Die „Müttermafia“ oder: Warum Super-Mamas nerven

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Müt­ter kön­nen schlim­mer sein als die Inqui­si­tion. So! Jet­zt ist es raus. Egal was man als Mut­ter tut, es gibt immer von irgen­dein­er anderen Mut­ter einen Kom­men­tar, ein bedeu­tungss­chwan­geres Nick­en, einen beredten Blick oder sog­ar einen Ratschlag und eine unge­fragte Mei­n­ung.

Es geht los in der Schwangerschaft

Mal ehrlich, liebe Mamas da draußen: Will ich hochschwanger wirk­lich hören, wie schw­er eure Geburt war? Oder die Hor­rorgeschichte von dieser einen Fre­undin, bei der alles schief gegan­gen ist? Oder von den stun­den­lan­gen Wehen? Meint ihr nicht, dass ich selb­st am besten weiß, welche Geburtsmeth­ode die richtige für mich ist? Wer zur Hölle hat euch erzählt, dass es okay ist unge­betene Ratschläge in Sachen PDA zu geben? Die sorgt näm­lich für hitzige Diskus­sio­nen. So ein Schmerzmit­tel macht diesen natür­lichen Vor­gang der Geburt – in den Augen bes­timmter Müt­ter – schon wieder ganz unnatür­lich. Ja, ich bin eine „Öko-Mum“, aber trotz­dem finde ich nicht, dass ich deswe­gen eine Geburt ohne PDA über­ste­hen muss. Wer das will, bitteschön. Ich will mich dafür nicht recht­fer­ti­gen müssen.

Und wieso musste ich eigentlich regelmäßig laut und deut­lich „S-T-O-P“ rufen, weil jede zweite Frau meinte mir erzählen zu müssen, welche Prob­leme in der Schwanger­schaft noch auf mich zukom­men kön­nten? Das muss wohl so eine merk­würdi­ge Form der Psy­cholo­gie sein. Frei nach dem Mot­to: Wer das alles über­standen hat, ist härter als Stahl. Eine Geburt ist eine Leis­tung, auf die man stolz sein kann. Ja, da stimme ich zu. Aber vor lauter Erzähldrang zu ignori­eren, dass man wer­den­den Müt­tern ger­ade einen Schock ver­passt, ist echt keine tolle Leis­tung.

„Frauen­sol­i­dar­ität, wo bist du? ”

Der Mütterclub!

Muetter Mafia Supermama

Nach der Schwanger­schaft ist ja dann das Baby da. (Und das ist wirk­lich das Beste der Welt. Das ist keine Übertrei­bung – das ist ein­fach so.) Ich ver­halte mich eher intu­itiv und höre auf meinen Mut­terin­stinkt: Das Baby sagt mir schon was es will und wann es was haben will. Ich plane wed­er Essprozesse noch Schlaf­prozesse. Ich „trainiere“ nicht den Schnuller und ich zwinge das Baby auch nicht in die Trage, wenn es nicht will. Klingt für mich logisch –  kann aber jed­er gerne anders machen. Die meis­ten Müt­ter sehen das allerd­ings anders.

Sobald zwei Müt­ter zusam­menkom­men, wird meis­tens heiß disku­tiert. Denn all das, was ich da ger­ade aufgezählt habe, ist ein Poli­tikum. Für hitzige Debat­ten sor­gen auch: Ob man dem Baby abends im Bettchen die Flasche gibt, welche Baby­trage oder Windeln man ver­wen­det oder wann man anfängt das Baby mit „richtigem“ Essen zu füt­tern. Die Liste ist schi­er unendlich: Ob man impft oder nicht. Ob man einen Schnuller gibt oder nicht. Und so weit­er.

Mamasein

Ein All­t­ags­beispiel: Ich schip­pere friedlich mit dem Kinder­wa­gen durch die Kle­in­stadt, begeg­ne ein­er Bekan­nten, die natür­lich sofort ihr Gesicht in den Kinder­wa­gen hängt. (Das geht jet­zt an alle Men­schen da draußen: Wieso müsst ihr eigentlich immer eure Gesichter so tief in den Kinder­wa­gen hän­gen, sodass eure Nasen fast am Baby kleben?) Die Bekan­nte also betra­chtet mein Baby, find­et es kurz entzück­end und kom­men­tiert dann ganz unge­fragt die Klei­dung des Kindes. Es trägt näm­lich (OMG) nur einen Wick­el­body – son­st nichts. Wir haben zu diesem Zeit­punkt Hochsom­mer und es ist wirk­lich warm draußen. Ich per­sön­lich halte eine Über­hitzung auch nicht ger­ade für gesund­heits­förder­lich, aber ich werde ja auch gar nicht gefragt.  Sie hält mir sofort eine Predigt darü­ber, dass Babys schnell frieren und ich es doch wirk­lich bess­er anziehen müsse. Das Baby lächelt friedlich und zufrieden. Ich werde immer gen­ervter, erk­läre aber noch geduldig die Sommer-Hitze-Thematik. Doch ihr vor­wurfsvoller Ton hört nicht auf. Ihre Mei­n­ung ist klar: Babys zieht man warm an. Grund­sät­zlich. Immer. Ich lerne: Auch die Klei­dung eines Babys kann für eine Grund­satzdiskus­sion sor­gen.

Das Stillen

Die erste Frage, die man von jun­gen Müt­tern gestellt bekommt, wenn man ein Baby hat, ist: Stillst du? Wenn man diese Frage mit Nein beant­wortet, ist man ohne­hin schon unten durch. Man hat als gute Mut­ter jahre­lang zu stillen. Wer nicht stillt, ist raus aus dem Müt­ter­club. So ging es jeden­falls ein­er Fre­undin von mir. Sie kon­nte ein­fach nicht stillen. Die Arme musste daraufhin nicht nur immer wieder erk­lären, warum sie denn nicht stillen kann, son­dern auch immer wieder bedeut­same Blicke und wer­tende Kom­mentare ertra­gen. Ist das zu fassen?

