.

DIY Anleitung: Stoffe natürlich mit Lebensmittelresten färben

Natuerlich faerben mit Zwiebelschalen und Avocados

Auch zuhause kannst du Klei­dung natür­lich fär­ben mit Rote Beete und Co. Wir haben eine ganz ein­fache Anleitung für dich. Alle Men­ge­nangaben beziehen sich auf das Fär­ben von einem T-Shirt oder einem Kopfkissenbezug.

1. Im ersten Schritt geht es an die Stof­fauswahl: Poly­ester lässt sich mit Pflanzen­far­ben nicht fär­ben. Natür­liche Fasern wie Baum­wolle, Leinen, Wolle und Sei­de hinge­gen eignen sich sehr gut. Zunächst sollte man die Stoffe mit Biowaschmit­tel waschen, um alle Fleck­en, Fette oder chemis­chen Rück­stände zu ent­fer­nen. Bevor es dann ans Fär­ben geht, muss der Stoff vor­bere­it­en wer­den, um die Farbe fix­ieren zu kön­nen. Dies wird auch Beizen genan­nt. Die meis­ten Zutat­en zum Beizen der Stoffe sind jedoch nicht unbe­d­ingt sich­er und natür­lich, weshalb hier als Fix­ier­mit­tel Sojamilch ver­wen­det wird. Dafür ein­fach Sojamilch und Wass­er in einem 1:5 Ver­hält­nis ver­mis­chen und das Tex­til damit bedeck­en. Über Nacht ein­we­ichen lassen.

Natuerlich faerben Sud herstellen

2. Am näch­sten Tag wird der Farb­sud hergestellt: Zum Fär­ben wird min­destens eine Tasse übrig gebliebene Obst- und Gemüs­es­tücke benötigt. Alle Lebens­mit­tel­reste soll­ten klein geschnit­ten sein und kön­nen bis zur Ver­wen­dung einge­froren oder getrock­net wer­den. Dann die natür­lichen Färbe­mit­tel mit der vier­fachen Menge an Wass­er min­destens 1-2 Stunden in einem Topf köcheln lassen, um die Farbpig­mente zu extrahieren. Den Sud durch ein Sieb geben und wieder in einen Topf gießen.

Natuerlich faerben Einwirkzeit

3. Den in Sojamilch eingewe­icht­en Stoff vor­sichtig mit kaltem Wass­er ausspülen und danach umge­hend in den Farb­sud geben. Bei sehr schwach­er Hitze den Stoff im Topf min­destens eine Stunde ein­we­ichen lassen. Regelmäßig über­prüfen, ob das Wass­er nur warm und nicht zu heiß wird. Dazu regelmäßig umrühren, wen­den und drehen, damit sich die Farbpig­mente gle­ich­mäßig im gesamten Mate­r­i­al verteilen kön­nen. Der Stoff kann auch über Nacht eingewe­icht wer­den. Hier­bei aber den Topf vom Herd nehmen. Je länger der Stoff im Farb­sud ziehen kann, desto inten­siv­er kann er die Farbpig­mente aufnehmen.

Natuerlich gefaerbte Stoffe

4. Nach dem Ziehen den Stoff vor­sichtig unter kaltem Wass­er ausspülen. Um die Far­ben noch halt­bar­er zu machen, kann man die gefärbten Stoffe für eine Stunde in ein Essig­bad geben. Im Anschluss wieder ausspülen, vor­sichtig auswrin­gen und zum Luft­trock­nen aufhän­gen. Vorm ersten Anziehen noch ein­mal kalt im Fein­wasch­pro­gramm durch­waschen lassen, damit die über­schüs­sige Farbe aus­ge­waschen wird.

Fazit: Natürlich Färben ist nachhaltig, aber nicht langlebig

Faerben mit Pflanzen

Egal, ob man nur verblich­ene Klei­dung auf­frischen oder aus weißen Tex­tilien neue, far­bige Vari­anten machen möchte, bei den ver­schiede­nen Fär­betech­niken muss man die Entschei­dung zwis­chen Funk­tion­al­ität, Prak­tik­a­bil­ität und Umwelt­be­las­tung tre­f­fen. Kon­ven­tionelle Fär­betech­niken soll­ten aus ökol­o­gis­ch­er Sicht kom­plett ver­mieden wer­den. Die Umwelt­be­las­tung sowie Tox­iz­ität für den Men­schen ist ein­fach zu hoch. Reak­tiv­farb­stoffe ver­wen­den sig­nifikant weniger Chemikalien und ihre Auswirkun­gen auf die Umwelt ist fast ver­nach­läs­sig­bar. Die umwelt­fre­undlich­ste Meth­ode sind natür­liche Färbe­mit­tel, da sie nicht tox­isch sind. Auf der anderen Seite benötigt es eine unglaublich riesige Menge an Pflanzen­ma­te­ri­alien, um Pig­mente herzustellen, die stark genug sind, um Stoffe effek­tiv zu fär­ben. Dementsprechend nehmen pflan­zliche Pig­mente große Anbau­flächen in Anspruch sowie Wass­er, Düngemit­tel und mehr.

Deshalb eignen sich für die nach­haltig­ste Vari­ante Lebens­mit­tel­reste, die sowieso weggeschmis­sen oder kom­postiert wor­den wären. Unterm Strich sind natür­liche, unge­färbte und unge­ble­ichte Fasern sehr umwelt­fre­undlich. Die Farb­bril­lanz von natür­lich gefärbten Stof­fen lässt aber lei­der schnell nach. Für dun­kle Stoffe wie Den­im oder schwarze Stoffe eignen sie sich nur in geringem Maße. Wer nach Effek­tiv­ität und Lan­glebigkeit strebt, kön­nte mit Reak­tiv­farb­stof­fen glück­lich­er wer­den. Aber: In jeglich­er Hin­sicht ist das natür­liche Fär­ben von Stof­fen eine sehr kurzweilige Aktiv­ität, die Spaß macht und über­raschende Ergeb­nisse erzielt. Mit Lebens­mit­tel­resten als Far­bge­ber wird es in der heimis­chen Küche beim Tex­til­fär­ben auf jeden Fall nicht lang­weilig! Und du kannst alten Tex­tilien ein mod­ernes Upcy­cling verpassen.

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Ich heiße Mia und bin Bloggerin, PR Beraterin, Psychologin, Sport- und Food-Vernarrte aus Berlin. Ich habe meinen Blog 2010, inspiriert von der New York Fashion Week, in den USA gestartet,...

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