Ich selb­st kann gar nicht rund um die Uhr bei meinem Baby sein, um es zu stillen. Ich habe auch noch ein Pferd, um das ich mich küm­mern muss. Aber ich dachte auch, dass das eigentlich kein großes Prob­lem sein dürfte, schließlich gibt es ja auch noch den Papa, der dann ein Fläschchen geben kann. Es gibt da ja sehr ein­fache Lösun­gen – auch für stil­lende Mamas. Hätte ich aber gewusst, dass auch das ein absolutes No-Go für die Müt­ter­mafia ist, hätte ich es vielle­icht ein­fach nicht erzählt. Ich sorgte für großes Entset­zen. Eine Mut­ter erzählte mir daraufhin aus­ladend, dass sie ein Jahr lang bei ihrem Kind war und auss­chließlich gestillt hat – keine Flasche. Nie! Sie war sehr stolz darauf und ich dachte nur: Mach wie du willst, aber her­zlichen Glück­wun­sch zu einem ganzen Jahr Woh­nung­shaft. Das Stillthe­ma wird übri­gens auch gerne in größeren Run­den aus­führlich erörtert. Ich war ein­mal mit sechs Paaren verabre­det und da fragte mich ein­er der Män­ner, ob ich denn stillen würde. Ich habe geant­wortet, dass ich zwar stille, aber trotz­dem finde, dass meine Brüste Pri­vat­sache seien. Den Hin­weis schien er gar nicht wahrzunehmen und fragte mich stattdessen weit­er aus. Ich war ziem­lich fas­sungs­los. Anscheinend ist es vol­lkom­men okay die Brüste ein­er Frau in größer­er Runde zu disku­tieren, sobald sie Mut­ter gewor­den ist. Ich sehe das anders.

Fuettern Baby Stillen Flaeschchen

Der Schnuller

Auch am Schnuller schei­den sich die Geis­ter: Die einen lieben ihn, die anderen hal­ten ihn für das per­son­ifizierte Böse. Wir haben einen Ökoschnuller aus Naturkautschuk, auf dem unser Baby ziem­lich gerne herumkaut und nuck­elt. Er ist glück­lich – wir sind glück­lich. Andere Mamas sehen aber auch das wieder anders: Der Schnuller würde Kinder zu „Schnullerkindern“ machen, denen man das Nuck­eln müh­sam abgewöh­nen müsse. Ein Schnuller sei unnatür­lich. Das Gebiss bekomme eine Fehlstel­lung. Und und und. Argu­mente gibt es viele. Will ich sie hören? Nein! Inter­essiert das jeman­den? Nein! Wenn es um Kinder geht, wer­den einem immer Ratschläge unge­beten um die Ohren gehauen. Alles rund um Babys wird zu einem Poli­tikum.

„Diese Müttermafia-Mums sind DIE größten Exper­tin­nen auf diesem Erd­ball. Meinen sie zumin­d­est. ”

Deswe­gen kommt hier und jet­zt meine Bitte an alle Müt­ter da draußen:
Hal­tet zusam­men! Lasst andere Konzepte existieren! Übt euch in Gelassen­heit und behal­tet eure unge­bete­nen Mei­n­un­gen bitte ein­fach für euch. Stellt keine zu inti­men Fra­gen und erken­nt an, dass ein ander­er Weg nicht unbe­d­ingt ein falsch­er Weg sein muss. Kurz: Seid ein­fach nett zueinan­der und erin­nert euch daran, dass es dieses hüb­sche Wort „Frauen­sol­i­dar­ität“ gibt und was es eigentlich bedeutet.

Winterwandern auf den Brocken

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Eine Wanderung auf den Brocken steht bei vielen Menschen ganz oben auf ihrem Programm im Harz. Entsprechend voll sind die Wege im Sommer. Wir haben es anders gemacht und sind im Winter bei dichtem Nebel losgegangen ... Den Vortrag von Alastair Humphreys noch im Kopf, dass Microadventures überall auf einen warten, starten wir zu dritt an einem nebligen Wintertag in der Dunkelheit des frühen Morgens. Regen ist angesagt und für den Nachmittag hat der Wetterdienst sogar eine Sturmwarnung herausgegeben. Da wollen wir aber längst zurück sein. Abenteuer ist gut, unnötiges Risiko nicht. Denn die Temperaturen liegen obendrein um den Gefrierpunkt.…

Hi, ihr Lieben! Mein Name ist Petra und ich blogge auf „Hollightly“ über Fashion, Design und grünen Lifestyle. Ich bin bekennendes Modemädchen mit Hang zu schönen Dingen und überzeugt davon,...

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Freitag, 9. Februar 2018, 15:26 Uhr

Tja, das größte Prob­lem an der Sache ist, dass eben jede, die schon mal ein Kind bekom­men hat, meint, nun unum­stößlich zu wis­sen, wie alles funk­tion­iert und dabei von der Unfehlbarkeit ihrer eige­nen Mei­n­ung und Hand­lungsweise überzeugt ist. Das ist wie bei moralisch kon­tro­ver­sen Fra­gen. Ein­fach ignori­eren was andere reden und denen knall­hart über’s Maul fahren, wenn’s nicht anders geht, ein­fach umdrehen und gehen. Du machst das schon alles richtig, solang dein Baby zufrieden aussieht 🙂